Rückblick – Projekt „Bochumer back Kunst“

(Aus: Eine Welt Forum Bochum, Rundbrief 5/2004 )

G. Riedel, J. Artmann, G. Mattel und K. Reckers stellen das Projekt „Bochumer back Kunst“ (BoBaKu) vor. Dabei geht es um den Aufbau einer Vollkornbäckerei in Malis Hauptstadt Bamako und um den Dialog zwischen Menschen aus Nord- und Südländern. Die malische Wirtschaftswissenschaflerin Fatoumata Diop beabsichtigt in Kooperation mit der Hutzel Vollkornbäckerei und dem Naturkostladen Artmann eine Vollkornbäckerei in Bamako aufzubauen und die Bochumer Backkunst nach Mali zu bringen. Von Januar bis März 2005 will Kai Reckers von der Hutzelbäckerei sie dabei in Mali mit Rat und Tat unterstützen. Dafür suchen die engagierten Menschen des Projektes BoBaKu ideelle und materielle Hilfe. Ein Informationsabend findet am 9. 12. 2004 um 19.30 auf dem Industriegebiet Riemke (großes Gebäude rechts, 1. Etage) statt.

 

 

 

Terminübersicht

25.10 2006Von Alassanne weiter keine Nachricht.
Da nun von der Bäckereifachschule die von Fafa, Kaou und Alassanne zwar zugesagte, aber verweigerte Promotion für das deutsche Brot gemacht wird, bleibt zu erwarten, dass Familie Diop früher oder später auf den Zug aufspringen wird – da sie den Kontakt abgebrochen hat, solange sie nicht etwas braucht, kann hier nichts Genaueres gesagt werden.
Christof probiert im Restaurant der Bäckereifachhochschule das von Bakary Doucouré produzierte Brot:
es sind bereits zwei Sorten, eine mit Körnern, die beide trefflich munden, nun den Kunden zum Probieren angeboten werden und sobald wie möglich ins Sortiment kommen sollen.
Ausserdem entlässt die Bäckereifachhochschule pro Jahr ca. 35 Schüler, die in Zukunft auch das deutsche Brot gelernt haben werden, und es auf diese Weise im ganzen Land verbreitet werden wird.
Damit ist die Bobaku-Website geschlossen.
24.10 2006Christof schickt den Sauerteig für Alassanne in dessen Büro und hinterlässt eine Nachricht, da Alassanne nicht da ist.
Nach dem Anruf bei Kai, will er das Ergebnis Bakary mitteilen, der aber gar nichts hören will:
noch am selben Abend hatte er den Sauerteig angesetzt, am Morgen darauf bereits das erste Brot gebacken.
23.10 2006Christof zeigt Bakary den Film und gibt ihm Sauerteig. Bakary hat noch eine letzte Frage; es wird verabredet, dass sobald Christof die Antwort von Kai bekommen hat, Bakary loslegt.
18.10 2006Christof dreht mit Kai einen Film über die Herstellung von Sauerteig in der Hutzelbäckerei, um ihn Bakary Doucouré von der Bäckereifachhochschule zeigen zu können, da dieser frühestens im Januar Bochum besuchen kann.
15.10 2006Kaou spricht Kai und Renate aufs Band, er brauche dringend Sauerteig, Christof möge ihn mitbringen.
20.09 2006Nachdem das zum soundsovielten Male „morgen“ angekündigte Brot nicht kam, schickt Christof insgesamt 3 SMS mit der Frage, was los ist, warum er nie antwortet oder kommt, und wie Kaou das Brot ohne Sauerteig backen will.
Antwort Alassanne: „Sauerteig, was ist das? Wir haben alle Zutaten, die wir brauchen. Ich komme, wenn das erste von Kaou produzierte Brot da ist. Bis dahin kann ich niemanden brauchen, OK???????“
16.09 2006Kein Brot, kein Anruf von Alassanne, keine Antwort auf Anrufbeantworter und SMS.
Wir müssen davon ausgehen, dass die Maschinen verloren sind und sollten Kaou sie in Gang setzen, Weissbrot gebacken wird.
Bemerkung von Christof aus Bamako:
Man sollte daraus nicht den Schluss ziehen; dass “die Afrikaner” eben immer lügen und betrügen. Es ist auch nicht die Not, die die Leute dazu bringt; der Familie Diop geht es besser als 90 Prozent der Bevölkerung. Charaktere, die andere ausnützen und womöglich noch mit intellektueller Rafinesse hinters Licht führen habe ich in Deutschland genauso getroffen und erlebt.
14.09 2006Christof spricht mit dem Chef der grossen Bäckerei, ob er bereit wäre, die Maschinen zu übernehmen und den Vertrag zu machen, den Alassanne seit März verweigert. Er hat gerade einen neuen Ofen gekauft und ist nicht allzu interessiert, würde das Material aber nehmen, wenn sein Techniker es geprüft hat, und garantieren, Kais Creation zu backen.
Nachdem Christof das Alassane auf den Anrufbeantworter gesprochen hat, meldet sich Alassanne, der wochenlang nicht reagiert hat, umgehend. Die Frage, warum er Fafas Weggang nicht mitgeteilt hat – und dass sie das Brot backt, war Bedingung der Vereibarung mit ihm, dafür wurde sie drei Monate nach Deutschland geholt, dafür war Kai drei Monate in Bamako – beantwortet er nicht, ist aber nicht bereit, die Maschinen herzugeben: alles sei aufgebaut, morgen gebe es das erste Brot.
Die Frage, was für ein Brot, beantwortet er nicht.
Anruf bei Kai, ob Kaou das von ihm entwickelte Brot backen kann: wenn er einen Bäcker finde, der das Rezept verstehe, aber ohne Sauerteig sowieso nicht. Er rät, die Sache auf sich beruhen zu lassen, da wir bereits festgestellt haben, dass wir an die falschen Leute geraten sind, es habe keinen Sinn, das Fass wieder aufzumachen.
08.09 2006Christof spricht mit dem Bäckermeister der grössten Bäckerei in Bamako, die auch eine Bäckereischule ist. Er ist bereit, nach Deutschland zu fliegen und bei Hutzel das deutsche Brot bzw Kais Creation zu lernen. Kai stimmt begeistert zu.
Von Familie Diop keine Nachricht, unklar wo die Maschinen sind.
05.09 2006Fafa ist nach Paris abgereist. Sie wird dort mindestens sechs Monate bleiben und versucht für immer dort zu bleiben. Von der Familie Diop keine Ankündigung, keine Erklärung, Alassanne antwortet nicht.
01.08 2006SMS von Alassanne: »Bin jetzt Präsident der Jugendorganisation meiner Partei, kam heute abend im Fernsehen. Wir haben jetzt Strom und Wasser installiert, in drei Wochen geht die Bäckerei los.«
08.07 2006Glückwunsch Alassannes an Christof zum 3. Platz der Fussball-Weltmeisterschaft. Er sei in Sikasso und komme morgen, »Vielen Dank für alles«.
27.06 2006Treffen von Johannes, Kai und Christof, ohne Nachricht von Alassanne:Protokoll (Auszüge):Johannes:
Morgens um 7 sind wir hier (Wittener Strasse 60) angekommen, oder um 6, haben Kaou hier rausgeworfen, und Kai ist hier ausgestiegen. Und dann bin ich hier vorne zur Araltankstelle und hab mir n Bier geholt, ja klar, ne Flasche Bier, und dann bin ich nach Hause gefahren – 24 Stunden warst du unterwegs, und hast nen Ofen abgebaut! – da hab ich mir hier n Bier geholt, bin nach Hause, hab mich an den Tisch gesetzt, noch n Brot gemacht, und dann kam Ira runter, ne, völlig verpennt, am Morgen, die steht immer früh auf, hat sich dann zu mir gesetzt und hat sich von mir 15 – nee, 20 Minuten hab ich erzählt, wien Wasserfall, die ganzen Erlebnisse, die wir da gehabt hatten, und sie hat dann nen Tee getrunken, ich mein Bier, und dann bin ich ins Bett.
Christof:
Wir haben 7 Stunden 30 Minuten Zeit auf der Diskette.
Kai:
Das schaffen wir.
Johannes:
Ich würds gerne schneller schaffen.
Kai:
Wieso sind wir eigentlich so frustriert?
Christof:
Weil wir einen Haufen Zeugs gemacht haben, und es jedenfalls im Moment so aussieht, dass nichts draus geworden ist.
Johannes:
Da sind wir wieder an dem Punkt, dass wir das Vollkornbrot nach Afrika gebracht haben, ohne dass wir darum gebeten wurden.
Kai:
Am Anfang stand da eine ganz kleine Idee- da ist ein riesen Ding draus geworden – wo steht das jetzt? Es steht doch gar nicht mehr.
Christof:
Dann sag ich mal, ab welchem Moment für mich das Projekt zu Ende war; dazu gehört, was wir eigentlich wollten, und das war über der Bäckerei der Dialog
(zustimmendes Grunzen von Johannes) – und eine Arbeit zu machen, bei der man gleichberechtigt zusammen arbeitet. Das war wichtiger als die Bäckerei selber.
Aber als Kai dann, unter unser aller Zustimmung, drohte, den Ofen abzubauen, wenn Fafa weiter Weissbrot backte, wurde für mich dieser Aspekt, den ich eben definiert habe, elementar gebrochen. Das war Anwendung von Gewalt, wir sind stärker, wir können bestimmen. Und genau so wollten wir das nicht.
Kai:
Aber wo ist das Problem ? Wollten oder konnten uns die Leute nicht sagen, dass sie innerlich gekündigt haben? Also sie wollten einfach das Projekt nicht mehr.
Christof:
Ich weiss nicht, ob mans so sagen kann – oder sie wollten es nur, wenn es ihnen auf dem silbernen Tablett serviert wird. Als Kaou mich anrief, um zu sagen, dass er ein neues Ladenlokal gefunden habe, erwartete er, dass ich alles liegen und stehen lasse, hinkomme, frage, wieviel es kostet und den Scheck ausfülle. Ich denke, er hat das erwartet und Alassanne wahrscheinlich auch.
Johannes:
Aber genau das war doch klargestellt, als Kaou noch hier war ! Also der Weg sein sollte : Botschaft, Geld beantragen –
Kai:
- das hat Kaou von allen Seiten gehört –
Johannes:
- wir haben ja nicht gesagt, wir machen nichts mehr, wir haben Wege aufgezeigt, ja und das, ja das haben sie überhaupt nicht in Anspruch genommen. Also sie wollten es nicht.
Du hast eben gefragt, fällt mir dabei ein, wo stehen wir, wie ist das für mich :
ja, die Bäckerei ist gescheitert, das ist für mich so, im Moment fühle ich mich, auch in der Runde hier, an der Stelle, was haben wir draus gelernt, was haben wir für Erfahrungen gemacht –
Christof:
Ist das für Dich jetzt schon so durch, dass Du nur noch wissen willst, was Du daraus gelernt hast ?
Johannes:
Für mich ist, das gebe ich inzwischen auch schon Kunden weiter, die ich näher kenne, für mich ist dieses Projekt gescheitert ; wir wollen nochmal inhaltlich was ins Netz stellen – das sind ja alles Leute, die auch mal nen Fuffi geschickt haben –, um da einen Abschluss zu finden, aber ich sage ganz klar, dass das Projekt gescheitert ist, und ich im Moment nur sagen kann : es ist ne Menge passiert mit dem Projekt, ich hab ne Menge gelernt, und zwar ne ganze Menge, auch ganz persönlich, was nicht nur mit Afrika zu tun hat, sondern es war wichtig für mich, in der Auseinandersetzung zu sein, und auch : das zu probieren ! Hilfe zur Selbsthilfe und darüber Kontakt nach Afrika zu kriegen, und so dicht – auch durch Dich und durch Dich, Kai.
Kai:
Auch, mal Alternativen zu zeigen, Alternativen, wie man so ein Projekt anfängt, aber wir haben das ja in einer ziemlichen Dimension gedacht, man hätte das ja auch anders machen können.
Christof:
Das ist ein anderer Punkt, auf den ich neulich gekommen bin : neulich sah ich in einer Kneipe einen Steinofen stehen, unter dem dicke Hölzer brannten, die hatten zwei Etagen, zwei Klappen, die hatten auch diese Schiebedinger wie ihr, und plötzlich dachte ich, wieso –
Kai :
- nicht so ! ?
Christof:
- wieso ist Kai nicht gekommen, und wir haben uns eine Bäckerei gesucht, wo Kai einfach mal rumexperimentiert, ob man unter solchen Bedingungen, mit solch einem Ofen, Brot backen kann. Und wen ja, sucht man weiter, aber nein, wir mussten einen Ofen besorgen, den verschicken -
Johannes:
- mh mh -
Christof:
- als ich neulich mit dem Zug in Stuttgart einfuhr, sah ich plötzlich »Werner + Pfleiderer« riesengross auf eimner Fabrik stehen ; ich hatte das früher natürlich schon gesehen –
Kai:
Aber jetzt weißt Du, was hinter diesen Mauern passiert !
Christof:
Es sind Maschinen wie Heidelberg Druckmaschinen
Kai:
Es sind einfach die besten Backöfen !
Christof:
Wir wollten einfach nur das beste.
Johannes:
Ja, wir sind auf ner falschen Ebene angefangen, auch menschlich wahrscheinlich. Wir haben Fafa ausgesucht, nicht den Sohn von Mme Diallo oder einen, der Bäcker werden will, eben eine, ders nötig hat, der was aufgreift. Wir haben gedacht, naja, vielleicht ist Fafa die richtige –
Kai:
Aber da ist man doch schon wieder mit ner gewissen Betriebsgrösse rangegangen, fafa, Marketing –
Christof:
Also für mich war die intellektuelle Familie entscheidend, das war natürlich auch eine soziale Klasse, für die wir uns entschieden haben – mit Oumou wäre das so nicht gegangen.
Johannes:
Das glaube ich.
Christof:
Aber ich weiss nicht, ob das falsch war, wir haben es so probiert, aber dann sucht man, wenn es Probleme gibt, gleichen Unterschied zwischen den Kulturen und nicht so einfache Sachen wie das komplizierte Verhältnis von Fafa und mir.
Johannes:
Da bin ich mir inzwischen ganz sicher. Ich hab das am Anfang auch gedacht, aber ich konnts nicht einordnen.
Christof:
Kann man denn sagen : das Projekt ist gescheitert ? Oder kann man nicht auch sagen: wenn wir einen Dialog wollten, haben wir diesen Dialog bekommen! Und zwar nicht zu dünn! Wir haben volle Kanone diesen Dialog bekommen, und dass das Ergebnis nicht so war wie wirs gerne gehabt hätten, steht dann fast schon auf einem anderen Blatt. Und wir haben zwischendrin oft gesagt – Du vor allem, Johannes – : das, was wir bis jetzt schon erlebt haben, kann uns keiner mehr nehmen. Und ich finde, daran sollten wir auch festhalten.
Johannes:
Man könnte dann natürlich auch von aussen sagen: da haben sich ein paar Leute Erfahrungen auf unsere Kosten geholt.
Kai und Christof:
Au ! Au !
Johannes:
Aber das riskier ich, also –
Kai:
- also Erfahrungen auf unsere Kosten ?
Johannes:
Ja wir reden doch nur noch von unseren Erfahrungen, und dann können andere sagen -
Christof:
- nett, dass wir das bezahlen durften !
Johannes:
Genau!
Christof:
Gut, aber dazu kann ich sofort was sagen : Dann ist es unsere Aufgabe – deswegen lassen wir hier das Mikro laufen – diese unsere Erfahrungen weiterzugeben. Wenn wir sie schon gemacht haben.
Johannes:
Ja. Jaja.
Christof :
Was für Erfahrungen haben wir denn gemacht ? Was haben wir gelernt ? Also das eine war, man geht nicht hin und erzählt den Leuten, was sie machen sollen. Dann müsste man die Bäckerei aber selber machen, Du, Kai, müsstest ein Jahr dorthin, und wenn es sich ergibt, geht sie weiter. Das ist eine Erfahrung, die wir da gemacht haben.
Kai:
Ja, aber die enttäuschende Erfahrung an der Sache ist, dass man ja eigentlich vormachen wollte, dass die das dort ohne uns hinkriegen. Also ich war davon so überzeugt, auch so überzeugt von mir selbst, das war schon bisschen zuviel davon, weil ich so dachte, na klar klappt das, die totale Überzeugung war da einfach da. Das Ding wird einfach laufen, und ich hab dann auch versucht, diese Überzeugung zu übertragen auf die anderen Leute, und wenn wir mal nen schlechten Tag hatten, den Tag benützt, um rumzurechnen und rumzumachen – und diese Erkenntnis dann zu bekommen, mittelfristig zu bekommen – das schmerzt. Also das ist ne Erfahrung von mir, das war – ja, vielleicht ne Art Überschätzung, doch.
Christof:
Von dir selbst oder von uns oder was ?
Kai:
Ja, von mir selbst, ich hab die Sache so überschätzt, weil ich ja so dran geglaubt hab: wenn ich weg bin, läuft das Ding weiter, das wird hie und da noch ein bisschen holpern, aber das wird auf die Füsse kommen.
Johannes:
Aber das siehst du ja jetzt auch: dass es überhaupt nicht läuft, überhaupt nicht, und es wird auch gar nicht gehen, also sie haben sich ganz klar dagegen entschieden.
Christof:
Das siehst Du so ?
Johannes:
Das seh ich so – Du nicht ? Kai ?
Kai:
Ja, aber was soll das? Was machen sie denn da grade? Ist das nur eine Vermutung, die von hier aus kommt, oder ich mein: wenn man sich so dagegen entscheidet, dann hätten sie den Ofen doch einfach verkaufen können, und das ist ja auch nicht geschehen.
Christof:
Das hätten sie mir gegenüber nicht machen können. Und wieso erzählt mir Alassanne, das muss sein, das wird sein etc ? Was Fafa und Kaou betrifft, sehe ich das wie Du, Johannes, aber bei Alassanne denke ich immer noch, er kann nicht wie er will, weil er als älterer Bruder in der Zwickmühle ist, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten am Hals hat, wie sie nun mal dort verteilt sind, so dass er nicht vorwärts und nicht rückwärts kommt. Mein Problem ist, dass selbst wenn sie nochmal eine Bäckerei hinstellen, mit der Ursprungsidee des Vollkorn nichts wird : sie machen keine Werbung, wollen das gar nicht etc. Sie arbeiten auf Befehl des grossen Bruders.
Johannes:
Hat das mit der Mentalität zu tun ? Womit hat das zu tun ?
Also wir haben die Situation ganz sicher überschätzt. Vollkornbrot nach Bamako als Medium nehmen, Dialog zu führen, das aufzubauen und das zu machen, aber dann haben wir jemanden genommen, und es war wirklich keiner, der eine Idee hatte oder so, und dann ist da ne andere Schiene gelaufen, vom Bewusstsein, vermute ich, ich weiss es nicht, jetzt gibt es Geld, jetzt schiessen die immer nach ? Oder was die kennen ?
Christof:
Da kommen wir von der privaten Situation ins Allgemeine, die Situation dort überhaupt, die Aktionen von Weissen dort und die daraus entstehende Projektion gegenüber jemandem, der auch weiss ist und auch mit einem Projekt kommt usw., weil alle anderen machen das so, z.B. Gabriele Riedl macht das jetzt so, mit DED Geldern, und alle Weissen dort machen das normalerweise so und sind so. Und dann kommen dann die ganzen kulturellen Geschichten z.B. dass dort, was einer sagt, anders gilt als bei uns. Dass wir 1000 mal sagen können, wir sind nicht so, wir sind nur eine private Gruppe, Gabriele kommt und beweist das, und Kai kommt – trotzdem ist es für die dort so wie sie es sehen, fertig. Das ist ein verschiedener Blick auf Verantwortlichkeit, verschiedener Blick auf Geld, verschiedener Blick auf Wahrheit – und das sind dann so Sachen, wo ich in sofern kapitulieren muss, als ich nicht mehr sagen kann, ja, das bin ich bereit hinzunehmen, weil es eine andere Kultur ist, sondern wo es meinen allgemeinmenschlichen Vorstellungen oder meiner Moral widerspricht, und dann feststelle: dann kann ich eben mit denjenigen nichts machen, wenn er meint, Wahrheit sei relativ. Oder Wahrheit ist ortsgebunden: man sagt hier: Vollkorn ist Sache und sagt dort: Weissbrot, weil es eine andere Umgebung ist, herrscht eine andere Wahrheit, das seh ich nicht so, und da bin ich auch nicht bereit, mich zu ändern, für den Dialog.
Beschneidung : da gibt’s Ethnologen, die sagen, das ist wertfrei zu sehen, das ist ne andere Kultur –
das kann ich nicht mitmachen. Deswegen bin ich nicht eurozentristisch. Entweder es gibt eine allgemeinmenschliche Nummer oder es gibt sie nicht.
Johannes:
Hm. (Pause) Hm.
Johannes:
Glaubst Du denn, wir haben die falschen Leute getroffen ?
Kai:
Natürlich gibt es in einer riesigen Stadt wie Bamako Leute, die das hätten machen können, da bin ich ganz sicher.
Christof:
Au.
Kai:
Aber ich find, das ist doch sonnenklar, den Glauben lass ich mir auch einfach.
Wir ham uns halt für diese Leute entschieden, und haben ja alle an sie geglaubt.
Johannes:
Den hab ich nie in Frage gestellt. Der Knacks kam, als wir an dem Punkt waren, als Fafa nicht mehr mitmachte, so dass Gewalt angewendet werden musste.
Kai:
Das hab ich auch so gesehen, aber es war auch Gewalt, was hinter meinem Rücken gelaufen ist, das war auch Gewalt, und man hatte da das Gefühl, man muss sich einfach wehren, man schaut weg und heult – oder man wehrt sich, ganz einfach.
Christof:
Das war wie wenn man ausgemacht hätte, einen vegetarischen Gemüseladen aufzumachen, und die machen ne Metzgerei.
Johannes:
Kaou stellt das nach aussen hin so dar, als sei er das Opfer.
Christof:
Das ist ein beliebter Trick der Familie Diop: Fafa hat gesagt, wir zerstörten ihr Leben, wenn sie Vollkornbrot backen soll, sie müsse Mali verlassen, weil ihr Name ruiniert sei. Das musste ich mir ja auch in der Botschaft anhören: Pass auf vor den Intellektuellen, sie benützen ihren Intellekt nur, um dich über den Tisch zu ziehen.
Christof:
Das heisst, wir machen nichts mehr? Selbst wenn die Maschinen verschrottet werden?
Johannes:
Wenn es von uns ausgehen soll, sehe ich das so, ja.
Kai:
Wenn Anfragen kommen, beantworten wir sie, keine Frage.
Christof:
Also dann ist das jetzt beschlossen und verkündet?
Kai und Johannes:
Ja.
Johannes:
Was passiert ist an Kontakten – die bleiben ja bestehen: eine durch Bobaku entstandene Energie steht.
Johannes:
Ich finds einfach traurig, dass das nicht angenommen wird -
Christof:
- kein einziger unserer Vorschläge wurde angenommen, nur Geld, Maschinen und Visa –
Johannes:
- es sind einfach verschiedene Vorstellungen von Dialog.
Christof:
Fafa, Kaou und Alassanne haben nie gesagt, sie wollen den Dialog der Kulturen führen, nie gesagt, sie wollen ihre Kultur in Frage stellen, nie gesagt, sie wollen ihre gesellschaftlichen Verhältnisse ändern – Alassanne noch am ehesten – , also kann ich wiederum von denen nicht verlangen, dass sie Abstriche von ihrem kulturellen Denken machen, aber ich verstehe das so, dass sie halt nicht bereit sind, von ihren kulturellen Eigenheiten abzugehen und sie haben nie gesagt, dass sie das tun werden, also kann ichs auch nicht von ihnen verlangen.
Christof:
Und dann kriegt man auf so einer Botschaftsparty auch noch von Leuten mit jahrzehntlanger Erfahrung aufs Butterbrot geschmiert, dass unser Konzept genial war, genau richtig, und wie andere das schon vorgemacht haben mit Marmelade z.B.:
mit den Weissen anfangen, der Rest kommt von alleine, so und nur so könne so etwas laufen.
Kai:
Es hätte klappen können, das ist das Traurige an der Sache,
es hätte klappen können.

Johannes Artmann, Kai Reckers, Christof Wackernagel am 27-6-2006

23.06 2006Christof schreibt noch einmal dringend an Alassanne, den Vertrag und die Abrechung von Fafas zwei Millionen bis zum Bobakutreffen mit Johannes und Kai, an dem die Sache endgültig abgeschlossen werden muss, zu schicken; Kai hat aus der Erinnerung (»ein Sack Mehl kostet 14.500, fünf haben wir gekauft) versucht, eine Gesamtabrechung zu rekonstruieren und sagt, dass Fafa weit mehr als 3000 Euro zurückbehalten (unterschlagen?) hat.
23.05 2006In Stuttgart, in der Weinstube Wittmer, wo Christof mit Monika Hirschle, die nicht nur in Bamako, sondern sogar in Niono bei Familie Diop zu Besuch war, gerade isst, ruft Alassanne an: Der Vertrag und die Abrechung kommen in den nächsten Tagen, er hätte ein neues Lokal in Ausssicht, alles werde gut, bald gebe es Brot.
27.04 2006Da Christof in wenigen Tagen fahren wird, schreibt er Fafa noch zweimal dringend, bitte die seit Januar 2005 ausstehende Abrechung rüberzureichen, da er sie für mein Treffen mit Johannes und Hutzel brauche: keine Antwort.
Zwei Tage später steht er mit seinem Bekannten, dem Kassettenverkäufer Sidi vor einem Supermarkt und quatscht, da sagt dieser plötzlich, »Guck mal, da ist Fafa«. Christof dreht sich um und sieht eine Frau in einem Jeep an der Mündung der Querstrasse, da er keine Brille anhat, muss er genauer hinsehen, aber tatsächlich, es ist Fafa, das Auto gehört wohl von dem Ölmillionär, bei dem sie lebt; er winkt zum Gruss und sagt zu Sidi: »Na, den Führerschein haben ja auch wir bezahlt«. Fafa reagiert nicht, vielleicht hat sie ihn nicht erkannt, er winkt noch einmal, und ihre Beifahrerin winkt zurück. Keine Reaktion von Fafa. »Sag mal, grüsst die mich nicht?«, fragt er Sidi, der nur verständnislos den Kopf schüttelt, und winkt ein drittes Mal. Die Kreuzung ist frei, Fafa würgt den Motor ab, lässt neu an und verschwindet.
Christof beschwert sich auf Alassannes Anrufbeantworter über diese Verhalten. Dieser ruft zurück: »Ich habe mit Fafa gesprochen. Sie sagt, Du habest sie nicht gegrüsst«.
26.04 2006Party bei der Botschaftsangehörigen Agnes Brinkmann; Mitglieder der »deutschen Gemeinde« – ein paar Botschaftsleute, auch Schwarze, ansonsten Angehörige der Hilfsorganisationen DED, GTZ oder Deutsche Welthungerhilfe – tummeln sich am Swimming Pool, essen Schweinswürstchen, Kartoffelgratin und aufgebackene Laugenbrötchen, tauschen die wildesten Geschichten darüber aus, was sie alles Unglaubliches in Afrika erlebt haben, und fragen mit wohlwollend spöttischem Mitgefühl nach dem Stand der Dinge in Sachen Bäckerei, reagieren mit tröstlichem Schulterklopfen, dass es ihnen mit ihren Projekten genauso gehe, es sich hier aber um eine private Initiative gehandelt habe, was besonders lobenswert sei, die Sache aber auch besonders traurig mache.
Agnes Brinkmann, die seit fast zehn Jahren in verschiedenen Ländern Afrikas ihren Dienst getan hat, schlenkert ihre Beine im Wasser und sagt nachdenklich auf die Wellen blickend: »Ich will ja nicht des Rassismus’ bezichtigt werden, aber ich glaube, so ein Projekt muss eine Weissnase durchziehen; wäre Kai geblieben, hätten wir heute schon die ersten Filialen.«
Eine Brigitte, die seit über zwanzig Jahren Entwicklungshilfearbeit in Afrika macht und seit über acht Jahren in Mali mit Mann und zwei Kindern lebt und Projekte realisiert, widerspricht: »Ihr seid an die falschen Leute geraten«, sagt sie, »natürlich gibt es in Mali Leute, die clever genug sind, eine solche Chance zu nützen, Ihr habt halt Pech gehabt«, und sie berichtet davon, dass, als sie in Mali ankam, es keinerlei Creme fraiche und Quarkprodukte gab, bis ein gewiefter malischer Geschäftsmann damit anfing, zielgerichtet auf den Markt der Weissen, diese Dinge einzuführen, innerhalb kürzester Zeit die schwarze Oberschicht nachzog, und diese Waren nun in allen Supermärkten verbreitet sind: »Der Mann schwimmt im Geld« lacht sie und fügt eine ähnliche Geschichte von der Einführung von Confitüre an, nach demselben Muster (erst für die Weissen, damit sich die Sache selbst trage, dann zogen die Einheimischen nach): »Euer Konzept war goldrichtig«, schliesst sie, »Eure Leute waren nur zu dumm, ihre Chance zu nützen: sie könnten heute Millionäre sein«.
Und mit milder Trauer fügt sie hinzu: »Gute Erfahrungen habe ich nur mit den sogenannten einfachen Leuten, meist auf dem Land, gemacht. Sie fühlen sich noch ihren Traditionen verpflichtet und legen Wert darauf, zu halten, was sie versprochen haben. Pass aber bloss auf mit den Intellektuellen hier! Sie schleichen sich mit ihrer Intellektualität in Dein Vertrauen, und sobald sie sich sicher sind, graben sie Dich an bis zum geht nicht mehr«. »Und wenn nichts mehr zu holen ist«, sagt Christof und öffnet das soundsovielte Becks Bier, »dann lassen sie dich fallen wie eine heisse Kartoffel«.
10.04 2006Lieber Alassanne –nachdem der Ofen geplatzt war, hast Du mich angerufen und gefragt, ob es nicht ein Möglichkeit gebe, Kaou nach Deutschland zu schicken, damit er dort arbeiten könne und Geld für einen neuen Ofen verdienen.Ich habe geantwortet, dass das unmöglich ist, weil man als Lehrling nichts verdient, aber als uns von Frau Brittner eine gesamte Bäckerei angeboten wurde, habe ich meine Wohnung zur Verfügung gestellt, habe meine aus Bobaku 1 übrig gebliebene Forderung von ca. 3000 Euro zurückgestellt, und meine Freunde haben sich bereit erklärt, Geld zu sammeln, damit Kaou möglichst viel Geld mit nach Bamako zurück nehmen kann für:
-Miete und Renovierung der Bäckerei in der Zone industrielle,
-Installation des neuen Ofens und
-die ersten Kosten des Neubeginns.
Damit er möglichst wenig Geld für den Lebensunterhalt braucht, wurden Kaou Lebensmittel gegeben, er wurde zum Essen eingeladen, die Nachbarn haben ihm Essen gegeben und Johannes hat ihn umsonst in seinem Laden Dinge entnehmen lassen.Des weiteren haben wir folgende Verabredungen getroffen:

1.Du zahlst den Flug und alle weiteren Kosten, die in Bamako entstehen und über das Geld hinaus gehen, das Kaou gegeben werden sollte.
2.Johannes organisiert den Transport der Maschinen von Heidelberg.
3.Gabriele organisiert die 70%ige Kostenübernahme des Transport durch die GTZ
4.Kai kümmert sich um den Kontakt zu Hutzel und Nicolaisen.
5.Ich stelle meine Wohnung unter der Bedingung zur Verfügung, dass Kaou mein Festnetztelefon nicht ohne Vorwahlkarte benützt (dafür gibt es Zeugen hier in Bamako); ich habe ihm das lang und breit erklärt und eigens eine Mobiltelefonkarte zur Verfügung gestellt, damit er mein Festnetz nicht anzurühren braucht; Renate hat ihm alles genau erklärt.
6.Explizite Bedingung und Voraussetzung dieser ganzen Aktion war, dass die hauptsächlich von Kai Reckers mit viel Mühe, Wissen, Liebe und Erfahrung eingerichtete Bäckerei in der Zone industrielle selbstverständlich weitergeführt wird; aus diesem Grunde wurde Kaou Geld für die Miete mitgegeben, aus diesem Grunde wurde der Ofen so schnell wie möglich geschickt (Ende Dezember war er da, genau ein Monat Leer-Miete), aus diesem Grund hat Kai Sauerteig mitgegeben, damit Kaou im Januar sofort anfangen kann zu backen:
so war es bis zum letzten Tag von Kaou in Deutschland ausgemacht, vereinbart und versprochen.
7.Kaou hat sich in Bamako entschlossen gezeigt, mit der Bäckerei Vollkornbrot, Kais Creation, deutsches Brot, buru alemani einzuführen; er hat klar gesagt, er will keine Diskussionen über Baguette und er ist bereit, all die Dinge endlich auszuführen, die Fafa strikt verweigert hat:
- Werbung/Vermittlung für buru alemani auf bamanko, francais und deutsch.
– persönliche Besuche und Gespräche mit all den Organisationen, deren Liste wir schon vor einem Jahr übergeben haben zur Klientenwerbung und Bitte um finanzielle Unterstützung des zweiten Versuchs.
– Gespräche mit allen bisherigen Kunden mit der Bitte um finanzielle Unterstützung des zweiten Versuchs (was wir mehrfach bis ins Detail besprochen haben).
– Vorbereitung der Zollformalitäten, da ich mich explizit geweigert habe, all diese Arbeit noch einmal zu machen (Gespräche mit Mme Sangare, GTZ, Überprüfung ob alle Papiere vorhanden sind etc etc etc)
– Vorbereitung von Werbung vor allem auch in Rundfunk und Fernsehen
– technische Vorbereitung der Bäckerei, damit sofort gebacken werden kann, wenn der neue Ofen da ist.

Das waren unsere Abmachungen, die wir nicht schriftlich fixiert haben, weil ich vor allem Vertrauen in Dich hatte, trotz der Enttäuschung mit Fafa.
Auch bin ich davon ausgegangen, dass Du als Rechtsanwalt und politischer Mensch, der die teilweise nicht sehr rechtsstaatlichen Verhältnisse in Mali ändern will, Dich an diese Abmachungen halten wirst, als wären sie schriftlich fixiert.

Da ich nicht weiss, welche der folgenden Handlungen, Entscheidungen und Aktivitäten von Kaou oder von Dir oder von Euch beiden zu verantworten sind, wir aber bestimmt – und Kaou dem zugestimmt – hatten, dass Kaou die Bäckerei realisiert, beschreibe ich alles weitere als seine Taten – wie weit Du sie als Deine eigenen siehst, ist Deine Sache.

Zunächst möchte ich aber betonen, dass wir, wie im Falle des Versuchs mit Fafa, alle unsere Zusagen zu 100% erfüllt haben, in diesem Fall sogar darüber hinaus z.B. dadurch, dass ich Verluste von Mieteinnahmen hatte, und das Telefon bezahlen musste, und dass am Ende noch eine Rechnung von Nicolaisen über 2.000 Euro kam –auch das haben wir bezahlt.

Nun die Realisierung von Kaous Seite:

Schon in Frankfurt hatte er, obwohl ich ihn ausdrücklich auf den Unterschied hingewiesen hatte, den viel teureren Zug nach Bochum genommen – damals ging ich noch davon aus, dass, wenn Du die Megalomanie Deines kleinen Bruders gutheisst und bezahlen willst, das Dein Problem ist.

Renate berichtet:
Gabriele sagte Johannes am 30. Juli, sie habe Kaou Bargeld gegeben, sagte aber nicht wieviel. Am 8. August wurden vom Konto 44,32 Euro für cityweb abgebucht – normalerweise sind es 50 Cent, wenn Du nicht da bist. Ich bin zu Johannes gegangen, um mir das Geld aus der “Bobaku”-Kasse erstatten zu lassen. Johannes gab mir wenige Tage später 300 Euro, die für Kaous Barausgaben während seines Aufenthaltes bestimmt waren; ich sollte das cityweb-Geld einbehalten und Kaou den Rest geben. Ich habe Kaou daraufhin 150 Euro von diesem Geld gegeben und ihm gesagt, dass er damit die nächsten vier Wochen auskommen müsse, da es nur einmal noch Nachschlag gebe.
Eine Woche später kam Deine Telefonrechnung über mehr als 500 Euro. Ich bin sofort zu Kaou gefahren, um den grössten Teil (wie ich naiv glaubte) dieser 150 Euro zurückzubekommen und auf Dein Telefon zu verbuchen. Kaou erklärte, er habe kein Geld mehr!!! Einige Münzen kramte er raus, nach längerem Suchen auch einen 10-Euro-Schein. Auf meine fassungslose Frage, wo das Geld sei: er habe sich Schuhe gekauft.

Als die Bäckermeister bei Hutzel gesehen haben, dass Kaou sich die teuersten Schuhe gekauft hat, die zu haben waren, sagten sie: „solche Schuhe können wir uns nicht leisten“.

In Johannes Artmanns Laden gibt es eine Frau, die jeden Tag 1 Euro von ihrem Gehalt (640 €) für Bobaku gespendet hat. Nun musste sie sehen, dass Kaou im Laden von Johannes, obwohl er zu essen bekommen hatte und viel anderes Geld, für 400 € Dinge genommen hat, die sie sich nicht leisten kann, davon erhebliche Mengen an Alkohol und Zigaretten: dafür hat diese Frau nicht gespendet und auch niemand anderes.

Als die Telefonrechnung kam, schwor Kaou, er habe mein Festnetztelefon nicht ohne Karte angerührt. Ich habe ihm geglaubt, und Renate hat mit Hilfe des Anwalts bei der Telefongesellschaft protestiert.
Als die Telefongesellschaft jedes Telefonat und jede Sekunde vorlegte, bestand Kaou weiter darauf, er habe stets die Karte benutzt..
Als Renate ihm anhand der Telefonrechnung nachwies, dass er , als die Kartenzeit – 20 Minuten – abgelaufen war, neu gewählt und ohne Karte weitertelefoniert hatte, sagte er nichts mehr.
Das heisst: er wusste, dass er auf meine Kosten telefoniert – er wusste nur nicht, dass jede Sekunde bewiesen wird.
Kaou hat gelogen – nachdem er nun, anstatt sich zu entschuldigen, sagt, Antoine habe recht, ich sei gefährlich, und damit bewiesen hat, dass er wie Antoine denkt, ist es an Dir, dieses Problem aus der Welt zu schaffen.
Wenn Du, Alassanne, aber sagst, Du möchtest die Telefonrechnung von Kaou bezahlen, dann hast Du das Problem nicht verstanden:
Es geht nicht um das Geld, es geht um die Haltung, mit der Kaou dieses Geld verwendet hat: die anmassende Haltung, das Geld „der Weissen“ stehe ihm zu, weil er Kaou ist (exact wie Antoine und die kleinen Kinder auf der Strasse, die „donne moi 100 Francs“ sagen). Dass andere, eben Weisse, Philantropen, wie Mr Maiga sagen würde, arbeiten müssen, damit er sich vergnügen kann; sein internetsex und seine Telefonmanie hat mich mit Mietverlust 800 Euro gekostet – soviel wie ich in einer Woche Arbeit im Januar in Deutschland verdient habe -, und das findet Kaou selbstverständlich:
dass ich für ihn arbeite, damit er sich mit meinem Computer im Analsex virtuell vergnügt, das ist gerecht, das ist normal, das gehört sich so, weil er Kaou ist.
Diese Haltung kannst Du auch mit Millionen nicht wieder gut machen – Moral ist nicht käuflich, jedenfalls nicht mit mir: das ist meine Gefährlichkeit, von der Kaou und Antoine reden.

Danach erklärte Kaou, er wolle länger in Deutschland bleiben, weil er in Bamako nichts zu tun habe, solange der Ofen nicht da sei.

Da wir verabredet hatten, was in Punkt 7 oben beschrieben ist, also klar war, dass auch Kaou diese Arbeit nicht machen wollte, und es ihm ja in Deutschland auf unsere Kosten sehr gut ging, (er rauchte, dass die Wohnung noch stank, als ich Monate später kam, er zerschlug Geschirr, er machte mein Radio kaputt, er benützte selbst mein Parfüm bis auf die letzten zwei Tropfen, alles ohne mich zu informieren oder sich zu entschuldigen: das ist sein Stil), er sich sehr wohl fühlte,
schlug ich schon von Sofia aus vor, die Maschinen zu verkaufen, bevor es zu spät sei, was von niemandem der anderen akzeptiert wurde.

Zurück in Bamako unternahm Kaou keinen der in Punkt 7 beschriebenen Punkte, er bereitete nichts für die Benefizveranstaltung der deutschen Hilfsorganisationen vor, obwohl ich ihn mehrfach dazu aufforderte, ich stellte ihm den Botschafter vor, der schon seit Monaten auf einen Kreditantrag wartete, der die Bäckerei in der Zone industrielle mit Neuinstallation, Generator und Auto unterstützen sollte, ich erinnerte ihn an die einzelnen in 7 aufgezählten Punkte (Zeuge Madou), ich stellte sogar unsere Musik zur Verfügung, damit er Propaganda für Bobaku machen konnte: das war alles, was er getan hat.

Wie ich am 25-11-2005, dem Benefizfest, nebenbei erfuhr, plante Kaou allerdings, tatsächlich eine neue Boulangerie in der Stadt aufzumachen, (er hatte mich schon einmal deswegen angerufen, aber ich hatte das abgelehnt), und ich dachte mir noch:
interessant, wie schnell Kaou von hier Geld bekommt, wenn man ihm von aussen keines gibt, und ich glaubte zu verstehen, warum er nicht versuchte, Geld von den Mitgliedern der deutschen Organisationen einzusammeln: weil er ja genug hatte, wenn er umziehen konnte.

Ich fand es ziemlich schlechten Stil, dies ohne Absprache und Information zu tun, aber wir hatten ja ausgemacht, dass er in Bamako selbst verantwortlich ist, und das drückte sein Verhältnis aus, genau wie bei Fafa: solange es darum ging, etwas zu bekommen, war er freundlich und hilfsbereit – hatte er, was er wollte, kannte er einen nicht mehr; man könnte das für schlechte Kinderstube halten, ich halte es für schlechten Charakter. (Als ich im Januar nach Deutschland fuhr, trug er mir nicht einmal Grüsse an Johannes, Kai oder jemandem auf, er verlangte nur, dass Kai endlich die Hospitanzbescheinigung von Nicolaisen schicken sollte).

Wie ich heute weiss, baute er inzwischen, ohne dies mit Kai, mir, Gabriele oder irgendjemandem der Bobaku-Gruppe abzusprechen oder auch nur davon zu informieren, die von Kai aufgebaute Bäckerei ab und verteilte die Maschinen an unbekannte Plätze.

Der von uns bezahlte Ofen wurde verkauft, was verabredet war – das Geld wurde aber nicht dazu verwendet, den neuen Ofen zu installieren, wie es noch im Oktober gegenüber Kai zugesagt war, sondern um den Wegtransport, die Vernichtung der bobaku-Bäckerei zu bezahlen (oder auch, um davon zu leben; wie von Fafa gibt es von Kaou bis heute keine Abrechnung über die erhaltenen Gelder und ihre Verwendung).

Damals ging ich immer noch davon aus, dass die neue Bäckerei bezugsfertig ist, und als der Ofen Ende Dezember in Bamako ankam, und Kai, Johannes etc wissen wollten, wo er nun hintransportiert werde, antwortete Kaou: in die neue Boulangerie.

Einige Tage später informiertest Du mich, Alasanne, dass kein Geld für die Miete da sei, weil die Transporte soviel gekostet hätten und der Ofen im Hof eines Familienmitgliedes stehe. Ich bestand darauf, dass wenigstens eine Plastikplane darüber gelegt werden sollte.

Nun gab es nur noch die Möglichkeit des Kredits über die deutsche Botschaft.

Kaou erklärte ausdrücklich, dass er keinerlei Aktivitäten bereit sei zu unternehmen: „on attend d’argent“. Später sagtest Du mir, dass Du einen Brief an den DED geschrieben hattest mit der Bitte um Geld und Angabe der Kontonummer; Du habest mehrfach bei Deiner Bank nachgefragt, aber es sei nichts überwiesen worden. Ein Kredit einer malischen Bank sei zu teuer, da man 10 % zahlen müsse.

Ich telefonierte mehrfach mit dem deutschen Botschafter, Herrn Schwarzer, der wiederum einen Herrn Marrioth, der für diese Kredite der EU zuständig war, dringend bat, sich der Sache anzunehmen.

Herr Mariott wiederum hatte mit Fafa gesprochen (warum mit Fafa, weiss kein Mensch) und diese hatte ihm auf die Frage, wie bobaku sich die Rückzahlung des Kredits vorstelle, geantwortet, sie erwarte „weiteres Material aus Deutschland und eine Städtepartnerschaft von Bochum mit Bamako“.
Herr Mariott, sah sich natürlich ausserstande, dem Kreditwunsch nachzukommen.
Es ist völlig klar, dass er die zu diesem Zeitpunkt längst in Betrieb hätte sein könnende Bäckerei in der Zone industrielle unterstützt hätte!

Am 28. März 2006 schrieb Kaou an Ana-Maria: “Die Banken geben ohne Garantie keinen Kredit. Man hat mir den Ofen als Garantie vorgeschlagen, dieser gehört mir jedoch nicht, also ging das nicht.”
Der Ofen gehörte Euch, das wisst Ihr – Ihr wolltetet die Zinsen nicht zahlen.

Deshalb muss man nochmal klarstellen:
die ganzen Probleme, die Unlösbarkeit der Situation, ist einzig und allein in dem sinnlosen Auseinanderreissen der Bäckerei begründet, die heimlich und gegen jede Absprache durchgezogen wurde.

Nachdem es von Anfang an keinen rationalen oder kommerziellen Grund gegeben hatte, die bestehende Bäckerei zu verlegen – Laufkundschaft, wie sie im neuen Ort möglich wäre, würde es für Vollkorn erst viel später geben, und ausliefern konnte man von dem anderen Standpunkt auch nicht besser; die 70.000 weniger Miete, sind um eine Vielfaches durch den Umzug überboten, und der Vermieter, Herr Cisse, hat in Deiner Anwesenheit bestätigt, dass er nicht nur eine billigere Miete gegeben hätte, weil er ja nicht mehr bauen musste, wie zu Mietbeginn (er hat ja den ganzen Raum gebaut!), sondern er die ersten drei Monate Mietrückstellung gegeben hätte -
fragte sich immer dringender, warum diese mutwillige Vernichtung von Bobaku gelaufen ist.

Die Antwort kam einige Tage später durch die Botschaft, Agnes Brinkmann: Kaou habe um ein Visum gebeten, er wolle ein Jahr nach Deutschland.
Die Botschaft sei schuld an der Nichtinbetriebnahme der Bäckerei, sie habe Geld versprochen, aber nicht gegeben, deswegen müsse sie ein Visum geben. Agnes Brinkmann antwortete, dass sie selbst bei Vorlage einer Einladung nicht sicher ein Visum geben könne, da die Rückkehrwilligkeit nicht gesichert sei. Sie habe es das letzte Mal nur im Vertrauen auf meine Person gegeben.

Tags darauf Anruf von Johannes: Kaou habe einen Brief an Nicolaisen geschrieben, um Arbeit für ein Jahr gebeten:
und Bezahlung.

Du warst nicht zu erreichen, hieltest, zum ersten Mal, seit wir uns kennen, Verabredungen nicht ein, liessest mich drei Tage ohne Nachricht und insgesamt sechs Tage warten, bis Du zum Gespräch mit Kaou kamst.

In diesem Gespräch wurde klar, dass es keinen Grund gab, die alte Bäckerei zu liquidieren, nun aber „zu spät“ sei, und keiner von Euch beiden hat dem widersprochen, was ich gesagt habe (wie hier beschrieben); Du sagtest, Du habest von diesem Brief nichts gewusst, und Kaous Aussage, dass er mit seinem Partner abgesprochen habe, dass es das beste sei, wenn er für ein Jahr nach Deutschland gehe, sei ein Übersetzungsfehler; Du bezeichnetest diesen Brief als „Versuch“, was immer das bedeuten soll, obwohl er sich doch hinter Deinem Rücken auch gegen Deine Interessen gerichtet hatte.
Insgesamt wurde eines deutlich, nämlich dass alle anderen Beteiligten ausser Kaou lügen:
-ich lüge, weil ich nie etwas vom Festnetztelefon gesagt habe;
-Renate lügt, weil sie auch nichts gesagt hat;
-Kai lügt, weil er Geld und Material versprochen hat;
-Cisse lügt, weil er nie mit der Miete runtergehen wollte (er selbst sagt, er sie nie gefragt worden);
-Mme Diallo lügt, wenn sie sagt, Fafa habe sie zum Arbeitsgericht geführt;
-ich lüge, wenn ich sage, dass Kaou nach Deutschland will, der Brief sei nur ein „Versuch“, er liebe sein Land und Antoine habe recht, dass ich gefährlich sei.

Für Menschen, die mein Vertrauen missbrauchen, mich hintergehen und belügen, bin ich gefährlich, weil ich nicht bereit bin, das hinzunehmen.
Wer dann noch glaubt, wie Antoine, Kaou, davor auch Fafa, ich sei zu gutmütig, um mich zu wehren, ist höllisch überrascht, zu welcher Konsequenz ich fähig bin. Das ist ärgerlich, das kann ich verstehen, und das soll es auch sein:
Mit mir treibt man keine Spielchen, schon gar nicht, wenn man sie mit einer angeblichen Verschiedenheit der Kulturen begründen will.

Für mich ist dieser Brief die Spitze eines Erpressungsversuches:
Erst wird die Bäckerei heimlich zerstört, die Maschinen, die nicht das Eigentum von Kaou sind, an unbekannte Orte verbracht -
dann wird gesagt, gebt Geld – viel Geld! – wenn Ihr sie wiederhaben wollt. (Wörtlich: „die einzige Möglichkeit“)

Kaou glaubt jetzt, ich habe ihm seinen Deutschlandtraum zerstört – in Wirklichkeit war ich es, der ihn ihm ermöglicht hat, und nun muss ich mich gegenüber meinen deutschen Freunden rechtfertigen, warum ich mich ein zweites Mal von derselben Familie habe täuschen lassen.
Ausserdem brauchen mich meine deutsche Freunde nicht, um nachzudenken; so wie sie damals anderer Meinung waren, als ich für Verkauf plädierte, sehen sie heute weniger die Erpressung als klar und nüchtern das Nächstliegende:
Wenn man Kaous Brief ernst nimmt, heisst er, dass Nicolaisen ein Jahr für ihn arbeiten soll, ihn ausbilden, und dann auch noch das alles bezahlen.
Das wären mindestens 10.000 Euro.
Hätte man 10.000 Euro, gäbe man sie nicht Kaou zu seinem Privatvergüngen, sondern Alassanne, und der könnte
-die neue Bäckerei einrichten,
-ein Auto kaufen,
-einen Generator,
kurz, alles, was nötig ist.

Dass Kaou diesen „Versuch“ erst gar nicht gestartet hat, sondern nur seinen primitiven, leider hier weit verbreiteten Traum vom schönen Leben in Deutschland (auf Kosten anderer) versucht zu realisieren, ist sehr traurig, aber für mich nicht überraschend.

Ich habe Bobaku 2 nicht im Vertrauen auf Kaou, sondern im Vertrauen auf Dich, Alassane, gemacht; Du hast bis jetzt Kaous Verhalten entweder mitgetragen oder nicht kritisiert.

Kai hat nun vorgeschlagen, die Maschinen zu verkaufen und das Geld an Dich, mich, Gabriele und wer sonst noch etwas bekommt, zu verteilen – wenn etwas übrig bleibt, es an Wasserprojekte zu geben.

Ich habe vorgeschlagen einen Vertrag mit Dir zu machen, der dir die Möglichkeit gibt, später doch noch einmal eine Bäckerei zu machen.

Wir warten immer noch
-auf die Abrechung von Fafa,
-darauf, was mit dem Geld aus den Bäckereieinnahmen und für den kaputten Ofen passiert ist,
-auf eine Erklärung, wofür Kaou das Geld aus Deutschland, von dem er in dem Brief an Nicolaisen schreibt, verwendet hat.

Viele Grüsse
Christof
10. April 2006

09.04 2006Kurz-Besuch Alassannes in Hippodrome. Er gibt sich etwas zerknirscht, aber zuversichtlich: »Wenn Du aus Deutschland zurückkommst, bekommst Du Dein Brot«, zwinkert er. Bis zu Christofs Abreise Anfang Mai werde er den Vertragsentwurf und die Abrechung Fafas bringen.
Danach ist er nicht mehr zu erreichen.
Christof schreibt ihm am 10-4 einen Offenen Brief:
07.04 20069 Uhr, Treffen im Anwaltsbüro, um den Vertrag vorzubereiten. Um halb zehn geht Christof wieder, nachmittags ruft Alassanne an, er habe den Termin vergessen.
27.03 2006In einem Telefongespräch beschliessen Johannes und Christof, Bobaku für gescheitert zu erklären, aber Alassanne anzubieten, einen Schenkungsvertrag zu entwerfen, mit dem das ganze Material von der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe der ONG (regierungsunabhängigen Organisation) von Fafas Mutter übergeben wird, damit die Sache wenigstens rechtlich irgendwie sauber abgeschlossen wird.
26.03 2006Es dauert geschlagene zehn Tage, bis Alassanne kommt, mit Kaou; entweder er hatte nicht geantwortet oder geschrieben, er sei unterwegs, Mutter krank oder überraschende Arbeit, er komme morgen, was wieder drei Tage dauerte.
Christof fragt, ob Alassanne mit ihm übereinstimme, dass der zweite Bobaku-Anlauf auf seine Initiative gestartet worden sei und unter der Bedingung, dass die deutsche Seite die deutschen Kosten und Arbeit übernehme, die malische die malischen Kosten und Arbeit.
Alassanne bejaht vorbehaltlos.
Christof fragt, warum er die vorhandene Bäckerei abgebaut habe ohne eine neue zu haben, obwohl ausgemacht gewesen sei, dass das Geld für einen Umzug erst in der alten verdient werden müsse?
Die alte sei zu teuer, aber das sei ein Fehler gewesen.
Christof rechnet ihm vor, dass er wesentlich mehr Geld für die ganzen Transporte gezahlt habe, als für den einen Monat Miete – ab Januar hätte er doch schon mit Brot Geld verdienen können, er also mehr für die Zerstörung ausgegeben habe als für den Aufbau nötig gewesen wäre?
Alassanne lächelt gequält und sagt, jetzt sei es zu spät, etwas daran zu ändern.
Kaou blickt finster schweigend vor sich hin.
Christof liest den Brief vor. Alassanne sagt, er kenne ihn nicht, wisse aber nicht, wieso Christof sich aufrege: das sei doch nur ein Versuch.
Christof fragt, was der Satz solle, dass Kaou mit seinem Partner abgemacht hatte, er brauche ein Jahr in Deutschland?
Nach kurzer Rücksprache mit Kaou auf Bamananko, erklärt Alassanne, das sei ein Übersetzungsfehler.
Christof bittet Kaou um eine Erklärung. Wütend klagte dieser über unerträglichen Stress, seit Monaten sitze er herum und habe nichts zu tun, und dann verbreite Christof auch noch Lügen über ihn, er wolle das Land verlassen: er liebe sein Land, verkündet er pathetisch, niemals wolle er nach Deutschland oder Frankreich, hier wolle er arbeiten und etwas aufbauen.
Christof deutet auf den Brief und fragt, wieso er dann ein Jahr (bis dahin wären die Maschinen vom Staub verklebt und von der Regenzeit verrostet) nach Deutschland wolle, was dreimal soviel koste, wie jetzt nötig wäre, um hier anzufangen?
Da springt er auf, zeigt mit dem Finger auf ihn und schreit: „das ist es, das ist der Beweis: Antoine hatte recht, Christof ist gefährlich, Antoine hat uns gewarnt, er hat gesagt: passt auf vor diesem Mann, er ist gefährlich! Hätten wir doch auf ihn gehört!“ (Antoine ist ein Kameruner, bei dem Christof in Untermiete gewohnt hatte, bis er sein Haus gefunden hatte, und der bei seinem Auszug versucht hatte, Christofs Camera, Computer, Recorder etc zu behalten, und Christof mit Hilfe von Rechtsanwalt Alassanne Diop und der Polizei die Dinge bei ihm rausholen musste) – Alassanne versucht Kaou zu bremsen, gibt ihm 1000 FCFA und schickt ihn weg.
Christof muss nun noch die leidige Sache mit Fafas seit Anfang 2005 ausstehender Abrechung klären: es fehlen 3000 Euro, für die sie Quittungen liefern soll, sonst kann Johannes seine Abrechnung nicht machen und bekommt Ärger mit der Steuer, was sie seitdem strikt verweigert, Alassanne seit damals weiss und zu klären versprochen hatte. In den letzten Monaten antwortet Fafa einfach nicht auf Anrufe und beantwortet SMSe nicht, in denen Christof danach fragte. Ausserdem brauchen wir eine Abrechung darüber, wie viel sie mit der Bäckerei verdient hatte, um rechtfertigen zu können, warum wir auch dann immer noch teilweise selbst Stromkosten zahlen mussten und mit der Abrechung immer wieder vertröstet wurden, wo das Geld für den Schrott des Ofens geblieben ist und was Kaou mit den mindestens 1500 Euro gemacht hat, die er in Bochum bekommen hat?
Alassanne verspricht, alles zu regeln
16.03 2006Aufgebrachter Anruf von Agnes Brinkmann von der deutschen Botschaft, die für die Visa zuständig ist: Kaou sei dagewesen und habe ein Visum für ein Jahr gefordert, den Botschafter beschimpft, er sei schuld, dass die Backstube kaputt gegangen sei, und deshalb müsse er jetzt helfen, sie wiederaufzubauen. Agnes Brinkmann betonte, dass sie das 3-Monatsvisum für Kaous Hospitanz beim Ofenbauer nur im Vertrauen auf Christof und seine Seriosität gegeben habe, weil sie davon ausgehe, dass man Leuten, die Christof vorschlage, vertrauen könne. Natürlich müsse sie einen derartigen Antrag prüfen, wenn er vorliege, sehe aber nicht viel Chancen. Christof konnte nur stammeln, dass er davon nichts wisse, in keiner Weise dafür einstehe und versuchen werde, zu klären, was da abgelaufen sei.
Bevor er Luft holen kann, klingelt wieder das Telefon: Johannes mit der Frage, was denn jetzt los sei, Kaou habe einen Brief an den Ofenbauer Nicolaisen geschrieben und wollte ein Jahr dort arbeiten; was denn mit den Maschinen sei, Nicolaisen habe gefragt, wieso er eigentlich diesem Mann geholfen habe, die ganzen Dinge gespendet habe, wenn jetzt nichts laufe, so gehe das nicht.
Christof bat Johannes, ihm den Brief zu schicken:Hallo Nicolaisen!Wie geht es Ihnen?
Seitdem ich in Mali zurückgekommen bin, ist der
Ofen angekommen. Aber wir fehlen von Finanzierung um
den Bäckerei zu starten.
Das Geld, das ich aus Deutschland zurückgebracht,
wird ausgegeben.
Ich bin in der deutschen Botschaft gegangen, und
Sie haben mir gesagt, dass sie mir ein Visum geben
können.
Ich wollte Ihnen fragen, ob sie mich als
Praktikant bei Ihnen nehmen können. Natürlich Ich verlange nicht, dass Sie mich offiziell zahlen. Aber ist es möglich eine Vereinbarung mit Ihnen zu machen? Weil Sie meine letzte Hoffnung sind, um die Baustelle der Bäckerei zu starten.
Ich habe mit den Partner gesprochen, und wir denken
dass ich ein Jahr Arbeit in Deutschland brauche, um
hier zurückzukommen und um die Bäckerei zu offnen.
Das würde mir erlauben mehr zu arbeiten und zu
lernen.
Ich danke Ihnen im voraus! und geben Sie meine
Grüsse zu allen.Kaou, Tel: +223 916 78 33
06.03 2006Folgende weitergeleitete email trifft ein:Bonjour Monsieur l\’Ambassadeur,comme nous en avons convenu lors de notre rencontre du 14 courant, j\’ai rencontré ce matin même, avec les personnes en charge de l\’activité crédits aux PME de la BNDA, la gérante de la boulangerie BOBAKU.La société a été créée en octobre 2004 et l\’activité a effectivement démarré en mars 2005 pour s\’interrompre peu de temps après pour des raisons de destruction du four.

A ce jour, la boulangerie attend la livraison de nouveaux matériels en provenance d\’Allemagne toujours dans le cadre du jumelage avec la ville de Bochum.

Malheureusement la BNDA ne peut pas donner de suite à ce dossier car à ce stade, l\’entreprise ne répond pas à certains critères fixés dans la politique de crédit PME de la BNDA et tout particulièrement l\’antériorité de l\’activité qui est insuffisante au regard de la règle fixée par le BNDA(24 mois effectifs).

Je vous souhaite bonne reception de ce message et, je vous prie d\’agréer, Monsieur l\’Ambassadeur,
l\’expression de mes très cordiales salutations.

Gérard MARIOTTE

Sinngemäss übersetzt: Herr Mariotte, der für die europäische Union Anschubkredite für kleine Unternehmen vergibt, berichtet von einem Gespräch mit der Geschäftsführerin (offenbar Fafa, die seit der Explosion nichts mehr hatte von sich hören lassen, keinerlei Initiative unternommen hatte), die auf die Frage nach dem Stand der Dinge geantwortet haben soll, man erwarte weiteres Material (zu diesem Zeitpunkt waren zwei komplette Bäckereien verschifft worden! Siehe aber auch Kaou oben) und eine Städtepartnerschaft (was bereits 2004 als absurde Idee – eines verrückten Grünen, der sich damit hatte bereichen wollen, siehe Website – abgetan worden war, denn Bamako kann als Hauptstadt mit Berlin, allenfalls München oder Hamburg eine Städtepartnerschaft machen , nicht mit Bochum) – damit könne die Rückzahlung aber nicht gewährleistet werden.
Christof ruft Alassanne an und fragt, was das soll mit Fafa und den erwarteten Dingen, welche, wann was? – er schreit nur: »Was, soll das heissen, die zahlen nicht?«, legt auf und ist nicht mehr erreichbar, antwortet weder auf Anrufbeantworter noch SMS, genauso wenig Kaou.

01.02 2006Jonas Grosch, Miriam und Veith, Studenten der Hochschule für Film und Fernsehn in Potsdam, reisen an, um den Film »Der Weisse mit dem Schwarzbrot« zu drehen. Ihre Reise wurde eigens um sechs Monate verschoben, damit der Backbetrieb wieder angelaufen sein konnte. Sie interviewen Kaou vor dem Ofen, der auf einem Hof der Familie steht – für die neue Backstube sei doch kein Geld dagewesen: Man warte weiter auf Geld. Christof ruft noch mal den Botschafter an wegen eines Kredites. Alassanne sagt, die Zinsen der Malischen Banken seien zu hoch; mit dem Ofen, der Alassanne offiziell von der GTZ übersandt wurde, also in seinen Besitz sich befindet, als Garantie, hätte man einen Kredit bekommen können. Ausserdem hätten sie einen Brief an den DED (Deutscher Entwicklungsdienst) geschrieben und um eine Spende gebeten, es sei aber nichts gekommen, sie hätten dreimal bei der Bank nachgefragt. Die Liste der anzusprechenden Organisationen, die Gabriele Riedl mit der Professionalität von zwanzig Jahren Erfahrung in solchen Dingen zusammengestellt hatte, umfasste zweieinhalb DIN A 4 Seiten.
Es ist also klar jetzt, dass sie nichts von dem gemacht haben, was am Beginn des zweiten Anlaufs besprochen war, nichts von dem, was in Deutschland besprochen war, aber ohne Diskussion, Information oder Nachfrage die alte Backstube (also auch die darin von Kai in der Gestaltung des Raumes umgesetzte 20jährige Hutzel Erfahrung) komplett zerstört, die Maschinen verteilt, ohne eine neue anfangen zu können. Es bleibt nur noch der letzte Kreditantrag und die völlige Unklarheit, wie es weitergehen soll, wenn er abgelehnt werden sollte.
28.12 2005Der Ofen ist da. Keine Papiere da, nichts vorbereitet. Zwei Tage nervender Rumfahrerei und Warterei auf Ämtern; Christof beteiligt sich stinksauer, obwohl er geschworen hat, nie wieder einen Finger für etwas zu rühren, was hier versäumt wurde: »Ich seh nicht ein, wieso ich deren Arbeit machen soll!«
Zwei Tage später Verabredung um 8 Uhr morgens beim Zoll, alle Papiere sind da.
Christof erscheint 5 vor acht, Kaou ist nicht da. Erster Anruf bei Kaou um halb 9: »komme gleich«. Zweiter Anruf viertel nach neun: »komme gleich«. Dritter Anruf viertel vor zehn: »Komme gleich, bin auf der Bank.«
Daraufhin flippt Christof aus und sagt: »Ich bringe den Mann um, wenn er kommt, abana(=aus)«. Die Zollbeamten lachen: »Beruhige Dich, in Afrika ist das eben so, irgendwann wird er kommen«. »In Afrika hat man Respekt vor dem Alter zu haben«, entgegnet Christof, »ich bin 54 Jahre, und dieser kleine Junge, der nichts in seinem Leben zustande gebracht hat, wagt es, mich warten zu lassen, mich, dem er auch noch die Chance seines Lebens zu verdanken hat: das ist nicht afrikanisch, das zerstört den Namen Afrikas«. Die Zollbeamten, mit denen Christof ja den ersten Ofen mit allem Drum und Dran zur Zufriedenheit aller Seiten über die Bühne gebracht hatte, wurden ernst. »Du hast Recht, Madou Diarra, aber beruhige Dich«. »Ich bringe ihn um«. Kopfschüttelnd über soviel Intoleranz holt der Kapo der Mannschaft seine riesige Kneifzange, setzt sie an das Siegel und sagt: »Jetzt höre mal gut zu, Madou Diarra, eigentlich dürfen wir das nicht, aber wir haben Mitleid mit Dir« – und damit öffnet er den Container.
Als Kaou um halb elf kommt, sind Oumous Nähmaschinen schon ausgeladen – er muss sofort wieder weg, einen Lastwagen organisieren: er wolle den Ofen in die neue Backstube bringen. Aha, denkt Christof und sagt es Johannes am Telefon: »erst ist angeblich kein Geld da, aber wenn wir nichts zahlen, haben sie selbst eben doch genug«. Inzwischen quatscht er mit den drei Chefinnen der Zollstation, in deren wogenden Busen das letzte Mal so mancher Geldschein sich verloren hatte; man ist sich einig, dass zwei sich eine Maschine aussuchen sollten und die dritte einen von Kai mitgeschickten Computer, und nachdem sie das schnell und gründlich getan hatten, kommt eine der Damen zu Christof und sagt: »Pack Dein Zeug und verschwinde, aber schnell«. Als sein Laster abfährt, ist Kaou mit dem seinen immer noch nicht zurück.
15.12 2005Madou trifft Kaou auf der Strasse und fragt, wie es so geht: »On attend d’argent« – man wartet auf Geld, antwortet Kaou. Christof ruft Kaou an und erinnert ihn daran, die Zollformalitäten vorzubereiten; Fafa wisse ja noch genau, wie viel Umstände das gewesen seien.
25.11 2005Weihnachtsbazar der deutschen Hilfsorganisationen: vor allem Kunsthandwerker aus Bamako, aber auch wesensverwandte Projekte, Künstler und Essensstände bieten sich und ihre Waren feil; die Weissen und die schwarze Schickeria fährt mit ihren Prachtwägen vor, zahlt Eintritt in das abgesperrte Terrain im Garten des Palais de culture am Ufer des Niger, gegenüber der deutschen Botschaft, und kauft nett Geschenke für Weihnachten ein. Alles sehr hübsch gemacht, deutsch durchorganisiert mit nummerierten Ständen und als Krönung der kulturellen Identität, hier in einem islamischen Land: ein komplettes Schwein am Spiess – hämisch grinst der Saukopf auf die Muslime hinunter.
Die Gruppe Kow Kagne gestaltet das Rahmenprogramm und Madou Couloubaly und Madou Diarra (der afrikanische Name von C.W.) haben als besondere Attraktion die Kinder aus der Rue 300 mitgebracht, mit denen sie Samstags abends immer vor der Haustür spielen.
Da Kaou den vorgeschlagenen Stand mit Informationen über Bobaku und das deutsche Brot bei der deutschen Veranstaltung nicht gemacht hat, da Kaou keine Werbetexte auf französisch, englisch und Bamananko dabei hat, sondern allein einen von Gabriele, als sie sah, dass Kaou nichts macht, in letzter Sekunde geschriebenen Text, bieten Christof und Madou Kaou das Mikrophon an, damit er zu ihrem Bobaku-Song die Geschichte selbst erzählen und um Unterstützung bitten kann. Am Rande der Veranstaltung stellt Christof dem neuen Botschafter, Herrn Schwarzer, Kaou vor, der verspricht, jetzt endlich mit den Unterlagen für den Antrag eines Kredites rüberzukommen; Schwarzer verspricht, sich darum zu kümmern, sobald die Projektbeschreibung und der Antrag vorliege.
Christof bittet Kaou in Anwesenheit von Madou noch einmal eindringlich, endlich mit den Besuchen bei den vielen Organisationen zu beginnen, wie schon tausendmal besprochen, Kredite auch bei malischen Banken zu suchen, sich um Wirtschaftsförderung – die es auch in Mali gibt! – zu kümmern und mit der Werbung zu beginnen – immerhin war der Ofen schon unterwegs. Werbung auf Bamanko sei sinnlos, meint Kaou, weil die meisten nicht lesen könnten, und geht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Kaou bereits, ohne irgend jemanden von den deutschen Bobaku-Leuten zu informieren, sämtliche Maschinen aus der Backstube abgebaut und auf verschiedene Höfe seiner Familie verteilt. Fafa hatte gekündigt, ohne über Mietminderung (mit der Miete des ersten Jahres wurde der Umbau bezahlt: diese Backstube war ja extra für Bobaku gebaut worden) und zeitweise Stornierung zu verhandeln, wozu der Vermieter ausdrücklich bereit gewesen wäre.
23.11 2005Bei den Vorbereitungen des musikalischen Auftritts beim Weihnachtsbazar begegnet Christof zufällig dem Botschafter, der ihn etwas unwirsch fragt, was denn mit dem Kreditantrag sei, keinerlei Unterlagen seien angekommen.
11.11 200511 Uhr 11: Kaou ruft Christof an: eine neue Backstube sei gefunden, ob er sofort kommen könne. Christof begreift nichts und sagt, es sei doch noch zu früh, erst müsse doch wieder gebacken werden – Kaou legt wortlos auf.
30.10 2005Gabriele, Kai und Johannes beschliessen, den Ofen loszuschicken, die GTZ übernimmt zwei Drittel der Kosten. Christof bittet Johannes, dann doch auch zwei oder drei Nähmaschinen vom Flohmarkt für Oumou mitzuschicken, damit sie, wenn ihr Bein wieder gesund ist, damit eine Schneiderei aufmachen kann. Johannesens Bruder Michael organisiert in Herten 26 – in Worten: sechsundzwanzig! – Nähmaschinen, Singer, Adler, Triumph etc., und der Container, der sonst halb leer gewesen wäre, ist bis auf den letzten Zentimeter gefüllt.
15.10 2005Kaou, zurück in Bamako, erzählt von Deutschland: Alle Leute seien sehr nett gewesen und haben ihm viel geholfen, Kai werde nicht nur eine komplette zweite Bäckerei, sondern auch weiteres Geld schicken und Schweissgeräte, mit denen er einen zweiten Betrieb aufmachen könne, in dem er Leute arbeiten lasse und nur noch am Wochenende das Geld abzuholen brauche. Er habe unendlich viel arbeiten müssen, der Ofen habe einen neuen Motor gebraucht (dass die Bochumer Gruppe diesen bezahlt hat, obwohl ausgemacht war, dass aufgrund der Restschulden von Bobaku 1 der zweite Anlauf, der ja nur auf eine Initiative von Alassanne zurückzuführen war, nichts kosten dürfe, erwähnte er nicht).
Kai wiederum schwört, dass er das nie gesagt habe, im Gegenteil, auch Johannes hatte auf Kaous Abschlussparty noch mal eindringlich mit ihm gesprochen, dass es aus sei mit den Kosten, dass die Hilfe für die Reparatur der Katastrophe, die Fafa und Kaou zu verantworten hatten, sowieso schon teurer geworden sei als gedacht. Sie müssten das jetzt alleine hinkriegen – aber die Backstube stand ja, die Miete war bis Ende November bezahlt, Kaou hatte Geld mitbekommen, um die Überbrückung zu bezahlen. Selbst das Mieten eines Ladenlokals in der Stadt oder in der Nähe der Stadtteile der Weissen hatten sie besprochen, je schneller der Ofen da sei, desto schneller könne man weiterbacken und desto schneller werde man das Geld zusammenhaben, etwas zu mieten oder gar insgesamt umzuziehen: »Ich habe ihm sogar frischen Sauerteig mitgegeben, damit er im Dezember oder Januar weiterbacken kann!«, berichtet Kai.
22.09 2005Wahlparty in der deutschen Botschaft. Der neue Mann an der Spitze, Herr Schwarzer, schlägt in Sachen deutsches Brot vor, einen EU Kredit zu beantragen, es sei falsch, Geld zu verschenken, die Leute müssten schon etwas dafür tun.
Christof gibt die Nachrichten begeistert an Alassanne weiter, der verspricht, sofort alle Unterlagen, die für den abgelehnten Förderungsantrag erstellt wurden, loszuschicken.
15.09 2005Kaou schlägt vor, seinen Aufenthalt in Deutschland zu verlängern, bis der Ofen in Bamako angekommen sei: er habe dort nichts zu tun.
Das bestätigt die Gerüchte, die seit Kaous Abflug von mehreren Seiten bis zu Christof durchgedrungen sind, von diesem aber strikt zurückgewiesen worden waren: Kaou will nur nach Europa, Kaou wird abhauen, Kaou will gar keine Bäckerei. Völlig alarmiert ruft Christof in Bochum an und schlägt vor, die ganze Aktion abzubrechen: es sei tausendmal diskutiert, dass die ganzen Jobs, die Fafa nicht gemacht hat jetzt Kaou macht:
die lange Liste der Hilfsorganisationen und Botschaften abarbeiten, um Spenden zu sammeln und Kunden zu werben, die Backstube neu zu streichen und auf die Ankunft des neuen Ofens vorzubereiten, endlich die Werbung für das Vollkornbrot anzuleiern, auch auf Bamananko, etc etc etc
–er habe das versprochen, und der ganze Aufwand dieses zweiten Bobakuanlaufs habe keinen Sinn, wenn diese Arbeit nicht gemacht werde, weil niemand Vollkornbrot kaufen werde, wenn er nicht wisse, dass es das gibt, es am Ende wieder auf die Baguetteproduktion rauslaufen werde wie mit Fafa, der eigentliche Grund, wieso das ganze angestossen worden sei, vergessen und ins Gegenteil verkehrt. Johannes ist sauer: »Sollen wir den Ofen verkaufen oder was? Und die ganze Arbeit?, fürn Arsch?«. Sie sei erst recht fürn Arsch, wenn der Ofen erstmal in Bamako sei, entgegnet Christof – man einigt sich, dass Kai nochmal mit Kaou spreche.
05.09 2005Christofs Telefonrechnung beträgt 530 Euro; Kaou, dem Christof als einzige Bedingung gestellt hat, sein Festnetz nur mit speziellen Telefonkarten für Mali zu benützen und ihm extra noch einen deutschen Telefonchip für das Mobiltelefon mitgegeben hat, schwört, Christofs Telefon nie ohne Afrika Karte angefasst zu haben. Die Internetgebühren betragen 44 Euro (obwohl Kai Kaou genau erklärt hat, welche Dinge man nicht anklicken darf, weil sie viel Geld kosten) – Renate, die Kaou tags zuvor 150 Euro Spendengelder für Nahrungsmittel gegeben hat, fordert ihn auf, das zu bezahlen: er hat nur noch 10, für den Rest hat er sich Schuhe gekauft; Lebensmittel kann er, ohne zu bezahlen, bei Johannes holen (400 Euro) und drei Familien aus Christofs Haus bringen ihm Essen, abgesehen von zahllosen Einladungen.
29.08 2005Johannes, Kai und Kaou brechen mit einen LKW auf nach Heidelberg, um den Ofen und die Bäckerei abzuholen. Besonders schwierig erweist sich der Transport durch den Gang von der alten Backstube aus dem Haus: mehrere Meter, durch die das tonnenschwere Ungetüm nur auf wenige Millimeter genau durchpasst; allein dafür braucht die Truppe vier Stunden, Teile müssen abmontiert werden, am Schluss noch Treppenstufen überwunden. Als alles endlich geladen ist, beschliessen sie, in derselben Nacht noch nach Bochum zurückzufahren, allein schon wegen der Kosten, die schon wieder viel höher sind als beim Beschluss, Bobaku fortzusetzen, gedacht; inzwischen muss fast alles aus eigener Tasche gezahlt werden, da es keine Spenden mehr gibt.
27.08 2005In Bochum, 27.08.2005
Heute findet unser website-seminar statt, das freundlicherweise vom Agenda 21 Beirat und Büro der Stadt Bochum unterstützt wird. Das Soziale Zentrum ist ein guter Ort dafür und es wurde jetzt schon verabredet, es in ca. 6 Wochen fortzusetzen.
Neue sind dann auch wieder willkommen, Anmeldung über Bernhard Raestrup, www.diadiss.net/spielwiese
07.08 2005
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Bei meinem späten europäischen Sonntagsfrühstück mit Eiern aus Kutschalla und Mozart-Klavierkonzert höre ich plötzlich ganz nahe einen Hahn krähen und wundere mich – tatsächlich: da stolziert ein weisses Vieh mit rotem Kamm durch meinen Garten, plustert sich auf und kräht.
Das muss ich Oumou erzählen, aber sie sagt nur “ich weiss”, als ich von der Sensation berichte: “der ist von meinem Chauffeur” sagt sie. “Welcher Chauffeur”, frage ich, seit wann hat Oumou einen Chauffeur? Nein, der Chauffeur, der sie angefahren habe; er hatte sie besucht, gute Besserung gewünscht und den Hahn geschenkt, den Madan sofort zu mir gebracht hatte. Ausserdem hatte er ihr 3000 FCFA (4 € 50) gebracht, wovon sie neues Verbandsmaterial kaufen konnte, das wieder mal ausgerechnet Sonntag ausgegangen war.
02.08 2005
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Madou ist weiterhin täglich in Sachen Polizeiprotokollen unterwegs, auch sie kosten und dauern; ohne sie geht aber nichts bei der Versicherung. Der Chauffeur muss geholt werden, Oumou befragt – das wird noch schwierig werden.
Oumou fängt an, uns alle, auch Mama und ihre Brüder herumzukommandieren, bis Maliki der Kragen platzt und er Respekt einfordert -
abends schreibt Madou ein Lied über das Verschwinden des Respekts unter den Menschen: “Bojan” heisst es (hoffentlich bald auf CD in Johannesens Laden zu haben!)
01.08 2005Oumous Schwester Abi kommt aus Segou. Sie ist 16 und stark, d.h. sie kann Oumou hochheben, wenn sie mal muss und Ähnliches, ausserdem ist sie eine Frau und das entspannt die Lage in diesem Frauenzimmer ein wenig. Sie wird bleiben, solange Oumou sie braucht. Inzwischen ist auch die Malaria dank des heftigen Serums wieder verschwunden.
31.07 2005
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Oumous Bruder Maliki kommt aus Sikasso; er ist Bankangestellter und konnte sich nicht vorher frei machen; er will die Familienangelegenheiten regeln, bis geklärt ist, wer in der Grossfamilie welche Aufgaben bis zu Oumous Gesundung zu übernehmen hat. Es gibt einige kritische Stimmen, die es nicht gut finden, dass ein fremder (weisser) Mann neben Oumou schlief und nicht irgendeine der zahllosen Cousinen, was in der Tat ungewöhnlich ist und damit zusammenhängt, dass Oumou als unverheiratete Frau, die keine Kinder will, einen Aussenseiterstatus hat, und den Neid ihrer Geschlechtsgenossinnen weckt.
Während ds Verbandwechsels, dessentwegen ich das Zimmer diesmal verlassen musste, kommt plötzlich eine Schwester und hält mir das Desinfektionsmittel hin: ich solle neues kaufen. Ich frage nach der Ordonnance – sie guckt mich an wie ein Pferd. Dann wieder die gleiche Situation: Oumou mit offener Wunde, deren Infektion verhindert werden soll, ich in der Warteschlange bei der Apotheke – irgendwann ist auch das durch, und es kann weitergehen. Danach bitte ich darum, mir vorher Rezepte aufzuschreiben, wir wissen doch vorher, dass sie noch mindestens 10 Tage verbunden werden muss; das gehe nicht, weil Sonntag sei, ich solle das morgen regeln.
Mein Freund Alassane Diop, Fafas Bruder und seines Zeichens Rechtsanwalt besucht Oumou und erklärt sich sofort bereit, die Verhandlungen mit der Versicherung zu übernehmen; er will auch versuchen, Schmerzensgeld für sie herauszuschlagen.
30.07 2005
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Oumous Bruder Madan kommt aus dem Heimatdorf Kutschalla angereist; er sieht genauso aus wie Oumou, an ihm kann man den Unterschied zwischen einem echten Bruder und den sogenannten (es ist manchmal verwirrend, wer alles “Bruder” ist)gut erkennen, auch am Verhalten: als erstes besorgt er Oumou eine Telefonkarte. Er ist in Kutschalla das Familienoberhaupt mit Mutter und Grossmutter, bringt Eier und Früchte mit – er übernimmt den Schlafdienst, bis die kleine Schwester aus Segou da sein wird.
Mein Freund und Nachbar, der Radiologe Dr. Seydou Segoule besucht Oumou; er arbeitet frei an diesem Krankenhaus, macht mich mit dem Klinikchef bekannt und organisiert eben mal schnell eine Röntgen-Kontrollaufnahme, die bestätigt, dass das Schienbein einigermassen gerade zusammenwächst; es gibt unzählige Hinkende auf den Strassen, meistens war nur der Fuss gebrochen, aber nicht richtig zusammengewachsen, und dieses Bild plagte mich natürlich, bis Dr. Seydou und der Klinikchef sagten, es werde alles gut zusammenwachsen; mir fällt hier immer öfter der Begriff “gesundbeten” ein, aber vielleicht hilft das ja auch etwas.
Da stellt sich heraus, dass Oumou deswegen soviel kotzt, weil sie einen Malariaanfall hat; zum ersten Mal sehe ich einen besorgten Arzt (“ich krieg das verdammte Fieber nicht weg”), und die Reaktion ist wieder die gleiche: Ordonnance ausschreiben, die härtesten Medikamente, Serum, das gespritzt wird – als ob sie nicht schon genügend vollgepumpt würde.
29.07 2005
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Nachdem wir den Boden freigeräumt haben, soll ich raus in den Park; die Türen zum Gebäude werden geschlossen, und ich mache es mir auf einer Parkbank bequem, leider gestört von Moskitos, da ich nicht, wie die anderen Leute hier, mir ein Tuch über den Kopf ziehen kann.
Nach einer dreiviertel Stunde darf ich wieder rein und bringe erstmal die Kotze und Pisse von Oumou weg, und wie ich dann im oberen Klo in der Schlange vor dem Wasserhahn stehe, bin ich ziemlich bewegt von der Ruhe, der Freundlichkeit, der Geduld und Nachsicht dieser Menschen, mit denen ich da stehe, keiner meckert, keiner drängelt, man grüsst sich respektvoll und wünscht sich einen guten Tag.
Madou ist inzwischen fester Gast bei der Polizeistation, die den Unfall aufgenommen hat, und dem Chauffeur, der weiterhin versucht Geld aufzutreiben, er sammelt alle Belege und muss für jede Quittung noch eine extra Rechnung schreiben lassen, damit es von der Versicherung anerkannt wird, auch solle man die leeren Schachteln der Medikamente sammeln, weil die Versicherung sonst nicht glaubt, dass man sie tatsächlich verbraucht hat und das Krankenhauspersonal sie sich nicht unter den Nagel gerissen hat.
28.07 2005
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Kurz nach fünf werden wir von der Wasser verspritzenden Frau auf dem Gang geweckt und müssen blitzschnell den Boden freimachen, ich kann mich gerade noch auf Oumous Bett retten, da kommt sie schon und nässt den Boden.
Daraufhin Stromausfall. Der Mann mit dem Gummischrubber erscheint in der Tür und zuckt resigniert die Achseln.
Wir warten dösend vor uns hin. Inzwischen wird es draussen hell und der Gummischrubbermann öffnet die Fensterläden, um seine Arbeit fortsetzen zu können.
Die Mutter der Kleinen, die Mama heisst, zeigt mir ein Klo im ersten Stock, das nicht ganz so stinkt, wie das bei uns und von dem bei ungünstiger Windlage, beissende Urinschwaden bis ins Zimmer schwappen. Ich habe einen kleinen Reiseteekocher mitgebracht und kann heisses Wasser zubereiten, was die Damen in unserer kleinen Wohngemeinschaft sehr erfreut; da ich Schwarztee habe, den sie nur aus Beuteln kennen, heisst mein Tee: Lipton-allemande. Ausserdem kann man sich mit dem heissen Wasser ein wenig waschen, was wir bald alle recht ungeniert tun. Die Damen beten, ich mache mein Yoga auf derselben Matte in derselben Richtung, alles völlig selbstverständlich und unspektakilär.
Um 7 kommt Hawa Tembely, eine Tante aus Oumous Familie und bringt Frühstück, Weizenschleim und frittierte Teigtäschchen.
Ab 9 beginnen die Visiten, erst kommen paarweise oder zu dritt Ärzte und lassen sich jeder alles von vorne erzählen, dann gegen 11 die grosse Visite mit ca. 20 Ärzten, alle schauen sie die Rötgenbilder an, auf denen man Oumous zersplittertes Schienbein sehen kann und sagen, alles sei gut.
Immer mehr Besucher kommen vorbei und wünschen gute Besserung, auch bei den Nachbarn, und jedesmal entspinnen sich Gespräche quer durch die Gruppen, aber Oumou kann immer noch nichts zu sich nehmen, ihre Überdrehtheit lässt nach und sie wird apathisch. Solange sie noch am Tropf ist, ist es jedenfalls nicht dramatisch.
Inzwischen ist organisiert, dass das Essen vom einen Familienteil in Bamako, die Wäsche von einem anderen gemacht wird, Samstag und Sonntag werden die Brüder aus Sikasso anreisen, um mich mit dem Schlafen abzulösen.
Nachmittags dann Verbandswechsel bei dem ich helfe – das Abreissen des festgeklebten Verbandsmulls muss höllisch wehtun, reflexartig will Oumou dem Arzt die Pinzette entreissen, woran ich sie mit sanfter Gewalt hindern muss, für einen Laien wie mich sieht die Wunde furchtbar aus, aber die Ärzte sagen, sie sei gut.
Die zweite Nacht ist fast schon normal: man quatscht noch ein bisschen vor dem Einschlafen – so ist das Leben.
27.07 2005
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Madou und ich kommen um 7, aber keiner weiss Bescheid, und wir hängen in der Notaufnahme herum, bis irgendwann endlich derselbe Arzt, der uns nachts weggeschickt hat, kommt und uns auffordert, ihn zu begleiten. Er bringt uns in das Hauptgebäude, in dem die Krankenzimmer neben einem offenen Gang liegen und führt uns in ein 12-er-Zimmer mit Nischen, in denen jeweils zwei Kranke liegen, neben denen auf dem Boden jeweils ein(e) Verwandte(r) lagert, der oder die die Kranken versorgt, überall wird gestöhnt, gejammert, Musik gehört, gequatscht, gegessen, geputzt; ganz hinten Oumou. Sie ist wach und hat die ganze Nacht gekotzt. Madou wird losgeschickt, weitere Medikamente und Verbandszeug zu kaufen, ich soll mithelfen, sie in ein Behandlungszimmer zu bringen. Dort angekommen, erklärt mir der Arzt, dass der Gips, der vom grossen Zeh bis zum Schritt komplett dicht ist, an den wunden Stellen geöffnet werden muss, damit man die Wunde desinfizieren kann. Er nimmt ein Gerät mit einer kleinen Trennscheibe, wie eine Miniflex und sägt in den Gips, ich halte Oumous schmerzverkrampfende Hände. Er schneidet den halben Gips wieder weg. Madou, der das Desinfektionsmittel gekauft hat, sucht uns per Mobiltelefon; ich hole ihn am Eingang – die Wunde kann behandelt werden. Immerhin ist das, was abends noch offen war, jetzt irgendwie genäht, der Unterschenkel eine Berg- und Tallandschaft, viele offene rosa Stellen, aber wenigstens eine zusammenhängende Angelegenenheit.
Nun muss das ganze geschient werden. Dokor und Assistent verschwinden – und kommen mit zwei vermoosten Brettern von der Baustelle zurück, aus denen sie erstmal die rostigen Nägel entfernen, dann mit Hilfe von Operationszangen zurechtstutzen, mit Gips umwickeln und als Schiene anlegen, der Doktor ist guten Mutes und wiederholt immer wieder, dass alles gut angelegt sei und gut heilen werde.
Schliesslich schreibt er wieder Rezepte aus – ordonnance – für Schmerzmittel, Tropflösungen, Verbandszeug. Das Zimmer sei nicht so gut für Oumou, meint er schliesslich und telefoniert ein wenig herum – schliesslich können wir sie in eine Viererzimmer bringen, in dem nur zwei Betten belegt sind, das eine mit einem siebenjährigen Mädchen, dessen komplettes rechtes Bein auch von einem Minibus zerquetscht wurde und einem jungen Mädchen, das einen Oberschenkelbruch hatte.
Oumou wird an den Tropf angeschlossen und ich muss jetzt Bettwäsche, Essen und was sonst noch nötig ist, besorgen und die Familie informieren. Für mich selbst hole ich noch eine Liegematte und Material und Lämpchen, um nachts schreiben zu können. Madou ist inzwischen ständig unterwegs, neue Rezepte einzulösen, auf der Polizei zu verhandeln, mit dem Chauffeur zu diskutieren. Er sagt, der Chauffeur sei kein böser Mensch, es tue ihm schrecklich leid, er könne nicht schlafen deswegen, aber er habe einfach kein Geld, da sei nichts zu machen.
Endlich können wir wenigstens mit Hilfe von zwei Ärzten ein Leintuch über die Plastikmatratze ziehen, auf der Oumou liegt, sie kann sich ein Hemd anziehen, aber sobald ich ihr etwas zu trinken einflösse oder Essbares, kotzt sie, der ohnehin schmerzgeplagte Körper zuckt und windet sich. Sie muss pinkeln, wozu Ärzte geholt werden müssen, weil das Bein gehoben werden muss – inzwischen wird ein Katheder gekauft, angelegt und ich lerne, wie man den Beutel leert.
Plötzlich müssen alle Matten, Taschen und sonstigen Utensilien vom Boden geräumt werden, aufs Krankenbett oder Fenstersims – da erscheint eine Frau mit einem Eimer und versprengt Wasser. Nun darf man den Boden nicht mehr betreten, ich sitze bei Oumou auf dem vollen Bett. Als zweites kommt ein junger Mann mit einem Gummiwischer und sammelt das Wasser wieder ein, danach eine zweite Frau mit einem Lappen, die nochmal durchwischt – danach dürfen wir wieder alles vollräumen.
Allen drei Parteien im Zimmer wird Essen von Familienangehörigen gebracht, jeder bietet den anderen an, mitzuessen, was ernst gemeint ist – und man sollte auch zumindest probieren – man kann vieles hier, aber bestimmt nicht verhungern.
Irgendwann legt sich die Mutter des siebenjährigen Mädchens auf ihre Matte und schläft, die Mutter der Jugendlichen macht es sich gemütlich, und auch ich richte meine Schlafstelle ein – es ist alles nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte, und ich bin froh, wenigstens ein Plätzchen zu haben.
26.07 2005
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in Bamako, abends:
Anruf von meiner Freundin Oumou Karambé: “accident, accident”, sie gibt das Telefon weiter, ein aufgeregter Mann spricht von Unfall, Unfall, Bein kaputt, Bein völlig kaputt, ich (Christof) soll sofort in die Universitätsklinik Gabriel Touré kommen.
Madou und ich kommen in der Notaufnahme an, mindestens fünf Menschen drängen sich gleichzeitig um einen Tisch, an dem ein Arzt die Fälle aufnimmt, auf der Bank, im Vorraum und draussen warten Menschen. Keiner weiss etwas von Oumou Karambé, wohl noch nicht da, wir warten, Madou versucht, in die Notaufnahme selbst zu gelangen, um Genaueres rauszukriegen.
Plötzlich kommt er mit einem jungen Mann: man habe uns schon gesucht, schnell schnell.
Dann können wir sie sehen: auf einer Bahre, das linke Bein ab Unterschenkel zerfetzt, der Fuss mehr als 90 Grad seitlich runterhängend, das Fleisch offen blutend. Madou verhandelt mit den Ärzten, die Rezepte schreiben: bevor nicht alles gekauft wurde, was für die Operation nötig ist, wird nicht begonnen. Auch das Röntgen muss bezahlt werden. Wer kein Geld hat, ist verloren. Aber auch vor der Krankenhausapotheke stehen Schlangen, man steht da und wartet und weiss, dass Oumou offen blutend rumliegt und nichts passiert.
Der Chauffeur des Minibusses, der den Unfall gebaut hat, soll zahlen, hat aber fast kein Geld. Ich zahle erstmal, Rechnungen werden aufgehoben, im Prinzip gibt es eine Versicherung, genaueres wird man sehen.
Endlich kommen wir mit einem Karton zurück in die Notaufnahme, Oumou spricht ganz normal und erzählt, sie sei in Sachen Grundstückskauf unterwegs gewesen: C\\\’est la vie.
Madou fährt mit dem Chaufeeur nach Hause um Geld zu holen, ich warte.
Da kommt Oumou im Rollstuhl, den Fuss nach oben gebogen, das Bein in einer Pappstütze aus einem alten Karton, aus dem das Blut tropft – ich soll mit anfassen, es geht zum Röntgen. Dort warten schon andere, das aus dem Karton tropfende Blut bildet eine Lache am Boden. Oumou gibt keinen Ton von sich, aber irgendwann fragt sie, wie lange das denn noch dauere. Endlich ist sie dran, danach sofort zurück in die Notaufnahme, die Operation kann beginnen.
Ein ebenfalls wartender Mann spricht mich an, sein Sohn hatte auch einen Unfall, sein einziger, und dann ist auch noch dessen Mutter vor drei Monaten und drei Tagen gestorben, erzählt der Mann traurig lächelnd. Nun hoffen wir beide vor uns hin.
Da kommt eine Schwester: ich solle sofort Gips kaufen. Wieder das gleiche Spiel: ich in der Schlange wartend, Oumou auf dem Operationstisch, aber nichts passiert.Als ich den Gips dann habe, muss ich erstmal die zuständige Schwester finden …
Madou kommt zurück: der Chauffeur hat nur 8000 FCFA (12 Euro), man müsse es morgen weiter versuchen.
Ich fahre nach Hause, Wasser, Essen und Decken holen, aber als ich zurückkomme, gibt es immer noch keine Neuigkeiten. Wir essen am Bordstein neben der Notaufnahme, von einer gegenüberlagernden Gruppe borgen wir Wasser zum Händewaschen.
Es ist inzwischen drei Uhr nachts, da kommt ein Arzt und sagt, wir dürften Oumou heute nicht sehen, sollen um 7 wiederkommen.
18.07 2005Christof hat sich in Bamako um den Praktikanten gekümmert: das ist nun Kaou, der Bruder von Fafa. Die Botschaft wurde kontaktiert und hat Kaou relativ schnell das Visum ausgestellt – und jetzt ist Kaou bereits hier in Deutschland.
Der Ofen steht noch in Heidelberg, aber es ist alles in die Wege geleitet. Wir wissen noch nicht genau, wie wir diese anderthalb Tonnen von Heidelberg ins Ruhrgebiet kriegen, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir werden das hinkriegen.
Ich denke, in der ersten Augusthälfte werden wir das schaffen. Wir müssen an dem Gerät auch noch Vorbereitungen treffen, die alte Isolation muss raus – das ist noch eine Heidenarbeit, bevor er transportiert werden kann. Der Ofenbauer glaubt, und seine Erfahrung sagt es ihm auch, dass in solchen alten Öfen Mäuse und dergleichen wohnen, und die möchte er nicht in seiner Werkshalle haben. So hat er sich ausgedrückt, und das ist verständlich.
24.06 2005Eine Woche nach unserem Treffen bekam Christof in Bamako eine E-mail von einer Dame aus Heidelberg, die ein Haus zu verwalten hat, deren Besitzerin gestorben ist. Und in diesem Haus war noch eine voll eingerichtete Backstube, die 1970 die Türen geschlossen hat. Man muss sich das so vorstellen: Die verstorbene Frau war verheiratet mit einem Bäcker, der 1970 verstorben ist, und seine Witwe hat einfach die Backstuben-Tür zugemacht. Das sieht aus wie ein Museum. Wie\’s der Zufall will, steht in dieser Backstube der gleiche Ofen, der in Mali explodiert ist, und er hat eine Betriebszeit von ungefähr fünf Jahren. Also ein Ofen, der fünf Jahre in Betrieb war und dann über dreissig Jahre wie Dornröschen geschlafen hat. Die Verwalterin möchte diese Sachen nur los werden. Also sie hat übers Internet recherchiert, ob nicht irgend jemand diese alte Backstube gebrauchen kann, ist auf die Homepage von BoBaKu gestossen, hat Christof kontaktiert, Christof hat diese Kontakt-E-mail weitergeschickt an unseren internen Verteiler, und ich habe noch am selben Tag diese Dame angerufen. Und dabei ergab sich, dass die Frau so schnell wie möglich einfach diese Backstube loswerden will. Die Frau hat mir versprochen, Fotos zu schicken, ich war panisch und habe alle Leute angerufen, habe mit dem Ofenbauer gesprochen, und – ja, es war auf einmal wieder ein sehr gutes Gefühl da!
Der Ofenbauer sagte von sich aus: wenn ihr einen Praktikanten besorgt – o.k.; ich brauche aber nochmal detaillierte Fotos von dem Ofen. Und dann machen wir es so: Ihr sorgt dafür, dass dieser Ofen in meinen Betrieb kommt, und dann kann der malische Praktikant den Ofen warten, restaurieren – alles, was an diesem Ofen noch gemacht werden muss
16.06 2005Eine Woche später haben wir uns im Kreise der Leute, die das Projekt BoBaKu organisiert haben und tragen, getroffen und eine Krisensitzung gemacht. Der nächstliegende Gedanke war: o.k., das Projekt ist gescheitert, die restlichen Sachen werden verkauft – es geht halt nicht. Dann haben wir weiter diskutiert: Woran lag es denn eigentlich? Was ist da passiert? Haben wir etwas falsch gemacht? Können wir es nur auf die Malier schieben? Was war das? Klar, man konnte es natürlich auf die Malier schieben, dass da etwas falsch gelaufen ist. Aber man muss auch sagen: wir haben den Faktor Technik verkannt. Wir haben extra dafür gesorgt, dass wir einen sehr alten, mit sehr einfacher Technik ausgerüsteten Ofen nach Mali schicken, aber schon der hat die Techniker dort überfordert. Solch ein Ofen, der mit Öl oder Diesel funktioniert, funktioniert wie ein herkömmlicher deutscher Ölbrenner für eine Zentralheizung; genau so ein Brenner ist da eingebaut. Natürlich gibt es in Deutschland zig Techniker, die mit so einem Gerät klarkommen. Aber werden in Mali Zentralheizungen verbaut?? Und sprich: so ein Brenner??? Nein! Also es ist doch schon ein Gerät, das man dort nicht so gut kennt. So einfach.
Wir haben also bemerkt, wir brauchen in Mali, auch wenn es chaotisch klingt, einen Techniker. Wir brauchen einen Menschen, der den Ofen, wenn etwas kaputt geht, bedienen kann. Der ihn warten kann, der auch einiges reparieren kann. Punkt eins war also: wir brauchen wieder einen Praktikanten, der bei einem Ofenbauer oder in einer Heizungsbaufirma ein Praktikum macht.
Faktor zwei war: Geld! Unsere Kassen sind leer, das Projekt hat nur noch Schulden. Und wir wussten: so billig werden wir einen Ofen nicht mehr bekommen. Also haben wir einen neuen Ofen mit 10.000 Euro angesetzt. 10.000 Euro der Ofen, 5.000 Euro der Transport, und aufgrund unserer Erfahrungen in der Vergangenheit konnten wir locker sagen: nochmal vier- bis fünftausend Euro für Kleinigkeiten wie den Transport des Ofens zu einem Container, undsoweiter. Also locker nochmal 15.000 bis 20.000 Euro. Woher nehmen, wenn die Kassen leer sind.
Also haben wir beschlossen: jeder telefoniert seine Finger wund, zur Handwerkskammer, zu dem Projekt Kamps-Stiftung, zu Hilfsorganisationen. So sind wir auseinander gegangen mit der Verabredung, uns nach zwei Wochen wieder zu treffen.
09.06 2005Also ich glaube, das versteht jeder: dieser irgendwie zusammengebaute Brenner hat ein Diesel-Luft-Ge-misch erzeugt, hat das in den Brennraum geblasen, aber es gab keinen Zündfunken. Er hat das Zeug reingeblasen, reingeblasen, reingeblasen. Die Theorie des Ofenbauers war sogar, dass da eine richtige Öllache drin gewesen sein muss, also richtig wie bei einer Ölkatastrophe, in dem Brennraum schwimmendes Öl. Ja, und dann kam der richtige Zündfunke, der dieses Ding zum Zünden gebracht hat. Und dann ist da drinnen Öl mit Öl-Luft-Gemisch, mit allem Schnickschnack drinnnen, explodiert. Man könnte es auch Super-GAU nennen. Also es war eine Katastrophe. Der Ofen hat sich gewölbt, der sah danach aus wie ein rundes Ölfass. Selbst innen die Herdplatten, die aus Stein sind, waren gebrochen und auch gewölbt, und ein Motor ist abgerissen – also. Die Leute in Mali haben die ganze Isolierung, alles mal auseinandergenommen, so dass man den eigentlichen Corpus des Ofens sieht. Da kam der ganze Schaden erst zum Vorschein, und – es war katastrophal.
Es ist einfach eine riesen Katastrophe. Also es war so klar, man konnte sehen, diesem Ofen ist nicht mehr zu helfen. Er hat nur noch Schrottwert. Die Bleche kann man verwenden, für irgendwas. Metall wird ja, glaube ich, gebraucht in Mali.
06.06 2005Ich habe dann noch eine Internet-Recherche gemacht und habe eine französische Original-Gebrauchsanweisung des Brenners gefunden und sie nach Mali geschickt – die wurde aber wohl gar nicht mehr verwendet. Sondern es gab einen zweiten Mechaniker, der hat den Brenner einfach irgendwie wieder zusammengebaut – irgend-wie. Und er lief dann wohl – irgendwie. Irgendwie!
05.06 2005Der erste Mechaniker hat wohl diesen Brenner auseinandernehmen, aber nicht mehr zusammenbauen können.
04.06 2005Ich habe in Bamako angerufen und gesagt: der Brenner muss einmal auseinandergenommen werden, muss total gereinigt und wieder zusammengebaut werden. Die Einstelldaten müssen stimmen, von der Düse, von den Zündkontakten undsoweiter, und dann kann man den Ofen wieder in Betrieb nehmen.
03.06 2005Und dann erhielt ich die Nachricht, dass der Ofen ein sehr komisches Geräusch mache, dass es ein “Buffff” gegeben habe. Ich habe sofort in Mali angerufen und habe dann mit dem Ofenbauer hier in Deutschland telefoniert, bei dem wir den Ofen gekauft haben. Der erklärte mir ungefähr, was da passiert ist, und mir war es dann auch sehr klar. Aber es war nur ein “Buffff”, kein “Bänng”, ein “Buffff”.
05.05 2005Eine schöne Veranstaltung in Bochum und ein rauschendes Fest in Bamako – das ist die Bilanz der letzten Wochen. Ca. 30 bis 40 Leute waren in die SEB Bank an der Huesstr. gekommen, der bobaku Film war den ganzen Tag über alle Monitore der Bank gelaufen – gegen abend konnte auch noch die Musik von Madou & Madou eingespielt werden. Bürgermeisterin Astrid Platzmann betonte in ihrem Grußwort das Ungewöhnliche dieser Initiative, die in so kurzer Zeit so viel geschafft hat – und dankte allen, die daran mitgewirkt haben. Christofs Bilder fanden großes Interesse, es konnte sich in der Kürze der Zeit jedoch (noch) niemand zum Kauf entschließen, da steht noch der eine oder andere Präsentationstermin an. Herr Volk, Leiter der SEB Bochum begrüßte die Gäste herzlich, die Bank ist offen für Events und Initiativen, betonte er. Die Kollegen von Composultion bemühten sich redlich um eine Verbindung nach Bamako, allerdings war die Verbindung (vermutlich aufgrund der Tageszeit, Hauptgeschäftszeit und das Netz dort ist nicht besonders stabil), die auch kurzfristig zu stande kam, leider so schlecht, dass nicht viel gesprochen werden konnte. Gleichwohl war es ein gelungener Abend, es wurden 90 ¤ Spenden gesammelt, die auf das Konto der GLS gehen. Dazu hat nicht zuletzt der Einsatz von Gesine, Bernd und Johannes geführt, die Fafas Brot und Muschelketten mitgebracht hatten.
In Bamako wurde Kais Abschied mit über 60 Leuten und in Anwesenheit des Botschafters und aller am Projekt dort Beteiligten gefeiert – drei Monate gehen sehr schnell rum. Heute ist er zurückgeflogen, wir sind alle gespannt auf seine Erzählungen und Erfahrungen.
Der nächste wichtige Termin ist der 08. Juni, da wird der bobaku Film von Johannes und Gabriele im Agenda Beirat präsentiert. Die Sitzung ist öffentlich, 18.00 Uhr, kleiner Sitzungssaal im Bochumer Rathaus.
04.05 2005Vier Tage nach diesem Fest ging dann mein Flugzeug Richtung Europa. Am 4. Mai.
30.04 2005Als richtig tolles grosses Geschenk wurde mir ein Abschiedsfest geschenkt. Mit Pauken und Trompeten und dreissig geschlachteten Hühnern und der Nachbarschaft und Live-Musik haben wir meinen Abschied von Mali gefeiert – es kam sogar ein Live-Musiker vorbei, Mangala, davon wusste keiner. Mangala ist in Mali ein richtiger Star, und der hat mir ein Ständchen gebracht. Es war imposant und schön, und wir haben lange, lange, lange, lange gefeiert. Ein Fest mit Pauken und Trompeten. Wenn es irgendwo böse Geister gegeben haben sollte – die müssten alle verschreckt und weg gewesen sein.
28.04 2005In der Nacht unserer Ankunft, ich lag längst im Bett, ging um zwei Uhr nachts das Telefon: der Ofen stand wieder auf Störung. Ich bin sehr verschlafen in die Bäckerei gefahren, habe den Ölfilter ausgebaut, alles gereinigt, die Ölleitung freigemacht – und dann lief der Ofen wieder.
27.04 2005Am nächsten Tag haben wir mit Maurice noch einen schönen Fussmarsch gemacht in ein unteres Dorf, das uns nicht so gut gefiel, da dort der Tourismus spürbar war. Früher war es wohl Sitte, dass man mit Kolanüssen bezahlte. In Maurice\’s Dorf war es zum Teil auch noch so, aber in dem unteren Dorf wollten die Leute Geld haben. Was auch verständlich war – es war keine Saison, die Leute verdienen nichts, und dann kommen auf einmal zwei weisse Herren an! Zuerst hiess es, die Tradition verpflichte uns, dem Dorfchef Kolanüsse zu geben. Dann hiess es: nein, ihr könnt dem Dorfchef Geld geben, ihr braucht gar keine Kolanüsse mitzunehmen. Und schliesslich hiess es, wir könnten das Geld bei einem findigen Geschäftsmann abgeben, wir brauchten gar nicht zum Dorfchef zu gehen! Das hat unsere Stimmung ein bisschen getrübt – aber es hat trotzdem Spass gemacht.
Dann ging es wieder zurück. Wir sind in Sévaré bei Jutta vorbeigefahren, haben bei ihr gut gegessen und den chinesischen Motorrädern auch eine kleine Rast vergönnt und einen Ölwechsel gemacht, weil natürlich in dem Öl Sand war, was für mechanische Teile bekanntlich nicht gut ist.
26.04 2005Wir fuhren von Bandiagara aus in das Unterland und wollten mit den Motorrädern unterhalb des Felsens einmal ganz an der Steilstufe entlang fahren. Wir mussten aber feststellen, dass dort schon Wüste war. Vor diesem Wüstentrip hatten wir noch diskutiert, ob wirr nicht weiterfahren sollten bis Timbuktu, einfach so – das haben wir aber an diesem Tage direkt revidiert, denn wir brauchten für zehn Kilometer Wüste sechs Stunden! Also, man muss es lernen, durch Sand zu fahren. Man muss schnell fahren; immer wenn man merkt, man kommt ins Rutschen: Gas geben. Das seinem eigenen Kopf mal klarzumachen! Wir trafen während dieser Fahrt durch die Wüste Dogons, die uns noch Tipps gaben, lächelnd: wir sollten doch erstmal Luft aus den Reifen lassen, das Gepäck ganz weit nach hinten verlagern, uns nach hinten setzen – und vor allem den Trick: Gas geben! Wenn ihr schleudert: ordentlich Gas geben. Aber es hat trotzdem nicht so gut funktioniert.
Und uns schien die Sonne auf den Kopf, wir hatten keinen Schatten, der Sprit wurde langsam weniger, das Trinken wurde weniger – wir hatten das Gefühl, wir würden mit einem Schiff untergehen, man schwimmt, und man sieht nichts mehr. Und man weiss: irgendwo muss da wieder Land in Sicht sein. Und so haben wir uns von Dorf zu Dorf zu Dorf gehechelt – und wir haben es geschafft.
Wir sind wieder hochgefahren auf die Steilstufe und haben dort einen sehr netten Menschen kennengelernt, Maurice, einen Christen, der uns in sein Dorf mitnahm. Pilou hiess das Dorf. Es lag nicht auf der typischen Dogon-Route, hatte aber zweitausend Bewohner, war also ziemlich gross, und hatte eine sehr gute Infrastruktur. In Pilou lebten Baptisten, Muslims und Christen ungefähr zu je einem Drittel, war also gut aufgeteilt.
Maurice hat mit seiner Familie einen kleinen Hof innerhalb des Dorfes, und wir haben bei ihm wohnen können. Er zeigte uns das Dorf, und natürlich gab es abends ein Hühnchen für uns – es war einfach wunderschön.
25.04 2005Im Dogonland ging plötzlich mein Handy: der Ofen machte Mucken. Es stellte sich heraus, dass es an jenem Regentag, den ich in der Trockensavanne erlebt hatte, in Bamako ebenfalls geregnet hat, aber keiner kam auf die Idee – obwohl wir es so besprochen hatten -, das Ölfass, in dem das Öl für den Ofen gelagert wurde, wieder abzudecken, nachdem neues Öl gekauft worden war. So ist also Wasser in das Ölfass gekommen, es bildete sich ein Diesel-Wassergemisch, und das wollte dieser Ofen partout nicht trinken und nicht verbrennen. Zum Glück konnte ich in diesem Fall per Ferndiagnose helfen.
24.04 2005Sobald wir im Dogonland ankamen, stürzten sich sehr, sehr viele freundliche Männer auf uns und boten sich als Führer an. Wir wollten keinen Führer, und schliesslich sagten sie sehr sauer, wir respektierten ihr Land nicht, und wenn sie nach Deutschland kämen, würden sie sich genauso verhalten wie wir. Wir sind trotzdem mit unseren komischen kleinen klapprigen Motorrädern weiter quer durchs Dogonland gefahren.
23.04 2005Nach drei Tagen erreichten wir Sévaré. Und hatten immer noch Vollkornbrot. In Sévaré suchten wir eine günstige Bleibe mit Wasseranschluss, weil wir allmählich stanken, und wurden fündig bei einer Dame namens Jutta, die dort ein Motel führte. Jutta verlangte europäische Preise für ihre Bleibe, und wir sagten, wir würden gern bei ihr nächtigen, aber es wäre einfach zu teuer. Wir hätten nur ein gewisses Budget dabei, das noch eine Weile reichen müsse. Wir durften dann auf ihrem Dach übernachten; ein Essen bezahlten wir mit einem halben Vollkornbrot, und wir haben super gegessen bei ihr! Getränke mussten wir am Ende nicht bezahlen, Jutta wollte auch unbedingt in Bamako Vollkornbrot kaufen – also wir haben uns prächtig verständigt und mussten der Dame nur einen ganz kleinen Betrag zahlen.
Jutta gab uns noch Tips fürs Dogonland, wohin wir von Sévaré aus aufbrachen. Sie empfahl uns gute Stellen, gab uns Tipps, zum Beispiel dass wir bloss keinen Führer nehmen sollten; sie schenkte hat uns eine sehr detaillierte Karte des Dogonlandes – wir waren also bestens vorbereitet.
22.04 2005Schnellebig, wie unsere Zeit nun mal ist, findet die Veranstaltung in Bamako nun in der dortigen Filiale der Weltbank statt, hier in Bochum bleibt alles wie geplant:
Am 28.4. in der SEB-Bank, Huesstr. 30, ab 17.00 Uhr Benefizveranstaltung mit Film, Bildern und Direktschaltung nach Bamako.
21.04 2005Am nächsten Morgen kamen Kinder an der Schule vorbei, die Wasser geholt hatten fürs Dorf, und blieben bei unserem Anblick stehen wie die Statuen. Wir wollten sie fotografieren. Die Kinder trugen volle Wasserbehälter auf dem Kopf, nahmen diese schweren Behälter aber dann herunter und standen weiter da wie angewurzelt. Und wir wollten eigentlich ein Foto machen von den Wasserbehältern auf ihren Köpfen! Also haben wir immer wieder die Hände hochgehoben, um ihnen zu zeigen: Kinder, könnt ihr nochmal die Wasserbehälter auf eure Köpfe packen? Aber nein, die Kinder standen da, als ob wir sie mit einer Waffe bedrohten! Die haben ihrerseits auch die Hände hochgenommen!
20.04 2005In einer Nacht gab es einen grossen Regen. Wir haben unser Lager in der Savanne schnell abgebrochen und gelangten kurz vor dem Regen in ein kleines Dorf. Mit Händen und Füssen fragten wir, ob wir nicht in der Dorfschule schlafen könnten. Natürlich durften wir das. Und kaum zwanzig Minuten später stand in sicherer Entfernung – schliesslich weiss man ja nie, wie der weisse Mann drauf ist -, das halbe Dorf! Draussen im Regen, im Dunkeln, kurz vor Vollmond, standen sie da, ungefähr zwanzig Leute, Männer, Frauen, und natürlich Kinder. Und wir waren in der Schule, haben gegessen, guckten raus und sahen im Scheine des Mondes, dass sich da irgend etwas bewegte. Wir sind dann zu den Leuten hinaus gegangen und haben gefragt, warum sie da so stehen. Einer von ihnen konnte Französisch, und der sagte, sie würden eben so da stehen. Das war alles.
19.04 2005Am ersten Tag sind wir bis Ségou gefahren. Ich war sehr überrascht, was für ein Unterschied das ist, wenn man zwei Monate und eine Woche in Bamako sitzt, und dann aus Bamako richtig herausfährt. Da kapiert man, warum die Landbevölkerung in diese grosse Stadt strömt: das ist, als seien es zwei unterschiedliche Länder, oder sogar zwei verschiedene Kontinente. Auf dem Land gibt es keinen Strom, es gibt kein fliessendes Wasser, es gibt kein gar nichts. Es gibt nur eine Trockensavanne, eine grosse Strasse, und die Dörfer. Und das war\’s.
In Ségou haben wir luxuriös in einem Hotel mit Swimming-pool übernachtet. Ein schöner Start, wir konnten noch nochmal duschen, aber so sollte unsere Reise nicht aussehen. Danach haben wir uns fast jeden Abend in die Trockensavanne gelegt. Haben ein Feuerchen gemacht, uns noch Essen besorgt, und uns Geschichten erzählt.
18.04 2005In Bochum:Für den 28.04.2005 ist nun eine Benefizveranstaltung geplant: Denn die Bäckerei läuft ja, braucht aber noch Anschubunterstützung. Dafür wird nochmal getrommelt und gesammelt. Die besondere Freude: Neue Sponsoren: Die SEB stellt ihre Hauptstelle an der Huesstr. 30 für die Premiere des Films über bobaku zur Verfügung. Die Firma Computec (gleicher Standort) steuert die technischen Möglichkeit und Cafe Wiaker sorgt für schönes Ambiente und leibliches Wohl.
Also ab 17.OO Uhr ist der Film dort zu sehen, besonders freuen wir uns, dass der Film der Produktionsgemeinschaft Bild Ton Schrift durch das Agenda Büro der Stadt Bochum unterstützt wird. Es gibt dann Bilder, die Christof in Mali gemalt hat, als Ausstellung und zu kaufen – und als besonderes special: Die Gelegenheit mit dem Bäcker Kai Reckers, mit Fafa Diop und mit Christof Wackernagel direkt in Bamako zu sprechen. Da der dortige event in der Botschaft in Bamako stattfindet, kann man voraussichtlich auch mit dem Botschafter, Volker Schlegel, sprechen, es gibt Infos, Hutzelbrot, Schnittchen und eben alles über bobaku im Zeitraffer auf Großbildschirmen – life und in Farbe….
17.04 2005Kurze Absprache gehalten mit Kaou und Fafa und mit den Bäckern und Fahrern; ich nehme auch mein Handy mit auf die Reise ins Dogonland, damit ich zu erreichen bin, wenn irgend etwas ist. Morgen fahren wir los.
12.04 2005Der Bäckereibetrieb läuft mehr oder weniger regelmässig. Er könnte noch besser laufen, aber so ist es ja immer, wenn man einen Betrieb neu eröffnet. Es wäre ja auch fatal, wenn der dann schon direkt ausgelastet wäre.
08.04 2005Die Leute vom Hotel Kempinski sind total zufrieden. Dadurch gibt es auch eine Mundpropaganda zur Amerikanischen Botschaft. Die Deutsche Botschaft ist endlich auch aufmerksam geworden, mehrere Botschaftsangehörige kaufen fleissig unser
Vollkornbrot – also es wird mehr.
Wenn wir das Brot an die reicheren Leute verkaufen, also an die Botschaften, und natürlich auch an das Hotel Kempinski, nehmen wir einen kleinen Aufschlag, was ich politisch total o.k. finde. Den Leuten habe ich es so erklärt: es sei schwieriger – sprich: teurer -, Vollkornmehl zu bekommen. Also das Wort nehme ich natürlich nie in den Mund, aber: schwieriger.
04.04 2005Das Hotel Kempinski hier in Bamako ist plötzlich angetan von dem Brot und will jeden Tag sechs bis zehn Brote abnehmen.
03.04 2005Mein letzter malischer Monat hat angefangen, und ich habe mit Felix besprochen, dass wir zusammen auf zwei chinesischen Motorrädern, wie sie ganz Mali fährt, einmal quer durchs Land fahren. Also was heisst, quer durch Mali fahren: die Sahara haben wir ausgelassen, davon wurde uns abgeraten. Wir sind über die größten Städte gefahren, über die größte Strasse, die es in Mali gibt. Ségou, San, Sévaré – und von Sévaré aus einen Tag nach Mopti – und dann ins Dogonland. Bis ins Dogonland sind es von Bamako aus 600 bis 700 Kilometer.
02.04 2005Wir haben konkret analysiert, was wir herstellen müssen, damit der Betrieb sich selber trägt, wieviel Brötchen, wieviel Vollkornbrote wir backen müssen – und das ist eigentlich gar nicht so viel: etwa 200 Brötchen und 30 Brote, jeden Tag. Das reicht, um vier Leute glücklich zu machen: Fafa, Kaou und die beiden angestellten Bäcker. Und man kann sogar noch Rücklagen zu schaffen.
Wir träumen davon, ein Ladenlokal anzumieten, um das Brot in der Stadt zu vermarkten. Oder nicht in der eigentlichen Stadt, wo die Malier sind, sondern dort, wo die Europäer wohnen, wo die Botschaften sitzen. Aber das ist Zukunftsmusik.
28.03 2005Wir haben konkret analysiert, was wir herstellen müssen, damit der Betrieb sich selber trägt, wieviel Brötchen, wieviel Vollkornbrote wir backen müssen – und das ist eigentlich gar nicht so viel: etwa 200 Brötchen und 30 Brote, jeden Tag. Das reicht, um vier Leute glücklich zu machen: Fafa, Kaou und die beiden angestellten Bäcker. Und man kann sogar noch Rücklagen zu schaffen.
Wir träumen davon, ein Ladenlokal anzumieten, um das Brot in der Stadt zu vermarkten. Oder nicht in der eigentlichen Stadt, wo die Malier sind, sondern dort, wo die Europäer wohnen, wo die Botschaften sitzen. Aber das ist Zukunftsmusik.
24.03 2005Die Backstube steht in einem Industriegebiet – eine schlechte Lage, um das Brot zu vermarkten. Und wir selber sind meistens nur vier Stunden in der Backstube. Häufig hören wir, dass Leute vor der Backstube standen und Brot kaufen wollten, und wir waren nicht da. Aber ganz langsam schleift sich das ein. Die Leute werden neugierig, kommen zu uns, machen dann Mundpropaganda – so wird es immer ein bisschen mehr.
20.03 2005Der Ofen ist zu einem Viertel ausgelastet, die ganze Backstube vielleicht zu zehn Prozent. Wir haben in kleinen, kleinen Mengen angefangen. Dann bekamen wir den Auftrag eines italienischen Restaurantbesitzers, der wollte jeden Tag deutsche, geschnittene Weissmehlbrötchen haben, 60 Stück am Tag, es ging sogar hoch bis 100 Stück, oder 150 Stück am Tag – das war ein nettes Zubrot. Dadurch mussten wir den Ofen täglich anschmeissen. Und dabei haben wir dann immer Vollkornbrot hergestellt, ein paar Backversuche gemacht, und jeden Tag irgendwie versucht, dieses Brot zu vermarkten.
Und dann ging es auch los, dass irgendwelche malischen Leute in die Backstube kamen und unser Brot kauften – es wird langsam und langsam immer mehr. Es reicht natürlich noch nicht dazu, dass der Betrieb sich selber trägt.
16.03 2005
Bilder
Schon 50 Kilo Vollkornmehl verbacken – die ersten Hotels werden beliefert!
15.03 2005Die 200 Kilo Weizen-Vollkornmehl waren nach zehn Tagen verbacken. Wir mussten nachbestellen – und erlebten wieder mal Mali live: das Mehl kam drei Tage zu spät. Der Grossimporteur rennt eben auch nicht persönlich durch seine Firma und organisiert alles – es war einfach ein Koordinationsproblem.
Bemerkenswerterweise ist das Vollkornmehl billiger als das Weissmehl. Also total untypisch. Das hat folgenden Grund: der Grossimporteur hat eine Mühle in Mali angesprochen. Die Müller unterbrechen nun einfach nach dem normalen Mahlen des Getreides den Mahlprozess und tüten das so gewonnene Mehl ein – sie müssen dieses Mehl nicht sieben, nicht reinigen, nichts. Für die malische Mühle ist das ein ganz logischer Vorgang: der Arbeitsprozess ist kürzer, also wird das Mehl billiger. In Deutschland ist das Vollkornmehl grundsätzlich teurer.
14.03 2005Kaou ist mit dem Brot durch Bamako gefahren, mit einem chinesischen Motorrad durch diese dreckige Stadt, und hat dann extra sehr weit weg dieses Motorrad abgestellt, damit es so aussah, als sei er mit dem Auto vor den Restaurants vorgefahren, hat schnell noch den Staub abgeklopft und umgepackt, und dann hat er strahlend das Brot präsentiert, als hielte er Goldbarren in der Hand. Ich bin zweimal mitgefahren, das war einfach irre.
12.03 2005Kaou ist mit dem Brot durch Bamako gefahren, mit einem chinesischen Motorrad durch diese dreckige Stadt, und hat dann extra sehr weit weg dieses Motorrad abgestellt, damit es so aussah, als sei er mit dem Auto vor den Restaurants vorgefahren, hat schnell noch den Staub abgeklopft und umgepackt, und dann hat er strahlend das Brot präsentiert, als hielte er Goldbarren in der Hand. Ich bin zweimal mitgefahren, das war einfach irre.
09.03 2005Wenn wir für diese Vermarktungsaktionen Brot hergestellt haben, wollte Fafa immer bei der Produktion dabei sein. Eigentlich sollte Kaou diese Produktion übernehmen, und Fafa mehr für das Marketing verantwortlich sein. Es zeigte sich aber, dass Kaou besser fürs Marketing taugte, dass er mit richtigem Enthusiasmus da reingegangen ist. Und so kam es dann, dass Fafa wieder in der Backstube war, und Kaou hat das Brot vermarktet. Fafa ist eine sehr gute Bäckerin; sie hat einfach ein Händchen dafür.
08.03 2005Fafa hat sehr schnell bemerkt, dass es schwierig ist, ein neues Produkt in einem Land wie Mali einzuführen. Also ein Produkt, das wirklich keiner kennt. In vielen anderen Ländern gibt es deutsche Bäckereien, die natürlich auch Vollkornbrot herstellen, sogar Spezialitätenbäckereien mit Sauerteig. Aber nicht in Mali. Und so war es sehr schwierig, dieses Brot unters Volk zu bringen.
In den Hotels oder Restaurants, die Fafa aufsuchte, versprachen ihre Ansprechpartner meistens, das Brot ihrem Chef zu geben. Manchmal hat sie es zusammen mit den Leuten probiert, und sie fanden es sehr interessant. Aber sie haben nicht direkt gesagt: Wir werden morgen Brot bestellen, das nicht. Fafa kam nach diesen Touren, die auch wirklich stressig waren – ich habe eine Tour mal mitgemacht – mit hängenden Schultern wieder und sagte: Es bringt nichts. Sie hatte einfach keine Energie mehr, dieses Brot zu vermarkten, ihr fehlte der lange Atem.
03.03 2005Das heisst, nach drei Tagen konnten wir anfangen, unser erstes Vollkornbrot herzustellen. –
Und dann sassen wir in der Backstube und hatten das erste Sauerteig-Vollkornbrot Malis in unseren Händen. Das war ein sehr, sehr schöner Tag. Alle waren dabei: Kaou, und Fafa, und einer der beiden Bäcker – wir haben wieder eine grosse Back-Party veranstaltet. Haben dieses Brot natürlich wieder dem Volk geschenkt, irgendwelchen Leuten, von denen wir wussten, dass sie es unbedingt probieren wollten.
Nach dieser Back-Session haben wir uns dann wieder zusammengesetzt und haben überlegt, wie wir das Vollkornbrot vermarkten.
02.03 2005Zwei Tage später hatten wir tatsächlich 200 Kilo Weizen-Vollkornmehl, wir hatten einen neuen Thermostat, also einen funktionierenden Ofen, und ich konnte mit dem Vollkornmehl den Sauerteig aufpäppeln, den ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Ich war mir aber auch gar nicht mehr so sicher, wie fit der noch war, oder wie halbtot er war. Aber es funktionierte! Es war noch ein Fünkchen Leben drin. Man kann auch sensorisch testen, ob ein Sauerteig wieder was wird. Und wenn man ein kleines Fitzelchen Sauerteig hat, kann man tausend Jahre backen. Man muss nur sehr liebevoll, wie mit seinem Liebespartner, mit diesem Sauerteig umgehen. Also alte, gute Bäcker – deren Sauerteig ist 100 Jahre alt, und noch älter.
01.03 2005Während dieser Stresszeit kam sogar noch der Ersatz für den kaputtgegangenen Thermostat aus Deutschland an, und ich habe ihn schnell in den Ofen eingebaut
28.02 2005Kaou und ich sind auf der Suche nach Vollkornmehl über den Markt gegangen, sind bei Grosshändlern vorbeigegangen – es klappte natürlich nichts. Alle wollten uns Weissmehl verkaufen, aber kein Vollkornmehl. Irgendwann hatte Kaou die Idee, zu einem Gross-importeur zu gehen, einem französischen Importeur, der nur Lebensmittel von Frankreich nach Afrika schifft bzw. Lebensmittel von Afrika nach Frankreich schifft.
Wir haben uns durchgefragt durch die Büro-etage, bis wir beim Chef persönlich sassen, haben ihm die Sachlage geschildert, und er fand die Idee erstmal ziemlich komisch. Er hatte von Lebensmitteltechnik Ahnung und sagte, er habe zwei Ideen: wir sollten von ihm Backmischungen kaufen, aus Frankreich, die sehr gut wären, ausserdem: “Alle Bäcker backen doch mit Backmischungen!”. Seine zweiter Vorschlag war: wir kaufen von ihm Weissmehl, und er könnte uns Kleie besorgen. Kleie ist das Abfallprodukt, das in Weissmehlmühlen übrig bleibt – wir könnten also Weissmehl kaufen, Kleie kaufen und selber Vollkornmehl mischen. Er kenne arabische Bäcker hier in Mali, die würden das auch so machen. Ich sagte ihm: “Ich habe dieses Brot sogar schon gekauft und es getestet; es ist Schrott.” – Nein, dann könnte er uns nicht helfen, meinte er. Uns war klar, dass das der letzte Anlaufpunkt für heute war, und deshalb bin ich einfach sitzengeblieben und habe gesagt: “Nein. Sie müssen uns irgendwie helfen. Sie müssen eine Möglichkeit finden.” Ich habe ihm unser Projekt kurz vorgestellt, habe gesagt, wir hätten alles, die Technik würde funktionieren, wir hätten schon Abnehmer in Aussicht, und: “Wir brauchen Vollkornmehl! Dann könnten wir starten.” Und er guckt mich an und sagt: “Okay. In zwei Tagen habt ihr zweihundert Kilo Vollkornmehl.” Ich dachte, ich höre nicht recht, glaubte, es wäre ein Kommunikationsproblem, und habe nochmal nachgefragt: Doch, wir bekämen 200 Kilo Vollkornmehl, wir könnten es in zwei Tagen abholen. Und als ich fragte, wie teuer das wäre, sagte er: “Das ist erstmal ein Test – das ist umsonst.” Wir sollten sein Mehl erstmal testen!
Ich hatte dann noch mit ihm diskutiert, dass ich auch gerne Roggenmehl hätte, und er sagte, er würde sich darum kümmern. Also es kann sein, dass in der Zukunft auch Roggenvollkornmehl verbacken wird.
Jedenfalls haben wir es geschafft, innerhalb von acht Stunden an Vollkornmehl dranzukommen; wir konnten es selber kaum glauben.
24.02 2005Ich habe Fafa zu mir zitiert und habe ihren Bruder Kaou zu mir zitiert. Kaou hat auch – mit ein bisschen Abstand – immer gesagt: ich wusste es, ich wusste es, ich wusste es, so kann das nicht laufen. Zu Fafa habe ich klipp und klar gesagt: “Du sagst mir also, du kriegst hier kein Vollkornmehl, weil man das hier nicht besorgen kann, du musst aber weiterbacken – diese Information habe ich. Du kriegst von mir die Information: wenn Du heute abend weiterbackst, dann lege ich den Ofen still. Ich werde persönlich vorbeikommen, irgend etwas ausbauen, und dann kannst Du eh nicht mehr backen. Und gleichzeitig habe ich ihr versichert, wenn sie Angst vor irgendwelchen Aggressionen hätte oder davor, ihr Gesicht zu verlieren: ich würde immer noch hinter ihr stehen, das würde ich mit ihr durchstehen. Ich würde mit den Bäckern sprechen, ich würde mit den Fahrern sprechen, und alles regeln.
Das hat dann aber ihr Bruder Kaou übernommen. Er ist nach unserem Gespräch direkt mit Fafa in die Bäckerei gegangen und hat alles erklärt, warum jetzt nicht gebacken werden kann und dass wir erst weiterbacken, wenn wir Vollkornmehl haben. Das Backen wurde also erstmal abgebrochen.
Nachdem Kaou die Sache mit den Bäckern geklärt hatte, kam er nochmal bei mir in Christofs Haus vorbei, und wir haben beraten, was zu tun sei. Unsere Strategie war im Grunde super simpel: wir werden einfach nur noch Vollkornmehl suchen. Das ist die oberste Priorität, wir suchen einfach ganz stumpf Vollkornmehl. Vollkornmehl, Vollkornmehl, Vollkornmehl.
23.02 2005Ich habe mich mit den Leuten aus Deutschland beraten, die ja Geld und Energie und alles in dieses Projekt hineingesteckt haben und diese Entwicklung auch ganz, ganz schrecklich fanden.
Wir haben zwei unterschiedliche Strategien diskutiert. Die erste Strategie: ich lasse die Schultern hängen, fahre in Urlaub und komme wieder, wenn Verstärkung aus Deutschland gekommen ist und wir die Sache zusammen weitermachen können. Die zweite Strategie: ich haue ordentlich auf den Putz und versuche mit viel impulsiver negativer Energie und dominantem Auftreten das Projekt wieder in die richtige Bahn zu lenken. Und diese zweite Sache habe ich dann auch durchgezogen.
22.02 2005Am nächsten Tag habe ich mich mit Fafa getroffen und habe ihr auf den Kopf zugesagt: “Du hast gebacken! Ich habe es doch gespürt!” Sie gab zu, gebacken zu haben, und war auch sehr stolz auf das, was sie gebacken hatte. Sie hatte auch wieder alles verkauft. Aber ich sagte direkt zu ihr: “Du hast keine Ahnung von der Vermarktung deines komischen Weissbrotes, du wirst da total verarscht, und dafür bin ich nicht hier. Ich bin nicht hier, um malische Baguettes herzustellen. Es gab genug Spendengelder und Leute, die hoffen, dass wir ein wunderschönes Vollkornbrot herstellen, und das sollten wir jetzt machen.” –
Ja, und dann kam es zu einem Streit. Oder: zu einem Riesenstreit. Es gebe in Mali gar kein Vollkornmehl, behauptete sie, und sie müsse unbedingt weiter backen, auf Deubel komm raus. Sie habe so etwas wie mündliche Verträge mit einigen Abnehmern, und wenn sie diese mündlichen Verträge nicht einhalte, müsse sie das Land verlassen. Das wäre halt so in Mali. Und ich hätte keine Ahnung von der Materie.
21.02 2005Am nächsten Abend waren Fafa und ich wieder verabredet, nur – der erwartete Anruf von ihr kam nicht, und ich konnte auch Fafa nicht erreichen. Ich sass sehr frustriert mutterseelenallein in dem grossen Haus von Christof und wusste nicht, was los war. Ich habe einfach gewartet. Gewartet, und ich sass da, und ich habe gewartet, und sass da – und war tierisch traurig. Und ich hatte auch keinen Menschen zum Reflektieren. Ich wusste einfach nicht, was los war.
20.02 2005Am nächsten Tag kamen dann freundliche Herren vorbei und haben Fafa die ganze Brotladung abgekauft, aber für einen tierischen Dumping-Preis. Ich habe mich tierisch darüber aufgeregt und habe mich dann auch mit den Leuten angelegt, so dass Fafa sogar anfing zu weinen und versuchte, mich zu beschwichtigen. Ich bin wutentbrannt aus der Backstube raus und nach Hause gefahren.
19.02 2005Wir haben also eine ganze Nacht lang Baguettes gebacken, und ich habe liebend gern mitgemacht, habe aber schon in dieser Nacht gespürt: irgend etwas läuft hier nicht richtig. Das war mein intuitives Gefühl. Ich habe die Sache dann angesprochen, habe auch eine gewisse Wut und Frustration in mir gespürt, aber ich dachte, es wäre – andere Länder, andere Sitten. Also ich konnte nicht deuten, was das ist.
18.02 2005Kai Bericht:
Die beiden Bäcker, die Fafa angeheuert hat, haben mir ihre Tricks gezeigt; es gab einiges zu berücksichtigen, woran ich gar nicht gedacht habe. Das erste war die Temperatur des Landes. In Deutschland muss man es irgendwie hinkriegen, das Wasser, mit dem man den Teig herstellt, auf Temperatur zu bringen, da die Teige eigentlich immer zu kalt werden. Und in Mali ist es genau umgekehrt. Man muss eigentlich mit Eis backen. Also man muss wirklich das Wasser einfrieren und dann dreissig Prozent oder sogar fünfzig Prozent Eis benutzen. Schon allein das Wasser, das aus der Leitung kommt, hat in Mali eine Temperatur so um die 30 Grad. Und in Deutschland sind das konstante 19 Grad, im Winter und im Sommer. Das war für mich ganz neu, aber da konnten mir die Bäcker sehr gut helfen.
17.02 2005
Bilder
14 Uhr 27: Anruf von Kai aus Bamako:
DAS ERSTE BROT IST AUS DEM OFEN !!!!!!!!!!!!
16.02 2005Damit waren wir technisch so weit, dass wir die ersten Backversuche machen konnten. Wir hatten allerdings immer noch keinen Backtisch – neben der Bäckerei gab es zwar eine Schreinerei, und die Schreiner hatten zugesagt, nach vier Tagen wäre dieser Tisch fertig, aber das klappte natürlich nicht. Ungefähr eine Woche hat es gebraucht, bis der Tisch in der Backstube stand.
Also der Ofen funktionierte, die Teigmaschine funktionierte – wir waren alle glücklich, und ich wollte unbedingt backen. Und dann hiess es: Es dauert noch ein bisschen mit dem Vollkornmehl. Das war in dem Moment eine grosse Katastrophe – der Sinn der Sache war ja, Vollkornbrot herzustellen.
Also haben wir einen Sack Weissmehl gekauft, normale Hefe gekauft, und haben einfach erstmal Baguettes, Brötchen, Weissbrot, alles mögliche hergestellt. Wir wollten eigentlich nur die Technik ausprobieren, also die Teigmaschine, den Ofen, und gucken, ob das Thermometer richtig funktioniert – den Thermostat haben wir manuell gesteuert – also dafür haben wir diese erste Aktion gemacht.
Die ersten Versuche haben sehr gut geklappt. Der Ofen hat keine Störung angezeigt, die Teigmaschine ist nicht ausgefallen, die beiden Bäcker, die später in der Bäckerei mitarbeiten sollten, waren auch dabei und haben mir gezeigt, wie man malische Baguettes herstellt – also es war ein richtig schöner, munterer Nachmittag. Wir haben ungefähr zehn Brötchen hergestellt, zehn Baguettes, fünf Weissbrote – also ganz kleine Mengen, und haben wir natürlich sofort unters Volk gebracht. Die Backstube liegt in einem Industriegebiet, und da laufen genug Leute herum, die sehr dankbar sind, wenn sie ein Stück Brot bekommen, und die haben natürlich liebend gern diese Backversuche gegessen.
15.02 2005Das Herrichten der Backstube hat ungefähr eine Woche gedauert. Wir sind mit dem grössten Arbeitsgerät angefangen, mit dem Backofen. Haben den erstmal mit einem Gabelstapler an seinen richtigen Platz gerückt und haben ihn dann versucht in Betrieb zu nehmen. Dabei gab es ein Problem: der Elektriker war technisch nicht sehr versiert und hat einen Kurzschluss in den Thermostat des Ofens eingebaut. Das war eine mittlere Katastrophe – in Mali kann man ja nicht an jeder Ecke einen Thermostat für so ein spezielles Gerät kaufen. Das heisst, wir mussten diesen Thermostat mit einem Trick überbrücken. Danach ging es aber ziemlich fix; ich habe die Ölleitungen gelegt, die Stromleitungen wurden richtig verlegt, und ich habe sogar aus Deutschland noch einen Schaltplan für den Ofen besorgen können.
09.02 2005Bamako 11 Uhr: Kai und Fafa ziehen nach ausführlicher Besprechung der Lage los in die Backstube, um festzulegen, wo genau der Offen stehen wird, welche Kabel und Wasseranschlüsse noch genau wo hin sollen, wo der Backtisch stehen wird – wie bei Hutzel in der Mitte der Backstube, nicht an der Wand, so dass man nicht die Wand anglotzen muss, wenn man backt, sondern die Kollegen, mit denen man dabei quatschen kann; so ist das hier sowieso im allgemeinen Leben, und das ist Hutzelkompatibel, so gefällt uns der Dialog! -, welche Regale noch wo hin müssen etc etc etc: “Wir arbeiten uns vom Ofen ins Büro”, erklären die beiden beim Mittagessen, das mit von Fafa zubereitetem malischem Tee (starker grüner Tee 15 Minuten gekocht, 125 mal umgegossen)abgeschlossen wird, bevor die beiden wieder losziehen, um zwei Mopeds zu kaufen, die Alasanne (Fafas Bruder) vorfinanziert, damit Kai nicht mit dem Fahrrad in die Backstube muss und, sobald die ersten Brote aus dem Ofen kommen, sie in ganz Bamako verteilt werden können.
Kai:
Als erstes musste ich mir einen Überblick verschaffen, was da war, was noch benötigt wurde. Der Ofen stand da, aber er war nur vormontiert, also er war noch nicht instandgesetzt; die Teigmaschine stand da, die musste noch ein bisschen überholt werden – und das war\’s eigentlich. Das waren die beiden wesentlichen Sachen, die da waren. Es gab noch keinen konkreten Wasseranschluss, der Strom für den Ofen war noch nicht gelegt, es gab keinen Arbeitstisch – also eigentlich war noch nichts da. Aber der Raum, der war schon da. Der ist gross, hell, geräumig, also die besten Voraussetzungen für eine Backstube.
Ich habe dann mit Fafa und ihrem Bruder Kaou zusammen beraten, wo die Sachen ungefähr hin sollten, also wo der Ofen installiert werden soll, der Wasseranschluss hingelegt werden soll, wo ein Arbeitstisch hingestellt werden muss, wie gross der sein soll, die Teigmaschine – undundund. Also die bäckereitypischen Sachen, damit man vernünftig backen kann.
08.02 2005Renate aus Bamako:
Morgens mit Madou zum Niger (Fafa und Christof, die Kai vom Flughafen abholen wollten, nahmen uns im Auto bis dorthin mit), von der neuen (unter Alpha Konaré er-bauten) Brücke am Fluss entlang zur alten “Pont des Martyrs” gegangen. Durch Bozola – einen der ältesten Stadtteile, in dem einst das Fischervolk der Bozo lebte, der aber inzwi-schen fast völlig neu gebaut worden ist – und Niarela (großer islamischer Friedhof, Denkmal der Märtyrer von 1991) nach Quinzambougou und schließlich Hippodrome. Ge-hämmerte Baumwolle. Die Färbereien an den Straßen. Die Bastknüpfer-Manufaktur auf der Straße. An Hauswänden und auf Plakaten immer wieder auftauchender Wahlspruch des Landes (bzw. seiner Regierung): »Un peuple, un but, une foi« (ein Volk, ein Ziel, ein Glaube).Bamako, Flughafen Senou, 10 Uhr 30:
Kai kommt an! Es ist nicht zu fassen, er ist tatsächlich da – gutgelaunt, etwas müde nach 18 Stunden Flug über Addis Abbeba, Lagos und Dakar, die Sonne scheint, und wir fahren erstmal in die Backstube, wo er am liebsten sofort loslegen würde, da er alles vorfindet, was er zum Anfangen braucht – wir fahren aber doch erstmal nach Hause , damit er wenigstens seinen Rucksack in sein Zimmer stellen kann.
Zur Begrüssung gibt es frittiertes Bohnenmus, Aloko und Njams mit scharfer Sosse, was sofort alles mit Hand und Genuss gegessen wird.
Danach Rundgang durchs Quartier, wo er allen wichtigen Leuten vorgestellt wird – alle heissen ihn wilkommen und wollen vom ersten Schwarzbrot probieren.
Abends zirpen die Grillen und wir können es kaum glauben, dass er tatsächlich da sitzt und da ist, 5000 Kilometer von Bochum weg, aber gleich wie zu Hause.
Kai:
Ich hatte Rezepte für Vollkornbrot im Gepäck, und andere Rezepte wie Kuchen-, Brötchenrezepte – eine ganze Sammlung. Und natürlich das Wichtigste, was man für Vollkornbrot braucht: Sauerteig, also die Bakterien für die Herstellung von Sauerteig. Da hatten wir ein bisschen Angst wegen des Transports, weil wir das Gefühl hatten, das sieht aus wie Plastiksprengstoff. Das war ein grosses Paket, zweieinhalb Kilo, und es ist wie eine Knetgummimasse. Die hatte ich im Handgepäck, und dazu eine Art Zertifikat, weil ich irgendwie Angst hatte, dass ich das nicht mitnehmen darf. Aber an den ganzen Grenzen wurde ich nicht angehalten, es hat keiner Angst vor diesem Sauerteig gehabt.
05.02 2005Renate aus Bamako:
Im Taxi zum Frauenmuseum im Stadtteil Korofina. Der Taxifahrer tankte erst zwei Flaschen Benzin und lud dann noch einen Kollegen ein, der sein Auto in einer Werkstatt nahe unseres Weges zur Reparatur hatte. – Das Frauen-Museum (Musa Kundá) ist ein privates Anwesen an einer mit großen Steinplatten gepflasterten Wohn- und Geschäftsstraße. Es wurde 1995 gegründet von Mme Adame Bá Konaré, der Gattin des damaligen Staatspräsidenten Alpha Oumar Konaré (1992-2002). Ausstellungsstücke: Haushaltsgeräte, Kleidung, etwas Schmuck. Kaum Erläuterungen zu den Exponaten. Während ich dort war, kamen zwei ältere Frauen und gingen durch die Ausstellung. Der Eintritt ist frei, aber es wird um eine Spende gebeten. – Hinterher Gespräch mit einer Frau im angrenzenden Bürogebäude: die Ausstellung richtet sich an malische Frauen, soll ihnen ihren Wert bewußt machen. Frau Konaré ist Schriftstellerin und Historikerin, Professorin an der Université du Mali. Hat ein dickes Buch in Form eines Lexikons über bekannte und be-rühmte Frauen Malis geschrieben bzw. herausgegeben.
04.02 2005Renate aus Bamako:
Mit Mme Djallo zum Marché Médine: zwei lebende Hühner gekauft; außerdem Kartoffeln, Knoblauch, Paprika (teuer!) und Alloko. Während wir auf das Fertigmachen der Hühner warteten, boten uns Fliegende Händler von ihrem Tablett auf dem Kopf herab Knoblauch, Kräuter, Kissen u.v.a. an. Der Hühner-Verkaufsstand: Hühner in Käfigen an der Wand und unter dem Arbeitstisch. Den Hühnern wird mit einem Messer die Gurgel aufgeschnitten; die Hühner aus dem Käfig picken im Blut und an den herabhängenden Hälsen ihrer toten Artgenossen. Die toten Hühner werden in auf Holzkohle kochendes heißes Wasser getaucht, um das Federkleid abziehen zu können; der Kopf bleibt dran. Zuletzt werden die Tiere ausgenommen.
Später mit Fafa, die den ganzen Vormittag neben Christof am Computer gehockt hatte, per Minibus zum Markt gefahren und Karitébutter gekauft: 1 kg für 600 FCFA. Karitébutter, aus der Frucht des Karitébaumes gewonnen, ist eine wundervolle Hautcrème, kann aber auch als Bratfett verwendet werden.
Minibusse haben im Fahrgastraum keine Tür; vor die Türöffnung wird eine Kette gespannt. Die Busse werden prall voll gequetscht, ehe sie losfahren. Ihre Kopfkörbe und großen Tüten stellen die Frauen beim Einsteigen wortlos draußen ab, der Schaffner schafft sie kurz vor der Abfahrt aufs Dach. 18 Erwachsene und 2 Babys in einem Bus. Die meisten Fahrgäste sind Frauen.
Zu Hause gab es dann die von Mme Djallo lecker marinierten und gegrillten Hühnerteile mit Pommes frites und fritierten Alloko. (Die Köpfe hat Mme Djallo auch mariniert und gegrillt, aber für sich beiseite gelegt, bevor sie das Essen servierte.) Fafa befingerte alle Fleischstücke, sie waren ihr aber nicht gut genug (zu fett), und sie aß fast gar nichts.
03.02 2005Renate aus Bamako:
Das Nationalmuseum hatte Tag der offenen Tür. In den drei ständigen Ausstellungen werden archäologische Fundstücke, Masken, Textilien gezeigt. Eine aktuelle Ausstellung präsentierte moderne Malerei, Objekte und Installationen aus ganz Westafrika.
Weitergebummelt über die Avenue de la Liberté, vorbei an der Ökonomischen Fakultät der Université du Mali, an einer Grünanlage mit dem Denkmal für einen M. Coulibaly (1909-1958) und an wunderschönen Gebäuden aus der Kolonialzeit bis ins Stadtzentrum. Ab dem Rathaus sind praktisch alle Straßen Märkte. Das schöne Bahnhofsgebäude (überschrieben mit »Chemin de Fer de Dakar au Niger«) aus französischer Zeit. Auf dem Platz zwischen Moschee und Parlament großes Gedränge. Nur noch wenige Auslagen mit Fetischbedarf, vor allem eine Reihe am Rande des Parkplatzes. Zwischen den Händlern des Fetischbedarfes sitzen Händlerinnen, die Heilkräuter und –wurzeln anbieten. Wo sich vor zwei Jahren der Fetisch ausbreitete, sind Stände mit Kofferradios, Uhren und Elektronik.
Im Centre des Artisans reparieren junge Männer Walkmen; auch das ist neu.
02.02 2005Renate aus Bamako:
Mit Christof, Fafa und Madou im Taxi zur Bäckerei gefahren. Unser Taxifahrer, der auf dem Dachgepäckträger zwei Bretter für die Bäckerei transportierte, wurde an einer Kreuzung von einem Polizisten herausgepfiffen und hatte ein langes Palaver mit der Polizei. [Palaver: 1. Negerversammlung, Verhandlung zwischen Weißen und Eingeborenen; 2. endloses nutzloses Gerede und Verhandeln – nachzulesen im Fremdwörterbuch des Duden von 1974.] Christofs Nachbar Dr. Seydou, der neben seinem Beruf als Röntgenarzt auch ein fleißiger Schreiner ist, hat zwischenzeitlich die Trennwand eingebaut, die den Büroraum für Fafa abteilt.
Spätnachmittags bei Mme Traoré Fotos gemacht. Beim Weggehen (sie begleitete mich bis zur Ecke, so gehört es sich hier) Stippvisite bei ihren Nachbarn, der Familie Djarra. Der Hof der Familie Djarra ist nicht besonders breit, aber tief. Linkerhand Klo-, Wasch- und Vorratszellen (gleichzeitig Schlafräume der Dienstmädchen) aus Beton; rechterhand die Mauer zum Nachbargrundstück. An der Stirnseite eine große Veranda, die die ganze Hausbreite einnimmt. Dahinter ein noch größerer, aber auffallend kahler und hässlich eingerichteter Salon. Plakat von ATT an der Wand. Eigener Brunnen im Hof. M. Djarra hat mindestens zwei Ehefrauen, die ich beide kennenlernte. Die erste ist die jüngere. Die zweite ist seine Cousine. Insgesamt leben (und essen, wie die erste Mme Djarra betonte) über 40 Personen auf dem Hof, viele von ihnen vom Land zugereiste Fa-milien- und Klanangehörige. Auf dem Hof herrschte reges Treiben, Frauen und Mädchen waren mit Waschen, Kochen und anderen Arbeiten beschäftigt. Die Männer saßen müßig herum und pflegten das »causer«.
31.01 2005Renate aus Bamako:
Madou drückt mir die Autoverkaufsprovision in die Hand, die Christof ihm gegeben hat, weil es »zu viel« sei: Ausdruck seiner großen Freude, die er teilen will. Mme Djallo, Christofs Haushälterin, kommt zu mir und zeigt mir den soeben erhaltenen Monatslohn: »Gott hat mich gesehen, und er ist gut, heute werde ich gut essen.«
Die Malier sind gute Muslime und beten regelmäßig. Gott ist für sie »Dieu«, denn sie sprechen schließlich Französisch (umgekehrt nennen die arabischen Christen Gott »Allah«).
29.01 2005Familie Sangaré schräg gegenüber hat eine LKW-Ladung Baumstämme anliefern lassen. Gespalten und zerkleinert wird das Holz von jungen Burschen, die mit der Axt auf der Schulter arbeitsuchend durch die Straßen wandern. Das Zerkleinern einer ganzen LKW-Ladung dauert etwa drei Arbeitstage lang. Mit dem Holz wird die Küche befeuert. Andere junge Männer gehen, eine Nähmaschine auf der Schulter, durch die Straßen und klappern mit der Schere: sie suchen Ausbesserungsarbeiten. Für das Zunähen eines Ris-ses gibt es 50 FCFA, umgerechnet 7,5 Cent.
»Afrikanischer Alltag«: Man lässt auf sich zukommen, was der Tag bringen mag.
28.01 2005Wichtig im Alltag: “causer” in der Bedeutung von “plaudern”.
Die 19jährige Susaba Makalo will Sängerin werden und sucht einen deutschen Produ-zenten. Nur notfalls würde sie auch einen aus der Schweiz akzeptieren. Auf dem mali-schen Musikmarkt ist sie bisher nicht präsent.
Susabas Eltern haben beide eine nachtschwarze Haut, Susaba dagegen eine braune. Das Schönheitsideal ist auch in Mali hellhäutig. Frauen nehmen Crèmes, um ihre Haut heller zu machen, was häufig zu einer unansehnlich fleckigen Haut führt. Für solche Crèmes wird auf großformatigen Plakaten geworben.
Das Haar der Frauen und Mädchen ist immer höchst kunstvoll frisiert. Gegenseitiges Fri-sieren (oder Open-Air-Frisiersalon?) einfach auf der Straße, auch abends bei spärlichem Licht. Zur Zeit sind blondgefärbte Strähnen oder eingeknüpfte hellbraune Haarteile ange-sagt. Fafa hat geschlagene vier Stunden damit verbracht, ihr Haar neu knüpfen und lan-ge braune Locken einarbeiten zu lassen. Das eigene Haar ist bei fast allen Frauen sehr kurz.
27.01 2005Renate aus Bamako:
Morgens mit Christof in die Stadt gefahren. Im Zentrum dichter Verkehr; die Abgas-Luft kaum zu ertragen.
Die Banque de Developpement du Mali, früher die staatseigene Bank, ist inzwischen privatisiert und zum großen Teil in marokkanischem Besitz. Modernes Gebäude, im Innern quasi \\\’exterritoriale\\\’ Eleganz. Es sei immer derselbe Kassierer da, sagt Christof, ein schlanker, nicht besonders großer Mann mit randloser Brille. Auf der Rückseite der Auszahlungs-Schecks wird notiert, welche Scheine ausgegeben werden.
Vor der Post Verkaufsstände mit Papierwaren, Kalendern, Schreibwerkzeugen. Ein junger Mann betätigt sich als selbsternannter Parkplatzeinweiser und erhält dafür einen Obulus. Bettlerinnen. Kurzer Gang durch den zentralen Markt: wie ein arabischer Suq, aber sehr ärmlich.
Auf der Rückfahrt lange Wartezeit vor einer Ampel. Sofort umlagerten Fliegende Händler, Bettler und Bettlerinnen die Autos. Ein Polizist nahm jenseits der Ampel auf seinem Moped unsere Verfolgung auf und hielt uns an, weil er Christof einen Verkehrsverstoß anhängen wollte. Beim zweiten Stop bekam er 1.000 FCFA (1,5 €) und war\\\’s zufrieden.
Nach dem Essen mit Oummou zum Marché Médine gegangen, um Obst und Gemüse zu kaufen. Händlerinnen überwiegen. Ihr Geld bewahren sie auf, indem sie es ins Gürtelband einbinden, im Wassereimer versenken oder in einer Ecke unter ihrer Ware verstecken. Gemüse und Obst werden gefällig präsentiert und regelmäßig mit Wasser besprenkelt. Bemerkenswert die trotz des allgegenwärtigen Drecks sauberen Füße der Frauen und ihre eleganten Kleider. Viele Händlerinnen haben einen Säugling oder ein Kleinkind bei sich. Jungen und junge Männer bieten Trägerdienste an mit Schubkarren oder großen, stabilen Plastiktüten. Es gibt große Mengen von Yams, Kartoffeln, Maniok, Tomaten, Möhren, Zwiebeln, Weißkohl, Salat, Bananen, Alloko, Orangen. Ein zwei Meter hoher Apfelsinenberg. Kleinere Mengen Paprika, Auberginen, Bohnen, Knoblauch, Limo-nen, Mango, Papaya. Rückfahrt im Minibus für 100 FCFA pro Person.
Anschließend mit Madou nochmals zum Marché Médine aufgebrochen, um Eisenteile zu besorgen. Durch den überdachten Teil des Marktes gegangen. Wellblechdächer. Abtren-nung der einzelnen Verkaufsplätze voneinander in aller Regel nur durch provisorische Konstruktionen aus Ästen oder Bambusstecken. Manchmal Blechcontainer. Die Verkaufs-tische primitiv. Einteilung nach Sortimenten wie im arabischen Suq. Insgesamt eng, dunkel, verwinkelt, mit unebenem Lehmboden, durch den Abflussrinnen laufen. Ideenreiche Neuverarbeitung von Alteisen: Durchschläge, Töpfe, Kehrbleche …
26.01 2005Renate aus Bamako:
Vormittags nochmal ein langer Spaziergang durchs Viertel. Alle Häuser haben Flachdächer. Die Villen sind stets von einer Mauer umgeben. In der Regel ist zwischen Haus und Mauer nicht viel Raum; Platz ist, wenn überhaupt, meist nach vorn zur Straße hin. Auf diese Weise stehen die Häuser sehr dicht nebeneinander. Andere Einfamilien- und alle Mehrfamilienhäuser gruppieren sich um einen Wohnhof. Das Leben spielt sich vorwiegend auf den Höfen oder auf den Straßen ab. Die Räume sind meistens lediglich Schlafzimmer; nur besser gestellte Leute haben auch einen kleinen Salon. Manche Häuser sind nur mit Wellblech gedeckt.
In den Wohnbezirken gibt es keine Kanalisation. An manchen Straßen gibt es gebaute Abwasserkanäle für Brauchwasser, durch andere schlängelt sich ein Abwasserrinnsal.
Alle Höfe und Häuser leiten das Brauchwasser (Wasch- und Putzwasser) durch einen Kanal bzw. ein Rohr auf die Straße, wo es in die allgemeinen Rinnsale hineinfließt.
Für das Brauchwasser aus Klo, Waschbecken und Dusche gibt es in Christofs Haus eine Sickergrube. Das Wasser für die Kleiderwäsche wird aus der Wasserleitung entnommen, aber auf die Straße entsorgt.
Nicht alle Häuser/Höfe beziehen Leitungswasser, manche holen das Wasser aus einem eigenen Brunnen im Hof. Wie sie es in diesem Fall mit der Toilette halten, entzieht sich meiner Kenntnis. Vor vielen Häusern wird auf der Straße in Eimern und Schüsseln Wä-sche gewaschen und Geschirr gespült. Kinder machen auf der Straße Ganzkörperwäsche (aus Eimern); in diesen Häusern gibt es wahrscheinlich kein Leitungswasser. Alles wird mit kaltem Wasser gemacht: Geschirr spülen, Wäsche waschen, Körperwäsche.
Strom gibt es, aber nicht jedes Haus bezieht welchen, weil er sehr teuer ist.
25.01 2005Renate aus Bamako:
Langer Spaziergang durch Hippodrome. An den Straßen Verkaufstische aus rohem Holz, an denen meistens Obst und Gemüse – von Frauen – angeboten werden. Aber auch ein Fleischer (in diesem Falle ein Mann) hat ein solches Freiluftgeschäft. An anderen Stellen haben Frauen kleine Open-Air-Garküchen eingerichtet, grillen auf Holzkohle Fische oder Brochettes oder fritieren Alloko oder Teigbällchen. Vor der Grundschule verkaufen Frauen in der Pause Wasser, Lutsch-Eis, Süßigkeiten, Erdnüsse, fritierte Teigbäll-chen u.ä. Über dem Eingang der Grundschule steht als Motto: »Travaille et Discipline = Réussite« [Arbeit und Disziplin = Erfolg]. Männer sitzen unbeschäftigt in Gruppen vor den Häusern, trinken Tee, spielen Karten oder ein (selbstgebasteltes) Schachspiel, dazu läuft das Kofferradio. Fliegende Händler mit Telefonkarten, Zigaretten, Sonnenbrillen, Plastik-eimern, Stoffen … Straßenhändlerinnen mit der Ware in einer Schüssel oder einem Korb auf dem Kopf und dem Kind auf dem Rücken. Sie verkaufen Bananen, Möhren, Teigbällchen, Reisigbesen, andere Gemüse und Lebensmittel … , eben alles, was sich auf den Kopf türmen läßt. Selbst Holzäste für die Feuerung werden auf dem Kopf transportiert.
24.01 2005Renate Eisel in Bamako:
Christof zeigte mir das Viertel. Bamako ist eine rot-grüne Stadt: rote Erde, grüne Bäume. Die Straßen sind immer relativ breit und baumbestanden, trotzdem gibt es nur wenig Schatten; die Bäume sind meistens klein und licht.
Die Straßen sind numeriert: gerade Nummern für ost-westlich verlaufende Straßen, ungerade Nummern für nord-südlich verlaufende. Die Wohnviertel sind fast alle sehr symmetrisch angelegt, in rechteckigen Carrées. Die Wohnstraßen sind lang. Nicht die Häuser sind numeriert, sondern die Pforten.
Wir stiegen auf den Berg, von dem aus man zunächst Hippodrome und weiter westlich die ganze Stadt überblicken konnte. Leider war es diesig (was es meistens ist, Folge von Staub und Zweitakterabgasen), aber für einen allgemeinen Überblick reichte die Sicht. Im Express Café, wie viele Gastwirtschaften von Libanesen betrieben, tranken wir einen Milchkaffee und trafen Fafa. Dann ging es zur Besichtigung der Bäckerei: zwei saalgroße Räume, durch ein großes, mit einem Vorhängeschloß gesichertes Tor zu betreten. Der Backofen wirkte zwischen den kahlen Mauern noch etwas verloren. Im hinteren Raum soll mittels einer Holzwand ein Büro für Fafa abgeteilt werden.
23.01 2005Gabriele Riedl in Bochum
Über eine Woche bin ich jetzt wieder zurück und kann nur sagen: Es war eine gute Zeit in Mali.
Inzwischen ist der Wasseranschluß in der Bäckerei vorhanden. Kais Flugtermin steht mit dem 07.02. fest und beim Empfang des Friendsplenums, zu dem die Hutzel-Bäckerei Fafas Brote gespendet hatte wurden 50 Euro an Spenden eingenommen.
Am 04.02.2005, sozusagen dem Jahrestag der Bobaku-Idee trifft sich die Initiative – nicht zuletzt um Kai für seine dreimonatige Reise zu verabschieden.
22.01 2005Renate Eisel aus Bochum, zu Besuch in Bamako:
Glatter und pünktlicher Flug nach Bamako; den Felsen von Gibraltar und das ge-genüberliegende nordafrikanische Ceuta konnte ich deutlich sehen. Bamako präsentierte sich beim Anflug als ausgedehnte Lichteroase in nachtschwarzer Umgebung.
Christof holte mich am Flughafen ab. Bei der Fahrt durch die abendliche Stadt zeigte sich das Licht, das von oben so verheißungsvoll geleuchtet hatte, eher trübe: Straßenlaternen ohne große Leuchtkraft, in weiten Abständen stehend, viele Straßen un-beleuchtet. Praktisch keine Hochhäuser. Keine modernen Bauten auszumachen. Nur die großen Durchgangsstraßen geteert. Relativ wenige private Kraftfahrzeuge, aber viele grüne Minibusse und gelbe Taxen. Die Menschen waren zu Fuß, auf Fahrrädern oder Mofas unterwegs.
In Christofs Haus erwartete uns Madou, sein Musikfreund und Wächter, der regelmäßig in einem eigenen kleinen Gartenhäuschen dort schläft. Zu dritt saßen wir bis tief in die Nacht auf der Veranda und klönten. Christof hatte zur Feier meiner Ankunft Wein gekauft.
09.01 2005Zu Ehren der Gäste und weil ich heute nach Segou/Djenne fahre gibt es mal wieder ein Festessen, diesmal mit Familie Tampura. Mit Christof und Umu vorher eingekauft und die Frische von Hähnchen selbst erlebt – killen, rupfen und aufbereiten dauert von der Kaufentscheidung bis zur Aushändigung der Ware pro Tier etwa 5 Minuten – also sozusagen der Luxus des frisch geschlachteten Tieres hier als alltägliche Art des Fleischhandels (und das für relativ wenig Geld…).
Es gab wieder das übliche gelassene Vorbereiten und pünktlich um 13.00 Uhr war alles fertig, alle genießen und quatschen und lassen es sich gut gehen, für die die noch nicht dabeisein können wird eine Portion beiseite gestellt und zum Abschluss gibt es noch den köstlichen malischen Tee, der zigmal in den verschiedensten Stärkegraden von einer Kanne in eine andere geschüttet wird, bis er dick und süß und zäh ist und schmeckt wie Fernet Branca.
Dann kommt Kao und wir beide machen uns auf nach Segou, ca. 230 km von Bamako entfernt – auf dem Weg aus der Stadt: keine Slums am Rande, sondern plötzlich ist die Stadt zu Ende – ein Checkpoint und wir sind in der Natur, durch die eine unbefestigte Strasse, immerhin asphaltiert, führt.
08.01 2005Heute kommen Noemi und Clemens hier an, Noemi wird die nächsten 6 Wochen bei einem Forschungsprojekt in Sevare verbringen, eine Arbeit mit Aidskranken, die sehr anstrengend ist und der sie sich insgesamt 3 Jahre lang widmet.
Noemi hat noch einige sehr gute Anregungen zu den Faltblättern hier: Es sollte deutlich werden, dass Fafas Brot etwas ganz besonderes ist – mir war in ähnlicher Weise die „German Bakery“ in Asien eingefallen – das ist dort das Synonym für Vielfalt beim Backen – es käme drauf an herauszufinden, ob mit dem bobaku etwas Ähnliches möglich wäre, dazu müssen aber die Inhalte entsprechend definiert werden.
07.01 2005Jetzt ist bald auch Wasser da und Johannes ruft an und stellt den 01.02.2005 als Reisetermin von Kai in Aussicht – gute Nachrichten auf der ganzen Linie. Das Design des Werbeblättchens ist nicht so ganz nach unserem Geschmack – aber es soll ja den Leuten hier gefallen.
Und dass da die Geschmäcker sehr verschieden sind, kann eine auf jedem Markt sehen – da gibt es wunderschöne Sachen, die wirklich richtig gut aussehen und daneben eine Unmenge an Kitsch und Kram und als ich heute so über den Markt schlenderte überlegte ich mir, wie das wohl sein wird, wenn der ganze Planet nur noch ausschließlich Marktplatz ist – heute war dann auch noch der Tag der „Ich-AGs“, ich schätze mal allein hundert Jungen mit Handtaschen, Handykarten und anderen Waren behängt stehen am Eingang des Marktes und versuchen sie zu verkaufen. Dann gibt es jetzt immer mehr Ziegen und Schafe in der Stadt, denn wie die Hühner auch, lassen sie sich beim hiesigen Klima am besten „lebend lagern“, also können einer an den unmöglichsten Stellen Schafs- und Ziegengesichter begegnen, Grund ist das bevorstehende endgültige Ramadan-Abschlussfest, bei dem dann auch Opfertiere geschlachtet werden, und je näher dieses rückt, desto teuerer werden die entsprechenden Lebewesen….
06.01 2005in Bamako
Der Strom ist jetzt da, das Wasser kommt und abends kommt Fafa mit den Entwürfen für die Werbeblätter, mit denen auf die Bäckerei aufmerksam gemacht werden soll. Wir schauen sie uns erst morgens an: Die Bäckerei heißt bobaku, das Markenprodukt „Pan de Fafa“ und nachdem wir noch mit Johannes telefoniert hatten, haben wir erstmal eine Übersicht über die noch ausstehenden Finanzen erstellt.Dabei zeigt, sich, dass ein baldiger Beginn des Bäckereibetriebes absolut wichtig ist, sonst kann das erforderliche Geld für die „Betriebsmittel“ (Lohnkosten, Mehl, Ansatz etc.) nicht beschafft werden. Denn spätestens das ist dann der Augenblick, wo sich für die bobaku Initiative in Bochum womöglich neue Aufgaben stellen.
02.01 2005Bamako:
Heute dann das Nachfolgegespräch zur Bäckerei, das jetzt mit einem Frühstück in Christofs Haus stattfindet, es gibt noch einen Gast aus Kita, der an einer Städtepartnerschaft interessiert ist, aber bald ist dann schon das Thema Bäckerei dran.
Es wird vereinbart, dass so schnell wie möglich Wasser und Strom eingerichtet werden müssen, weil es sonst keinen Sinn macht, dass Kai herkommt. Und es wird auch vorgeschlagen und überlegt, ob man das Ganze nicht insgesamt besser mit der Bäckereischule von Bamako macht, hätte den Vorteil, dass das Wissen über Vollwert und Vollkorn schnell weiter verbreitet werden würde, denn es werden dort wohl um die 100 junge Bäcker(innen?) pro Jahr ausgebildet, was ja gute MultiplikatorInnen sein könnten. Die Idee wird aber erstmal wieder verworfen, denn mit so einem großen Unternehmen ist das Risiko verbunden, dass es bald nicht mehr um Vollkorn, sondern nur noch um Profit geht und ob es möglich ist, einen Vertrag zu machen, der auch ein Abführen von bestimmten Prozentsätzen für weitere Projekte vorsieht, ist nicht ganz klar, wäre aber ja eine denkbare Variante.
Ein bisschen waren wir unglücklich, denn der Idealismus, mit dem wir alle da rangegangen sind stößt hier allenfalls auf Unverständnis – der Dialog der Kulturen braucht in solchen Fragen offenbar deutlich mehr Zeit, auch wenn es uns strukturell alles bekannt vorkommt – hier wie dort bestimmen (Eigen/Profit-)Interessen in aller Regel das Handeln.
Auch eine wichtige Erkenntnis für weitere Vorhaben: Genau schauen, mit welchen Personen was geht und vielleicht eher langsamer vorangehen. Dennoch, Kai wird sicher herkommen, die Bäckerei anleiten, es wird ein Weg gefunden, um die Mühle hierher zu schaffen und sicher wird es Fafa mit ihrer Familie gelingen, Vollkornmehl zu ordern und ein gutes Team für die Bäckerei zusammenzustellen.
01.01 2005Das Essen hatte genau gepasst – es kamen Fafa und Fatumata und halfen wie versprochen beim Aufräumen, auch Madame Djallo, die gute Fee des Hauses erschien – und weil wir nachts schon einiges gemacht hatten, konnten sich gegen Mittag alle der wohlverdienten Ruhe hingeben….
31.12 2004in Bamako
Das ist eine Silvesterfetenvorbereitung der besonderen – afrikanischen – Art, am Montag haben wir uns auf Initiative von Fatumata, einer Cousine von Fafa getroffen, um zu beratschlagen, wie wir diese Fete vorbereiten wollen.
Es gibt 4 Anlässe: Sylvester, das Haus ist fertig, um Mitternacht hat Fafa Geburtstag und ich als Besucherin spiele dabei auch noch eine Rolle – also Gründe genug für was Größeres.
Heute kam dann noch ein weiterer wichtiger Anlass hinzu: Die Bank hat endlich Fafas Firma „Bobaku“ als eine solche anerkannt und Schecks für sie ausgestellt, sie kann also endlich anfangen, Leute anzuwerben, die Strom und Wasser legen, die die Einfahrt betonieren und den Backraum reinigen und die Innenausstattung einbauen…. Das muss alles auch bezahlt werden und jetzt kann Fafa endlich an das Geld heran, das hier dafür schon eingezahlt worden ist – also eine Runde bester Fetengründe…..
Es soll ein Dialogfest werden, also gibt es Essen aus Afrika, aus Europa und aus dem arabischen Raum, schnell sind die „Zuständigkeiten“ verteilt und eine Verabredung zum Einkaufen getroffen.
Auf dem Markt Medine war dann gestern abend der Teufel los, das ist mit unseren Einkaufsgepflogenheiten nicht zu vergleichen, es ist laut, bunt, voll, wunderschön und wahnsinnig anstrengend. Fafa und Fatumata feilschen was das Zeug hält, Christof und ich halten uns im Hintergrund, weil Weiße sofort den Preis treiben und so habe ich Muße, die Szenerie zu betrachten und zu genießen und den schönen malischen Frauen in die Augen zu lächeln und die meisten lächeln total freundlich zurück. Einen derart bunten und kontaktfreudigen Markt habe ich noch nie auf der Welt gesehen, nun war auch irgendwie insgesamt Festtagsstimmung und alles was Beine, Moped oder Auto hat, schien unterwegs zu sein, um eine Fete vorzubereiten.
Wir kauften für ein afrikanisches Mittagessen heute, für Allocco und gegrillte Hühnchen heute abend, für Neujahrs-Käsekuchen (mit dem kostbarsten Quark, den ich je (mit-)gekauft habe, 500 g 7,50 ¤!), für Kartoffelsalat, für Humus und Brötchen mit Kräuterbutter, für ein köstliches Malventeegetränk (von dem es extra eine „europäische Version“ mit weniger Zucker gibt), und jede Menge Gemüse, Gewürze, Mehl und was man halt so braucht…. Für ein großes Fest mit FreundInnen und Nachbarschaft.
Fatumata war sicher, dass wir 20 Hühnchen brauchen würden – vor meinem inneren Auge entstand – angesichts meiner Beobachtungen auf dem Markt in Bamako vorgestern – ein Berg von 20 ungerupften Hühnern auf der Terrasse (die werden halt erst geschlachtet und gerupft, wenn sie verkauft sind), und die Frage, wie die dann zerlegt und auf den Grill gelangen könnten, auch die 5 kg Kartoffeln lagen mir gestern abend noch schwer auf der Seele, so was zu schälen ist schon nicht ohne….
Aber dann begann der Tag ganz gelassen, während des Frühstücks brodelten die Kartoffeln vor sich hin, dann fand sich Madou ein und half beim Schälen und Gemüseputzen – Fafa und Fatumata kamen vorbei und holten dann die Hähnchen ab, die tatsächlich zwar gerupft, aber schon ansonsten noch recht komplett waren, und zu diesem Zeitpunkt tauchten gute Geister in Gestalt von vier Freundinnen/Cousinen auf, die den Rest des Vormittags mit dem Zerteilen der Viecher und ihrer Vorbereitung fürs Grillen verbrachten. Beim gemeinsamen anschließenden Mittagessen wurde geflachst und gescherzt und dann setzten sich einige um den Grill und rösteten die marinierten Hähnchen, die auch pünktlich zum Fetenbeginn gegen 20.30 Uhr fertig waren.
Da erscheinen dann auch die ersten Gäste aus der Nachbarschaft – es ist ein ziemlich buntes Gemisch, Familie Tempura, eine liberische Familie von Gegenüber, die Nachbarin nebenan, die von ihrer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn erzählt – Dr. Seydou, der zu später Stunde das Jackett ablegte und mittanzte, und auch Fafas Familie. Insgesamt so zwischen 40 und 50 Leute hatten sich in dieser Nacht hier im Haus versammelt, gegessen, getrunken (kein Alkohol, grade mal Cidre für die beiden Europärer) und getanzt, von den vielen Kindern, die sich doch nicht so ganz mit dem Kartoffelsalat anfreunden konnten, mal ganz abgesehen – als der Kuchen dann nach Mitternacht aufgerufen wurde, da sammelten sich alle noch mal ums Buffet und freuten sich über den Neujahrskuchen – erst früh am Morgen, einige fuhren noch weiter zu anderen Feten, waren dann alle zu Hause und wir ziemlich erschöpft und Madou erklärte uns, dass wir eigentlich noch den Rest der Nacht aufbleiben müssten, was drum herum offenbar auch viele gemacht haben – denn am Neujahrstag war es auffällig still in der Nachbarschaft…. Und eine gewisse Müdigkeit konnte nicht geleugnet werden.
29.12 2004in Bamako
Die Frage der Unterstützung für Fafa wird immer dringlicher, umso schöner ist es, dass ihr Vater in Bamako ist und es die Möglichkeit zu einem Gespräch zwischen ihm, dem Freund, in dessen Haus Fafa wohnt, und uns gibt.
Verabredet war eigentlich ein Treffen hier im Haus, aber wie es so geht fand es dann doch dort statt. Das ist nicht so einfach. Jedenfalls hörten wir intensive Ausführungen über den Wunsch aller Leute natürlich was dran zu verdienen – was ja auch ok ist, aber sicher nicht unsere Aufgabe, das sicher zu stellen. Wir verdeutlichten, dass wir für dieses Projekt eine Menge gearbeitet haben, dass wir uns sehr wünschen, dass es ein Erfolg wird, aber auch, dass unsere Möglichkeiten jetzt langsam ausgeschöpft sind.Es gab erstmal keine klare Antwort darauf, aber letztlich glaube ich schon, das Projekt soll ans Laufen kommen und Geld bringen, was auch mit Blick auf die Zukunft erstmal das einzig Richtige und Sinnvolle ist. Fafas Idee, zunächst mal „klassisches Baguette“ zu backen und den Leuten dann ein Vollkornbrötchen dazuzugeben, damit sie es kennen- und schätzen lernen finde ich gut und glaube auch, dass das funktionieren wird.
28.12 2004In Bamako, Mali:
Fafa zieht morgens los zur malischen RWE/Wasserversorgung, denn sie braucht jetzt doch einen eigenen Zähler, was zwar ärgerlich ist, weil es wieder kostet (ca. 150.000 CF), aber andererseits auch ihre Unabhängigkeit stärkt. Was bedeutet, dass das Geld sofort auf dem Tisch kommen muß, sonst ist keine/r bereit auch nur drüber zu reden. Das ist hier auch so anders als wir das kennen: Wir machen einen Plan, verabreden einen Termin etc. pp. Hier ist es eines morgens so, dann muß die Kohle her und damit hat sich’s, man kann sich wohl schon drauf verlassen, dass es dann klappt, aber so richtig vertraut ist mir diese Art und Weise noch nicht. Da bin ich schon froh, dass ich 3 Wochen Zeit habe, denn ich kann es langsam angehen, brauche kein touristische hoppla-hopp Programm machen, sondern gehe es langsam an, was ich mir zu Hause ja nur selten gönne.
27.12 2004In Bamako, Mali:
Das ist schon sehr anders, alles live und in Farbe!
Fafa in der Umgebung ihrer Heimat und der Vermieter der Bäckerei, die Familienmitglieder von Fafa, die ich so nach und nach kennen lerne, die reale Seite des Projektes ist auch hier vor Ort: Arbeit, Arbeit, Arbeit!Das wars dann heute an Programm:
Erstmal das „Wirtschaftsförderungsamt“ von Bamako (Institut des affairs de Investiment du Bamako), wo wir über den Fortgang und die Ziele des Projektes informierten, damit Fafa eine Bescheinigung für die Bank erhält, um am bobaku-Konto überhaupt Bewegungen machen zu können. Da ist das Faltblatt mit der Übersetzung schon sehr gut angekommen und hat für Interesse und Aufsehen gesorgt. Hier wird der Wirtschaftsplan für das Unternehmen von dieser Stelle erstellt und muss nicht vom Unternehmen unter Beteiligung eines Wirtschaftsberaters erstellt werden. Das ist schon sehr anders als bei uns, wo ja Zuschüsse gegeben werden, um überhaupt so einen Plan aufzustellen. Für diese Behörde ist vor allem von Bedeutung, dass mit bobaku Arbeitsplätze geschaffen werden, derer soll es zunächst 4 geben und Fafa ist Geschäftsführerin. Von besonderem Interesse waren noch die Personen, die in Deutschland unterstützend tätig sind, wir haben das kurz skizziert und hatten den Eindruck, dass das schon passt.
Dann waren wir bei den Banken, wo Fafa das Projekt vorgestellt und auch die Faltblätter ausgegeben hat (immer an ausgesuchte Leute), die französische Übersetzung kommt sehr gut an – Dank an AnaMaria!Von da gings dann weiter zum größten Getreide-, Lebensmittel- und ich weißnichtwas Importeuer von Bamako (wahrscheinlich von Mali), wo wir zunächst in der angeschlossenen Bäckerei nach der Geschäftsleitung fragten, direkt vorgelassen wurden und in ein Büro mit Geschäftsführer und einem Gast aus Belgien kamen, der in Sachen Eismaschinen reist und sich „Willi Vanillie“ nannte (es gibt auch eine ernsthafte Visitenkarte von ihm und der Kontakt könnte gelegentlich noch mal hilfreich sein, denn insgesamt war das das Minenfeld der harten Geschäftsleute, auf das wir uns da begeben haben). Es war spürbar, dass man von der potentiellen Konkurrenz nicht grade begeistert ist. Nun hatte Fafa erstmal nur nach dem Preis von Vollkorngetreideimporten fragen wollen – was wir aber nicht wussten und munter mit „Willi Vanillie“ plauderten, der das Ganze dann dem Geschäftsführer – zugegeben wohlwollend – berichtete, aber Fafas Plan, zunächst mal nichts von der Bäckerei zu sagen, was ich auch für klug halte – war damit natürlich dahin. Daraufhin wurde der Bäckerei-Fachmann und wohl eine der Lehrpersonen aus der angeschlossenen Bäckereischule hinzugezogen ….. einer Fachsimpelei, zu der wir hätten nichts beitragen können, sind wir dann durch offen legen unserer eigenen Hintergründe entkommen – ein Künstler, eine Politikerin und eine Wirtschaftsexpertin sind einfach nicht diejenigen, mit denen über Backmischungen etc. ernsthaft verhandelt werden kann.
Was mir dabei auffällt: Irgendwann wird es erforderlich sein, über diese Dinge ernsthaft zu verhandeln und es kann sein, dass es, wenn Kai hier ist, dafür eigentlich schon zu spät ist, die Zutaten müssen jetzt beschafft, Preise jetzt verglichen werden… es wäre also wichtig, nun eine Liste notwendiger Einkäufe zu haben – ich weiß nicht, ob Fafa das schon hat, oder ob hier vielleicht gar nicht mit so was gearbeitet wird – andererseits, in einem Wirtschaftsplan müssen die Daten für eine solche Investition auftauchen und dafür braucht man zumindest eine Hausnummer.
Zurück nach Bamako: Wir alle hatten den Eindruck bei dieser Organisation an einem Zipfel der regionalen Macht gezupft zu haben und wir sind sicher, wir müssen auf unser Projekt gut Acht geben, damit es nicht in „falsche Hände“ gelangt und schließlich nur noch Profitzwecken dient (dann hätten wir gleich zu „Kamps“ gehen können).
3. Station: Die Bäckerei
Etwas abgelegen, aber mitten in einem Produktionsgebiet von allem möglichen, mit vielen Beschäftigten, steht jetzt eine Halle, in die der Vermieter einen neuen Zementboden, neue Fenstergitter, ein neues Dach, Elektrizität und Wasser (das leider noch nicht fließt, da arbeitet Fafa grade dran) verlegt hat (bei der vorausgezahlten Miete konnte man das ja nun auch erwarten) – und in dem ein Profibackofen und eine Knetmaschine stehen – leider hatte Fafa den Schlüssel vergessen, sonst hätten wir ein Foto gemacht und ins Netz gestellt – aber das kann ja noch kommen. Der Vermieter ist nach wie vor angetan von der Idee, dem Projekt und seiner neuen Mieterin – ich glaube das könnte eine tolle Sache werden.
18.12 2004In BochumAuch die zweite Veranstaltung war sehr interessant. Susanne Heiligenstädt stellte die grundlegenden Vorteile einer vollwertigen Ernährung dar und in der Diskussion der einzelnen Punkte wurden jeweils die Verbindungen zu den damit verknüpften – auch politischen – Fragen hergestellt. Dabei stand natürlich die Situation in Mali im Mittelpunkt und durch die Anwesenheit von Renate Eisel konnten hier “spekulative Anfragen (z.B. nach den Möglichkeiten von Getreideanbau oder Viehzucht)” direkt geklärt werden. Fafas Brot wurde wieder genossen und gut gekauft, es wird jetzt jeweils donnerstags an den bekannten Verkaufstellen wieder zur Verfügung stehen.
16.12 2004NIONO
Es fällt mir schwer, diese Reise zu beschreiben! Die Familie Diop, die Eltern von Fafa und Kaou und Alasanne und Afsa und noch drei anderen Kindern. Fahrt, Ortsschilder, aber wo ist der Ort, drei oder vier braune Lehmhäuser, das wars dann schon. In Niono ins Hotel. Schöner Hof, aber das Zimmer, hallöchen, kein Vergleich mit irgendwas, in dem ich mal kampiert habe. Da regt man sich auf Theatertournee über so manches Hotelzimmer auf und muss es sich „schön“ trinken, so viel kann und möchte ich hier nicht saufen. Ist aber auch nicht nötig, es geht ja, es gibt eine Dusche und Klo und Waschbecken und Seife, Bett mit Moskito-Netz, was braucht man mehr?! Bei Diops bekomme ich das Familienleben mit, das sich im Hof abspielt, mit Fernseher und Kindern davor und der Papa guckt auch und bekommt nebenher Essen serviert und wir essen mit Kaou und einem Freund und zwei „Bonnes“ sind auch da, wovon mir die eine sofort wahnsinnig sympathisch ist! Sie spricht so gut wie nichts und wenn, dann mit einer ganz hohen Stimme nur Bamaran. Ich bekomme von der Mama einen afrikanischen Namen. Hawa! Das heißt wohl Eva und am nächsten Abend begrüßt mich „meine“ Bonne mit Hawa Diop. Kurz vor unserer Abreise am Sonntag, nach dem Mittagessen sagt sie auf französisch zu mir, sie sei aus einer Stadt, deren Namen ich leider nicht kannte, aber sie versteht ein bisschen Französisch. Sieh an!
Jetzt großer Schnitt! Ich bin schon wieder zuhause – und hatte keinen „Kulturschock! Nur Temperaturschock!
Im Anflug nach Stuttgart sagt der Pilot, wir könnten noch nicht landen, da es geschneit hat und die Bahn erst enteist werden muss! Wahnsinn! Vor acht Stunden war ich noch bei 30 Grad Hitze im T-Shirt und jetzt fällt Schnee. Zum Glück bringt mir mein Vater eine Thermojacke mit.
Ich werde noch weiter schreiben, muss aber erstmal alles verdauen, überdenken, verarbeiten…
Aber eines weiß ich: es war eine wunderbare Reise und ich werde noch sehr lange davon zehren und nie mehr vergessen, wie schön es ist, wenn man Wasser aus dem Hahn trinken kann. Das nur als kleines Beispiel.
15.12 2004Bamako
Über das verlängerte Wochenende in Niono werde ich noch berichten. Wir kamen am Sonntag abend zurück und hatten Hunger, obwohl wir am Mittag wieder wunderbares Essen bei der Familie bekamen. Wieder aus einer Schüssel. Ich machte Spiegeleier und wie’s gerade fertig ist, kommen Umu und Aysha und bringen eingelegte Hühnerteile und Blumenkohlauflauf mir Käse überbacken. Und C. regt sich furchtbar auf, weil man das doch auch besprechen kann und und und immer dieses Unangemeldete… Egal, es hat köstlich geschmeckt. Montag baute C. seine Regale auf, mittags gab es die Reste vom Huhn und abends Tomaten/Gurkensalat und ich machte das Vollkornbrot mit der Backmischung und irgendwie waren wir beide fertig und gingen früh ins Bett. Mir wurde plötzlich schlecht, Durchfall und Brechen, furchtbar. Konnte, weil mir so schlecht war, nicht schlafen, außerdem war die Hitze unerträglich! Vor ein paar Tagen dachte ich noch, ich hätte mich daran gewöhnt. Ja, Pfeifadeckel! Jetzt erwischts mich. Diese Moskitos! Das Gesurre kann einen wahnsinnig machen. Ist so schon nicht schön, aber wenn einem schlecht ist – nein Danke! Da will man nur noch nach Hause, ganz schnell. In ein kaltes unwirtliches Deutschland, wo man atmen kann und überhaupt… was mache ich hier? Ist das ein Malaria-Anfall? Ich bin doch sonst nicht hypochondrisch veranlagt! Bis Nachmittags im Bett vor mich „hinvegetiert“. Kreislauf am Boden. C. machte Tee und brachte dann noch einen anderen „einheimischen“ Tee mit Zitrone, kalt, und das tat dann richtig gut. War abends fähig, ein Stück Brot zu mir zu nehmen und ging mit C. noch ins Cyber-Café, um die E-Mails abzufragen. Leider bin ich hier jenseits von allem. Kein Handy-Empfang, keine E-Mails, weil ich das nicht eingerichtet hatte. Schon blöd, so ganz ohne Kontakt – oder gewöhnt man sich daran? Kann das noch nicht ablegen, dass ich denke, wenn jetzt die Agentur anruft und ich bin nicht erreichbar?! Aber was sind schon zwei Wochen, reg dich nicht auf, wird schon gut gehen! Hauptsache, mir wird besser und das wurde es dann auch!
MITTWOCH früh kamen Fafa und Kaou. Fafa, C. und ich fuhren zum Museum, was wirklich sehr schön war, anschließend zum Juwelier, ein Armband kaufen, in das ich „meinen afrikanischen Namen“ eingravieren ließ. Dann noch ins Museum für Frauen. Auch schön, ein Raum mit bemalten Stoffen und Kochgeschirr.
13.12 2004Bamako:
Heute früh haben C. und ich den Computer in „meinem“ Zimmer installiert und jetzt lese ich die Aufzeichnungen der vergangenen Woche durch und tippe sie in den PC.
10.12 2004In Bochum:Das war ja nun wirklich ein schöner und informativer Abend! Wir haben den großen Raum in der Constantin Schule genutzt, um die Bilder richtig groß sehen zu können – Renate Eisel hat einen hervorragenden Vortrag gehalten und uns historisch, literarisch und visuell an ihrer wunderschönen Mali Reise teilhaben lassen. Ein Kreis wirklich interessierter Menschen hörte aufmerksam zu, brachte eigene Erfahrungen ein und konnte am Ende kaum den Weg nach Hause finden, weil es doch noch dies und das besprechen gab.
In der Pause labten sich alle an Fafas Brot, das die Hutzelbäckerei extra produziert hatte – künftig wohl jeden Donnerstag wieder erhältlich incl. der 50 ct. Spende für bobaku.
Also eine Runde Sache – nächste Woche Donnerstag, 16.12. ab 19.30 Uhr findet die nächste Veranstaltung „Ernährung und Entwicklung“ statt, da kann dann über Vollwertkost und Welternährung diskutiert werden. Die Veranstaltung ist wieder in den Räumen der Constantin Schule, Gewerbepark Riemke (Zufahrt direkt von der Herner Straße 255). Interessierte herzlich willkommen!
09.12 2004
Bilder
Bamako:
Heute früh mit Madou den Terrassentisch geschmirgelt. Nach einem wunderbaren Mittagessen von Ami (Kürbis-und Spinatgemüse) weiter gemacht und dann mit Madou zu Fuß in Richtung Stadt, um Erde zu bestellen! Das gibt’s hier nicht bei OBI. Gestern hat Madou Samen vor die Terrasse in einen „Erdstreifen“ rieseln lassen, aber man bräuchte noch „gute Erde“ dazu. Wir machen uns also auf die Socken, überqueren die Eisenbahnschienen und sind wieder in einer anderen Welt. Hier geht es elend zu. Stinkende Müllhalden, kokelnd, Wasser in einer Art Kanal, vor Dreck stehend, Fliegen, Mücken, ein mageres Huhn. Was pickt das in diesem Abfall, Müll, Dreck? Madou spricht mit einem Mann, der mich keines Blickes würdigt, da könnte ich lächeln, soviel ich will, der will nicht. Egal, ich stapfe neben den beiden her, lange an Strohhütten vorbei, überall spielen Kinder, sie haben wohl keine Probleme und finden immer irgend etwas. Irgendwann kommen wir zu einem anderen Mann mit einem sauberen Hemd und Hose in hellbleu, der wichtig einen Gitterrost von einer auf die andere Seite trägt. Warum? Da ist doch nichts fruchtbares drunter. Oder doch? Einfach von der einen auf die andere Seite. Ist das eine ABM-Maßnahme a la Bamako? Jedenfalls diskutiert der Unfreundliche mit ihm und jetzt wird mir klar, worüber geredet wird. Hier befindet sich ein Erdhaufen zwischen all dem Müll und Plastikzeugs und Dreck und davon soll eine „Eselladung“ zu C. und den Samen bedecken. Wahnsinn. Wenn ich wieder mal bei OBI eine Tüte Erde kaufe, werde ich unweigerlich daran denken! Wir verabschieden uns und gehen einen anderen Weg raus aus diesem, für mich furchtbaren, Viertel. Ich wäre hier allein nicht spazieren gegangen, das sage ich Madou auch, der bestätigt das, es wäre auch sicher nicht gut, hier als Weiße allein zu sein. Wir befinden uns
wieder auf der großen Straße und Madou fragt mich immer wieder, ob ich nicht müde sei, bis ich darauf komme, ihn zu fragen, ob er müde ist. Das war’s wohl, und wir müssen beide lachen, aber nun fragt er mich doch, ob ich das Haus, in dem er wohnt, sehen möchte. Ja, gerne! Ein Hof, zwei Häuser, im einen eine alte Frau, die zwar Guten Tag sagt, mich aber so durchdringend ansieht, dass ich wieder dieses komische Angstgefühl habe… Da fällt mir das Lächeln wieder schwer. Eine junge Frau, keine Ahnung, wie sie zu Madou gehört, ich denke aber, es ist seine Nachbarin, ist krank. Wir verabschieden uns und gehen in das andere Haus. Da sitzt ein dicker älterer Mann. Madous Großvater. Auf dem Boden liegt ein Baby. Man sagt wieder die üblichen Floskeln, ca va und bien und au revoir. Im Hof steht ein riesengroßer Mast. Ich frage Madou, ob der für Elektrizität sei. Nein, der ist für die Portable! Ein Antennenmast für die Handys. Das ist auch mal wieder so was, das man fast nicht vereinbaren kann. Diese stinkende Kloake, an der Menschen leben, die mageren Hühner picken, Kinder spielen, Dreck, der unerträgliche Gestank und ein paar Straßen weiter der Mast für die Handys.
Donnerstag abend kommt Fafa und kocht Spaghetti mit Tomatensoße. Wunderbar al dente! Wir drei futtern wieder aus einem Teller, aber diesmal mit einer Gabel. Ich hatte schon befürchtet, ich müsse mir die Nudeln um den Finger wickeln. Morgen nun sollte der Ausflug nach Niono beginnen, wo Fafas Eltern wohnen und C. eine Unterschrift vom Frauenverein braucht. Ca. 5 Stunden würde die Fahrt dauern und Fafas Eltern hatten ein Hotel für uns organisiert. Also dann, auf nach Niono!
08.12 2004Gerade komme ich vom Markt in der Stadt, sitze an einer alten Brother-Schreibmaschine, bei der das „P“ nicht geht, „klappere“ meine ersten Eindrücke in die Maschine und komme mir vor wie Karen Blixen, allerdings mit dem Unterschied, dass ich weder eine Farm in Afrika habe, noch hatte, aber ich bin da – auf diesem fernen Kontinent, diese Eindrücke, die mich fast umhauen. Zugegebenermaßen wollte ich anfangs gleich wieder weg, die Menschen machten mir Angst. Ich sehe nur misstrauische Gesichter, die mich mustern und gleich wieder wegsehen, und als ich mir wegen der endlosen Warterei am Zoll ein bisschen die Beine vertreten will und an die große Straße gehe, an der links und rechts Menschen mit ihren Waren sitzen, wird’s mir so mulmig um die Brust, dass ich nur ein paar Meter gehe und gleich wieder zurück zum Zollamt. Traue mich nicht, die Menschen anzusehen. Blöd so was. Ich habe es Christof erzählt und er meinte, wie es in den Wald hineinschallt… Jetzt lächle ich die Menschen an – und sie lächeln zurück! Das stimmt also. Ich gehe durch die Straßen und bei Blickkontakt ziehe ich sofort die Mundwinkel nach oben und grüße freundlich „Bon your, ca va?“
und die Menschen lachen zurück und das macht richtig Spaß! Wenn ich allerdings mit diesem Gesichtsausdruck durch Stuttgart laufen würde, käme ich relativ schnell nach Winnenden in die Anstalt… Die Gerüche, diese fremden Gerüche, sind das Auffallendste für mich.
Schon am Flughafen in Paris. Ankunft an Gate D, da ist es noch total europäisch und an Gate E kommt einem Afrika pur entgegen.
Menschen in leuchtenden Farben gekleidet mit riesigen Kofferbergen, ohne Hektik, und ich mit meiner deutschen „Ich schaff’s nicht, ich komme zu spät-Manie“ werde vorgelassen. Die Menschen denken sich sicher ihren Teil, aber sie lassen sich nichts anmerken.
Wir fahren morgens mit Fafa zu einem Reifenhändler, da C. einen Ersatzreifen braucht. Sowas hab ich auch noch nicht gesehen! Wie da „ausgewuchtet“ wird. Unglaublich. Dann Fafa zur Bäckerei gefahren und anschließend fuhren C. und ich wieder zum Zoll, um die Teigmaschine abzuholen. Madame ist da! Aber kein Minibus. Also nutzen wir die Zeit und gehen zum Café Express, wo wir Café ordern und C. einen Bienenstich und ich ein Croissant dazu. Ich trinke vom Wasser, das zum Café gebracht wird und hoffe, dass ich mir nichts einfange, aber was soll’s, wird schon gut gehen. Wie sagt meine Mutter immer: „I mecht ned wissa, wia’s en manche Restaurant-Küchena aussieht…!“ Genau. Do drehat mer d’ Hand ned rom. Gestern abend hatte ich Kopfschmerzen und konnte nicht einschlafen, im Bett noch gelesen, dann machte es ein kleines Geräusch und das Licht ging aus. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal – wenn überhaupt jemals – so eine Dunkelheit gesehen, bzw. nicht gesehen habe. Ein Geschrei auf der Straße und dann Stille, aber komischerweise nicht beängstigend. Feuerzeug hatte ich ja, hab’s neben das Kopfkissen gelegt. Wo war ich? Ach ja, im Café Express. Ich wollte auf den Markt, den Artisante neben der Moschee. C. rief Madou an, hin und her, er könnte in 20 Minuten da sein, um mit mir zu fahren, aber warum eigentlich? Ich habe keine Angst mehr, einfach immer nur lächeln! Ich sage C., wenn ich jetzt in Moskau wäre und die Schriftzeichen nicht entziffern könnte, dann würde ich sicher nicht alleine gehen, aber so. Kein Problem und C. findet das auch in Ordnung, er verhält sich überhaupt prima und dann fordert er mich heraus. Wenn schon alleine, dann auch richtig! „Ich fahre dich nicht mit dem Auto zum Markt, ich bin doch nicht dein Chauffeur! Du fährst mit dem Minibus! Kostet 100 Centimes. Das mache ich. C. sagt mir noch, dass ich an der Papeterie, in der wir waren, um ein Farbband für die Brother zu kaufen, aussteigen muss, und dann nach links Richtung Moschee. Alles klar! Ich zwänge mich auf ein kleines freies Plätzchen im Bus, der zuckelt los und hält und zuckelt weiter und die Fahrt dauert jetzt aber schon sehr lange und ich habe mir noch eine Tankstelle und einen Reifenhändler auf der Fahrt zum Papierwarenladen gemerkt, aber jetzt sehe ich, dass ständig Tankstellen auftauchen und Reifenhändler allüberall, wo bin ich denn jetzt? Keine Ahnung, also fahre ich eben weiter, plötzlich macht der Bus einen U-Turn und fährt wieder zurück, ich bin falsch, wo bin ich? Dann überquert der Bus die Straße und fährt in eine kleine Seitengasse, ich tippe den Boy an, sage „Stop“ und der Bus hält. Ich zurück auf die Hauptstraße und dann sehe ich die Türme der Moschee und gehe in diese Richtung, das musste ja auf jeden Fall stimmen! Ich überquere eine Bahnschiene, alles staubig, heiß, trocken, wenn nicht überall Menschen unterwegs gewesen wären, hätte ich mir einbilden können, ich bin im Film und gleich stehen da Charles Bronson oder Henry Fonda mit einer Mundharmonika und spielen das „Lied vom Tod“… Ich schreibe diese Zeilen in die Brother und gerade klopft C an die Türe und freut sich über das Klappergeräusch der alten Schreibmaschine. Wer auch immer sie ihm mitgegeben hat, sie tut ihre Dienste und es geht halt doch alles schneller, als von Hand zu schreiben, gerade wenn man so erfüllt ist von den Eindrücken und
möglichst nichts vergessen möchte. Man kann allerdings nur mit viel Phantasie lesen, was ich da schnell herunterrattere, aber es wird schon gehen. Ca marche! Mir fällt jetzt schon auf, dass ich bestimmte Dinge, die schon selbstverständlich werden, eigentlich gar nicht mehr aufschreiben möchte. Zum Beispiel, dass ich die Gerüche, die mir so fremd vorkamen, schon gar nicht mehr wahrnehme. Der Abgasgestank, ja, der schon! Aber der „andere“, der für mich typisch afrikanische Geruch ist nicht mehr da! Wahrscheinlich rieche ich auch schon so.
Es ist ein seltsames Gefühl, immer und überall sofort als Ausländerin erkannt zu werden. Wenn ich in Frankreich durch die Straßen gehe, merkt erstmal niemand, dass ich keine „Eingeborene“ bin. Ja gut, wenn ich den Mund aufmache und Französisch radebreche oder nichts verstehe, wenn man mich anspricht, dann wird klar, dass ich Deutsche bin, aber hier… ob du den Mund aufmachst oder nicht, ist vollkommen wurscht, du bist weiß und diese Unterscheidung kannst du natürlich nie kaschieren.
Ich versuche, mich an den Rat von C zu halten und lächle, was das Zeug hält! Auf dem Markt herrscht das totale Gedränge und irgendwie auch Chaos, macht aber nichts. Ich werde auf dem Artisante ein paar Mal angesprochen, ob ich dies oder jenes kaufen will, aber es hält sich in Grenzen und wenn man freundlich „Non, merci!“ sagt, wird man sofort in Ruhe gelassen. Das ist sehr angenehm. Ich betrete den Garten der Moschee und werde sofort „zurückgepfiffen“. Das sei ohne Kopfbedeckung verboten. Na ja, so kann man’s auch sagen. Für mich ist ein Spaziergang hier wahrscheinlich auch mit Kopftuch nicht erwünscht. Egal, ich mache mich auf den Heimweg, jetzt werde ich allerdings dauernd angesprochen von den Boys, die die Bustickets verkaufen. Nein, ich gehe zu Fuß. Und falls mir das zuviel wird, kann ich auch ein Taxi nehmen. C. hatte mir allerdings eingebläut, nicht mehr als 1000 CfA zu bezahlen, höchstens 1500. 1000 Cfa sind übrigens ca. 1,50 €. Ich gehe wieder an vielen Menschen vorbei, die einfach auf dem Boden ihre Waren ausgebreitet haben. Manchmal sind es nur 4 Orangen, kunstvoll zur Pyramide drapiert. Oder es liegen tote Hühner da mit sämtlichen Federn dran und so was kann ich ja eigentlich überhaupt nicht sehen, aber nach dem fünften Huhn, das schlaff auf dem Boden liegt, macht es mir irgendwie nichts mehr aus. Essen kann ich es durchaus, aber dass es dazu ja wohl oder übel tot sein muss, ist doch auch klar. Überall lassen sich die Fliegen nieder… Und da wird mir dann doch etwas blümeranzig, wenn ich daran denke, dass Ami vielleicht auch so ein Fleisch für die Brochettes gekauft hat… aber es hat köstlich geschmeckt! Also, werde Vegetarierin oder denk nicht drüber nach! Mir ist wahnsinnig heiß. Ich gehe neben der großen Straße entlang, die Hitze steht förmlich und die Abgase schaffen mich. Ich biege nach dem Café Express links ab und es zieht sich jetzt irgendwie endlos und ich beschließe, ein Taxi zu nehmen. Ein alter klappriger Citroen steht am Straßenrand, ich steuere auf ihn zu und sofort kommt ein Mann über die Straße gerannt und fragt, ob ich ein Taxi möchte. Ja, bitte! Ich steige ein, „verhandle“ gleich wegen des Preises und sage: „1000 Franc“ (nicht mehr!) und der Fahrer nickt und ich sage das Ziel, der Miniprix in Hippodrome, und der Fahrer nickt wieder und fährt los, um nach wenigen Metern zu stoppen und zu tanken. Auf einem wackligen Tischchen stehen alte Flaschen mit einer gelben Flüssigkeit. Zwei Flaschen lässt er einfüllen, danach geht die Fahrt weiter und nach wenigen Metern halten wir vor dem Miniprix. Ach, du meine Güte, für diese kurze Strecke zahle ich die vereinbarten 1000… bin ich blöd, das hätte ich ja locker vollends zu Fuß gehen können, aber das passiert mir nie wieder! Der Fahrer fragt noch, ob er mich wieder mit zurücknehmen soll, wenn ich eingekauft habe… Nein, danke, lieb gemeint… Vom Miniprix aus kenne ich den Weg zu Christof und bin ein bisschen fertig, als ich ankomme, aber auch froh und stolz, dass ich meinen ersten Ausflug gemacht habe.
MITTWOCH NACHT, 22.25 Uhr
Ich schreibe weiter an der klapprigen Maschine und klapprig schreibe ich mit „b“. Im Salon machen Madou und C. Musik. C. spielt Gitarre und Madou Cora, ein Saiteninstrument. Es klingt wunderbar, zuhause würde ich um diese Zeit allerdings eventuell die Polizei holen… Ich hoffe nur, dass der Strom nicht ausfällt und die beiden weiter spielen und ich weiter schreiben kann. Und stelle mir vor, wie das wäre, würde man diese Szene drehen. Ich bin umgeben von modernsten technischen Geräten. Fernseher mit integriertem Videorecorder, unter dem Tisch ein PC, vor mir ein Flachbildschirm, alles noch nicht angeschlossen, aber es ist da. Ich schreibe einfach weiter auf der alten Brother und muss ständig von Hand das Farbband weiterdrehen, da würde ich zuhause durchdrehen… Bin ja schon genervt, wenn der Rechner nicht schnell genug hochfährt. Ist das ein ewig nicht mehr gehörtes Geräusch, wenn die Schreibmaschine am Ende der Zeile klingelt. Die Kippe in der Hand, die Asche kommt in die Fantadose, so langsam komme ich mir nicht mehr vor wie Tanja Blixen, sondern eher wie Hemingway…
Gestern dachte ich noch, ich möchte wieder nach Hause in die Kälte, das ist nichts für mich, diese Hitze und die Mücken im Dezember, mir ist nach Weihnachtsmarkt und rote Wurst mit Senf! Und keinen Salat essen dürfen, sollen, ich nehme mir aber vor, einen Tomatensalat zu machen mit geschälten Tomaten, den hat Biolek auch mal gemacht und sich vor lauter „Mhm, mhmmmm“ fast weggeschmissen, also so geht’s ja auch. Wo war ich? Ja, diese andere Kultur und das ungewohnte Klima um diese Zeit – gestern dachte ich also noch, das ist nicht meins – und jetzt ist es schon normal. Ich ertappe mich höchstens noch dabei, dass ich abends denke, man muss den Polsterstuhl, der draußen steht, doch auf die überdachte Terrasse tragen, falls es regnet. Haha, falls es regnet!!! Das tut’s bestimmt nicht! Beim Abendessen heute wollte Fafa unbedingt, dass C. ihr Laptop in Gang bringt. Er versucht es dann auch, ist zwar granatenmäßig sauer, sagt aber nichts und würde lieber Kisten auspacken. Das ist ja jetzt verständlicherweise wie Weihnachten für ihn. Wir haben zwar mit vereinten Kräften alles versucht, um das Ding flott zu machen, das Arabische gelöscht, aber dann ging irgendwie nichts mehr und das ist jetzt auch egal. Doktor Sejdou von nebenan kam und C. schenkte ihm eine Schleifmaschine. Und wenn du den Baumstamm, der als Stehpult dienen soll, gerade gesägt haben willst, musst du halt warten, bis der Arzt kommt! Ich weiß gar nicht, wie’s zustande kam, aber plötzlich stand der Doktor mit Madou an der Säge und sägte am „Stehpult“. Im Schweiße seines Angesichts! Da schoss mir dann doch kurz das Bild von der Sklavenhaltung durch den Kopf, aber was soll denn das? Wäre der Doktor weiß, hätte ich das doch auch nicht gedacht und mich für C. gefreut, dass der Nachbar nicht nur Arzt, sondern auch Schreiner ist und das Holz gut kennt und das macht.
Christof’s Haushälterin. Hier hat ja jeder eine „Bonne“ und C’s Bonne heißt Ami und sie hat bei sich zuhause auch eine Bonne. Und ich unterhalte mich mit Ami und sie lacht und sagt, wenn ich braun werde, kann ich zuhause sagen, das ist ein Souvenir aus Mali. Ich bin so froh, dass ich hier in „meinem“ Zimmer ohne Mückengenerve schreiben kann und habe erst heute abend mitbekommen, dass C. mein Zimmer quasi desinfiziert hat, ohne dass er mir das großartig unter die Nase reibt! Er machts einfach und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Er muss wahrscheinlich wieder jemanden bitten, dass er ihm das Zeugs aus Deutschland mitbringt und Frau Hirschle hat mal wieder keine Ahnung und denkt sich, das ist doch gar kein Problem mit den Mücken hier! Na gut. Andererseits wundere ich mich fast selbst ein bisschen, dass mir das Essen aus einem Teller nichts ausmacht, alle langen rein – und ich bekomme keinen Herpes. Den bekomme ich normalerweise schon, wenn ich nur an so was denke… Ich weiß, während ich das schreibe noch nicht, was mir noch alles bevorsteht…
07.12 2004In Bochum:Am Samstag hat sich die Initiative getroffen und die Informationsveranstaltungen am 09. und 16.12. vorbereitet (s. a. 30.11.), es soll Fafas Brot nicht nur als Kostprobe, sondern auch zu kaufen geben und wir hoffen, dass sich Menschen für das Projekt interessieren und engagieren. Kai und Anna bereiten ihre Reise vor uns sind mit Gabriele im Französischkurs. Dabei haben wir das Gefühl, das mit dem Lernen sollte schneller gehen, da hilft nur üben üben üben….
Gestern waren wir (Johannes, Kai, Gesine, Gabriele) beim Eine-Welt-Forum in der esg, wo unsere Initiative gut ankam und wir um weitere Mitarbeit ersucht wurden – die Entscheidung über eine mögliche Unterstützung für die Reise von Kai, um die Bäckerei zu starten fällt wohl erst im Februar, d.h. wir müssen (mal wieder) vorfinanzieren – aber wir konnten dann auch hören, dass es anderen Intiativen ähnlich geht. Spannend dürfte die Diskussion am 16.12. werden, denn diese “Vollkorn-Frage” beschäftigt schon einige ….. warum auch nicht!
Spät abends noch die Nachricht aus Bamako, dass der Container vom Zoll freigegeben und heute im Laufe des Tages ausgeladen wird – jetzt kann es in der Bäckerei bald losgehen!weiter Bamako:
Um 7.00 Uhr stehen wir auf, um auf die Bank zu gehen. Ein gelangweilter Mann mit einer Rolle Papier vor sich, auf der Nummern stehen, überall sitzen Menschen und warten, keine Hektik, keine Eile. Aber wie auf dem Arbeitsamt in Deutschland. Da bekommt man auch eine Nummer und wartet! Fafa klärt das noch mal und bekommt eine geringere Nummer und dann geht es ganz schnell! Und es ist erstmal gar nicht so, wie Christof das beschrieben hat! Klappt doch prima! Jetzt gehen wir auf’s Zollamt.
Weiter Dienstag, um 9.00 Uhr am Zoll. Da wollte Madame eigentlich auch da sein, ist sie aber nicht. C. telefoniert mit ihr und sie kommt „tout d’ suite“, aber wie lange dauert „tout d’ suite“? Das ist eine Frage, die wahrscheinlich auch nur wir Europäer stellen können… Der Ofen steht verpackt im Hof, überall räkeln sich Menschen und quatschen oder dösen, man bietet uns Stühle an, ein Polizist kommt und sagt stolz, dass ich mich hier überall frei bewegen kann, man habe ein Auge auf mich. Magere Hühner auf dem Hof, ein Hahn. Eselskarren auf der Straße, Männer, die ein Schaf an der Leine führen wie bei uns einen Hund. Brochettes mit frites und Kochbananen werden überall am Straßenrand zubereitet und angeboten und es riecht wunderbar, aber ich traue mich nicht, etwas zu essen. Ich habe immer noch den Spruch im Kopf: „Cook it, peel it or forget it!“ Obst, Gemüse, Äpfel, riesengroße Melonen. Ein Fest für Nase und Augen. Es riecht auch nicht mehr so ungewöhnlich penetrant wie am Anfang, dr Mensch ischt ein Gewohnheitstier, gell! C. zeigt mir die Äste, mit denen die Menschen die Zähne reinigen. Der Mann, der sie verkauft, spitzt sie mit einem Messer an und dann kommt ein anderer Mann und erklärt die Handhabung. Das sei comme une brosse! Er ist vollkommen zahnlos und ich frage mich, ob dieser Herr die denkbar schlechteste wandelnde Werbung für die brosse ist oder die beste? So nach dem Motto: „Nehmen Sie diese Bürste und sie werden mein Problem nie haben!“ Wo war ich? Auf dem Zollamt. Um kurz vor 12 Uhr kommt Madame mit einer uniformierten Dame endlich vorgefahren. Diese Uniformierte soll den Transport bewachen, bzw. sie ist die „Eskorte“. Das Einladen auf den LKW bewacht sie auch noch, na ja, Madame „bewacht“ auch, und wir sind ja auch noch da. Dann steckt die „Uniform“ das Geld ein. Und als nach vielen Anläufen mit dem Gabelstapler endlich die Fahrt zur Boulangerie beginnt, und die eigentliche Aufgabe der „Uniform“ anfangen soll, ist sie weg! C. und ich fahren im Auto vorne weg und prompt wird der Camion von der Polizei angehalten und C. rastet verständlicherweise fast aus. Scheiss-Bulle! Der sieht sich die Papiere an, und der Wagen darf weiterfahren. Glück gehabt. Hat nix gekostet! Das hätte auch noch gefehlt! Fafa hat seit morgens um neun Uhr bis abends um 16.30 Uhr gewartet. Ohne Essen und Trinken. Herrje…
06.12 2004REISE NACH MALI – von Monika Hirschle
Montag Mittag, 11.00 Uhr holt mich mein Vater mit dem Auto ab. Am Flughafen Echterdingen an den Air France Schaltern fast nichts los. Ich trinke noch einen Kaffee, ärgere mich mal wieder über die Preise! 2,90 € für einen Milchkaffee! Grad selber saufa sollat se ihrn Kaffee für fast sechs Mark! Naja, egal jetzt, ich stelle mir vor, was mich wohl erwartet… Noch nie in Afrika gewesen.
JE SUIS EN AFRIQUE
MONTAG NACHT, 6. auf 7. Dezember 2004
BAMAKO-Ankunftshalle.
Ich komme in die Flughafenhalle, der Geruch ist noch atemberaubender als in Paris. Heiß ist es auch, nachts halb elf Uhr Ortszeit, am Gepäckband sehe ich sofort meinen Koffer. Das fängt wirklich gut an! An der Passkontrolle stelle ich mich an, zwei Beamte stempeln ab, merkwürdigerweise werden immer wieder Gruppen von Menschen „einfach so“ durchgelassen. Egal, das ist halt so und irgendwann stehe ich auch mit meinem Pass vor dem Herrn, der über meinen Aufenthalt zu stempeln hat, alles geht klar, kein Problem, ich
ziehe meine beiden Koffer hinter mir her, suche Christof, finde ihn nicht und wie ich so den Blick schweifen lasse und mich Richtung Ausgang bewege, kommt schon eilfertig ein junger Mann auf mich zu, der mir den Koffer abnehmen will. Nee nee, aber ned mit mir! Eine ganz dicke Dame in so was wie Uniform versperrt mir den Weg und brabbelt etwas, das ich nicht verstehe. Sie will was von mir, ja, aber was? Ich hole wieder meinen Pass aus der Tasche, der interessiert sie überhaupt nicht. Sie will meine Bordkarte! Wieso? Wo ist die? Hatte ich die im Flugzeug liegen lassen? Um Gottes willen, was, wenn ich die jetzt nicht finde, muss ich dann gleich wieder zurück oder was? Ich will jetzt ankommen! Da bleiben. Verdammt, wo ist diese Scheiß-Bordkarte, und warum sehe ich Christof nicht wenigstens durch die irgendeine Scheibe oder so was? Was, wenn er meine letzte Mail nicht bekommen hat? Das Flugzeug hatte ja auch über eine Stunde Verspätung, was, wenn er gar nicht da ist? Dann sehe ich aber alt aus, ich werde hektisch, jetzt bleib mal ganz ruhig, Moni. Endlich finde ich die Bordkarte zwischen Tempotaschentüchern und Feuerzeug und was Frau sonst noch so im Täschchen mit sich rumschleppt… und eigentlich nie braucht, aber s muaß halt do sei, falls was isch… Also übergebe ich leicht entnervt und vor mich hin schwitzend die Bordkarte. Die dicke Dame ist zufrieden, ich darf durch die letzte Tür und stehe im Freien, sofort kommt ein junger Mann auf mich zu, „Taxi, Taxi?“ „Non, merci!“ Ein anderer junger Mann glaubt das nicht und fragt auch, nun etwas penetranter, ob ich ein Taxi möchte und will mir meine Koffer abnehmen. In diesem Moment kommt Christof, wir fallen uns um den Hals! Jetzt kann mir nichts mehr passieren. Alles ist gut! Fafa und Sally sind auch da und endlich kann ich mal die Menschen, von denen Christof schreibt, leibhaftig sehen und sie sind nett und freundlich und ein Boy kommt schon wieder auf uns zu und trägt meinen Koffer auf den Schultern zum Auto. Der Koffer hat Rollen! Aber ich traue mich nicht, schon gleich am Flughafen die alles besser wissende Deutsche zu mimen, die dem Kerle zeigt, dass man einen modernen Rimowa-Koffer mit Rollen sein Eigen nennt. Nee, lass mal, wir sind am Auto und wir fahren über eine der beiden großen Brücken über den Niger und sowohl Christof, als auch ich sind aufgeregt! Ich bin sein erster Besuch aus Deutschland – und für mich ist es der erste Besuch in Afrika! Christof fährt Fafa und Sally nach Hause und wir fahren an einem Laden vorbei, der noch offen hat. „Jetzt zerscht mol a Bierle, gell!“ Wunderbar! Wir kaufen Bier bei einem freundlichen Mann, der die strahlend weißen Zähne zeigt und lacht und gleich, nachdem wir wieder im Auto sitzen, löscht er das Licht und schließt seinen Laden ab, so, als hätte er nur noch auf uns gewartet! Auf der Fahrt zu Christofs Haus treffen wir Umu und nun habe ich sie auch schon kennen gelernt und dann biegt C. in eine Straße ein, deren Belag mit „abenteuerlich“ nur unzureichend beschrieben ist. Schlaglöcher, denen C. mit seinem Daimler geschickt ausweicht. Und dann sehe ich durch die Autoscheinwerfer erhellt sein Haus mit den Zeichnungen an der Hofmauer, wunderschön, ich bin da! Madou begrüßt mich, wir trinken Bier auf der Terrasse und ich parfümiere mich mit Autan wegen der Moskitos und hab ein bisschen Angst deswegen und dann schießt mir wieder mal kurz ein Bild durch den Kopf, wie ich halb tot auf einer Pritsche liege im Fieberwahn und ein Medizinmann singt irgendwas und eine dicke Schwarze braut ein Getränk… so was blödes, weg mit diesem Klischee aus vielen Filmen… Es ist doch alles gut und mit Autan machen die Mücken einen großen Bogen um mich. Dank an dieser Stelle der Firma Johnson. Um ca. 3.00 Uhr gehen wir ins Bett.
05.12 2004
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Inzwischen steht der Ofen im Hof der Zollbehörde und es wird darüber nachgedacht, was damit werden soll, da wir keine Möglichkeiten haben, auch noch viel Zoll zu zahlen. Heute abend Besprechung mit MMe Sangare – vielleicht tut sich ja morgen etwas!
01.12 2004
Bilder
In Bochum:Na bitte, da gabs dann heute morgen in die Dienstbesprechung einen Anruf aus Mali: Der Container ist angekommen und muss jetzt “nur noch” durch den Zoll begutachtet und dann ausgeladen werden – wobei letzteres ja gut gehen dürfte, liegt doch das Haus für die Bäckerei am Rande eines Industriegebietes, wo es sicher den einen oder andern Gabelstapler gibt. Also, die Mühe hat sich gelohnt, die Bäckerei wird vielleicht noch keine Weihnachtsplätzchen, aber vielleicht doch im Frühjahr das erste Vollkornbrot produzieren. … Wer mehr und Authentisches wissen will, besucht am besten eine unserer Veranstaltungen: 09.12. und 16.12. Näheres unter gestrigem Eintrag.
30.11 2004In Bochum, 30.11.2004Die Veranstaltungen sind jetzt fertig vorbereitet, alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Menschen von der Initiative, das Projekt und auch Kostproben von Fafas Brot mit köstlichen Aufstrichen kennenzulernen. Gleich zweimal gibt es dazu in den nächsten Wochen Gelegenheit:1. Veranstaltung:Mali – gestern und heute

Wer kennt Mali, das westafrikanische Land an der Grenze zwischen Weiß- und Schwarzafrika? Im vergangenen Jahr geriet Mali plötzlich in die Schlagzeilen, als es sich um die Freilassung der in der Sahara verschleppten europäischen Geiseln verdient machte. Aber ebenso schnell verschwand das Land wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. In Bochum ist Mali, ausgelöst durch die Initiative bobaku, jetzt stärker in das öffentliche Bewußtsein gelangt, und viele Menschen beginnen, sich für das Land zu interessieren.
Was macht die besondere Situation dieses Landes aus? Wer mehr über Land und Leute, über die Landschaften, Sitten und Gebräuche, aber auch über die politische Situation wissen möchte, ist herzlich zu unserem Informationsabend eingeladen.
Mit Renate Eisel konnten wir eine versierte VHS-Referentin gewinnen, die nicht nur etliche islamische Länder bereist hat, französisch und arabisch spricht, sondern auch schon in Mali gewesen ist und uns mir ihrer Diashow an diesem Erleben teilhaben lässt.
am: 09.12.2004
um: 19.30 Uhr
in: Constantin MusikTheaterSchule, Herner Str. 299, 44809 Bochum
(U 35 bis Zeche Constantin, auf dem Industriegelände rechtes großes Gebäude, 1. Etage)

2. Veranstaltung:

Ernährung und Wirtschaft in Nord und Süd

Immer wieder wird in den Medien auf Hungersnöte in den Entwicklungsländern aufmerksam gemacht. Unsere Anteilnahme ist dann groß, Spenden werden gesammelt. Sehr selten jedoch werden die Ursachen dieser Nahrungsmittelknappheiten benannt. Es handelt sich in weitaus mehr Fällen um „künstlich erzeugte“ Not als um Naturkatastrophen … in der Summe wird nämlich weltweit durchaus genug Nahrung produziert. Es handelt sich um ein Verteilungs- und ein Qualitätsproblem.
In dieser Veranstaltung soll nach einem kurzen Einstieg ins Thema der Frage nachgegangen werden, welche Möglichkeiten es gibt, als VerbraucherIn von hier aus (einen kleinen) Einfluss auf die offenbar ineffektiv und für die Menschen in den Entwicklungsländern gefährlichen Nahrungsmittelströme genommen werden kann.
Die Referentin, Susanne Heiligenstädt ist Diplom Oekotrophologin, arbeitet in der Hutzel Bäckerei und hat umfangreiches Wissen zur vollwertigen Ernährung.

Am: 16.12.2004
Um: 19.30 Uhr
In: Constantin MusikTheaterSchule, Herner Str. 299, 44809 Bochum
(U 35 bis Zeche Constantin, auf dem Industriegelände rechtes großes Gebäude, 1. Etage)

Beide Veranstaltungen werden mit Unterstützung durch das Agenda 21 Büro der Stadt Bochum möglich.

25.11 2004Es gibt noch eine Fortsetzung des Kinderprojektes
aus Bamako, Mali, 22.11.2004:Fortsetzung Plastikspiel:Ich hatte vor, etwas mehr
Struktur hineinzubringen, »auf die Plätze, fertig los« etc, drei oder fünf
Minuten, dann aufhören, aber die Kinder liessen mir keine Chance, stellten
selbständig den Mülleimer auf die Strasse, schrieen, ich solle endlich die
Kamera holen (wobei ich das Gefühl habe, dass das Drehen den Erwachsenen
nicht so gefällt) und rauften sich teilweise schon um Plastikteile, weil
nicht mehr soviel da ist! Wenn das das Hauptproblem ist, kann man ja
weiterziehen .
Danach dann wieder Bananen, wozu sie sich in Reih und Glied aufstellten, um
sie in Empfang zu nehmen, ich kam mit dem Drehen gar nicht mehr nach.Als
diese aber gütlich verdrückt waren, sah ich zufällig auf die Strasse, unsere
schöne eben gesäuberte, die nun voll mit Bananenschalen versaut war – und
ich lachte und zeigte darauf.Es dauerte Sekunden, bis sie verschwunden
waren. Eine halbe Stunde später wurde meine Tür (neben der innen der
Mülleimer steht) vorsichtig geöffnet, und Abdul Salam steckte seinen Kopf
rein (ich schliesse die Tür nicht ab, damit sie lernen, dass sie mich in
Ruhe lassen sollen, wenn ich das will – sie machen auch keine
Klingelmännchen mehr) und entschuldigte sich mit den Worten:»Ich will nur
die Bananenschale in den Mülleimer werfen«Das geht mir fast zu schnell und
ich versuche mir euphorische Träume, was das hiesse, wenn das um sich
greift, zu verbieten, vielleicht wird es ja wieder langweilig für die
Kinder, aber ich verstehe das auch so, dass die Strasse ja ihr Raum ist, ihr
Feld, sie als erste profitieren, wenn sie sauber ist.Und die Geschichte ist
immer noch nicht zu Ende:Wieder eine halbe Stunde später kam Bibi, meine
Vertrauensfrau bei den Kindern und sagte: »Morgen keine Bananen«. »Und das
Spiel?«, fragte ich.»Das Spiel machen wir«, antwortete sie, »aber ohne
Bananen.«
24.11 2004
Bilder
In Bochum, 24.11.2004Die Neuauflage des Faltblattes ist fertig und in der Druckerei, unsere Veranstaltungstermine stehen fest und wir freuen uns, dass Christof jetzt auch Zugang zur Website und zum Forum hat. Das macht den Dialogteil doch erheblich leichter.
Mir fällt auf, dass die Berichte aus Mali auch meinen Alltag hier verändern – mit diesen Eindrücken verändert sich der Blick darauf. z.B. hatte ich heute morgen eine wirklich wunderschöne Fahrt nach Mettmann – so ein klarer Wintertag mit um die O Grad, Nebelfeldern beim Stahlwerk in Hattingen, darüber ein blutroter Sonnenaufgang und dahinter in Velbert strahlend stahlblauer Himmel, schließlich mein Lieblingsstück, ein Wirtschaftsweg, der im Nebel wie Watte zu durchfahren war…. ich glaube solche Übung heißt “Achtsamkeit” und ist sehr nützlich für alle Lebensbereiche.
Manche werden vielleicht sagen: Wie unpolitisch! – ich bin “altmodisch” und halte es mit der feministischen Weisheit: “Das Private ist politisch!” und auf Alltag und die Menschen darin zu achten ist grade heutzutage meiner Ansicht nach hochpolitisch! In dem Maße, in dem alles der Verwertbarkeitsanalyse unterzogen wird und Selektion nicht nur von Angeboten, sondern auch von Menschen zum zentralen “Anliegen” vieler Bereiche wird, wird es wichtiger, die eigene Gegenwart und den Kontext der anderen zu reflektieren, um nicht in diese Verwertungsmühle zu geraten. Da ist dieser Blick auf einen anderen Kontinent, den wir uns mit diesem Projekt gönnen und leisten können, eine besondere Gelegenheit und Chance.
Was passiert in Eurem Alltag?
Ach ja, viel Spaß beim Lesen:aus Bamako, Mali:18.11.2004

Warten III/Fortschritt:
Dreieinhalb Stunden brauchte ich heute, um meine Mails loszuwerden und die
neuen (13) zu bearbeiten, und allein die Tatsache, dass ich das so
wahrnehme, entspricht nicht dem bisher hier üblichen Lebensgefühl wie oben
beschrieben. Wenn man dann drei Abstürze hat (was bei XP normal ist) und
einen Stromausfall (was wiederum hier normal ist – sofort rennt jemand raus
und stellt den Generator an), wonach es soundsolang braucht, bis die Rechner
wieder laufen, alle Codes eingegeben sind, und wenn man dann vor dem
Monitor sitzt und zusieht, wie der Balken langsam fortschreitet beim Laden
der Mail, dann ist es wieder da, dieses leer zehrende Gefühl, dieses Gefühl
Zeit zu verlieren (und keine Chance haben, sie zu verwandeln), dieses
Warten, das soviel nimmt wie sein Ergebnis gibt. Ich brauche drei Stunden,
mich zu erholen (während ich von einem halben Tag lang nur Geld von der Bank
zu holen, befriedigt zurückkehre), werde laut und zynisch (und merke das
gleichzeitig, ohne es abstellen zu können), und das wäre auch nicht anders,
wenn die Rechner schneller liefen.

Z.B. Essen:
Hier isst normalerweise jeder, wann es ihm passt, wenn es zufällig gerade
fertig ist oder wenn er Hunger hat. Mümmelt vor sich hin, hat nichts
dagegen, wenn andere das auch gerade tun, das ist aber nicht wichtig und
wird nur rudimentär herbeigeführt. Bei Festen isst man zusammen – jeweils
die Frauen und die Männer zusammen, (was sich anfängt aufzulösen), aber
nicht, wie in den arabischen Ländern in getrennten Räumen, sondern in einem
oder im Hof – eine Verteilung, die man bei uns als westfälische Reihe
kennt -, aber auch da steht jeder auf, wenn er fertig ist, und man fängt
auch nicht gemeinsam an.
Das war mir am Anfang ungeheuer fremd, weil für mich Essen etwas kollektives
ist (auch durch die 10 Jahre Knast, bei denen das alleine Essen zu den ganz
üblen Begleiterscheinungen gehört), und ich vermisse es immer noch (vor
allem während Ramadan – jetzt geht es wieder), aber ich muss gestehen, dass
ich auch Gefallen daran finde. Es hat etwas Ungezwungenes, man kann
hingebungsvoller vor sich hin essen. Ich mag es zwar lieber wie bei uns,
aber stelle von hier aus fest, dass es bei uns doch etwas Zwanghaftes hat.
Kurz gesagt: man kann nie sagen, dass das eine besser als das andere ist -
was umgekehrt heissen könnte, dass man tatsächlich vom jeweils anderen etwas annehmen könnte, das das eigene noch besser macht.
Dienstag, der 16. November:
Warten II/Alltag:
In Afrika gibt es keinen Alltag in unserm Sinne, weil sich das technisch gar nicht organisieren lässt, das Leben unberechenbar ist, und so ist es zwar immer das Gleiche, wenn man wegen einer Flasche Gas für den Herd einen Vormittag von Pontius zu Pilatus fährt, um einen günstigen Preis zu bekommen und am Ende doch bei Pontius kauft, sinnlos auch noch Sprit verbraucht hat, was das Ganze ja noch teurer macht und eben wieder soundsolange wartet:
aber genau das macht den Unterschied.
Allein, was man beim Warten beobachten kann, füllt Bände! Was es für Leute gibt, wenn man mal näher hinsieht! Was für Haltungen, Bewegungen oder einfach nur Gehweisen. Die unglaubliche Vielfalt und Farbenpracht an Kleidung! Was für Gespräche man mitbekommt oder in welche man verwickelt wird. Oder was man lernt: ich fragte mich schon immer, was mit dem verfaulten Obst passiert, das neben den Ständen liegen bleibt; auch da kommt einer und sammelt es ein, jede verfaulte Orange einzeln in einen Wagen legend; was er damit macht, werde ich auch noch einmal mitkriegen.

Und ich stellte fest, dass es tatsächlich das Warten selbst ist, was mir Spass macht – was ist los?

Bei uns ist alles durchorganisiert und flutscht, muss, und wehe, dann klappt etwas nicht. Wahrlich ein Grund zum Ausrasten.
Hier nimmt man sich etwas vor, sagt insah allah und schaut, wie weit man kommt, meist passiert etwas Unvorhergesehenes, das man hätte gar nicht planen können, oft genug sogar hocherfreulich. Dadurch ist jeder Tag anders, selbst wenn er gleiche Abläufe hat, und man braucht erst gar nicht zu versuchen, das »in den Griff zu kriegen«.
Wir nennen diesen Zustand »Chaos«, – in Wirklichkeit ist es eine sich anders zusammensetzende Ordnung; eine andere Wertigkeit (nicht das Klappen des Vorgenommenen ist das Wichtigste, sondern das Stattfinden), eine andere Haltung (das gar nicht in den Griff kriegen wollen). Es klappt ja, irgendwann bekommt man, was man will, und wenn nicht, passiert inzwischen etwas anderes, das auch Sinn macht.
Die Industriegesellschaft hat das im Griff – und erwürgt sich mit ebendemselben. Unsere Ordnung erzeugt ein Nichts, ein Vakuum, das alle verrückt macht, egal wie verschieden sich das äussert. Sie ist ein tödlicher Endzustand, dahinter kommt nichts.

Ich denke, die Haltung von Menschen überträgt sich auf den, der länger mit ihnen zu tun hat, diese Haltung der Menschen hier, die »Fatalismus« zu nennen genau den Zugang zu ihr verschliesst – altmodisch gesagt passte Bescheidenheit besser, negativ gesagt: nicht der Grössenwahn, alles schaffen zu können, zu müssen. Das lockert ungemein.

In Bamako, Mali, November 2004:

Hier Auszüge zum Thema “Kinderprojekt”, obs mit dem Foto klappt – mal sehen, viel Spaß beim Lesen!

09.11.2004

Dialog der Kulturen: anbei meine Kinder. Auch hier ist inzwischen alles streng geregelt: zu Beginn werden Amo-Nüsse gepflückt und verteilt – irgendwann ist Schluss damit, was akzeptiert wird oder von den älteren der Kinder mit Kopfnüssen und Schlägen durchgesetzt wird. Dann werden meine Farben fein säuberlich aufgestellt, die Pinsel in den Sand gesteckt, einer übernimmt das Radio, macht Programm, einer bewacht die Farben, ich diskutiere mit den Kindern, welche Farben wohin kommen. Da ich mir die Namen nicht merken kann, frage ich immer wieder: »e togo?« und es krächzt : »Mariam« oder »Abdul Salam« etc. Oder ich rufe »na ja!«, und sie kommen angerannt, aber wenn ich rufe: »Komm her!«, kommen sie auch und schreien: »komm her! komm her!«.

16.11.2004

Als ich heute an meinem Wandgemälde malte und wieder alle meine Kinder Amonüsse knackten, Pinsel reinigten, Radioprogramm suchten und überhaupt, kamen zwei Frauen vorbei und fragten, ob dies ein Kinderprojekt sei! Ich sagte, die kämen von alleine, und das fanden sie dann noch besser, wünschten alles Gute und bedankten sich.

18.11.2004

Gestern z.B. überlegte ich mir morgens, dass
ich mich erst gar nicht mit dem Drucker herumschlage, der eine dreiviertel
Seite druckt und dann nur noch Hieroglyphen von sich gibt, sondern abwarte,
ob sich etwas mit Alassane ergibt…. Plötzlich hatte ich frei! Die Sonne schien, ich setzte mich auf die Veranda und dachte: Mal sehn, was heute so kommt. Holte meine Vokabeln raus, sah Worte nach, die ich schon lange mal nachschauen wollte, die Kinder kamen, setzten sich zu mir und betrachteten mich schweigend, legten immer wieder den Finger auf den Mund und bedeuteten den anderen,
leise zu sein, was überhaupt nicht störte, im Gegenteil; irgendwann
schickte ich sie weg, und sie gingen, Ami erschien erst um 12, weil eine
Tante gestorben war, und ich sagte ihr, sie brauche nur das Nötigste zu
machen, pünktlich um 13 Uhr erschien Fafa, als das Essen gerade fertig war,
dann kam noch Alassane und hatte eine Original HP – CD mit dem
Druckertreiber, ich machte Latte Macciato, Alassane brachte Fafa zur
Fahrschule, und ich ging raus zum Malen. Und als die Kinder wieder kamen -
das ist jeden Tag so, dass ich erstmal alleine vor mich hin male, dann
irgendwann der oder die erste kommt, und kurz darauf breiten sie sich alle
um mich herum aus, Mariam, die ganz kleine, Basiru, der heute in die Hose
gemacht hat, Abdul Salam, Aisha, Matu (ich kann sie mir noch nicht alle
merken, aber wir arbeiten daran), heute machte Bibi Radioprogramm – und sich
an mich hingen, zwischen meinen Beinen turnten, auf meinen Knieen ritten,
dass ich aufpassen musste, mich nicht zu vermalen – am Anfang kamen vor
allem die ganz Kleinen und wollten mich anfassen, die weisse Haut
bestreichen; das kannte ich schon, und ich habe auch nichts dagegen, und
nach dem dritten Mal hat sich das dann auch, weil ja es nun im Grunde nichts
besonderes ist -, als wir darüber diskutierten, welche Farben wo hingehören
und immer wieder Erklärungen kamen, was was ist – das, an dem ich im Moment
male, ist ein Fahrzeug, soviel ist klar – und als es dann wieder mit den
Amo-Nüssen losging, dachte ich plötzlich:
So, jetzt ran.
Ich holte die Kamera, den Mülleimer und hielt eine Ansprache. Wenn »tout le
monde« sämtliches Plastik und Metall, das sich zwischen den Häusern der
beiden Djarras (die Familie gegenüber heisst auch Djarra) so schnell wie
möglich aufsammelten und in den Mülleimer schmissen, dann gebe es heute Amo
ohne Ende, was begeistert schreiend aufgenommen wurde. Es dauerte dann
etwas, bis sie kapierten, ich machte es vor und lobte jeden, der was
brachte, aber dann kamen sie richtig Fahrt, zogen riesige Plastiklappen, die
schon unter dem Sand festsassen und von denen man nur die Spitze sah, raus,
schleppten dann selber den Mülleimer immer dahin, wo sie gerade arbeiteten,
und irgendwann rief Bibi, eine der Älteren, mir zu: »Madou, abana« (fertig),
und es war zwar noch nicht alles weg, aber ein Unterschied wie Tag und
Nacht. Der Film ist wahrscheinlich sehr wackelig, aber wir haben heute
ausgemacht, dass wir das fortsetzen, und ich habe auch versprochen, dass ich
einen Film daraus schneide.
Die Reaktion der Leute war begeisterte Fassungslosigkeit. Es ist ja nicht
so, dass die Leute den Dreck schön fänden, alle beschweren sie sich, wie
dreckig alles sei (und lassen dann ihren Kaugummi fallen), also ist es nicht
mein problem alleine bzw. nur mein Problem, weil es ein allgemeines ist. Die Nachbarin Djarra, mit der das Verhältnis etwas gespannt ist, weil sie in meiner Abwesenheit nach Ansicht von Madou und Fafa zuviel geschnorrt hat, hörte gar nicht auf, sich kopfschüttelnd zu bedanken. Jetzt träume ich
davon, den fertigen Film dann hier mit dem Beamer auf der Strasse zu
zeigen, mal sehn, ob das ansteckende Wirkung hat.

19.11.2004

Nachmittags mit den Kindern:Da wir
verabredet waren, wieder Plastik zu sammeln, dachte ich, das klappt bestimmt
nicht und malte auch ziemlich lange alleine, aber dann kamen die ersten, die
nächsten und schliesslich die kleine Aisha, die mir geradezu konspirativ
zuflüsterte: »Madou, la joue!« – ich traute meine Ohren nicht und fragte
nach, aber sie bestätigte tatsächlich: »Das Spiel mit dem Plastik« wolle sie
machen! Und zwar das Spiel, nicht einmal wegen der Bananen, die zu holen
ich sie losschickte – sie gab das Geld aber Bibi, der älteren, die
Hierarchien sind auch in diesem Alter schon klar geregelt.
Ich habe es noch nicht ganz raus, mehr Wettbewerbscharakter und Spass am
sich gegenseitig Übertreffen reinzubringen, es hat noch keinen klaren Start,
das Spiel, sondern tröpfelt so los, aber teilweise entwickelt es sich von
alleine und sie raufen sich darum, möglichst grosse Teile aus der Strasse zu
reissen: dann wird es richtig gut!
Und als Bibi zurückkam bestimmte sie auch wieder: »Madou, abana« – 5-10
Minuten, länger geht das nicht, aber es war wieder meine halbe Mülltonne
voll und die Anteilnahme der Erwachsenen war auch wesentlich grösser.

23.11 2004Schöne Grüsse life vom jährlich stattfindenden Forum cen-sad, auf dem alle Arten von Handel, Produktion, Kultur etc zwei Wochen lang im Palais de congres, also dem hiesigen Budestag, vorgestellt werden und der Besucher an schicken schwarzen IBM Rechnern mit Flachbildschirm in Sekundenschnelle ins Netz und alle internen Programme kommen kann – wenn man den Stress in den internetcafés mit ihren vorsintflutlichen Rechnern gewohnt ist, macht das richtig Spass
bald mehr aus Bamako
14.11 2004
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In Bamako, Mali:Es ist Sonntag, der 14. gestern war das Ramadan Abschlussfest; Fafa hat organisiert, dass ich mit ihrem Bruder Kaou bei ihrer Schwester Afsa mitfeiern kann, was wirklich sehr aufmerksam von ihr war, da wirklich die ganze Stadt gefeiert hat, und Fafa es nicht gut fand, wenn ich dann alleine hier rumhänge…..
Es gab »surprise«, was grosse Bouletten sind, in denen ein Ei sich verbirgt, dazu frittierte Kochbananen (Aloko) und Zwiebel – ich habe gefressen bis zum Umfallen und bekam noch surprise extra: fünf Stück habe ich vertilgt. Dazu immer Fernsehen und angeregte Gespräche; ich weiss jetzt viel mehr über die Familie….
Ich habe dann Latte machiato gemacht, groß inszeniert, was gut ankam und die Videos von der Pressekonferenz mit Fafa und dem Transport des Containers gezeigt; danach erschien Fafa und Afsa brach mit ihrem Mann Moussa im vollen Sonntagsstaat, neuen Bubus, geschminkt und duftend auf, um anderen Familienmitgliedern Essen zu bringen, das ist Brauch hier; wir zogen weiter zur anderen Schwester, wo es noch mal Couscous mit Hühnchen gab und grosses Hallo: es wird wirklich gefeiert überall, Nachbarn und Freunde strömen ein und aus, oft nur 5 Minuten, und auf den Strasse ist die Hölle los, Stopp and go in ganz Bamako, man erstickt beinah an den Abgasen, alle hängen geduldig in den Autos, aber was sein muss muss sein. Was mir dabei aber auch wieder auffiel und nicht nur an Festtagen so ist: ich habe noch nie so viele lachende Leute gesehen wie hier. Leute, die einfach lächelnd durch die Strassen gehen und sich grüssen, oder sich riesig freuen, wenn sie jemanden treffen; neulich ging es mir selbst so, als ich Mariko, den Schlosser traf, mit dem mich im Grunde nichts weiter verbindet: trotzdem freute ich mich richtig, also diese Lebensweise ist ansteckend.
Geben und Nehmen: es nervt, wenn man dauernd um Geld angehauen wird. Im Lauf der Zeit stellte ich aber fest, dass das erstens untereinander auch läuft, nicht nur dem Weissen gegenüber, und dass es zweitens nichts ausmacht, wenn man nein sagt. Und dann fiel mir neulich wieder ein, wie der Vermieter, der mir die Klimaanlagen verkauft hatte, mir 500 Euro zurückgegeben hatte, weil er sie billiger bekommen hatte, obwohl das ja nun sein Geschäft ist, an der Differenz zu verdienen. Er war aber der Meinung, das weitergeben zu sollen: wenn ich alles zusammenzähle, was ich anderen gegeben habe, weil sie einen Engpass hatten, komme ich noch lange nicht auf diese Summe. Etwas abzugeben, wenn man mehr hat, ist das hiesige Sozialversicherungssystem, das genau wie unseres nur an denen krankt, die die Situation ausnützen, nicht an seiner Struktur, die hier eine lebendigere, wärmere ist als bei uns. Und die selbst ich Neuling, Außenstehender schon als ausgeglichene erfahren durfte.
Unterschied der Kulturen:
Mein Nachbar Thorsten T in Bochum haut mich kurz vor meiner Abreise nach Afrika um 90 Euro an, seine Frau Johanna werde sie mir sicher zurückgeben. Ich habe das Geld bis heute nicht, seine Frau Johanna weiss angeblich von nichts, das deutschpolnische Pärchen setzt darauf, dass ich von Afrika aus nichts machen kann.
Meine Nachbarn von der Familie Djarra, mit deren Kindern ich nachmittags male und spiele, klingeln spät abends an der Tür. Sie bringen mir das Radio, das ich nach dem Malen vergessen hatte…Auf dem Weg ins Cybercafé: überall sitzen die Menschen in Gruppen auf der Strasse und essen, trinken Tee, unterhalten sich, spielen Karten etc; alle festlich gekleidet, die Kinder wunderschön rausgeputzt – eine richtige Feiertagsstimmung, aber nicht privat, jeder für sich, sondern allgemein=
In Bochum:Wie aus gemeinhin gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, hat sich auch Fafa Diop in Mali sehr über unseren Erfolg mit dem Agenda Antrag gefreut! Wenn das Projekt hier einen hohen Bekanntheitsgrad hat, ist das dort natürlich auch nützlich und für alle, die Spaß an Fotos dazu haben, versuche ich jetzt mal das Bild von Fafa Diop, Abdul Wahab Cisse und Christof Wackernagel hier einzustellen, das war wohl kurz nachdem der Mietvertrag für die Bäckerei unter Dach und Fach war. (Hat leider doch noch nicht ganz geklappt – mit dem Foto, sorry)
Ich kämpfe derzeit mit Air France um die Frage von Freigepäck für die Weihnachtsreise, falls da jemand einen Tipp hat, bitte ins Forum schreiben.
12.11 2004In Bochum,das mit der Presse hat jetzt doch noch etwas gedauert, wir machen das ja alle ehrenamtlich und “nebenbei” was bedeutet, dass z.B. die Arbeit für die wir bezahlt werden erstmal fertig sein muß und davon gibts zur Zeit irgendwie bei allen offenbar verdammt viel.
Also dann jetzt am Wochenende, denn diejenigen, die bisher das Projekt unterstützen, sollten schon erfahren, dass es doch ziemlich gut läuft.
In Bamako, MaliDa klingelt Alassanes Telefon: ein Klient in Mopti will seinen sofortigen Besuch – Mopti sind 600 Kilometer! Und bevor das geklärt werden kann, ruft der nächste an: im Knast, Alassane soll sofort kommen.
Inzwischen ist es drei, das Auto repariert und der Tag eh gelaufen – da kann ich noch bei Suleyman vorbeischauen, dem Musiker, den ich am Flughafen in Casablanca kennengelernt habe, und der mich ein wenig in die Geheimnisse der Griot-Musik auf der Gitarre einweist (umstimmen, bestimmte Melodien), die letzten Tage aber in seinem Heimatdorf war, wo er mit seiner französischen Frau (er hat auch eine in Bamako, eine Sängerin, mit der er schon 5 Kassetten gemacht hat) ein Wasserprojekt macht mit der Begründung: der Hauptgrund, warum Leute aus den Dörfern abwandern – und zwar die starken , die gebraucht würden – ist, dass es kein Trinkwasser gibt, nur deshalb gehen sie in die grossen Städte, wo sie an sich gar nicht hinwollen, und deshalb ist das für ihn Nummer eins.
Da klingelt das Telefon: Alassane hat mich aus dem Rückspiegel verloren, ob alles ok ist? Und so ist das hier: es wird sich um einen gekümmert. In Afrika kann ganz schnell und unvermutet etwas ganz Schwieriges auftreten, und da ist es gut, zu wissen, dass jemand auf einen achtet. Das machen sie aber vor allem untereinander, nicht nur dem Ausländer gegenüber aus verantwortlicher Gastfreundlichkeit (zum ersten Mal fiel mir das an der Haltung der Clique vor Fafas Haus auf, wie die sich gegenüber Issa und seinen Plänen, in Deutschland zu studieren verhielt: sie brachten Issa mit mir zusammen und hakten nach, dass etwas zu laufen habe mit uns, und ich spürte das lebendige – moralisch überhöht könnte man sagen: uneigennützige – Interesse, dass Issa das schafft und gut macht, eine sehr angenehme Energieform. Wenn ich mich recht entsinne, war so etwas mit dem abstrakt geforderten Begriff »Solidarität« gemeint, was ja jetzt nur noch für die Zone gilt. Das ist eine Haltung, wovon man sich bei uns eine dicke Scheibe abschneiden könnte). Und er freute sich auch mit mir, dass sich durch diesen Besuch der weite Weg nach Lafiabougou doppelt gelohnt hat.
Bei Souleyman kam im selben Moment, in dem ich erschien, sein Bruder von einer Reise zurück, deshalb sagte ich nur Bonjour und wir verabredeten uns noch einmal, bevor er wieder nach Paris abhaut; das ist übrigens auch sehr angenehm hier: man kann auch nur 3 Minutenbesuche machen ohne dass es unhöflich ist. So wie wenn man sich auf der Strasse trifft und kurz austauscht – ohne sich damit gleich zu Gedöns zu verpflichten.
Aber war das jetzt wirklich ein verlorener Tag, weil er nur aus Autowarterei bestanden hatte – oder werde ich ihn nie vergessen, weil ich nebenbei den Weltstar Ali Farca Toure kennengelernt habe? Deswegen sage ich, dieser Tag war ein Klassiker: so doppelseitig, bipolar, dialektisch geht es hier dauernd zu, denn es wäre auch ohne das Intermezzo im Salon kein verlorener Tag gewesen, es kommt nur darauf an, wie man es sieht, wie man reingeht, in welcher Haltung, und die von den Leuten hier gefällt mir, um es mal schlicht zu sagen.
Und wurde es schon dunkel und ich konnte nur noch eine Farbe an meinem Wandgemälde weitermalen, was aber auch gut ist, weil ich gar nicht fertig werden möchte, so schön ist dieser Zustand täglich (gestern lernte ich von den Kleinen, dass an unserem Baum hier sehr wohl essbare Früchte sind: man muss die Dinger mit einem Stein aufklopfen und kann dann innen einen ganz kleinen Pinienkernartigen Kern rausholen, der gut schmeckt, »Amo« nennen sie das, und ich hatte die ganze 10-köpfige Horde schreiend und kreischend unterm Baum, kam gar nicht mehr nach, die Nüsse abzureissen und zu verteilen und darauf zu achten, dass die ganz kleinen nicht ins leere Schwimmbecken fallen und als ich danach den Wagen in die Garage holen wollte, sprach mich der kleine Basiru, der mir schon im Frühjahr beim Feueranzünden geholfen hatte und Müll weggebracht hatte, an und ich verstand nicht, sprechen ja Bamananko, die Kinder, bis ich begriff: er wollte die Garage auskehren! Ich gab ihm den Besen, aber damit konnte er nicht, also landeten wir doch wieder bei den Buschbesen, andere Kinder kamen dazu und wir fegten die Garage blitzblank; sie war übrigens ziemlich versandet) und als ich inmitten meiner Kinderschar sass und Pinsel reinigte, hoppelte ein Taxi unsere unsägliche Strasse hinunter, hielt vor meinem Haus, ein Damenbein erschien aus der Vordertür, eines aus der Hintertür: Fafa und Sally erschienen kurz vor dem Karem-bruch mit dem Samstagseinkauf für die nächste Woche.
09.11 2004In Bochum:
Es geht voran, wir können unsere Veranstaltungen jetzt doch im Winter schon machen und den Flyer drucken lassen und freuen uns über die Unterstützung durch das Bochumer Agenda Büro.
Morgen geht die Pressemitteilung raus und dann wäre es doch nicht schlecht, wenn recht bald recht viele Spenden fließen würden – schließlich soll Kai schon im Januar fliegen, wobei wohl in dem Haus in Bamako auch erst noch ein Fundament gebaut werden muss…. Da wir das alle neben unserem sonstigen Leben machen, ist es umso erstaunlicher, wie viel da inzwischen zustande gekommen ist.
06.11 2004In Mali:Samstag, der 6. November, ein Klassiker des hiesigen Alltags:
um 10 rief ich Alassane wie verabredet an, der meinte, er müsse nur noch eine Hose anziehen, dann könne er los.
Eine Minute nach mir erschien er vor seinem Büro, im Freizeitdress mit Sonnenbrille (während der Woche ist er der korrekte Anwalt mit Anzug und Schlips), gut gelaunt (trotz Ramadan!!!), fesch … und winkte mir, ich solle ihm nachfahren. So brausten wir weiter durch Lafiabougou (das Langendreer Bamakos), verliessen die geteerte Strasse, hoppelten eine Weile über die rötlichen Berg-und Talstrassen, bis wir einen grossen Platz erreichten, auf dem Kinder Fussball spielten und in einer Ecke eine Ansammlung mehr oder weniger verrotteter Autos, vor allem Mercedes 190 Diesel standen, was unser Ziel war, denn die Handbremse musste repariert werden, und weitere Kleinigkeiten.
Souleyman Traoré, kurz Solo, ein Riese mit dem tiefsten Bass, den ich je gehört habe, »mein Bruder« (Alassane), Chef einer Truppe von 5-8 Mechanikern, die alle irgendwo herumschraubten, musste allerdings erst einmal Alassanes Taxi, von dessen Existenz ich bei dieser Gelegenheit erfuhr (bringt satte 10.000,– FCFA pro Tag, 15 Euro), begutachten, was mit einer Geldübergabe endete und der Erklärung Alassanes, dass sich ein solches Taxi nicht lohne, weil immer irgendetwas sei – Nachdem die Handbremsen etc Fragen geklärt waren, begann die afrikanische Variante eines »den Wagen in die Werkstatt Bringens«: man macht nicht etwa aus, wann man das Auto wieder abholt, sondern man setzt sich in der Mitte der Kärren unter ein Sonnendach zu den anderen Wartenden und quatscht, döst, telefoniert, geht zum Auto und bespricht ein Detail (der Kilometerzähler geht nicht, was aber zu umständlich zu reparieren wäre, also bleibt es so), quatscht weiter über Gott und die Welt, vergleicht Telefone – ein ansonsten schweigsamer Tuareg in vollem Ornat, dessen Jeep repariert werden musste, saß auch in der Runde: er hatte ein Satelliten-Telefon, was sehr bewundert wurde – man geht mal eben beten oder man erzählt Geschichten. So vergeht die Zeit, aber man wartet nicht im üblichen Sinne, sondern man ist eben jetzt hier und macht daraus möglichst gemeinsam das Beste, was, wenn man es sich genau überlegt, auch das Vernünftigste ist, denn wäre man nicht hier, würde man woanders auch versuchen das Beste daraus zu machen, also warum nicht hier. Irgendwann schlief ich ein und wurde mit einem heißen, süß-scharfen Grünen-Pfefferminztee geweckt, woraufhin ich begann, wie verrückt Postkarten zu schreiben.
Da kommt Alassane und sagt: »Komm, er ist jetzt da«
»Wer?«
»Na, Ali Farca Touré, der hier drüben wohnt« – er zeigt auf ein Haus am Rande des Platzes – »er ist gerade gekommen, ich kenn ihn gut, komm mit«.
Ich dachte natürlich, ich höre nicht recht, Ali Farca Touré, der Übervater der malischen Musik, der Weltmusiker, der Eric Clapton Afrikas, in dessen Jeep gerade Solo steckte – plötzlich betrete ich seinen Salon mit großer Sitzgruppe, in der auch vier weitere Männer in den Sesseln hängen, und der neben ihm Sitzende steht auf und bietet mir den Platz an, während der Meister gerade seine neue Satellitenanlage einstellt, auf seinem 16mal9 Fernseher, und ein am Fenster Stehender Kommandos aufs Dach brüllt, so dass ich mich umsehen kann: Ein Glasschrank mit Büchern, und, etwas erhöht, ein Esstisch mit Stühlen, Bilder an den Wänden, dunkel, ein wunderschöner Glastisch zwischen den Sesseln, auf dem mindestens 5 Fernbedienungen liegen. Ali Farce Tuoré lässt mir etwas zu trinken bringen, trinkt selbst auch (raucht auch – hat aber ein Hadschkäppchen auf) und fragt, was es Neues aus Deutschland gibt. Aber das kannte er schon und erzählte, wo er überall gewesen war: auf der ganzen Welt, er zählte alles auf, von Frankfurt bis Amsterdam, Budpest bis New Orleans, Tokio bis Sidney, wozu er bemerkte, dass er die Aborigines ganz furchtbar finde; ausserdem seien sie Menschenfresser, was man ja sonst immer von den Afrikanern behaupte, und was leider auch in bezug auf Benin stimme; Amadou Hapate Bah findet er auch ganz furchtbar: er sei ein Dieb, er habe sich von überallher seine Ideen geklaut, das könne er nicht gutheissen. Meine Entgegnung, dass das gerade den Meister ausmache, Brecht sei auch so gross geworden, nahm er nicht an, aber wir kamen darüber auf die mindestens in Westafrika einmalige ethnische Vielfalt Malis, die seinen besonderen Charakter ausmacht, und er zählte alle umliegenden Länder auf – 7? – die selbst alle einheitlich, hier aber gemischt seien, was wiederum meine These vom Ruhrgebietscharakter Bamakos belegt; man kam von Hölzken auf Stöcksken und zwischendrin zapte er an seiner Anlage, wir tauschten Visitenkarten und Alassane blies zum Aufbruch. Drei Frauen habe er in Mali, eine in Frankreich und eine in London, erzählte Alassane, überall lebe er jeweils drei Monate. Seine im eigenen Studio in Bamako produzierten CDs und Kassetten verkauft er inzwischen nicht mehr, um selbst Geld zu verdienen, sondern nur um andere Künstler oder gute Zwecke zu unterstützen.
04.11 2004In Bochum:Die Initiative Bobaku trifft sich in der Wittener Straße, Johannes Artmann, Kai Reckers, Anamaria Jander und Gabriele Riedl beraten die weiter anstehenden Schritte. Erstmal bringen wir uns auf den neuesten Stand der Infos: Das Haus und der Laden, der Container an Land und überhaupt, es wird höchste Zeit das alte Faltblatt zu aktualisieren, (fast) alles was da drin an Plänen steht, ist inzwischen Wirklichkeit geworden – daran sollte die Öffentlichkeit teilhaben, denn offenbar ist es möglich aus Eigeninitiative und mit viel Engagement ungewöhnliches zu ermöglichen.
Dabei soll es aber nicht bleiben. Mit Veranstaltungen zur „Vollwertfrage“ bzw. der Diskussion über Ernährung und Entwicklungsarbeit einerseits und mit Infos über Mali als Land andererseits soll es möglich werden, in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für das Projekt zu erlangen. Alle hoffen wir auf Unterstützung durch das Agenda Büro, denn das würde uns nicht nur mehr Öffentlichkeit schaffen, sondern auch z.B. den Druck der Faltblätter kostenmäßig entlasten.
Schließlich rufen wir noch in Bamako an und machen eine Konferenzschaltung zu Christof, der uns die neuesten Neuigkeiten erzählt: Der Container ist in Bamako, aber noch nicht (ganz) an Ort und Stelle, es ist noch Ramadan, was ein beherrschendes Thema im Alltag ist und es ist wunderbar warm und eine Menge Arbeit noch zu tun, das Projekt in Mali ans laufen zu bringen (denn auch dort gibt es so was wie Bürokratie….).
02.11 2004In Mali:Abdul Wahab Cisse ist der Vermieter (der Sohn, der den Laden gerade übernimmt) und hat sofort nach Vertragsabschluss (und Kassieren der Miete für ein Jahr in Höhe von 2,4 Millionen FCFA…) sofort mit dem Umbau begonnen, wie an dem Foto mit den beiden Arbeitern zu sehen ist. Er war es auch, der Fafa ein Buch über die gesetzlichen Bestimmungen gegeben hat, mit Hilfe dessen sie jetzt versucht einen Steuererlass für das erste Jahr zu bekommen, für das zweite nur 25%, also er hilft wirklich, denkt mit, auch im übergeordneten Sinne des Projekts
….
Ich werde das zweite Band – das sich nicht schicken liess mit der Post – so schnell wie möglich vollsprechen und schicke es Euch dann mit einem Kabel, mit Hilfe dessen man das über Anlage hören kann : dann spielt Ihr mich eben life ein, das ist doch eh spannender!
….
ZB Geld fürs Übersetzen, das dann Fafa bekommt. Bitte thematiert das beim Treffen, das wäre so wichtig, dass die Leute hier die Bobakuseite lesen können, ausserdem kann Fafa die dann als ihre Seite anbieten!
Vielleicht könnt Ihr mich mit einer 4 Euro Karte anrufen, wenn Ihr tagt, mein Telefon hat Lautsprecher, dann könnten wir das Nötigste life besprechen!!!
31.10 2004In Bochum:Ja, ja die neuen Technologien haben auch ihre Tücken, für die Absprache wg. Fotos etc. in Mali angerufen und Christof im Krankenhaus erreicht – erstmal ein Schreck am Abend. Aber es hat wohl mehr mit Überarbeitung zu tun und ist nichts so ernsthaftes, Bobaku macht halt dort noch erheblich mehr Arbeit als hier.
Die gute Nachricht: Das Haus für die Bäckerei ist gefunden, es liegt am Rande eines Industriegebietes, hat einen großen Raum für die Backstube, ein kleines Büro und sogar ein Ladenlokal dabei. Die Vermieter sind wohl ausgesprochen nett und hilfsbereit und die Kosten, naja, wohl schon beachtlich aber akzeptabel. Es ist also wichtig, weiter Geld zu sammeln und die Reisevorbereitungen voranzubringen. Gabriele Riedl wird über Weihnachten fahren und dort dabei helfen, die „deutschen Offiziellen“ auf das Projekt aufmerksam zu machen.
27.10 2004In Mali:… Ansonsten steigt hier die Spannung in Sachen Container: seit gestern ist er in Dakar, ab Anfang nächster Woche könnte es losgehn; von seiten der Backstrube ist alles klar, Gabelstapler ist auf dem Gelände, und die Sachen für hier kann ich langsam auch immer besser brauchen (Scheiss Drucker! Beim Kassettenrecorder mit Doppeldeck hat auch eines seinen Geist aufgegeben, wahrscheinlich einfach vom Staub verklebt…)
In Bochum:Das ist schon spannend, jetzt das Projekt auf zwei Ebenen gleichzeitig zu sehen. Hier in Bochum möchten wir als Initiative bobaku durch unsere Arbeit Aufmerksamkeit erregen: für Mali, das Thema Vollwert und Ernährung, für das Projekt und für die Spendenmöglichkeit – und dazu bedarf es nicht nur unser aller Willen und Energie, sondern auch des Geldes – ob das allein von uns kommen muss sei mal dahingestellt, schön wäre, wenn noch mehr einsteigen würden.
Die bobaku Geschichte ist ja eine Erfolgsgeschichte: Was in dem ersten Flyer vom Frühjahr steht, ist Dank des Einsatzes vieler engagierter Menschen inzwischen alles eingetreten: Fafa war hier in Bochum, ein Ofen und eine Knetmaschine wurden gefunden und gekauft, die Container auf den Weg gebracht und jetzt kommt es darauf an, die Bäckerei in Bamako auch tatsächlich eröffnen zu können, daran arbeiten tatkräftig Fafa und Christof dort – in Kürze unterstützt durch Kai Reckers von der Hutzel-Bäckerei.
Hier waren nun erstmal Herbstferien und wir haben kurzfristig noch einen Antrag an das Agenda Büro der Stadt gestellt – jetzt gilt es hier auch zu hoffen, dass wir auch (in Maßen) öffentliche Unterstützung erlangen, denn es ist schon eine Menge Geld zusammengekommen, aber es ist andererseits auch erst ein Drittel dessen, was für das ganze Projekt kalkuliert wurde. Also Daumen halten, Mitte November erfahren wir, wie es ausgeht.
24.10 2004In Mali:… wir brauchen jetzt Werbung, das Ding muss publik gemacht werden; auch wäre es gut, wenn mal jemand anderes ausser mir das Projekt repräsentiert: die glauben hier ja nichts, was man nicht sehen und anfassen kann, auch was den Ofen betrifft: solange der nicht da steht, geht einfach gar nichts, ich hoffe nur, dass wir trotzdem ein Plätzchen für ihn finden.
11.10 2004In Mali:Inzwischen ist der 11. Oktober, die ersten 500.000 FCFA, die ich von der Bank geholt habe, sind schon ausgegeben, Fafa ist gerade mit einem Cousin unterwegs, Haus anschauen, Allassane sucht für mich ein Auto, das ich erstmal auf eigene Kappe kaufen werde, um dann jeden Tag mit Fafa losziehen zu können; wenn nicht bald etwas passiert, haben wir ein Problem: Nämlich einen Ofen beim Zoll und keinen Platz, ihn abzustellen.
….
Teilweise blockieren sich die verschiedenen Ebenen, so gibt es die staatliche Lizenz, die teure, erst, wenn der Ofen im Raum steht und abgenommen wurde, und in Sachen Mehl etc gibt es auch nichts Neues.
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Vorhin waren wir bei Mme Sangare, Issas Mutter, der Zollfrau und besprachen alles eingehend; ich brachte Frühbios für den Vater, und er will auch bei der Haussuche helfen, er selbst wohnt mit seinen weissnichtwieviel Frauen in einem halben Wohnblock, und wirkte müde und grau. Morgen treffen wir meinen Hausverwalter in Sachen Telefon (er muss garantieren, weil ich Ausländer bin) und soll auch bei der Haussuche helfen.
10.10 2004In Mali:Heute haben wir im Stadtteil Niarela das angebliche »pain complet« gekauft; Fafa war relativ gespannt, was da wohl kommen würde – mich erinnert es an holländisches Brot, graubräunlich mit dunklen Pünktchen drin, lasch und nach nichts schmeckend – Fafa meinte nur, da müsse man sobald wie möglich eines nach Hutzel schicken, damit die was zu Lachen haben; Konkurrenz ist das keine.
….
Inzwischen ist es 9 Uhr abends, und ich schreibe an meinem fahrbaren Stehpult auf der Veranda, die Geräuschkulisse besteht fast nur aus Menschenstimmen, direkt von der Strasse – wo sich Nachbarskinder unter der Neonröhre an meiner Garage versammeln, um zu spielen oder Hausaufgaben zu machen, sonst gibt es weit und breit kein Licht auf der Strasse – oder von weiter her, überall quatschen die Leute miteinander, ein einziges, weit entfernt reichendes Gebrodel. Nicht einmal Musik, fällt mir gerade auf; ab und zu von weitem ein Moppett. Als ob überall Party wäre, es ist unglaublich, aber immer so hier, und es ist auch kein so aufgeregtes Gebrodel wie auf einer Party.
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Zwischendrin bereitete ich unsere heutigen Vorhaben vor: Rechnung und Foto vom Ofen, Einzelheiten legte alles auf der Bank im Salon aus, da erschien Fafa, setzte sich zu den Unterlagen auf die Bank und sagte: »das ist gut, das brauchen wir, lass uns gehen«. Das ging aber leider nicht, weil erst der Plombier, dann Lassine Ballo abgefertigt werden mussten und nervten, zumal wir ja auch loswollten, ganz wichtig, zum Hausbesitzer des in Frage kommenden Hauses.
Er war dick und gross und trug einen braunen Bubu und eine dunkle Hornbrille. Neben seinem Schreibtisch sass ein älterer, freundlicher, schnauzbärtiger Mann, und alles war sehr friedlich. Was er denn kalkuliert habe, fragte Fafa. Es ging darum, dass sein Haus zwar ziemlich gut lag (Nähe deutsche Botschaft, keine andere Bäckerei), aber eines Anbaus bedürfte, 5 meter im Quadrat für den Ofen etc. Sie überreichte das Foto vom Ofen, wie er bei Nicolaisen stand, als er abgeholt wurde. Nach langatmigen Ausführungen wie viel Platz es um solch einen Ofen herum für alles andre geben müsse, rückte er damit heraus, dass der Anbau 10 Millionen kosten würde (15.000 Euro), und er die nicht habe. Da gab es dann nicht mehr viel zu reden, und wir verabschiedeten uns bald. ….
….
Nachdem Fafa gegangen war, stieg die zweite Session von Madou und Madou, der eine auf der Cora, dem malischen Urinstrument, der andere mit E-Gitarre und Batterieverstärker: wir haben schon ein Stück, das wir jetzt täglich üben; wenn wir drei haben, machen wir eine CD und spielen auf Hochzeiten (für die spiessige Fafa eine Horrorvorstellung, sie würde sich zu Tode genieren für mich!) und werden eine berühmte Band und verdienen viel Geld!!!
Bis dahin geht Bobaku weiter, was vor allem heisst: Haussuche, Haussuche, Haussuche.
09.10 2004In Bochum:Es ist tatsächlich möglich und nicht unerschwinglich in Mali anzurufen – vor allem mit einer All Africa Card, die es im Internetshop gegenüber vom Ibis Hotel hinterm Bahnhof gibt (31 Minuten für 4 Euro), allerdings ist die Verbindung von unterschiedlicher Qualität, um es freundlich auszudrücken.
Christof ist jedenfalls gut angekommen und wird – sobald es technisch geht – immer mal wieder berichten.
05.10 2004Containerkosten: 4.650,00 Euro.
04.10 20049. Uhr: der Sattelschlepper mit dem Container rollt los nach Hamburg.
17 Uhr: der Fahrer des Sattelschleppers teil die Siegelnummer mit – der Container war der letzte des Schiffes, danach Ladestopp und ab die Post.
19 Uhr: Ana Maria Janders, Bernd Kreienbaum, Anna, Lia und Kai Reckers, Gabriele Riedl, Johannes Artmann, Gesine Mattel, Thorsten Buchmakowsky und Christof Wackernagel besprechen das Nötigste und verteilen die kommenden Aufgaben. Genau vor 8 Monaten ist am selben Ort die Idee entstanden.
03.10 2004
Bilder
15 Uhr: Kai kommt mit der Knetmaschine aus dem Spessart an. Danach wird gestopft bis zum Geht-nicht-mehr: das Moppett und die Waschmaschine müssen da bleiben, auch gehen nicht alle Räder rein – aber am Schluss sind alle glücklich, siehe Foto.
02.10 2004
Bilder
Der Container wird mit den restlichen Bäckereiutensilien beladen – zwei Edelstahlterrinen für die Knetmaschine, Tische, Wägen, eine Edelstahlspüle, Regale, Ofenschiesser: alles Geschenke der Hutzel-Bäckerei oder von Arnold Nicolaisen -; danach die Möbel für Christofs Wohnung.
01.10 2004
Bilder
Der Sattelschlepper mit dem Container rollt in den Hof des Backofenbetriebes von Arnold Nicolaisen. Sanft wird er mit Hilfe eines Gabelstaplers in sein Reisebett gesetzt.
25.09 2004AUFRUF:
Wer in Kellern oder Dachböden noch irgendwelche Dinge hat, die er oder sie nicht mehr braucht, die aber noch funktionieren und zu gut zum, Wegschmeissen sind, der kann sie vor dem 3.10. noch für den Container nach Bamako mitgeben. Dort hat alles viel mehr Wert als hier, egal ob für Büro, Küche oder Werkzeug, es wird für alles Abnehmer geben, die sich freuen. Für die Bäckerei werden vor allem noch Bürosachen gesucht, ein Rechner wäre dringend nötig, Monitor, etc – je weniger wir kaufen müssen, desto billiger wird das GanzeWer etwas mitgeben will, bitte
0177 77 53 259 anrufen
oder
zu Naturkost Artmann, Rewe Birkhuhnweg in Langendreer bringen.
Danke!
24.09 2004Christof wird am 6.10. abheben nach Bamako, über Casablanca.
23.09 2004Frühstück von Christof und Kai nach dessen Arbeitsende, Telefonat mit Fafa: jeder macht zur Zeit in Bamako eine Bäckerei auf (aber keine mit Vollkorn), deshalb staut es sich bei der Bürokratie. Ein Haus auf der anderen Seite des Flusses ist in Aussicht, in der Nähe der deutschen Botschaft. Eine Möglichkeit Sesam und andere Zutaten in der Nähe von Bamako zu bekommen ist in Sicht; die Leute arbeiten mit einer US-Nicht-Regierungs-Organisation zusammen. Johannes dazu: Vorsicht, die Amis verbreiten genmanipuliertes Saatgut, also alles genau prüfen vorher.
Meine Güte, was tun sich da schon wieder für neue Baustellen auf???
22.09 2004Der Container ist bestellt und angezahlt – am 2. Oktober wird er den Ofen laden, übers Wochenende die anderen Dinge und die Knetmaschine -
am 4. Oktober gehts los!
Zugesagt ist Ankunft in Bamako Ende Oktober oder Anfang November -
Inshaallah!
Bitte Daumen halten!
19.09 2004Nachrichten aus Bamako:
- Die Registrierung iat angeleiert, sauteuer, wird versucht, noch zu erklären, dass wir keine Organisation sind, die Staatsgelder verschleudert, sondern Privatleute, die teilweise Euro für Euro Geld sammeln, hoffentlich nützt es was.
- Eine Quelle für Zutaten wie Sesam etc in der Nähe von Bamako ist gefunden
- Kontakt zu einer Mehlgrosshändlerin
- Telefonanmeldung läuft
18.09 2004Nebenbemerkung 2:Auch wer keine Antwort weiss, darf Fragen stellen.Die nachhaltigste Wirkung des Terrorismus ist, dass er die Frage nach der Legitimation von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele generell, grundsätzlich in Frage stellt.
Dass Gewalt und Gegengewalt, Gewalttäter und Gegengewalttäter sich immer mehr anzugleichen scheinen, sich gegenseitig des Gleichen bezichtigen.
Dass das von religiösen Inhalten und den Werten der Aufklärung abgelöste »Recht des Stärkeren« fröhliche Urständ feiert.
Dass elementare, den Fortgang der Geschichte getragen habende Wertesysteme zusammenbrechen.Der Autor dieser Zeilen weiss aus persönlicher Erfahrung, dass die Zerstörung der politischen und moralischen Legitimation der Hauptzweck des Angriffes kleiner, bewaffneter Gruppen gegen übermächtig scheinende Staatengebilde ist. Gegenüber den Babyterrorismus der 70er Jahre in Deutschland – der in dieser Hin sicht schon viel Verwirrung gestiftet hatte -, erfüllt der wirkliche Terroris-mus unserer Tage diese Funktion in globalem Masse.

Allenfalls auf der Ebene der Polemik an die Oberfläche kommend – Bush=Saddam=Hitler/Stalin -, breitet sich weltweit im kollektiven Unbewussten ein Bewusstein lawinenartig aus, das Grundlage jedes Terrorismus ist; plötzlich drängen sich Fragen auf, die, solange sie nicht bewusst reflektiert, nirgendwo diskutiert werden, im Unbewussten umso gründlicher wühlen:

Von wem und auf welcher Grundlage darf getötet werden – obwohl alle Religionen und sonstigen Moralsysteme das an oberster Stelle verbieten – und von wem nicht?
Wann ist die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele legitimiert und wann nicht?
Wer darf zur Durchsetzung politischer Ziele Gewalt in Form von Mord und Totschlag anwenden und warum, wodurch legitimiert? Der Staat, weil er ein demo-kratisch legitimiertes Gewaltmonopol hat? Ein Staatenbund, weil seine Ziele und seine Praxis besser sind als die der Terroristen? Die UNO, obwohl die mei-sten ihrer Mitglieder nicht demokratisch gewählt sind?

Welche Situation, welcher Notzustand legitimiert die Anwendung von Gewalt zu seiner Abhilfe?
Warum dürfen die einen Gewalttäter Kinder aus der Luft töten – die Gewalttäter, die dasselbe auf dem Boden tun, aber nicht?
Warum darf ein kleines Land seine Nachbarn bombardieren – diese Nachbarn aber nicht zurückbomben? Weil sie nicht als Staat anerkannt sind? Und warum sind sie das nicht, obwohl sie eindeutig und schon lange eine grosse Gruppe von Menschen sind, die sich als „Volk“ begreift, wie alle anderen?
Warum kann derselbe Mann heute als Terrorist bezeichnet werden, morgen aber den Friedensnobelpreis bekommen, obwohl er immer noch das Gleiche macht?

Dass in dieser verwirrten Lage eben auch mal gefoltert wird, ist kein Wunder: als ob es angenehmer wäre, qualvoll in einem bombardierten Haus zu verrecken, tagelang in einem Krankenhaus an seinen Schmerzen zugrunde zu gehen, oder lebendigen Leibes zu verbrennen, als von einer hübschen Amerikanerin nackt an der Leine geführt zu werden.

Woher nimmt ein Staat das Recht zu töten, der sich christlich nennt, obwohl er sich damit verpflichtet, nicht zu töten? Weil seine Lenker demokratisch gewählt sind? Weil seine Werte bessere sind als die der anderen?
Woher haben Bündnisse von Staaten das Recht, einen Krieg zu führen? Weil die jeweiligen Staaten demokratisch gewählt sind?
Wieso hat ein kleiner Staat das Recht zu morden, eine riesige Religionsgemeinschaft aber nicht?
Wie gross muss ein Staat sein, damit er das darf?
Wie gross müsste eine Gruppe sein, worauf auch immer gegründet, dass sie Gewalt anwenden darf, die andere aber nicht?
Wer und welches Wertesystem entscheidet, welche Begründungen richtig oder falsch, moralisch oder unmoralisch, befreiend oder unterdrückend etc. etc. etc. sind?
Wie müssen die Ziele aussehen, die Mord, Massenmord, Völkermord und nichtendenwollendes Elend rechtfertigen?

Es gibt es keine Legitimation für die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele.
Auch nicht staatliche oder überstaatliche Legitimation, völkerrechtliche oder religiöse, ideologische oder esoterische – einfach keine.
Selbst die Notsituation ist keine Rechtfertigung; in ihr vollstreckt sich vorgeschichtlicher, biologischer Überlebensmechanismus – dessen Gesetze auf unsere Zeit zu übertragen, ist längst überflüssig geworden.

Es gibt in der gesamten Geschichte der Menschheit kein einziges Beispiel, an dem aufgezeigt werden könnte, dass mit Gewalt erreichte Ziele tatsächlich auch nur zum Anfang des Endes der Gewaltspirale geführt hätten. Oder dass Gewalt erzwungener Wohlstand und sozialer Fortschritt Weniger anders als mit Gewalt gegen Viele und deren unendlich potenziertem Elend erreicht werden konnte.

Langer Rede kurzer Sinn:

Es führt kein Weg daran vorbei, dass man dem Terrorismus nicht mit denselben Mitteln begegnen kann.
Im Gegenteil: Sollte man sich nicht bei dieser Gelegenheit bewusst werden, dass auch alle anderen Probleme nicht mit Gewalt aus der Welt geschafft werden können? Auch nicht mit »Friedentruppen«, auch nicht mit wirtschaftlicher Gewalt, auch nicht mit intellektueller Überheblichkeit, also struktureller Gewalt?
Es geht einfach nicht, das hat die Geschichte gezeigt.
Es gibt nicht die geringste Veranlassung, es auf diesem Weg weiter zu versuchen.
Selbst die akute Terrorismusgefahr ist kein Grund, denn gerade sie lässt sich erwiesenermassen am allerwenigsten durch noch so viel Gewalt aus der Welt schaffen, gerade sie wächst daran.

Wenn es mit Schiessen nicht klappt, kann man nur noch reden.
Wenn man mit Prügeln nicht weiterkommt, kann nur der Verstand noch weiterhelfen.
Menschen können miteinander sprechen. Der Unterschied der Kulturen ist kein Anlass zu Vorsichtsmassnahmen, sondern Quelle kultureller

Wenn Auslöser von Terrorismus ist, dass Menschen es nicht mehr aushalten in der Situation weiter zu leben, in der sie leben müssen;
wenn man des weiteren davon ausgeht, dass die Situation dieser Menschen allein schon durch die globale Verstrickung etwas mit der eigenen zu tun hat, unabhängig von allen Schuld- oder Verantwortungsfragen -
läge es da nicht näher, anstatt draufzuhauen, hinzuschauen?
Hinzugehen? Hinzuhören?

Ist unsere Situation hier, in den Metropolen der Industrieländer, ist unser Leben etwa der wahre Jakob, das Gelbe vom Ei, der Weisheit letzter Schluss?
Warum jammern dann alle?
Sind nicht wir es, die endlich mal neue Impulse brauchen?
Würde es nicht zuallererst uns selbst gut tun, anstatt überall draufzuschlagen oder mindestens zu diktieren, uns dem zu öffnen?
Hätte man vielleicht sogar viel mehr vom Leben, wenn man die anderen Kulturen als Bereicherung erführe, anstatt sie abzuwehren?
Ist der Terrorismus ein Alarmsignal dafür, dass auch bei uns etwas faul im Staate Dänemark ist, dieses ungute Gefühl, das man so ganz generell mit dem Zustand hat, seine Ursache auch in unseren eigenen Zielen und Organisationsformen hat, wir vielleicht auch bei uns etwas ändern sollten, im Kleinen wie im Grossen? Spricht nicht auch die weitverbreitete Unzufriedenheit mit den Ver-hältnissen genau dafür? Sind die anderen schuld daran, oder könnte man mit den anderen etwas verbessern?

Hat der Terrorismus uns etwas zu sagen, egal wie unbegründbar er daherkommt?
Und wenn er nur der allerletzte Beweis dafür ist, dass mit Gewalt nichts, aber auch rein überhaupt gar nichts geht?
Der letzte Anstoss, endlich völlig, also hundertprozentig den Weg der Verständigung gehen, das Ruder um 180 Grad herumzureissen?
Wenigstens an diesem einen, einzigen Punkt?

Was würde eine vollständige Einstellung sämtlicher gegen den Terrorismus ergriffenen Massnahmen weltweit in den Köpfen derjenigen bewirken, die die Basis und Rekrutierung des gegenwärtigen Terrorismus bilden?
Was würde im Bewusstsein dieser Menschen sich ändern, wenn sie wahrnehmen könnten, dass die gesamte Menge der Energien, die bisher in politische militärische Massnahmen gegen den Terror gerichtet waren, für tatsächliche Völkerverständigung – also nicht diktierte – aufgewendet würden?
Wenn sie plötzlich darüber hinaus wirtschaftliche Offenheit, Gleichberechtigung, Freundlichkeit und Sympathie erfahren würden – anstatt knüppelharten Business und kulturelle Verachtung – ,
also alles Dinge, die sich unsere aufgeklärte, wohlhabende Industriegesellschaft leisten könnte:
Was passierte in den Herzen dieser Menschen, die glaubten, sie könnten sich nur mit Gewalt gegen dieselben wehren, die ihnen jetzt so entgegenkommen?

Was würden tausende von mit den Mitteln des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus finanzierten Basisaustauschprojekte, aufgebaut von tausenden von Menschen, die zwischen den Kontinenten vermittelten, in der Lebenswelt dieser Menschen verändern?
Wenn plötzlich nicht Waffen gekauft würden, sondern Existenzgründungsdarlehen für Kleinbetriebe gegeben würden, begleitet von persönlichem interkulturellem Austausch?
Wenn es zig-tausende von Familienaustauschprogrammen gäbe, wenn die Kulturaustauschpolitik, anschubfinanziert aus den Anti-terror-Mitteln, eine zentrale Säule der Politik der Industrieländer wäre, wenn die Vermittlung fremder Kulturen darin das Zentrum bildete, mit dem sich die eigene Kultur weiterentwickelte– wo bliebe da noch ein Vorwand für Terrorismus?
Wenn andere Länder bemerken würden, dass die wirtschaftlich vorherrschenden Länder plötzlich ungeheure Anstrengungen unternehmen, die Kulturen dieser Länder, ihre Lebensformen und Denkweisen kennenzulernen – würden sie sich nicht ihrerseits bemüssigt fühlen, andere Gedanken bei sich willkommen zu hei-ssen? Wovon sollen sie sich unterdrückt fühlen, wogegen sollen sie kämpfen, wenn ihnen nicht nur geholfen wird, sondern sie auch etwas zurückgeben kön-nen, auf ganz anderen Gebieten in umgekehrter Richtung helfen können? Warum sollen sie schiessen, wenn sie spüren, dass sie als Menschen gleichwertig geachtet werden?

Wie könnte sich der Terrorismus weiterentwickeln, wenn sämtliche Medien der Welt von heute auf morgen nicht mehr über ihn berichteten, debattierten, speku-lierten? Ein Geiselnehmer ohne Presse sitzt auf verlorenem Posten! Keine Zeitung wird gezwungen, über ihn zu berichten. Abgesehen davon, dass über eine Geiselnahme zu berichten bereits Erfüllung ihrer wichtigsten Forderung ist. Warum wird das nicht längst konsequent totgeschwiegen?

Es gibt keine »Massnahmen gegen den Terrorismus«, sonst wäre er nicht das, was er ist.
Es gibt nur eine Haltung gegenüber den Menschen, die ihn vertreten, und den Verhältnissen, in denen sie leben.
Das Handeln ist nur Folge dieser Haltung, am Handeln wird die Haltung kenntlich.
Wenn die Regierungen dieser Welt auf dem Weg der Gegengewalt bleiben, ist das eine rein politische Entscheidung, die augenscheinlich gegen jede Vernunft spricht – der ausschliessliche Weg der Verständigung wäre eine vollkommen neue Politik; die für deren Verwirklichung notwendigen Ressourcen wären freilich vorhanden. Diese Politik wäre zwar von nur wenig unmittelbarem Erfolg gekrönt, aber von mittel- und langfristigem. Der gesellschaftliche Energieaufwand wäre derselbe, er könnte aufgrund einer politischen Entscheidung zu Ver-schiebung und Umorientierung von Kapazitäten realisiert werden, ist keine Uto-pie. Auch der wirtschaftliche Aspekt verlöre nichts, gewänne sogar, da kultureller Austausch immer mit wirtschaftlichem verbunden ist, beides von beidem blüht, voneinander abhängig ist.
Als ob eine Gesellschaft, die glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu ha-ben, es sich nicht leisten könnte, eben diese Weisheit unter Beweis zu stellen, indem sie sie anwendet.
Jede Vernunft spricht dafür.

11-9-2004 – Christof Wackernagel –
siehe auch: Qafilat as-Salam, www.dialogderkulturen.de

16.09 2004Der Ofen wird am Stück transportiert, der Hersteller Herr Nicolaisen wird ihn so fertigmachen, dass er auf Rollen in den Container kann, so wieder heraus, aufgestellt, Stecker in die Steckdose, Diesel dran und los gehts. Eine Ersatzdüse für den Brenner ist auch dabei.
Langsam wird es spannend.
15.09 2004Treffen bei Christof mit Johannes, Ana Maria Jander, Gesine Mattel und Kai.
Zunächst wird noch mal reflektiert, welche Fehler gemacht wurden, als man sich auf die Vereinsidee einliess. Gegen die Dreistigkeit, mit der planvoll versucht wurde, die Intention unserer Intitiative ins Gegenteil zu verkehren, also sie in einen Selbstbedienungs-Spenden-Business zu verwandeln, ist man mit einer offenen Struktur wie der unseren erstmal machtlos. Jeder kann Vereine gründen, so viel er will, und gerade Afrika-orientierte haben unser Wohlwollen, aber man kann nicht eine bestehende Initative, deren Namen, die Reputation ihrer Mitglieder und ihre Strukturen dazu benützen, ihr hinterrücks einen anderen Inhalt zu verpassen und die Veröffentlichung des wirklichen Ziels zu verhindern. Dafür gäbe es selbst bei vertretbaren Zielen keine Rechtfertigung. Wir müssen uns in Zukunft die Interessen der Leute, die etwas machen wollen, genauer anschauen,.
Weitere Planung:
Bis zum ersten Oktober-Wochenende hat Kai die fehlenden Kleinteile zusammen und holt den Kneter aus Franken.
Ab vierten Oktober kann der Container anrollen, was Christof zu organisieren hat, der auch die Website weiter pflegen soll: Hier wieder allgemeine Ermunterung im Forum etwas zu schreiben.
Johannes wird die bisher eingenommenen und ausgegebenen Gelder ins Netz setzen. Fafas 3-monatiger Besuch hat weit unter 2000 Euro gekostet, wobei der Flug allein 1100 waren.
Aktionen, um das Projekt weiter bekannt zu machen und Geld zu sammeln, sehen sich die Anwesenden ausserstande weiter zu verfolgen. Gesine hat dss im ÖSW schon gemacht, Fafa ist weg, Christof auch bald – man kann Stände bei anderen Veranstaltungen machen, wenn uns jemand darauf aufmerksam macht.
Wer hat Ideen und Vorschläge ???!!!???
Die Flyer sind nicht mehr aktuell – angesichts der teuren Druckpatronen beschliessen wir, sie weiter zu verwenden und danach dann ein schlichteres A4 Blatt zu machen.”Fafas Brot” bei Hutzel läuft gut, der Stadtspiegelartikel hat auch viel bewirkt. Johannes hat in einer Sonderaktion am Freitag 40 verkauft (=20 Euro!) und es wären noch mehr weggegangen.
Also nochmal: Ideen und Anregungen sind gefragt.
Zum Schluss machen wir eine Kalkulation, wieviel das Ganze nach dem momentanenn Wissenstand kosten wird und wir kommen auf ca 25.000 Euro! Da sind noch nicht die Kosten für das erste Mehl (und Zutaten etc) dabei, aber wenn es soweit sein wird, sind ja auch Einkünfte in Sicht, und gegenüber den ersten geschätzten 40.000 sieht die Lage doch schon wesentlich besser aus! Und das, nachdem die erste Runde schon vorbei ist.
Die weiteren, absehbaren Kosten sind:
Container 2000,-
Ofen 3500,-
Kneter 300,-
Einzelteile 1000,-
Lizenz 2000,-
Kaution Laden 1000,-
Impfungen Kai 300,-
Lohn Fafa bis Feb. 600,-
Miete Nov. – Feb. 1400,-
Anfangsgeld Bamako 900,-
4 Monate Anfang 6000,-
Werbung 1500,-
22300,-
Noch nicht drin ist Flug, Aufenhalt und Malariamittel für Kai mit ca nochmal 2000,-
14.09 2004Fax von Fafa: die Papiere der Nicht-Regierungsorganisation in Mali, mit der wir zusammenarbeiten wollen, sind da. Christof bringt sie gleich weiter zu Walter Burkhart von der Zukunftsstiftung.
Anruf Fafa: die Bäckerei-Registrierung kostet 2000 Euro! Schock. Da meint offenbar jemand in der Bürokratie, er könne sich am Geld aus Deutschland bedienen.
13.09 2004Ein Mann klopft bei Christof an die Tür. “Einen Euro muss man schon geben für so ein Projekt”, sagt er, “das gefällt mir”.
Holger Schipper besucht Christof. Er ist Extremsportler und macht zusamen mit einem Freund Marathonläufe für einen guten Zweck, den die beiden sich aussuchen. Siehe www.marathonspende.de. Er kennt die Hutzels, hat mit ihnen schon zusammengearbeitet und kauft dort ein.
Eines Tages wundert er sich, dass eine schwarze Frau namens Fafa verkauft und bringt das nächste Mal seine Tochter mit, weil sie,im Gegensatz zu ihm selbst, französisch spricht. Was er hört lässt ihn bei Frank nachfragen, denn die Idee gefällt ihm.
Und in Folge davon erzählen sich heute Holger und Christof, was sie so machen, vielleicht ergibt sich ja mal etwas Gemeinsames.
12.09 2004Beim Einspielen der neuen Beiträge in die Website klappt es nach dem ersten September plötzlich nicht mehr. Thorsten schmunzelnd am Telefon: „Du hast bei der Tagesanzeige die Null vergessen: 2004_09_01 muss es heissen, nicht 2004_09_1“.
Es kommt eben immer wieder auf die kleinsten Kleinigkeiten an! Nicht nur beim Computer.
11.09 2004Thorsten bringt einen grossen Karton mit Milchpulver für Bamako, den seine Frau Susanne aufgetrieben hat
10.09 2004Fafa hat den vereinbarten Telefontermin mit ihrem Vater, dem Lehrer und Menschenrechtler Modibu Diop, arrangiert.
Christof berichtet, dass Fafa von allen Menschen, die sie in Bochum getroffen und mit denen sie zusammengearbeitet hatte, ausserordentlich herzlich aufgenommen und akzeptiert wurde, dass viele Menschen sie sehr lieb gewonnen haben und alle Beteiligten des Projekts mit ihrer Arbeit zufrieden sind, sie vor allem im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit unsere Erwartungen übertroffen hat.
Modibu Diop bedankt sich sehr herzlich, auch im Namen der gesamten Familie und berichtet, dass die Onkels, die Tanten, die Vettern und Cousinen, „tout le monde“, sehr erleichtert und zufrieden sind, dass Fafa heil wieder da ist und alles gut gelaufen ist.
Christof bittet ihn daraufhin eindringlich, Fafa bei ihren weiteren Unternehmungen behilflich zu sein. Er betont, dass sie einen unglaublichen Berg Arbeit mitgebracht habe und auf die Hilfe der gesamten Familie angewiesen sei.
Das sei selbstverständlich, erwidert Modibu Diop, man werde die Dinge gemeinsam angehen.
„Insha-Allah“, schliesst Modibu Diop das Gespräch, „alles wird gut gehen, wir beten dafür“.
09.09 2004www.marathonspende.de macht einen Link zu Bobaku. Desgleichen umgekehrt.
Für Montag wird ein Gespräch vereinbart.
Fafa ruft Johannes an und erzählt, dass alles gut läuft.
08.09 2004Check-in am Düsseldorfer Flughafen. Viel zu früh – keiner da. Am erster Klasse Schalter erscheint ein blauweissrot uniformierter Herr; „Kommen Sie“, sagte er nach einer Weile. Die Koffer sind hier viel schwerer sind als auf der häuslichen Waage. Der gute Mann schüttelt nur den Kopf: „So geht das nicht“. Fafa soll etwas auspacken. Mit irritiertem Blick öffnet sie den Koffer, alles mögliche Kleinzeug quillt heraus. „Das ist doch alles völlig unnötig“, meint der Air-France Mann, „packen Sie das weg, dann regle ich das andere schon“. Fafa und Christof versuchen zu erklären, dass es sich um Geschenke handelt, ohne die Fafa nun mal nicht in Bamako erscheinen kann. Aber wenn sie zuviel Handgepäck habe, werde es ihr in Paris verwehrt mitzunehmen, entgegnet der Unerbittliche. Christof versucht Fafa zu überzeugen, dass sie einfach auf etwas verzichten muss, aber Fafa sieht ihn nur freundlich-verständnislos an. Christof wühlt in den Klamotten, findet zwei Riesengläser Nutella und fleht Fafa an, wenigstens auf eines zu verzichten, das seien allein anderthalb Kilo. Fafa wird ungewohnt heftig: „Solch ein Glas Nutella kostet in Bamako 5000 CFA“ – das sind fast zehn Euro – sie hebt die Hände: „die Kinder lieben es so!“ -
der hinter seinem Schalter hervorgekommene und die Szene mit wachsendem Kopfschütteln beobachtende Check-in Chef winkt mit einem Male ab: „Geben Sie her“, sagt er, „packen Sie aus dem Handgepäckkoffer etwas aus und stecken es in diese Tüte“ – dabei überreicht er eine schneeweisse Airfrance-Tüte – „dann schicke ich ihn mit dem Hauptgepäck, und die Dame hat beim Umsteigen in Paris Charles de Gaulle nur ihren Rucksack und die Tüte“.
Vielen Dank!
„Auf Wiedersehen, Fafa!“
„Auf Wiedersehen!“Zurück in seiner Wohnung findet Christof den „Stadtspiegel“ vom gleichen Tag vor der Tür. Ein Aufmacher mit Fafas Foto! Auf Seite 5 ein riesiger Artikel mit drei Fotos, eines mit Kai! Fafa erzählt die Geschichte von Bobaku mit reichen Facetten. Lässt nichts Wichtiges aus und erläutert es mit Beispielen. Welch ein Abschiedsgeschenk.Nachts ruft Fafa an, viele Stimmen im Hintergrund. „Ich bin da“, sagt sie. Christof überrascht: „Du sprichst aber gut deutsch“. Fafa, verschämt lachend: „Nein, nur ein bisschen“.
Sie ist gut angekommen und freut sich.
07.09 2004Letztes Dienstagstreffen mit Fafa bei Hutzel mit gemeinsamem oberleckerem Essen. Bernd, Kai und fast alle anderen Hutzelianer, Johannes, Christof. Danach Besprechung der nächsten praktischen Schritte:
1. Kai holt die Knetmaschine ab und scoutet los, Kleinteile zu besorgen, Brotformen, Bleche, Tische und vieles mehr; die notwendigen speziellen Regale will Fafa in Bamako bauen lassen, dann hat noch jemand mehr dort Arbeit.
2. Bernd hat inzwischen einen potentiellen Mehl-Partner in Frankreich und bleibt dran.
3. Wir gehen davon aus, dass der Ofen und die Knetmaschine nicht vor Dezember Januar in Bamako eintreffen werden – so lange hat Fafa Zeit, den Laden zu suchen und renovieren zu lassen, Telefonanschluss legen zu lassen (was sehr schwierig ist), Mitarbeiter zu finden etc. Eventuell wird Kai zwei mal nach Bamako fahren: einmal direkt wenn der Ofen aufgebaut wird und um zu beraten, was die nächsten Schritte sind, dann wiederkommen, wenn diese verwirklicht sind, um beim unmittelbaren Anfang des Geschäftsbetriebes anwesend zu sein.
4. Christof wird endlich die Website wieder auf Stand bringen; die Probleme der letzten Zeit sollen anhand der Fakten dargestellt werden. Möglichst viele Leute sollten auf das allgemeine Forum aufmerksam gemacht werden, wo jeder seinen Kommentar abgeben kann (auf der Eröffnungsseite unten). Da liegt ein schönes Kommunikationsmittel brach! Natürlich kann das Internet nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, aber um Blickwinkel auszutauschen eignet es sich schon, einen Versuch ist dieses Medium auf jeden Fall wert. Unser Webmaster Thorsten betonte kürzlich, dass er dieses Projekt „richtig gut“ findet, weil es vom Dialog ausgeht, und deshalb den Beteiligten ein Instrument zur Verfügung stellen möchte, den Dialog um dieses Mittel erweitert führen zu können. Dieses Angebot sollte man nicht ausschlagen!
5. Zuletzt die fast schon rhetorische Frage, ob wir den Ofen – auf Raten – nun bestellen oder nicht. Bernd fragt nach der Kassenlage: 1000.- Euro auf dem GLS-Konto, 360,- auf dem Volksbankkonto – reicht genau, um Ofen anzuzahlen und Knetmaschine zu kaufen und zu holen. Sollten für die Bezahlung der Kleinteile nicht genügend Spenden zusammenkommen, werden sie zwischenfinanziert in der Hoffnung, dass im Lauf der Zeit genügend Senden kommen werden. Das Gleiche gilt für Fafas Anfangsgeld, dabei wird der grösste Posten die Kaution für die Backstube sein.
Bernd stimmt dem Ofenkauf zu, alle anderen auch, damit ist er beschlossene Sache.
Abschied tut weh. Es fliesst manche Träne. Geschenke werden ausgetauscht. Fafa bekommt ein BOCHUM-T-Shirt.Abends Grillen bei Christof, das Fleisch in Fafas Marinade. Kai und seine Freundin Anna mit Tochter kommen. Gesine Mattel und Manfred Pegam machen einen Abschiedsbesuch. Johannes ruft nochmal an. Dann ein Anruf aus Bamako: Fafas Schwester hat gerade ein Mädchen zur Welt gebracht. Fafa strahlend: „Morgen kann ich sie sehen!“
Das Ruhrgebiet, das Fafa so kalt und regnerisch empfangen hatte, verabschiedet sich mit einem milden Herbstabend von ihr.
Als Kai geht, trennt er sich von Fafa mit den Worten:
„auf in drei Monaten in Bamako!“
06.09 20044 Uhr: Die WAZ erscheint mit einem Artikel über einen Verein, der Völkerfreundschaft, westafrikanische Literatur und eine Städtepartnerschaft Bochum-Bamako fördern will. Kein Wort von der Backstube in Mali, von Fafa, Kai, dem Austausch, dem konkreten Dialog. Kein Wort von Fafas Brot bei Hutzel. Hinweis auf die Ausstellungseröffnung am Abend – kein Hinweis auf die Bobaku-Website. Es finden sich exakt die Angaben aus der von Jonny und Brigitte vorgelegten Presseerklärung wieder. (siehe 03-09)
9 Uhr: Fafa gibt dem „Stadtspiegel“ ein Interview, Bernd und Kai sind auch dabei.
12 Uhr: Brigitte teilt Johannes mit, dass sie die Veranstaltung per Fax an Redaktionen und Oberbürgermeister abgesagt hat.
15 Uhr: Renate Eisel, nach drei Jahren Leben in Libyen Weltmeisterin im Kofferpacken hilft Fafa möglichst viel möglichst praktisch unterzubringen. Viele, vor allem Kleiderspenden, müssen im Container nachkommen. Gesine Mattel kommt vorbei, Johannes unterbricht seine Fahrt zum montäglichen Rewe-Treff.
Man diskutiert die Lage. Was für Fehler wurden gemacht? Wie konnte es geschehen, dass Aussenstehende so weit in die Struktur eindringen konnten? Wieso hat keiner auf sein schlechtes Gefühl gehört, das er von Anfang an hatte? Hat man sich blenden lassen, weil das dringende Wohnungsproblem für Fafa gelöst war? Hat man sich von dem Titel „Geschäftsführer der Grünen“ bluffen lassen? (Ein Anruf bei Astrid Platzmann-Scholten vom Grünen Vorstand Bochum ergibt, dass Jonny nur eine Urlaubsvertretung – „Blumen giessen und mails sortieren“ – machen sollte, dabei aber unabgesprochene Dinge losgetreten habe, weswegen man sich getrennt habe; sie bietet seitens der Grünen Hilfe an). Man fragt sich, wie es dazu kommen konnte, dass abstrakte Ziele wie „Völkerverständigung“ oder untergeordnete Ideen wie die Städtepartnerschaft angeblicher Hauptzweck der Vereinssatzung werden konnten, während die konkrete Bäckerei darin nicht erwähnt wird.
Am Ärgerlichsten ist, dass Fafas Abschlusspräsentation nicht stattfinden soll – sie ist nicht nur hier, um zu lernen, sondern auch, um den Dialog zu führen. Ein trauriges Ende ihrer Zeit bei Brigitte, immerhin war sie mit ihr befreundet, das ist emotional nur schwer zu verkraften.
Immer wieder die Frage: wieso haben wir nicht gemerkt, dass die neu hinzugekommenen Mitstreiter ganz andere Interessen haben als wir? {Bequemlichkeit? Weil Jonny bereit war, die ganze Arbeit zu machen?} Warum haben wir nicht wenigstens Lenin bedacht: „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser“? Warum haben wir nicht weiter darauf bestanden, dass wir nur Gelder wollen von Leuten, die von der Idee begeistert sind? Dass wir abstrakte Gelder, zum Beispiel von der Stadt, gar nicht wollen, weil sie nicht aus einem authentischen, sich mit der Idee identifizierenden Dialog hervorgehen? Haben wir uns einschüchtern lassen von dem von vielen Seiten zu hörenden: „So wie Ihr das angeht, klappt das doch sowieso nicht! Ihr seid realitätsferne Idealisten“ Waren wir mit der Vereinsidee etwa im Begriff, selber etwas zu tun, was wir bei anderen kritisieren: unter einem Vorwand Geld zu erschleichen?
Und wieso haben wir die Presseerklärungen nicht gelesen, bevor sie rausgingen bzw. darauf bestanden, sie lesen zu können? Wieso haben wir zugelassen, dass eine Frau, die weder jemals etwas mit Afrika, noch mit politischer oder sozialer Projektarbeit zu tun hatte, auch nur formell Vorsitzende eines Vereins werden konnte, dessen Ziele sie nicht verstanden oder getragen hatte?
Auf jeden Fall sind wir selber schuld und nicht jemand Anderes der oder die Böse.
Da kommt Johannes vom Garten zurück, wo er eine Zigarette geraucht hatte: „Darf ich mal kurz unterbrechen“, fragt er, „ich habe einen Vorschlag.“ Gerne lassen die Anderen von ihrem im-Sumpf-Herumwühlen ab. „Wir gehen um 19 Uhr alle zur Christuskirche“, fährt Johannes fort, „denn da ja nur dem Oberbürgermeister und der Presse abgesagt wurde, werden Besucher kommen. Denen erklären wir, dass aus technischen Gründen die Ausstellung nicht hängt und der Bürgermeister nicht kommen kann, Fafa aber trotzdem das Projekt vorstellen wird, von ihrer Zeit in Bochum berichtet und darüber diskutiert werden kann. Und zum Schluss“, wendet er sich an Christof, „liest Du noch Texte von Amadou Hapate Ba“.
Plötzlich ist der Spuk wie weggeblasen. Diese zähe, klebrige Auseinandersetzung mit nicht genau bestimmbarer negativer Energie ist verpufft, das Ende eines leider überflüssigen Umweges erreicht.
Etwa 20 bis 25 Gäste sind gekommen, man steht in einem grossen Kreis vor dem Eingang zur Christuskirche, Johannes spricht einleitende Worte, Dipl.- Ing Cheick Diallo aus dem Senegal übersetzt simultan, Fafa stellt sich vor und erzählt weitausholend die Geschichte, wie sie von dem Bäckereiprojekt erfuhr, wie sie den Gedanken des Dialogs daran entscheidend fand und deswegen bereit war, den Versuch zu wagen, wie die Visumsprobleme gelöst wurden etc etc etc, bis zu ihren Erfahrungen hier („Ich habe keine schlechten Erlebnisse gehabt“) und ihren Vorstellungen von der Zukunft des Vollkornbrotes in ihrer Heimat, von dessen Akzeptanz sie felsenfest überzeugt ist. Viele Fragen, lange Debatten, bis einzelne Gruppen entstehen, die verschiedenes diskutieren und der Vorschlag kommt, wer an der Lesung interessiert sei, möge sich auf die Stufen des Platzes vor der Kirche setzen. Christof berichtet über den Autor Amadou Hapate Ba, den Goethe Westafrikas, und dass an seiner Person und seinem Werk das gleichwertige Nebeneinander der beiden Kulturen praktisch erfahrbar werden soll; dann liest er zwei Kapitel aus Hampate Bas Autobiographie.
Zu guter Letzt kommen auch noch 60 Euro Spenden zusammen; mit den 50, die am Samstag gespendet wurden, hat Fafa immerhin erstmal 110 für den Anfang in Bamako.
Allgemeine grosse Erleichterung, dass alles nochmal gut gegangen ist. Man hat sich zwar irritieren, ablenken lassen, was nicht nötig gewesen wäre und viel Energie verschwendet hat – aber wir haben rechtzeitig die Notbremse gezogen und Schlimmeres verhindert.
05.09 2004Diskussion mit Fafa, Ana Maria Jander, die übersetzt, Johannes, Christof, Brigitte und Jonny.
Christof fragt Jonny, warum in der Ausstellungspresseerklärung von Fafa und dem Backstubenprojekt keine Rede ist.
Jonny antwortet, dass er sich diese stalinistischen Methoden nicht gefallen lasse und nicht bereit ist, zu diskutieren – er steht auf und geht.
Im Gespräch mit Brigitte stellt sich heraus, dass die verschiedenen Vorstellungen, wie Bobaku am besten realisiert werden könnte, nicht zu vereinbaren sind. Brigitte kann den Bobaku-Grundgedanken des Dialogs, des Geflechts ausschliesslich persönlicher, verbindlicher Beziehungen, in denen der Geldaspekt nur eine wichtige, aber Nebenrolle spielt, nicht teilen, sie kann das Nicht-Missionarische, freiwillige, selbständige Initiative erfordernde Engagement nicht akzeptieren, sie möchte das Projekt „kommerziell aufziehen“; genau dagegen richtet sich freilich explizit der alternative Ansatz von Bobaku. Bobaku ist von Anfang an ein Versuch gewesen, dem herrschenden “Spendenbusiness“ ein Modell entgegenzusetzen, in dem 1. Jeder Pfennig beim Projekt landet (d.h. alle persönlichen Unkosten der Initiatoren von diesen selbst getragen werden müssen) und 2. Das Projekt mit dem Minimum an Kosten realisiert werden wird. Beides hat nicht nur politische, sondern vor allem auch moralisch-soziale Gründe.
Johannes und Christof dringen darauf, die Veranstaltung am Montag wie ursprünglich geplant als Präsentation durch Kai und Fafa stattfinden zu lassen; Brigitte überlegt sich, ob sie ohne Jonny mitmachen kann.
04.09 2004Von den 120 von Brigitte eingeladenen Gästen kommt nur ein Paar, die anderen haben wütende Briefe geschrieben und Brigitte beschimpft, die deswegen deprimiert ist, da sie sich vor allem Geld für Fafa erhofft hatte; dafür kommen fast alle, die in den letzten drei Monaten mit Fafa zusammengearbeitet haben, Gesine Mattel, die vor zwei Tagen erst die Präsentation am ÖSW gemanaged hat, hat traumhaft gekocht, Felix Artmann und sein Freund Hendrik machen wunderschöne, entspannte Lifemusik, man ist natürlich auch ein wenig traurig, aber umso schöner ist es, noch einmal zusammen zu sein.
Fafa hat nun nicht das angekündigte Startgeld, wird aber, wie geplant, auch mit unseren Mitteln anfangen können.
03.09 2004Essen bei Clothilde Lebreton, die am Anfang für Fafa übersetzt hatte und inzwischen in Mali gewesen war, und Martina Unteroberstöger von der Hutzelbäckerei, echt deutsch mit selbstgemachten Spätzle, danach tanzen gehen.In der Pressemitteilung zur Ausstellung findet sich kein Wort von Fafa, Kai bzw dem Bäckereiprojekt, kein Wort vom Austausch, Dialog, Auseinandersetzung mit der anderen Kultur, um zu lernen – es wird nur von einem Verein berichtet, der sich um Völkerverständigung, westafrikanische Literatur und eine Städtepartnerschaft kümmern will.
Johannes und Christof beschliessen jeder für sich, gegen die für den Samstag geplante Vereinsgründung unter diesen Umständen ein Veto einzulegen und sprechen sich ab, die Diskussion darüber (Verein = eine Formalie, kein abstrakt politisches, abgehobenes Geldbeschaffungs-Instrument, weil das im Gegensatz zu den Prinzipien steht, nach denen Bobaku entstanden ist: Unmittelbarer Austausch und darüber die Verbreitung)- diese Diskussion aber erst am Sonntag zu führen, um Fafas Abschiedsfest nicht zu beeinträchtigen
02.09 2004Hutzel überreicht Fafa einen Umschlag mit 250.- als Anerkennung für ihre Arbeit – davon war vorher nicht die Rede gewesen.
Projektpräsentation im Ökumenischen Studentenwerk in der Girondelle. Fafa und Kai, aber auch Bernd und Johannes berichten ca. zwanzig Anwesenden vom Projekt, beantworten Fragen und diskutieren. Schöne und faire Gespräche über verschiedene Arten und Brot und die Chancen seiner Verbreitung. Immer wieder das Nebeneinander der verschiedenen Kulturen. Dass solche Gespräche sozusagen der Sinn unserer Initiative seien, fasst Johannes am Schluss zusammen, eben ständig und überall diese Art von Dialog.
01.09 2004Treffen mit Gudrun Honke, um die Ausstellung vorzubereiten und anzufragen, ob sie bereit ist, den zweiten Vorsitz zu übernehmen; sie stimmt zu. Ausserdem wird sie durch die Ausstellung führen, die zu besuchen auch der Oberbürgermeister zugesagt hat. Jonny bezahlt die Rechnung und sagt beiläufig im Aufstehen, dass er sich dieses Geld ja aus der Vereinskasse zurückholen könne.
Christof vermittelt im Auto, dass Bobaku keine Initiative ist, die ein Engagement dafür in irgendeiner Weise bezahlt, auch keine Spesen, im Gegenteil.
Er stellt klar, dass allein die Frage nach einem Auto in der von Jonny erwünschten Dimension mit der Haltung, in der die Beteiligten von Bobaku das bis jetzt realisiert haben, grundsätzlich nicht vereinbar ist,und versucht Jonny zu erklären, dass dieser sich mit einer solchen Idee in einem anderen Projekt befindet, nicht in dem, durch persönliche Kontakte eine Bäckerei wachsen zu lassen. „Nur so eine Idee“, sagt Jonny.
31.08 2004Jonny und Brigitte verteilen die Pressemitteilungen und vereinbaren Gespräche. Jonny schlägt vor, von VW zwei Touran sponsorieren zu lassen. Christof wendet ein, dass das in keinem Verhältnis zum Projekt stehe, zudem es in Bamako ein Sprengsatz wäre, wenn Fafa ein solches Statussymbol führe; sie wäre ihres Lebens nicht mehr sicher. Und wozu gleich zwei?
Den anderen, erklärt Jonny, für Bochum.
Es wird Zeit, Grundsätzliches unmissverständlich zu klären.
30.08 2004Fafa muss nachts um eins in die Backstube, um Fafas Brot zu produzieren, Brigitte fährt sie.
Christof verschickt die Einladungen zum 4.9.: für Brigitte mit Fafa, die auf der Afrikakarte Bamako zeigt, für Fafa mit Fafa im Sonntagsstaat, für Johannes, wie er auf Bamako zeigt.
Brigitte schreibt einen Brief dazu, in dem sie von dem Projekt erzählt, ihre Begeisterung vermittelt und um 50 Euro Spende bittet. Damit soll Fafas Startgeld in Bamako finanziert werden.
29.08 2004Fafas verbleibende Zeit wird immer kürzer. Wie schnell sind diese drei Monate vergangen! Wie dicht!
Das Unbehagen an der Vereinsidee wächst. Wieso hat man sich eigentlich darauf eingelassen? Nur wegen des Antrages auf Mittel aus der Agenda 2000 oder 2010? Es geht nicht um das Geld, sondern um den Dialog. Der scheint bei der verselbständigten Geldsuche nicht mehr statt zu finden.
28.08 2004Hutzel beginnt, Fafas Brot zu entwickeln, das im September das Angebot des Monats werden soll, mit 50 Cent Anteil für die Backstube in Mali.
Es wird kein Raum gefunden, in dem das Abschiedsfest stattfinden kann, deswegen erklärt Brigitte sich bereit, die Party bei sich zu machen. Die Christuskirche möchte die Hampate Ba Ausstellung zeigen, am Montag, den 6. die Ausstellungseröffnung, damit die Möglichkeit, in etwas grösserem öffentlichen Rahmen das Projekt vorzustellen, mit Kai und Fafa, den beiden, die dieses Projekt personalisieren, das Brot backen den unmittelbaren Austausch praktizieren; jetzt, wenn Fafa geht, fängt man an, daran zu denken, wann Kai nach Bamako kommen wird.
27.08 2004Rondvaart durch die Amsterdamer Grachten mit dreisprachiger Erklärung; während Christof wortreich den Regen beklagt, ist von Fafa kein Zeichen des Unmuts zu spüren, sie nimmt die Eigenheiten der Geschichte Amsterdams interessiert zur Kenntnis. Indonesisches Essen bei Herman van Hoogen, einem alten Freund Christofs. Rückfahrt.
26.08 2004Fafa und Christof fahren nach Amsterdam; Fafa in den Grachten: Sie soll wenigstens eine andere Stadt ausser Bochum kennenlernen. Gerard Boon zeigt Dias seiner Malireisen – draussen tuckert ein Kreuzfahrtschiff vorbei.
25.08 2004Jonny und Brigitte wollen die Pressemitteilungen und Ausstellungseinladungen schreiben, Christof wird die Einladungen zur Fete gestalten. Man einigt sich, die Pressemitteilungen so zu schreiben, dass die Presse sie direkt übernehmen oder abschreiben kann. Nur so kann man einigermassen sichergehen, dass auch das gedruckt wird, was man gern hätte. Es wird Zeit – am Samstag, den 4. soll alles steigen.
24.08 2004Fafa, die Kleeblätter im Allgemeinen und vierblättrige im Besonderen nicht kannte, entwickelt besonderen Ehrgeiz und Fähigkeiten, vierblättrige Kleeblätter zu suchen und zu finden.
23.08 2004Der Rückkehrstress beginnt: Ja niemanden bei den Geschenken vergessen. Gut, dass es 1 Euro Läden gibt.
Jonnys Geldquellensuche richtet sich mehr und mehr auf Langfristiges.
22.08 2004Fafas Bruder Alassane ruft an: er hat die Papiere der Nicht-Regierungsorganisation, mit der wir in Bamako zusammenarbeiten.
21.08 2004Raumsuche gestaltet sich schwierig. Jonny schlägt jeden Tag neue mögliche Geldquellen vor.
20.08 2004Fafa sucht Euro-Ausländer in ihrem Kleingeld und gibt sie Christof.
19.08 2004Die Aufgaben werden verteilt. Brigitte schlägt vor, ein Abschiedsfest für Fafa zu veranstalten. Sie möchte alle ihre Freunde einladen und um Geldspenden bitten. Das Ganze könnte die Abschlusspräsentation des gesamten Bäckerei-Dialog-Projekts durch Kai und Fafa werden, bevor sie abreist. Wenn man noch dazu die Ausstellung über den malischen Dichter Amadou Hampate Ba zeigt, den Goethe Westafrikas, kann man die Gleichwertigkeit der Kulturen unterstreichen. Brigitte versucht, Räume aufzutreiben, VHS, Christuskirche oder etwas anderes, zur Not macht man das Fest bei ihr oder Christof.
In Sachen Verein spricht Jonny mit dem Finanzamt, das Gemeinnützigkeit zusagt.
18.08 2004Nebenbemerkung:
Wenn »kulturelle Identität« nichts Statisches ist, sondern prozesshaft, kann sie sich nur durch den Austausch mit anderen »Identitäten« weiterentwickeln, den Prozess am Kochen halten.
Sie muss also eine möglichst spezifisch unterscheidbare »Identität« entwickeln, um überhaupt mit den anderen »Identitäten« kommunizieren zu können, um etwas zu bieten zu haben.
Das funktioniert freilich nur, wenn man jeweilige andere »Identität« von gleich zu gleich betrachtet. Tut man das nicht, schmort man im eigenen Saft, ist man nicht in der Lage, die »Identität« des anderen überhaupt wahrzunehmen. Man ist betriebsblind.
Das gilt ja auch im individuellen Bereich.
»Kulturelle Identität« nur auf sich selbst bezogen verwest bei lebendigem Leib.
»Kulturelle Identität« als Abgrenzung ist ihr Selbstmord.
Solange Verschiedenheit als Störung der Eigenheit begriffen wird, kann sie nicht als Quelle unendlicher Bereicherung dienen.
Das ist aber ihre wirkliche Möglichkeit:
Jede Kultur integriert das von der anderen Kultur ihn bereichernde in seine und entwickelt sich dadurch weiter.
Das kann natürlich nur als gegenseitiger Prozess tatsächlich stattfinden.
Niemand verlöre dadurch seine Eigenheit, im Gegenteil, sie würde immer genauer, unterscheidbarer, austauschfähiger. Das Leben würde entschieden einfacher, entspannter und reicher zugleich.
Angesichts der unendlichen Verschiedenheit der Kulturen auf diesem Globus, könnte die Menschheit in Saus und Braus leben, wenn sie sich gegenseitig ihrer Verschiedenheit bediente – anstatt sie abzulehnen.
Es sei dahingestellt, warum sich die Menschheit lieber die Köppe einschlägt, als das Paradies zu nutzen, dessen materielle Voraussetzungen seit einiger Zeit gegeben sind.
Deutlich wird jedenfalls an der Frage des Dialogs der Kulturen, dass allein eine bestimmte Haltung sämtlicher Beteiligter etwas an der Situation verändern könnte, weder Intellekt noch Gewalt. Die Argumente sind ausgetauscht und Friedenstruppen bringen auch nicht weiter.
Diese Haltung könnte mit intellektueller und sensueller Akzeptanz des anderen umschrieben werden. Dafür gibt es kein Lehrbuch, das existiert bisher allenfalls im individuellen oder Kleingruppenbereich.
Dort allerdings kann man die Erfahrung machen, dass wenn man es selbst ernst meint, der andere das merkt und seinerseits nicht zurückbleiben will. Dabei kann man dann erst recht an Grenzen stossen und nicht gleich wissen, wie man aus dem Schlamassel wieder herauskommen soll, aber solange man die Haltung hat, lieber auf dieser Ebene zu kämpfen als auf dem Schlachtfeld – geschenkt bekommt man den wirklichen Dialog sowieso nicht – erfährt man das als Erweiterung der eigenen »kulturellen Identität«.Und zwar sinnlich spürbar, verbindlich spürbar. Deutlicher als mit der netten, aber als ausschliessliche öde werdenden Liebefriedeeierkuchennummer. Die ist die Basis; ohne die positiven Erfahrungen würde man sich auf die negativen nicht einlassen wollen, ohne täglich die Erfahrung zu machen, dass man Unerhörtes lernen kann und dadurch intensiver lebt, selbst wenn es noch so kleine Kleinigkeiten sind, wie die unterschiedliche Reaktion auf an Speisen riechen, liesse man sich gar nicht erst auf elementare Unklarheiten ein – tut man es aber und schafft sie, weiss man, was man hat – und wird irgendwann den Eindruck nicht mehr los, dass es tatsächlich laufen kann mit dem Dialog der Kulturen – es kommt allein auf die Haltung an, in und mit der man ihn führt.
17.08 2004Besprechung bei Hutzel.
Bernd, Johannes, Fafa, Christof, Jonny (Johannes Große Boymanns), Brigitte Schnieders.Die Urlauber sind wieder da; inzwischen sind neue Initiativen dazugekommen, jetzt soll alles koordiniert werden und Beschlüsse gefasst. In drei Wochen fliegt Fafa. Was steht bis dahin noch an?1. Ein Verein wird gegründet. Es nervt zwar, aber man muss nun mal der Sache eine Rechtsform geben, um, nicht nur wegen des Geldes, in der Gesellschaft ernst genommen zu werden, verbindlich zu sein. Ziele sind Dialog der Kulturen im Allgemeinen und eine Städtepartnerschaft Bochum-Bamako im Besonderen. In Bamako wird mit einer Agrikultur- und Frauen Nicht-Regierungs-Organisation, in der Fafas Mutter Mitglied ist, zusammengearbeitet. Die Mitglieder zahlen 10 Euro Beitrag, wodurch, je mehr es werden, auch eine bestimmte Summe Geldes hereinkommt. Sobald der Verein konstituiert ist – 7 Mitglieder, die Anwesenden plus Kai; Brigitte wird Vorsitzende, Gabriele Riedl wird gefragt, ob sie den zweiten Vorsitz übernimmt, Jonny verwaltet die Kasse -, werden Anträge auf Fördergelder an Institutionen gestellt. Zunächst muss beim Finanzamt geprüft werden, ob die Ziele und Zwecke gemeinnützig sind.
2. Veranstaltungen: am 2. September findet im Ökumenischen Studenten Werk an der Girondelle ein Informationsabend mit Fafa und Kai statt. Am Samstag, den 4. steigt eine Abschiedsfete für Fafa, die am 8. zurückfliegt. Räumlichkeiten werden erörtert, afrikanisches Essen, Fafas roter Saft, malische Musik müssen organisiert werden. Einladungstext muss geschrieben werden, Gästelisten abgeglichen. Das wird jetzt alles sehr schnell gehen. Vielleicht kann man noch hier und dort bei Veranstaltungen einen Stand machen – viel mehr ist nicht mehr drin. Oder es ergibt sich vor dem 8. September noch einmal eine Gelegenheit, dass Fafa und Kai, die beiden, das Projekt ja letztlich verwirklichen, davon zusammen berichten können, das kann man ja auch kurzfristig organisieren.
3. Fafas Plan für Bamako. Johannes versucht, für die wichtigsten Besprechungen Fafas mit Bernd und Frank eine Übersetzerin um Hilfe zu bitten. Fafa hat jetzt viele Fragen und viel vorzubereiten, was sie dann erst in Bamako richtig recherchieren kann, da muss die Verständigung problemlos klappen.
4. Die leidige Mehlfrage und die Urlaubszeit, eine never ending story. Auch das wird sich letztlich erst klären lassen, wenn Fafa wieder zu Hause ist.
5. Der Ofen. Für 3.500.– Euro zu haben, in Raten zahlbar. Die Entscheidung wird noch einmal verschoben auf den 15. September; es wird auch in Bamako alles nicht so schnell gehen, wie man es gern hätte. Knetmaschine ist auch noch nicht in Sicht. Auch sonst nichts von dem Zubehör. Wichtig ist jetzt erstmal, eine Übergangssumme für Fafa zusammenzukriegen, damit sie, zurück in Bamako, leben und anfangen kann, alles einzustielen.Drei Wochen haben wir Zeit, das jetzt alles zu machen.
16.08 2004Nachbemerkung zur mail vom 5.7.2004Neue Zürcher Zeitung vom 29. Mai 2004:
Früher hätten die Zulu vollwertige und gesunde Kost zu sich genommen, sagt Ma Bengu (traditionelle afrikanische Heilerin). Doch dann haben Weissbrot, raffinierter Zucker und Beuteltee Einzug gehalten und die traditionelle Kost aus Wurzelgemüsen, Maisbrei und selbst gebrautem Bier in den Hintergrund gedrängt.
Folge: Schwächung des Immunsystems. Auch aus unseren Landen bekannt.Das heisst: mit dem Weissbrot haben die Weissen den Schwarzen den Magen verdorben.Insofern ist Bobaku auch ein kleiner Wiedergutmachungsversuch.
14.08 2004Beim Einkaufen haben wir keine Tüte dabei, müssen eine Plastiktüte kaufen. Fafa schimpft wie ein Rohrspatz – für das, was diese Tüte kostet, bekommt man in Bamako ein Mittagessen auf der Strasse.
12.08 2004Gute Nachricht:
Der Ofen ist per Ratenzahlung zu haben!
Jetzt wird es spannend!
Hoffentlich ist die Urlaubszeit bald vorbei …
11.08 2004Wieviel braucht Fafa an monatlichen Kosten, und wieviel muss sie abgesichert haben, wenn sie loslegt?
Monatliche Kosten:Miete 300.000,–
Elektrizität und Wasser 500.000,–
Löhne 300.000,–
Essen für die Belegschaft 50.000,–
Mehl 400.000,–
Hefe und anderes (Salz) 50.000,–
Telefon 100.000,–
Büromaterial 25.000,–
Benzin etc 100.000,–
Versicherungen 75.000,–
========
1.900.000,– CFA650.000,– CFA sind 1000,– Euro
Das heisst: die Bäckerei braucht ca. 3000,00 Euro im Monat.
Die einzige Variable hier drin ist der Strom, bei dem man eventuell einen günstigeren Tarif aushandeln kann, oder man betreibt den Ofen mit Diesel, was wesentlich billiger wäre.
Da sie am Anfang aber noch nicht so viel backt und auch noch nicht so viel Mehl braucht, müsste sie mit 2000,00 Euro pro Monat hinkommen,
oder noch abgerundeter:
mit 10.000,00 könnte Fafa anfangen – nach drei Monaten spätestens müsste ja auch Geld zurückkommen.Was noch fehlt, sind Werbungskosten, die aber auch nur am Anfang anfallen.

Stand: 11-8-2004

10.08 2004Was braucht man eigentlich genau, um mit “Fafas Brot” in Bamako anfangen zu können? Hier eine erste Material- und Bedarfsliste:01 Ofen (4-5 qm Backfläche)
02 Knetmaschinen
01 Mühle
04 Grosse Schüsseln für das Mehl
02 grosse Tische für die Zubereitung
01 grosse Waage
05 Brotregale
50 Körbe für das Mehl
01 Regal für das fertige Brot
05 Kisten für den Brottransport
01 Büroschreibtisch / Büromaterial
01 Rechner mit Monitor und Drucker
01 Telefon mit Anrufbeantworter und Lautsprecher
01 Fax-Copierer-Scanner Combigerät
30 Aktenordner
01 Kühlschrank
10 Arbeitskleidung inklusive Schuhe
01 Werbematerial (Flyer, Tafeln, Radio- und TV-Spots)
01 Auto
01 Anwalt für Anmeldung und LizenzStand: 10-8-2004
09.08 2004Johannes Großen Beymanns (JGB) fasst erste Gedanken in Sachen Vereinsgründung zusammen.
Das Realitätsprinzip schlägt wieder einmal zu. 1000 neue Dinge müssen beachtet und gemacht werden. Aber es könnte wieder ein Mosaikstein näher an die Verwirklichung sein.
Telefonquerschnitt der Bobaku-Beteiligten: mindestens 10 Stunden. Man sollte die Telekom mal als Sponsor anhauen!
Karl Valentin:
Kunst ist schön – macht aber viel Arbeit.
08.08 2004Gespräch von Fafa und Brigitte mit Gerda Büker von der Zukunftsstiftung. Es geht um Fragen der Nicht-Regierungs Organisation in Bamako, mit der vor Ort zusammen gearbeitet werden muss.
07.08 2004Gespräch mit Issa Sangare in Berlin, der gerade den Container der Botschafterin Malis, die Wohnungsbauministerin wird, mit auf den Weg nach Bamako geschickt hat: Die Reise Rotterdam-Dakar ist ein Kinderspiel, zwei Wochen, es gibt verschiedene Gesellschaften, alles kein Problem.
Der nächste Zug nach Bamako allerdings fährt erst, wenn genügend Container zusammen sind! Und das kann dauern – wenn man Pech hat, bis zu drei Monaten!
Wieder einmal zeigt sich, dass Mali in der Welt mit an einer der letzten Stellen steht. Obwohl es ein völlig importabhängiges Land ist, wird so wenig damit gehandelt, dass es nicht einmal eine regelmässige Frachtzug Verbindung gibt – immerhin vom internationalen Handelszentrum Dakar in die malische Hauptstadt Bamako.
Für uns heisst das, dass der Ofen so schnell wie möglich her – und weg muss, auf den Weg muss.
03.08 2004Treffen bei Brigitte mit Johannes G., Gabriele Riedl, Bochumer Grüne Bürgermeisterin, Fafa und Christof. Fafa hat leckeres Atjeke gekocht, und alle essen aus einer Schale mit den Händen.
Was kann und muss getan werden, um über die Einzelspenden hinaus Gelder von Instutitionen oder Firmen zu bekommen. Christof hat Angst, dass der besondere Charakter dieses Projekts verlorengehe, wenn man sich Strukturen anpasse, die von Bürokratie und sachfremden Interessen gelenkt werden. Die anderen beruhigen ihn: nichts werde verraten, sondern im Gegenteil, die Sache ermöglicht, für die nun mal allein mit den Mitteln des Dialogs und der Gegenseitigkeit nicht genügend Geld zusammenkomme, um handeln zu können – und die Zeit drängt.
Zwei Vorhaben:
- am 17. formulieren Gabriele, Johannes G. und Brigitte einen Antrag an die Stadt;
- Ende August/Anfang September wird eine Fafa-Abschiedsfete organisiert, auf der gesammelt werden soll
Ein Verein muss gegründet werden; Notar wird gesucht, der die Formalitäten beisteuert!
02.08 2004Fafa formt ein Brötchen mit Gesicht – die anderen erkennen einen Kollegen aus der Backstube darin!
01.08 2004Brigitte Schnieders und Johanne Großebeuymann zeigen Fafa die Zeche Zollverein – Weltkulturerbe wie die Stätten der Dogon in Mali.
31.07 2004Afrika Fete im Museum. Fafa trifft viele Bochumer Bekannte!
Sie möchte die Bäckerei in Bamako „Fafas Brot“ nennen – gute Idee!
30.07 2004Fragen der Strategie:
Soll man sich an Wohltätigkeitsorganisationen wenden, wie z.B. „Brot gegen Not“ von der Kamps-Stiftung? Was heisst das? Wie geht das? Mit wem führt man dann den Dialog?
Es ist ein anderer Weg, wenn man es genau nimmt, der gegenteilige: Nicht den Dialog von Menschen mit anderen Menschen, wodurch Erfahrungen gemacht werden, Erkenntnisse und Bereicherungen des Lebens, die man gar nicht absehen kann, sondern der Dialog mit Organisationen, Richtlinien, Gutachten, Reichen, die man ja nicht anspricht, weil man sie kennt und nett findet, sondern weil sie Geld haben.
Man kann das natürlich auch versuchen, aber das war nicht die Sache, um die es ging.
Was anderes wäre, wenn jemand aus der irgend einer Stiftung oder Organisation von sich aus Hilfe anböte, weil er oder sie dieses Projekt so gut findet.
Das heisst: Man muss alle informieren, die an solch einem Unternehmen interessiert sein könnten.
Da wir aber so wenig Möglichkeiten haben, im Moment praktisch nur Fafa und Christof die Stellung halten, sind alle Leser und Sympathisanten von Bobaku dringend aufgefordert, zu überlegen, wen man noch informieren könnte; der Hinweis auf die Bobaku-Seite reicht ja zunächst.
29.07 2004Was ist, wenn Fafa Anfang September nach Bamako kommt: ohne Ofen, ohne Geld, ein Haus zu suchen, ohne Knetmaschine, ohne Kai, ohne zu wissen, wann das alles Wirklichkeit werden soll?
Die Familie wird sagen, dass sie mit ihrer Skepsis recht gehabt hat, es doch nur um einen Vorwand ging, sich eine schöne Zeit in Europa zu machen, anstatt zu arbeiten, dass schon vorher klar war, dass das alles ein Hirngespinst ist -
usw usf.
Es wird knapp langsam.
28.07 2004Irgendwie geht es nicht weiter, alle sind weg, die Sache hängt – da meldet sich Brigitte Schnieders, Fafas Wohungsgeberin, mit der sie inzwischen befreundet ist, und berichtet von Telefonaten in Sache Ofen, Initiativen von Johannes Große Beuymanns, Abgeordnetem der Grünen und Kontakt zu Gabriele Riedl, Grüne Bürgermeisterin, die sich engagieren will.
Es geht tatsächlich weiter!
27.07 2004Christofs Käsespätzle bei Hutzel in zwei Varianten: mit Schwarzwälder Schinken für die wenigen Nicht Vegetarier – mit geschmelzten Zwiebeln für alle inklusive Muslime! Dazu den speziellen Christof-Salat – den darin reichlich vertreten Knoblauch muss die Hutzel-Kundschaft an diesem Tag eben hinnehmen – ist ja gesund!
26.07 2004Bei uns geht es darum, was man isst, es muss viele Varianten geben und möglichst gesund sein, dick soll man auch nicht werden usw.
In Afrika geht es darum, dass man etwas isst, egal was, Hauptsache, es kommt etwas in den Magen.
Vielleicht ist in diesem Zusammenhang Fafas ständig wiederholtes Argument zu sehen, warum sie Vollkornbrot in Afrika verbreiten will:
Es ist nahrhafter.
Hält länger an im Magen.
Es kommt zwar zunächst darauf an, dass man etwas in den Magen bekommt – aber das „was“ ist auch nicht unwichtig, kann, gerade beim Brot, enorm viel ausrichten.
Das ist auch das Ärgerliche an dem dummen Geschwätz, Afrikaner vertrügen kein Schwarzbrot: lieber verrecken lassen, oder was?
25.07 2004Früher gab es den Spruch:
Global denken – lokal handeln.
Bobaku kehrt das um:
Lokal denken – global handeln.
Mit den Bochumer Bedingungen, ohne die grosse Politik, etwas in Afrika hinstellen.
Was nützt es dem globalen, wenn man zuhause daran denkt –
Wenn man aber seine eigenen Bedingungen kennt und nutzt – kann es global was bringen.
24.07 2004Partystress: Feten erst bei Nanni Koch, dann bei Heidi Kreienbaum – und das nach stundenlangem im Laden stehen – ist alles schon sehr anders hier als in Bamako.
23.07 2004
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10 Uhr: Fafa beim „ÖSW“ (Ökumenisches Studentenwerk – Ausbildungsstätte für Deutsch für Ausländer) in der Klasse von Gesine Mattel. Studenten aus aller Welt befragen Fafa, wie wo wann warum und überhaupt sie das alles macht – laut vertrauenswürdigen Quellen zur Zufriedenheit aller Teilnehmer. Auch Fafas, die eine Camerounerin trifft, mit der sie sich zum Haare-Bearbeiten verabredet.16 Uhr: Felix Artmann wechselt Schläuche bei diversen Fahrrädern, erneuert Bremsbeläge, justiert Gangschaltungen; nebenbei formiert sich die Idee, dass er ein halbes Jahr nach Bamako kommt, um dort im Rahmen seines Medizinstudiums in Krankenhäusern zu arbeiten.19 Uhr. Fafa und Christof bei Bochum total – die Gruppe „underwater circus“ animiert Fafa zum Tanzen – und angesichts der scharfen Bassistin und ihrer heissen Läufe könnte auch Christof auf seine alten Tage einen abrocken -, aber es doch alles etwas arg eng, und eine Stunde später verlassen die beiden fluchtartig das Gelände, weil auch Fafa es nicht ertragen kann, sich teilweise nicht mehr bewegen zu können, weder vorwärts noch rückwärts, eine Situation kurz vor der Panik. Fafa muss endlich mal schreiben wie sie das hier sieht: im Alltag sind alle isoliert hier, sprechen nicht miteinander, die Strassen sind leer – aber dann drängen sie sich so, dass man kaum mehr atmen kann.
22.07 2004Gesine Mattel stellt einen Kontakt zu Anna Qumseyeh her, die mit Hilfe der Stiftung „Brot gegen Not“ eine Bäckerei innerhalb eines Behinderten-Integrations-Projekts im Libanon realisiert hat! Sie hat unendlich viele Erfahrungen vor allem auch praktischer Art, was Transport, Stromversorgung, Hitze etc betrifft, die sie uns weitergeben will. Ausserdem bietet sie an, uns bei der Ofensuche zu helfen! Jeden Tag ein weiterer Mosaikstein, man kann gar nicht genügend würdigen, wieviel engagierte Initiative dieses Projekt erfährt!!!14 Uhr: letztes Treffen mit Johannes vor dem Urlaub: Mitte August geht es weiter – und bis dahin sieht man, was passiert; es gibt keinen Druck, grosse Dinge zu leisten, aber man darf sich betätigen, wenn man will. Problem ist halt, dass es knapp wird, weil Fafa am 8. September zurückmuss – in diesen letzten drei Wochen muss dann einiges geschafft werden. Dann sammeln wir eben bis dahin Kräfte und bereiten das gut vor! Christof verschiebt seine Rückreise nach Bamako bis zum 8. September, dann gibt es doch noch eine Chance, dass der Ofen vielleicht doch noch in seinen Container mitkann.
20 Uhr:
Das Fahrrad von Nilgün Zengin wird abgeholt: ein Mountainbike mit 26 Gängen, unglaublich!
21.07 200412 Uhr: Fafa lernt die Tücken – nasser! – Strassenbahnschienen kennen und landet mit ihrem gespendeten Fahrrad höchst unsanft auf der Oskar Hoffmann Strasse – zum Glück ist nichts gebrochen („dann könnte ich ja nicht mehr in der Backstube arbeiten!“); es bleibt aber nachhaltig schmerzhaft.13 Uhr: Besuch von Fafa und Christof bei Walter Burkart von der Zukunftsstiftung, um neue Überweisungsträger abzuholen. Wir sollen sorgfältig damit umgehen, weil sie auch etwas kosten! Wieder zügelt er Ungeduld und zu hohe Erwartungen und verbreitet Optimismus – um ihn anschliessend sozusagen materiell zu untermauern:
es sind schon über 500 Euro auf dem Spendenkonto! Grosse Freude – wird schon alles irgendwie laufen, dauert nur etwas, und jetzt ist nun mal Urlaubszeit; so lange passiert halt nichts.Hier noch einmal ein Hinweis:
bitte Namen und Adresse vollständig angeben, damit Dank und Spendenquittung verschickt werden können.Weil es wieder mal so richtig schüttet – obwohl beim Losfahren noch die Sonne schien – , sitzen Fafa und Christof im Foyer der GLS-Bank und warten auf bessere Zeiten. Plötzlich betritt ein junger Mann das Foyer, und Fafa und er begrüssen sich erfreut: er ist Hutzel-Kunde und kennt Fafa vom Brotkauf! Man unterhält sich, und es stellt sich heraus, dass Christof Lützel Pressesprecher der GLS-Bank ist! Er denkt darüber nach, einen Artikel über Bobaku in der GLS – Zeitung zu bringen – das wärs doch! Es gibt eben keine Zufälle!
20.07 2004
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11 Uhr: Interview mit der Deutschen Bäckerzeitung im Hutzel-Büro mit Fafa, Bernd, Kai und Christof. Die Redakteurin fragt ausführlich und ist auch an einem Bericht über die Bäckerei in Bamako interessiert, wenn es soweit ist. Sie gibt Tipps, wo man noch nach Öfen fragen kann.Danach das leckere Dienstag-Mittagessem bei Hutzel; da auch die genialsten Köchinnen einmal in Urlaub müssen, ist Christof nächste Woche zum Kochen eingeteilt.Danach Abholung des des BaBäMo (=Bamakisches Bäckerei Moppett im freundlicherweise geliehenen Hutzel-Bus.
19.07 2004Es ist gar nicht so leicht, die Flyer loszuwerden. Beim Bochumer Infoladen sind nur städtische Prospekte und VFL, bei der Volkshochschule auch, und nur auf Christofs höflichst vorgetragene Bitte erklärte sich die Dame an der Auskunft, bei den Verantwortlichen nachzufragen und bot sogar an, anzurufen, wenn es genehmigt wird; wir können also hoffen!
Nur die Volksbank-Zweigstelle Huestrasse, bzw ihre Leiterin, Frau Wittig, hatte keine Probleme, die Flyer in ihrem Kästchen zu sehen, vielen Dank.Wer also Ideen hat, wo man die Projektbeschreibung inklusive der Formulare mit von Fafa handschriftlich eingetragenem Zahlungszweck, der kann sich welche in der Hutzel-Bäckerei abholen, so könnte jeder etwas beitragen.
18.07 2004Die Flyer werden jetzt auf Umweltpapier und mit Tintenstrahler gedruckt, weil es billiger ist – wenn die Leute nur auf Hochglanz reagieren, stimmt sowieso etwas nicht. Oder eine Druckerei spendiert das – Prinzip muss bleiben, dass Ganze mit dem Minimum an Geld auf die Beine zu stellen, das irgend möglich ist.
Renate schlägt vor, sie auch an die allgemeine Bochumer Touristeninfostelle zu geben und an der VHS auszulegen.
17.07 2004
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Endlich scheint die Sonne!
Kai, Fafa und Christof sitzen im Hof. Fafa fragt Christof, ob er „charbonisiert“
werden möchte, weil er direkt in der Sonne sitzt. Kai seufzt, dass es dazu leider nicht reicht. Hagel ist angesagt. Fafa amüsiert sich.
Die Drei essen die Melone, die Kai mitgebracht hat und überlegen, was man noch tun könnte. Fafa nimmt die Flyer mit zu sich nach Hause und macht abends immer welche fertig. Christof schickt sie an seine Autogrammanfragen. Kais Schwester plant eine Aktion unter ihren Medizinkommilitonen.
Kai denkt über die Mehlfrage nach: „Eigentlich ist Importieren pervers“. Recht habe er, meint Christof, aber: Der Neokolonialismus ist pervers, der Kapitalismus ist pervers, die Ausbeutungsstrukturen sind pervers: wer sorgt denn seit Jahrhunderten dafür, dass importiert werden muss, und zwar von uns, die daran verdienen? Wenn wir das mit Bobaku ändern könnten, wäre es natürlich gut, das versuchen viele schon lange und wie man am Beispiel Mali sehen kann, erfolglos; Mali ist zweitgrösstes Baumwolle produzierendes Land in Afrika, hat aber keine Baumwolle verarbeitende Industrie, und so ist es auf fast allen Gebieten. Und daran wird möglichst nichts grundsätzlich geändert. Wer das versucht, wie zum Beispiel Patrice Lumumba, ist schnell tot.
Christofs Vermieter aus Bamako ruft an und fragt, wo die Mietüberweisungen bleiben. Offenbar funktioniert der Dauerauftrag bei der malischen Bank nicht. Fafa übernimmt das Telefon, diskutiert das Problem auf Bamananko, der Sprache der Bambara, die in Mali, wo es dutzende verschiedener Sprachen gibt, die Hauptverkehrssprache ist, entschuldigt sich und verspricht, am Montag die Sache zu regeln.
Dann wird sie von Johannes und Felix zum Artmannschen Familienfest abgeholt.
Daraufhin gönnen sich Christof und Kai noch ein Bier –
und dann setzt endlich wieder der Regen ein!
Wie haben wir ihn vermisst!
16.07 2004Besprechung bei Hutzel mit Bernd, Johannes, Fafa und Christof:
Wie geht es weiter? Der erste Versuch, Öffentlichkeit zu bekommen und darüber vielleicht einen Ofen, Spenden oder andere Unterstützung ist erfolglos geblieben. Bis jetzt hat niemand weitere Initiativen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit ergriffen, die vier kennen sich damit nicht aus.
Sie überlegen, was sie mit ihren Mitteln tun können:
- Johannes nimmt Kontakt zu den Stadtwerken auf. Themen: Spenden, Veröffentlichung in der Mitgliederzeitung, Solarstrom in Bamako.
- Bernd spricht die IHK an (Projektpräsentation, Veröffentlichung, internationaler Handel) und die Deutsche Bäckerzeitung (DBZ)
- Christof schreibt an den Bochumer Kulturdezernenten Dr. Küppers (Schirmherrschaft? Empfehlung an mögliche Sponsoren?)
- Fafa schreibt Überweisungsformulare und legt sie in die Flyer ein, die Christof laufend weiterdruckt.
- Alle verteilen die Flyer und hauen möglichst viele an, Flyer zu verteilen, im Moment die einzige Möglichkeit, konkret etwas für das Projekt zu tun. Welche öffentlichen Stellen gibt es? Welche anderen Geschäfte (z.B. Fahrradladen)?Daraufhin ruft Fafa in Bamako bei einer staatlichen Stelle an, deren Telefonnummer ihr Bruder mit einer Email geschickt hatte un d erfährt, dass es zwar Weizen gibt, der in Mali angebaut wird, das aber nur Hartweizen sei und nur zusammen mit importiertem Mehl verwendet werden kann.
Nach wie vor sind die beiden Hauptfragen: Ofen und Mehl nicht geklärt.
Wir werden wohl beides importieren müssen, warum soll es uns anders als den anderen dort gehen.
Die Ferienzeit steht bevor – nicht gerade günstig für das Projekt. Johannes, Kai und Bernd sind bald bis Mitte August in Urlaub. Geduld ist angesagt. Wenn nicht bald etwas passiert, muss man sich von dem Traum, den Ofen noch im August mit Christofs Container nach Bamako transportieren zu können, verabschieden.
15.07 2004Hans-Heinrich Wrede, deutscher UNESCO-Botschafter in Paris ruft bei Christof an. Er hatte sich als Leiter des Amtes für globale Fragen im Aussenministerium um das Kulturkarawanenprojekt verdient gemacht und fragt, was es Neues gibt. Christof berichtet, dass das Brotdialog-Projekt im Kleinen der Anfang dessen ist, was das Dialog-der-Kulturen-Projekt im Grossen ist, was er begrüsst. Im September besucht er Senegal – Christof beschwört ihn, einen Ausflug nach Mali zu machen. Er bestätigt, dass Mali als das toleranteste, liberalste und offenste Land und Regime Westafrikas gilt. Christof fügt hinzu: und das kulturell vielfältigste, brodelndste. Mali würde sich jedenfalls freuen.
14.07 2004Fafa sieht sich Möbelprospekte aus dem Stadtspiegel an und zeigt, was ihr alles gefallen würde. Teilweise lachend, teilweise bewundernd preist sie die angebotenen Schränke, Sitzgruppen, Kommoden mit TV etc. Sie schüttelt nur den Kopf über die Preise. Christof fragt, ob sie, wenn sie viel Geld hätte, sich solche Möbel kaufen würde.
Antwort:
„Und wenn ich Bill Gates wäre, würde ich das Geld nicht dafür ausgeben. Meine Familie ist nicht reich und in Afrika sind die meisten Leute arm. Ich würde dort etwas damit machen.“
13.07 2004
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Christof bei der malischen Botschafterin Excellenz Frau Soumari Animata Sidibe in Berlin. Das Treffen hat ihr Neffe Issa Sangaré vermittelt (Foto: ganz rechts), ein Freund aus Fafas Clique in Bamako, der gerade in Berlin Deutsch lernt.
Christof trägt mit Hilfe einer Übersetzerin das Projekt vor und Frau Sidibe ist „d accord“. Sie begrüsst die Idee, freut sich über die Initiative. Die Einfuhr des Ofens etc. werde klar gehen. Sie verspricht auch in Bamako Unterstützung, da sie gerade dorthin zurückkehrt – sie war schon abgeflogen, musste aber noch einmal kurz nach Berlin zurück -, um Wohnungsbauministerin zu werden. Sie verspricht, erste Kundin zu werden! Abschliesssend sagt sie, Mali sei ein armes Land, habe aber eine herzliche Bevölkerung – welchletzteres Christof aus eigener Erfahrung nur zu gut bestätigen kann und die Frage stellt, ob der Reichtum des Herzens nicht wichtiger sei als der materielle Luxus
12.07 2004Fafa hat eine neue Wohnung. Vielen Dank an Brigitte Schnieders. Jetzt sind es nur noch 3 Stationen bis Hutzel, man kann also eine Kurzstreckenviererkarte nehmen. Trotzdem schwingt sich Fafa tapfer auf den gespendeten Drahtesel, Wind und Wetter trotzend, alle Achtung.
11.07 2004
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Fafa und Christof drucken, schneiden und falzen 200 neue Flyer, um anschliessend 200 Mal “Brot für Dialog – Mali” auf die Überweisungsvordrucke zu schreiben und diese dann in die gefalteten Blättchen einzulegen – eigentlich eine ziemlich blöde Arbeit, die Stunden raubt – nicht mit Fafa, malischer Musik, Mitsingen, den Oberkörper hin- und herwiegen oder auch mal ein paar Schritte rhythmisch zwischen Drucker und Rechner sich bewegen und dazu in die Hände klatschen – so macht das richtig Spass! Und Christof kommt kaum nach, so schnell geht das bei Fafa, obwohl sie ganz ruhig vor sich hin arbeitet – warum kann man nicht immer so arbeiten? Muss dazu immer extra einer oder eine aus Afrika kommen, damit man das kann? Warum bringen uns das die vielen Afrikaner nicht bei, die hierher gekommen sind, warum werden sie ganz schnell wie wir? Was müssen alle anders machen?
10.07 2004In der WAZ erscheint ein Artikel, aber leider ohne Foto. Fafa wird von Kunden bei Hutzel darauf angesprochen. Jemand hat eine Tiefkühltruhe zu verschenken – braucht leider zu viel Strom und ist nicht unbedingt nötig für eine Bäckerei.
09.07 2004Wie geht’s weiter? Woher bekommen wir das Geld für einen Ofen? Oder gleich den Ofen? Ein Drittel von Fafas Zeit ist schon rum.
08.07 2004
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Fafa verkauft zum ersten Mal im Hutzel-Laden.
Ein Schreiben der Stadt Essen: Christof hat beim Fafa-Abholen etwas zu sehr auf die Tube gedrückt und muss 20 Euro berappen.
Aber die Zahl 111 (kmh) bringt Glück!
07.07 2004Fafa bringt ein Brot von der Ârbeit mit, das unter den zahlreichen Hutzelsorten wohl das sein wird, mit dem man in Bamako anfangen wird: einigermassen lockerer Teig, leckere Kruste; dort wird oft Brot gegessen, indem man ein Stück abreisst und ohne alles isst, sie fängt gleich damit an.
06.07 2004
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13 Uhr Pressekonferenz:
Alle da, 4 Presseverteter; es gibt Hibiskussaft nach malischem Rezept und Erdnüsse aus Fafas Heimatstadt Niono. Sie wird ausführlich befragt, warum sie das Ganze macht, was für Eindrücke sie von Bochum hat, was für Erwartungen sie an das Projekt hat, und antwortet ebenso ausführlich, berichtet von Studium und Arbeitssituation Bamako, wie sie von der Idee erfuhr, wie sie die Marktchancen recherchierte, wie sie zu der Erkenntnis kam, dass es funktionieren könnte, aber nicht einschätzen konnte, was in Bochum lief; zum ersten Mal hört man, wie sie das Ganze eigentlich sieht – und es passt! -, und am Ende lobt sie die Arbeitsmoral bei Hutzel, vor allem die Chefs packten auch selbst mit an und sässen nicht dauernd kaffetrinkend im Büro herum: das sei ihr angenehm aufgefallen.
Kai, der seit elf Jahren bei Hutzel arbeitet, berichtet, dass ihn die Idee von Anfang an begeistert hat und er sich schon vorstellt, wie er erste Backproben dort unten macht und dabei bestimmt so manche Überraschung erleben werde, unvorhersehbare Probleme aufträten, allein schon wegen der Hitze, und die dann zu meistern reize ihn besonders. Er hat schon Erfahrung von Backworkshops in Thailand oder Bäckereien in Bulgarien. Am Ende lobt er Fafas Selbstständigkeit, so etwas habe er noch nicht erlebt, und das bei den doch nicht unerheblichen Verständigungsschwierigkeiten.
Die anderen betonen, dass der Hauptantrieb, sich zu engagieren in den Erfahrungen des Dialoges liege, das grösste Anliegen an die Öffentlichkeit neben dem Spendenaufruf sei, nach einem Ofen Ausschau zu halten, der aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden und in Bamako ein neues Leben beginnen will.Danach Besprechung, wie es weitergeht. Moni und Sabine kümmern sich um Briefe an mögliche Partner oder Sponsoren und die überregionale Presse, schreiben eine Erklärung und stellen Material zusammen. Kai weist auf eine bestimmte Bäckerzeitung hin. Ein Vorstandsmitglied der Bochumer Grünen will die Bogestra ansprechen wegen eines Freitickets für Fafa. Die Stadtwerke sollen in Sachen Solarstrom angesprochen werden; eine neue Bleibe für Fafa muss gefunden werden.Abends essen die Hauptbeteiligten an diesem Projekt, die sich zum Teil noch gar nicht kannten, erst auf zünftig malische Art auf dem Boden, mit den nach traditioneller Weise gewaschenen Händen aus einem Pott »Atjeke« – eine Art Couscous aus Maniokwurzeln mit einem Tomaten-Paprika-Zwiebelragout an einer köstlichen Sosse und frittiertem Fisch mit einer Petersilie-Knoblauch-Füllung – danach dann Pott-technisch Grillen im Hof: Dialog der Esskulturen.
05.07 2004
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10 Uhr: Bernd, Fafa und Christof in der Firma von Arnold Nicolaisen; hier gibt es Metallbau im Allgemeinen und Backöfen im Besonderen, mit welchletzteren der Chef jahrzehntelange Erfahrung – auch im Ausland – hat. Vom kleinen Buden(aus)backofen bis zum Magaprofihardcoreteil, alt oder neu, in Schuss gebracht oder reparaturbedürftig gibt es alles im Angebot, was das Bäckerherz höher springen lässt. Schon bei der ausführlichen Besichtigung ergeben sich viele neue Gesichtspunkte und Fragen:
- Raumhöhe mindestens 3 Meter
- Schornstein ist nötig
- Raumgrösse mindestens 50 qm, welche Türen? Passt die Maschine rein und raus?
- Wie steht es mit Diesel in Mali? (Antwort: gut)
- Gärraum ist nötig
- Umkleideraum
- Teigmaschine muss mindestens 70 qcm habenUnd dann steht dort tatsächlich genau der Ofen, der für den Anfang in Bamako reichen würde, 4,5 qm Backfläche hat und sowohl mit Diesel als auch mit Strom betrieben werden kann.Daraufhin Besprechung im Büro:
- 3,5 bis 4 tausend Euro würde der Ofen kosten
- wie steht es mit Einfuhrgenehmigung?
- Brauchen die einzelnen Backsorten Genehmigungen vom Gesundheitsamt in Bamako?
- Container über Rotterdam ist billiger
- Backmeister vor Ort muss wahrscheinlich für Lizenz vorhanden sein.
- Und viele mehr.Wieder sieht alles so aus, als könnte es ganz einfach klappen. Das sind finanzielle Dimensionen, die mit Spenden eventuell geschafft werden könnten. Wenn man dann noch so einen Ofen umsonst bekämekönnte man fast schon anfangen.

Nachmittags folgende Mail:
»eine wundervolle Aufgabe Kontakte zwischen den Völkern zu schaffen.
Vor allem wenn vom fernen Afrika, die geräuschvollen Signale der
afrikanischen Därme, die Trommeln verstummen lassen.
Vollkorn kann leider halt nicht jeder Erdenbürger vertragen.
Selbst die Graubrödler häufig nicht.«

Dahinter steckt die aus dem 18. Jahrhundert stammende Latrinenparole, die Schwarzen vertrügen kein Schwarzbrot. Damals stellte man »die Neger« in den Zoo, versehen mit dem Schild: »Bitte nicht füttern«.
Zum Glück ist das lange her und längst widerlegt.
Merkwürdigerweise findet sich diese »Sarotti-Mohr-Haltung« (C.W.) heutzutage vor allem in ansonsten sich besonders fortschrittlich gebenden Zirkeln wieder.
Manchmal klaffen eben (selbst gestellter) Anspruch und Wirklichkeit erstaunlich weit auseinander.
Auch so etwas zu erfahren ist Zweck der Übung – der »Kontakt zwischen den Völkern« findet nicht nur mit der Ferne statt, sondern gleichzeitig – durch den Blick in die Ferne ; ausgelöst – bei uns selbst; insofern danken wir für diesen interessanten Beitrag.
Fafa wirkt darob eher amüsiert: »Rassismus gibt es überall«, meint sie nur, und hat recht, auch in Afrika. Aber dann bemerkt sie noch folgendes:
Wenn man sehe, was für ein Theater hier um die Lebensmittel gemacht werde,
alles müsse biologisch sein, 1000 Daten auf jeder Packung, gesünder gehe es gar nicht, dann müsse man dem einmal gegenüberstellen, was bei ihr zu Hause so alles gegessen werde: alles, auf deutsch gesagt, sie lacht bei der Vorstellung – da würden die Weissen gleich ins Krankenhaus eingeliefert, wenn sie so essen müssten.
Ansonsten verspeist sie seit einem Monat mit Genuss das Hutzel Vollkornbrot – und es geht ihr gut!

04.07 2004Fafa und Christof haben in Langendreer Kirschen gepflückt und gehen zurück zum Bus. Plötzlich stellt Christof fest, dass die beiden, ganz wie zuhause in Bamako, mitten auf der Strasse gehen. Dort, jedenfalls in den Vororten, sind es die Autos, die ausweichen und aufgrund der Berg- und Tal-artigen Strassenverhältnisse sowieso keine 30 Kilometer schnell fahren.In der sonntäglich menschen – und autoleeren Umgebung hatte man das gar nicht bemerkt. Als Christof – obwohl noch gar kein Auto in Sicht ist – auf den Gehweg wechselt, sieht Fafa ihn kurz verständnislos an.
Aber dann wechselt auch sie.
Und es kommt kein Auto bis zum Langendreerer Marktplatz.Telefonisches Update Christof und Johannes: was ist in den letzten zwei Tagen passiert?
Sie stellen fest, dass durch das Brot-Projekt der von ihnen gewünschte Dialog auf vielen Ebenen stattfindet- durch die enge Zusammenarbeit der Mitwirkenden müssen verstärkt auch persönliche Unstimmigkeiten untereinander geklärt werden. Alle Beteiligten lernen sich besser kennen- im Positiven wie Negativen- damit muss umgegangen werden – eine tolle Chance für alle!!!
Johannes ist es wichtig, einen kurzen Beitrag über das Grünen-Logo ins Netz zu stellen, das jetzt neben anderen Helfer-Logos auf der Eingangsseite der Website zu sehen ist. Durch die große Hilfe von Sabine Zimpel und Ludger Vollmers Brief an die Botschaft in Bamako hat das Logo seine Berechtigung. Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, das Brot-Projekt sei eine Grünen-Initiative. Es sind alle Menschen eingeladen, welcher kulturellen oder politischen Couleur auch immer, an dem Projekt mitzuwirken. Und wenn der Bürgermeister Otto Stüber oder ein hilfsbereiter Mensch aus der CDU sich mit einbringen sollte, ist ihnen das wandernde Logo auf unserer Website sicher.
03.07 200413 Uhr: Nachbarin Johanna Taczik geht mit Fafa Hosen kaufen. Und siehe da: es gibt auch vernünftige Jeans für 7 Euro und T-Shirts für 4 – Fafa ist zufrieden. In Bamako verdient sie keine 100 Euro im Monat, was selbst dort wenig ist. Vielleicht haben dadurch die Dinge bei ihr einen anderen Wert: Eine Flasche Cola hält bei ihr eine Woche, ansonsten trinkt sie Wasser. Plötzlich erscheint Christof sein eigenes Konsumverhalten überdimensioniert, es geht tatsächlich mit weniger, ist sogar stressfreier.
Sabine berichtet von einem gemeinsamen Essen, dass Fafa ganz anders mit den Lebensmitteln umgeht, “sie fasst den Salat ganz anders an”, würdigt ihn anders als wir.
02.07 2004
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12 Uhr: Treffen von Sabine und Christof, um die Pressekonferenz am Dienstag vorzubereiten.
Das Wichtigste ist, dass bekannt gemacht wird, dass wir einen Ofen suchen, 5-6 qum Volumen. Vielleicht gibt es ja irgendwo einen, den jemand loswerden will, so dass er nichts kostet. Den könnte dann mit Christofs Möbelcontainer nach Bamako geschickt werden, wo ihn Kai aufbaut, und das würde die gesamten Kosten enorm reduzieren.
13 Uhr: Moni und Hapo kommen vorbei und bringen den neuen Flyer! Er ist jetzt viel handlicher und noch ansprechender, kurz gesagt: genial.
Danach Mittagessen mit Kai, Fafa, Sabine und Christof.
Die Vier reden über unsere Wegwerfgesellschaft im Vergleich zu der Gesellschaft in Mali, wo nichts, aber auch gar nichts weggeschmissen wird. Eines von den Dingen, die wir von den Afrikanern (wieder) lernen können. Kai und Christof sind sich in dieser Frage einig und kommen auf Christofs alte Salatschleuder zu sprechen, bei der dummerweise in dem komplizierten versetzt konischen Laufwerk der Schleuder eine Kappe abgebrochen ist. Christof schafft es nicht, sie wegzuschmeissen, obwohl er keine Lösung weiss. Kai: “Her damit!” Aber auch Kai kommt ins Schwitzen, verschiedene Lösungsmöglichkeiten müssen verworfen werden. Das Ding hat vor 10 Jahren 4 Mark fünfzig gekostet, ist aus Plastik und eine neue kostet nicht viel – aber die beiden bringen es nicht übers Herz, sie aufzugeben. “Immerhin eine Original Moulinex”, betont Kai, “Ein Markengerät!”. Und dann hat er die Idee: Einfach an einer bestimmten Stelle eine Schraube eindrehen, deren Kopf die abgesprungene Kappe ersetzt. Kurz mit dem Akkubohrer anbohren, Schraube vorsichtig rein:
Es klappt!
Die alte Moulinex für 4.50 läuft wieder!
Alle Anwesenden sind sich einig: Wenn wir auf diese Weise die Bäckerei in Bamko aufbauen, dann sind wir auf dem richtigen Dampfer! Dann macht es auch noch Spass und es lernt tatsächlich jeder von jedem etwas.
01.07 2004
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Fafas erster Tag im Laden. Sie muss Monatsbestellisten anfertigen und macht das zur Zufriedenheit der Belegschaft. Aber sie ist auch nach einem Arbeitstag im Laden fix und fertig – alles immer noch etwas viel auf einmal – aber es läuft!!
11 Uhr: Anruf Sabine: TAZ und Stadtspiegel können nicht zur Pressekonferenz kommen – deshalb sollten wir sie auf den Dienstag nächster Woche verschieben.
Zum Glück können alle anderen Beteiligten auch, und so steht der neue Termin für die Pressekonferenz fest:
Dienstag 13 Uhr im Atelier an der Wittener Strasse 60.
Johannes bringt einen Brief von Rewe mit einer Absage.
Thorsten setzt die Laufleiste mit den Sponsoren online und ruft bei Christof an, während der gerade mit Johannes und Fafa Risotto isst, und zwar alle drei zusammen aus einer Schüssel mit den Händen. Das Jubelgeschrei über seine geniale Arbeit kommt life über Telefon direkt bei ihm an.
30.06 2004Dritter Tag in der Backstube.
Vorbereitungen für die Pressekonferenz.
Thorsten aktualisiert die Website, indem er eine Leiste für die Sponsoren programmiert. Schwierige Frage, wo und wie man sie plaziert, so dass es auch eine klare “Belohnung” für die Sponsoren ist, aber andererseits nicht die Inhalte des Projekts verdrängt. Sein Vorschlag einer Laufleiste ist das Beste.
29.06 2004Fafas zweiter Tag in der Backstube.10 Uhr: Telefonat mit Sabine, die vorschlägt, die Pressekonferenz am Freitag um 13 Uhr in Christofs Atelier zu machen.10 Uhr 30: Johannes sagt zu.11 Uhr: Besprechung im Hutzel-Büro, wie es weitergeht.
Bernd ist einverstanden, die Pressekonferenz am Freitag um 13 Uhr zu machen, damit ist sie beschlossen. Ein Kollege von Kai tauscht freundlicherweise noch eine Schicht, damit Kai auch teilnehmen kann. Sabine beginnt sofort mit der Organisation.
Ergebnis der Besprechung von Bernd, Frank (der eine Kalkulation vorbereitet hatte), Fafa und Christof:
- Der Ofen muss etwa fünf bis sechs Quadratmeter Backvolumen haben. Damit kann man 100 Brote und 100 Brötchen am Tag locker backen, sollte alles gut laufen aber auch bis zu 300.
- Unkosten wie Miete, Löhne, Strom etc kommen auf 1800 Euro.
- Mehl kostet zwischen 800 (bei 100 Broten) und 1500 Euro. Die Beschaffung (wahrscheinlich nur Import möglich) nach wie vor das grösste Problem. Es sind mindestens zwei Tonnen pro Monat nötig. Lagerung bei der grossen Hitze in Bamako auch begrenzt. Der malische Grosshändler hatte Fafa per mail berichtet, dass seine Quelle für Vollkornmehl geschlossen habe.
- Bei Unkosten von 2500 bis 3000 Euro im Monat und einem verkauften Brot im Gegenwert von 1 Euro bzw. kleinem Brot für 40 Cent müssen also mindestens 2400 Brote und ebensoviele Brötchen verkauft werden, damit die Geschichte ungefähr aufgeht. Mit einem Bäcker, einem Auslieferer und einer Putzkraft wäre das zu bewältigen.
- Genauer recherchiert werden müssen noch eventuelle Lohnnebenkosten (gibt es das da überhaupt?), Schmiergelder, Steuern?
Bernd macht sofort einen Termin mit einem Ofenbauer mit Auslandserfahrung am Montag um 10 Uhr.
Kai organisiert noch ein Moped für Bamako!
Anschliessend Dienstagessen bei Hutzel mit allen, ca zehn Personen. Unglaublich leckere Käse-Knöpfle (eine Spätzleart), die die meisten erstmal für Kichererbsen halten, Spinat (Mangold?) und Salat. Grosses Lob aus der Backstube für Fafa. Noch nie so eine selbständige Praktikantin gehabt. Und das trotz weiterbestehender Sprachschwierigkeiten, die aber nicht unüberwindbar sind. Sie bekommt auch ihr eigenes Mitarbeiterbrot.

18 Uhr: Unterricht mit Nanni.

19 Uhr: Treffen mit Moni und Hapo, um das Informationsblatt zu aktualisieren und Presseerklärungen zu schreiben.

28.06 2004
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6 Uhr: Fafas erster Tag in der Backstube.
10 Uhr: Anruf Henning vom Fahrradladen “Balance”:
“Ihr könnt zwei weitere Fahrräder abholen!”
12 Uhr: Fafa erscheint fix und fertig bei Christof. Ihr Hemd ist teigverschmiert, und sie hat ein noch warmes, duftendes Brot dabei: “Das haben wir heute gebacken”, sagt sie völlig cool, als sei das das Normalste auf der Welt. Sie muss sich erstmal hinlegen. Danach erzählt sie, dass sie mit beiden Händen und der Unterstützung von vier Männern Teig geknetet hat, der vorher zusammengestellt wurde, ihn anschliessend in Formen gegossen hat und dann die riesigen Bleche in den Ofen schieben musste; morgen werde sie Muskelkater haben. Zum Notizen machen sei sie noch nicht gekommen.
Telefonate zwischen Johannes, Sabine und Christof in Sachen Pressekonferenz am Donnerstag.
27.06 2004Fafa hat Heimweh. Wir versuchen, eine billige Telefonkarte für Mali zu bekommen. Überraschende Feststellung: Es gibt für alle möglichen westafrikanischen Länder solche Karten – nicht für Mali. Offenbar ist Mali so weit unter Weltmarktniveau, dass es sich nicht einmal für die Billiganbieter lohnt, solche Karten anzubieten. Erst nach langer Suche wird doch eine solche Karte gefunden.
Fafa möchte nicht, dass ihr Privatleben im internet ausgebreitet wird. Es wird diskutiert, inwieweit gewisse private Erfahrungen einen allgemeinen Charakter haben können, durch den andere Menschen etwas vermittelt bekommen können. Man einigt sich, dass, wenn eine allgemeine Erfahrung aus einem konkreten Erlebnis abgeleitet und weitergegeben werden kann, es keine Ausbreitung von Intimitäten ist, weil es jedem so gehen kann.
26.06 2004Wieder Unterricht bei Felix, der abends ein Gitarren Konzert in Dortmund gibt, zu dem er Fafa mitnimmt.
25.06 2004Unterricht mit Renate, die beim anschliessenden Kartoffelgratin kritisiert, dass Fafa, sobald sie zu Ende gegessen hat, aufsteht und den Tisch verlässt: so, wie es in Mali üblich ist. Das kann man zwar merkwürdig finden, kann aber auch zunächst mal feststellen: andere Länder, andere Sitten. Die Frage wird diskutiert, inwieweit man sich der jeweiligen anderen Kultur anzupassen hat oder nicht und inwieweit man verlangen kann, dass der Gast sich der eigenen Kultur anpasst. Und wann. Christof fragt sich, wie oft er wohl in Mali, ohne es zu wissen, Regeln verletzt hat. Was sind essentielle Unterschiede, die unbedingt geklärt werden müssen und was sind Nebensache, von denen man vielleicht sogar etwas annehmen kann. Zum Beispiel essen die Malier insofern sozialer als wir, indem sie sich alle aus einer Schüssel bedienen. Welches Verhalten kann man nicht akzeptieren und welches Verhalten muss man akzeptieren? Wieviel Respekt hat man zu bezeugen und wieviel darf man erwarten?
24.06 2004Deutschstunde mit Felix in Gelsenkirchen. Die beiden diskutieren über den Islam und die Rolle der Frau darin. Fafa versucht, das bei uns verbreitete, hauptsächlich von der arabischen Variante des Islam geprägte Bild zu korrigieren: Verschleierung und das Verstecken der Frauen im Haus ist keine ursächlich islamische Angelegenheit, sondern in der jeweiligen, schon vor dem Islam bestehenden Kultur eingebettet. Die afrikanische Gesellschaft würde zusammenbrechen, wenn die Frauen in dieser Weise aus dem Verkehr gezogen wären.
Die Vierertickets der Bogestra fressen das halbe Taschengeld! Fafa fragt vorsichtig, ob denn wirklich oft Kontrollen kommen. Christof rät dringend vom Schwarzfahren ab.
Johannes schlägt vor, die Bogestra zu fragen, ob sie ein Ticket 2000 spendet.
23.06 2004
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8 Uhr 30 bis 10 Uhr 30: Johannes und Christof aktualisieren zusammen weiter die Chronologie.
Sie überlegen, welche anderen Partner statt der Volksbank angesprochen werden können. IHK? Sparkasse? GLS-Bank? Stadtwerke?
Auf jeden Fall wird nächste Woche eine lokale Presekonferenz ausgerichtet.
Aktueller Kontostand:545,11€
Fafa möchte sich eine Hose für die Pressekonferenz kaufen und macht sich auf in die Bochumer Innenstadt. Nach einer Stunde kehrt sie unverrichteter Dinge zurück: Unvorstellbar teuer seien die Hosen hier, das könne sie nicht verantworten. In Paris, wo sie einmal ihre Cousine besucht hatte, kosteten die Hosen nur die Hälfte.
22.06 20048 Uhr 30: Anruf von Johannes bei der Volksbank: wie siehts aus? Antwort braucht noch.
9 Uhr: Anruf Frau Toth, Redaktionsleitung BODO: sie braucht ein Foto von Fafa für den Bobaku-Artikel in der nächsten Ausgabe – sie hat zwar eine CD mit 200 Fotos von Afrika, weiss aber nicht, wie Fafa aussieht…
9 Uhr 15: Anruf Johannes an Christof: schicke bitte Frau Toth Fafafotos. Fafa ist aber mit den vorhandenen Fotos von ihr nicht zufrieden – Christof macht neue und sendet sie an BODO.
11 Uhr: Sabine ist Gast bei der Vorstandssitzung der Bochumer Grünen: Sie unterstützen das Projekt ! Es werden eine gemeinsame Pressekonferenz in ihren Räumen und verschiedene Veranstaltungen geplant.
14 Uhr: Anruf von Johannes bei Frau Molenda: wir brauchen dringend die Entscheidung – Antwort: Herr Dreve ist in dieser Sache unterwegs.
16 Uhr: Sabine beruhigt Christof, der wegen der Warterei auf die Entscheidung fast platzt: Wir machen diese Woche nichts mehr und bereiten, egal wie die Volksbank entscheidet, für nächte Woche unsere lokale Pressekonferenz gut vor – alles weitere wird man sehen.
Entspannung.
16 Uhr 30: Anruf von Herrn Dreve: der Vorstand entscheidet negativ, weil das Spendenkonto nicht in der Volksbank verwaltet wird. Johannes wendet ein: Ich will doch auch nicht hinterher das Mehl an die Bäckerei in Bamako verkaufen. Antwort Dreve: wenn Sie wüssten, wie Frau Molenda sich eingesetzt hat, würden Ihnen die Ohren abfallen; auch er bedauert diese Entscheidung.
Wir danken hiermit Frau Molenda und Herrn Dreve für ihr Engagement und bedauern ebenfalls die Entscheidung.21 Uhr bis 0 Uhr: Christof und Sabine beackern in Bochum Mitte und Gelsenkirchen Ückendorf gleichzeitig an Telefon und Netz diese Zeit- und Aktionsleiste online! GEIL ! ES FUNKTIONIERT !
21.06 2004Sommeranfang! Fafa friert.
Anruf Johannes bei der Volksbank: welche Entscheidung ist gefallen? Antwort: Es muss noch eine Frage geklärt werden: Bei welcher Bank ist das Spendenkonto eingerichtet? Antwort: BOBAKU ist integriert in die vielen Projekte der “Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe Bochum” bei der GLS-Bank, weil damit die Möglichkeit einer steuerlich absetzbaren Spendenquittung verbunden ist.
Alle warten gespannt auf die Antwort.
Abends Anruf Thorsten: www.bobaku.de ist mit allen Texten online. Thorsten hat eine admin-Ebene eingerichtet, mit Hilfe derer die Beteiligten selbst alle Aktualisierungen eintragen können.
Alle sind begeistert! Thorsten Buchmakoswky wird offiziell zum Weltmeister der Webkünste ernannt!!!!Frau Beckmann, Mitarbeiterin bei Johannes, hat beim Sommerfest des Waldorf-Kindergartens in Langendreer einen Info-Stand zu unserem Mali Brot-Projekt eingerichtet und überreicht eine Spende von 52,-€.
Vielen Dank an Frau Beckmann und die Spender!!
Aktueller Kontostand: 435,11€
20.06 2004Fafa sitzt auf dem Boden und repariert ein malisches Tuch, das sie Christof einmal geschenkt hat; den Faden um den grossen Zeh gewickelt, pfriemelt sie ihn gerade in das Nadelöhr – lässt plötzlich alles sinken, schüttelt den Kopf und sagt. „La vie est bizare. ….. „ (Das Leben ist bizarr. Vor einem halben Jahr wusste ich noch nicht, wie eine Bäckerei von innen aussieht – jetzt sitze ich plötzlich in Deutschland und lerne wie man Brot backt und eine Bäckerei organisiert).Abends Umzug nach Gelsenkirchen. Obwohl sie nur 10 Tage bei Familie Kreienbaum gewohnt hatte, fällt der Abschied schwer. Der sechsjährige Kevin hatte nach einer Stunde gemeinsamen Spiels mit Fafa erklärt: „Was habt Ihr denn? Es gibt doch gar keine Verständigungsprobleme!“.
19.06 2004Fafa und Christof besuchen Johannes. Fafa erhält vom Spendenkonto 150,-€ für öffentliche Verkehrsmittel, Taschengeld etc..
Der aktuelle Kontostand: 533,11€ – 150,-€ = 383,11€
18.06 2004
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16 Uhr: Sabine bringt die gute Nachricht: Ihr Nachbar Guido Rottmann ist in Urlaub und stellt Fafa seine Wohnung zur Verfügung! Damit ist diese Kuh vom Eis – grosse Erleichterung und grossen Dank an Guido!
Danach Besprechung, wie es weitergehen soll. Es muss jetzt Öffentlichkeit hergestellt werden, Spenden gesammelt und Sachspenden gesucht werden – je mehr Sachspenden wir bekommen, vielleicht sogar einen Backofen oder eine Mühle, desto weniger Geldspenden brauchen wir. Sabine schlägt vor, Literatur- und Musikveranstaltungen mit malischer Kunst zu organisieren, um mehr von der Kultur zu vermitteln. Sie hat schon bei verschiedenen Veranstaltern wie Bahnhof Langendreer recherchiert, ob kurzfristige Termine frei sind. Eine von vielen Ideen: Ein einstündiges hardcore-traditional Musikstück, in dem der Sänger Amadou Sangare unzählige Geschichten aus dem Leben und Wirken einer Zauberin aus Mali erzählt, im immergleichen Rhythmus , mit den immergleichen refrains der Zuhörer, und doch immer wieder anders und neu – diese Kassette abspielen und life dazu auf Deutsch die Geschichten nacherzählen.
Dann kommt die an der harten Parteiarbeit geschulte Sabine in Fahrt:
Drei Presseerklärungen brauchen wir:
- eine für die Tagespresse, wenn Omma Kaschulke morgens ihren Kaffee trinkt und wissen will, was es Neues in der Stadt gibt;
- eine für die Wochen- und Monatsmagazine, in denen Hintergründe, Sinn des Ganzen und Beteiligungsmöglichkeiten vermittelt werden;
- eine für die elektronischen Medien, die dadurch angeregt werden sollen, vor Ort Aufnahmen zu machen.
Sie schlängt vor, dem Ziel “Bochumer Brot für Bamako” das Motto: “Europa trifft Afrika” beizustellen, um den Grundgedanken ohne viel Geschwafel deutlich zu machen. Ausserdem müssen so bald wie möglich so viel wie möglich Fotos in die Website gesetzt werden, die sich die Presse herunterladen kann.
Da die Antwort der Volksbank noch aussteht kann die Frage der Projektpräsentation, zu der nicht nur Presse eingeladen wird, sondern auch mögliche weitere Partner und Sponsoren, nur potentiell beantwortet werden:
- wenn die Volksbank zusagt, dann so schnell wie möglich,
- wenn sie absagt, wird eine kleine Pressekonferenz für die lokale Presse gemacht,
- wenn sie zusagt, das Vorhaben aber erst in zwei oder drei Wochen realisiert werden kann, gibt es erst eine kleine Pressekonferenz und später dann die grosse Präsentation.
18 Uhr 30: Fafa und Christof holen ein Fahrrad ab, das der Fahrradladen “Balance” gestiftet hat. Lange Diskussion, ob die Farbe des Rades grün, türkis oder blau ist – grosse Einigkeit, dass es jedenfalls die ultimative Trendfarbe ist – alle freuen sich.
Vielen Dank !
Anschliessend begleitet Fafa Christof auf dem Fahrrad durch die Kortumstrasse rollend zum Trainig der legendären Bochumer Fussballtruppe “Die Schmächting-Riesen”, die jeden Freitag um 19 Uhr auf den Schmächtingwiesen bolzt und sich derzeit auf das geplante Freundschaftsspiel mit den in Bamako dem Ball hinterherlaufenden “Schwarzen Riesen” – in denen Fafas Cousin Basiru mitspielt – vorbereitet, das anlässlich der feierlichen Eröffnung der Bäckerei in Bamako stattfinden soll und gleichzeitig der Auftakt für die spätestens dann fällige Städtepartnerschaft Bochum-Bamako sein soll.
17.06 2004
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Der Vorstand der Volksbank diskutiert das Projekt – Freitag oder Montag sollen wir die Entscheidung erfahren.
16.06 2004Es wird Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen. Deshalb die Nachfrage bei der Volksbank, ob es schon eine Entscheidung bezüglich der Projektpräsentation in den Räumen der Volksbank gibt. Johannes spricht mit Frau Molenda, Kollegin von Herrn Dreve in der Marketingabteilung, die sich bereit erklärt, den Entscheidungsprozess voranzutreiben. Johannes Artmann hat bei den Gesprächen mit Frau Molenda und Herrn Drewe den Eindruck, dass das Brotprojekt bei den Beiden angekommen ist und sie es engagiert vorantreiben werden.
Fafa kauft im 368er-Bus zum ersten Mal ein Viererticket – es klappt!
15.06 2004Treffen bei Hutzels: Mit Hilfe von Clothilde, einer Französin, die in Bochum studiert und an einem Ernährungsprojekt in Mali arbeitet, wo sie demnächst hinfliegt, referiert Fafa ihre Recherchen aus Bamako in Sachen tradtioneller Backweisen, Strom und Gasverhältnisse, Grosshändler von Korn und Mehl, Betriebskosten etc. Frank und Bernd sind zufrieden, und als Fafa auch noch die Visitenkarte eines Grosshändlers aus Bamako zückt und dort anruft, um etwas nachzufragen, finden sie beide lobende Worte für Fafas Vorarbeit. Es sind genügend Informationen, jetzt an die Feinarbeit gehen zu können, wie der Betrieb in Bamako aussehen könnte.
Beim dienstäglichen Kollektivessen wird beschlossen, Fafas Arbeitsbeginn um eine Woche zu verschieben, um ihr die Möglichkeit zu geben, zumindest eine Grundlage in der deutschen Sprache zu bekommen.
14.06 2004
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Die Sprachprobleme sind doch grösser als gedacht. Dass sich alle Beteiligten auf englisch einigen, funktioniert nicht. Es wird begonnen, einen Sprachkurs zu organisieren: Felix macht den Anfang.
Abends an der Strassenbahnhaltestelle zum nach Hause fahren, stellt Fafa zum wiederholten Male kopfschüttelnd fest, wie verrückt es sei, dass hier abends um halb zehn noch die Sonne scheint; in Mali ist es spätestens um halb sieben dunkel, das abendliche Leben spielt sich nur im Dunkeln ab, es ist nicht mehr so heiss, man quatscht, trinkt Tee oder geht spazieren – hier ist es hell, und die Leute benehmen sich auch nicht anders als tagsüber.Die erste Pizza!
13.06 200411:30 bis 18:30h : Fafa und Christof besuchen Johannes` Familie. Zum verabredeten späten Sonntags-Frühstück treffen die beiden auf Johannes, Lioba und Luisa (die 13-jährigen Zwillinge seiner Frau Ira), J` Sohn Florian(22J.) nebst Freundin Kerstin und J`Sohn Felix(20). Alle sind spürbar aufgeregt.
Die Verständigung mit Fafa ist wirklich schwierig – sie spricht halt französisch und wenige Brocken englisch. Christof übt sich als Dolmetscher – aber auch seine Sprachkenntnisse sind begrenzt. Irgendwann springt endlich Felix über seinen Schatten und testet sein Schulfranzösisch – ein Glücksfall – , Fafa strahlt und taut mehr und mehr auf. Der Durchbruch erfolgt, als Fafa ein malisches Spiel, das sie Johannes geschenkt hat, erklärt (48 Kugeln müssen in 12 Schalen auf bestimmte Weise verteilt werden). Sechs Köpfe drängen sich dicht beieinander über dem Spiel, versuchen zu erklären und zu verstehen, reden mit Händen und Füssen – und lachen -, die Sprache verstehen alle. Christof und Johannes stehen etwas abseits und strahlen sich an – so etwa haben sie es sich vorgestellt. Christof verabschiedet sich und fährt nach Hause.
14 bis 15 Uhr: Fafa, Felix und Johannes machen einen Spaziergang zum Wittener Hohenstein und zur Ruhr. Hier spricht Fafa ihren ersten deutschen Satz.
Um 16:15h treffen die drei an der Waldorfschule in Witten ein. Lioba und Luisa haben heute ihren grossen Auftritt mit dem Kinderzirkus Jux Ban Jux. Ein Jahr haben 60 Kinder zwischen 7 und 15 Jahren Einrad, Jonglage, Trapetz, Zauberei usw. geübt. Die Vorstellung begeistert uns alle und Fafa strahlt. Sie erzählt, dass sie noch nie einen Zirkus gesehen hat.
18:00h: Felix und Fafa tauschen ihre Telefonnummern. Sie wollen sich öfter treffen. Felix ergreift die Chance, mit Fafa für seine mündliche Französisch-Prüfung für`s Abi in drei Wochen zu üben – umgekehrt kann Fafa deutsch bei ihm lernen.
18:30h: Johannes bringt Fafa zurück zu Bernd und Heidi.
…. ein toller Tag.
12.06 2004
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Fafa hat viel malische Musik mitgebracht und übersetzt beim Mittagessen den Text einer Kassette, die gerade läuft: Amadou Sangare erzählt die Geschichte einer armen Frau, die magische Kräfte hat: aus Hühnern werden Lämmer und daraus wieder kleine Kinder, Liebende finden und trennen sich, Krankheit und Genesung und vieles mehr – eine Welt tut sich auf.
Abends besucht Fafa Moni – am nächsten Tag hat sie eine doppelt so grosse Garderobe mit todschicken Kostümen und Hosen, die wie massgeschneidert passen
11.06 2004
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Christof holt Fafa bei Familie Kreienbaum ab.Christofs Nachbarin Johanna Taczik schenkt Fafa zwei grosse Kartons mit schicken, zum Teil schön warmen Klamotten – grosses Wühlen und Modenschau.Fafa und Christof treffen sich mit Moni und Hapo.Die beiden Frauen verstehen sich sofort und erzählen sich in rasender Geschwindigkeit alles mögliche.
10.06 2004
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-08:30h:Fafa kommt in Düsseldorf an. Wir können es kaum glauben, dass ihre Anwesenheit plötzlich Realität ist. Ihr Gepäck hat den Anschluss nicht geschafft. Sie friert, hat nichts Warmes dabei und ihr Handy vergessen. Alle Beteiligten werden telefonisch informiert und freuen sich. Nach Bamako wird gemeldet, dass sie gut angekommen ist.
-11:00: erster Spaziergang durch das regnerische, kalte Bochum. Aufgedreht sprintet Christof los, endlich kann er ihr alles zeigen, da stellt er nach den ersten Schritten fest, dass Fafa gerade mal einen halben Meter weitergekommen ist – und er erinnert sich an das Tempo in Bamako, wo man bei 45 Grad nun eben mal etwas langsamer sich fortbewegt, und zwar ganz schön viel langsamer.
-17:00h: Christof und Fafa erscheinen bei Bernd und Heidi Kreienbaum (Hutzel-Bäckerei), wo sie in den nächsten Tagen wohnen wird.
-18:00h: ruft der Flughafen an: Gepäck ist bei Christof.Sie hat kaum Klamotten dabei, aber frische Mangos aus ihrer Heimatstadt Niono, Maniokwurzeln, Hölzer, mit denen man sich die Zähne putzen kann, viele, viele Geschenke, für alle, die geholfen haben, zwei riesige Plastiktüten mit getrockneten Blättern, aus denen sie vesrsetzt mit diversen Essenzen, ein rotes, sehr leckeres Getränk bereiten kann, das man in Bamako abends, wenn man vor den Häusern sitzt und quatscht, ab und zu gerne trinkt.
08.06 2004Fafa ist wieder in Bamako und wird am Mittwoch abend abfliegen. Wichtig ist, am Donnerstag morgen den Anschluss in Paris, Charles de Gaulle, zu erreichen; sie meint: kein Problem.
07.06 2004Anruf bei Fafa: Sie ist in Niono, bei Ihren Eltern zum Abschiedsbesuch.
05.06 200420:00h bis Sonntag, den 6. Juni 1:30h:
Christof und Johannes sitzen bei einer Flasche Rotwein zusammen und erstellen die BAMAKO-Chronologie bis zum heutigen Tag. Dabei wird ihnen deutlich, in welch rasender Geschwindigkeit das Projekt Gestalt annimmt- in fünf Tagen kommt Fafa – unglaublich!!
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04.06 2004-12:00h: Anruf Fafa, am Montag ist das Visum abzuholen. Jubel in Bochum.
-16:00h: Christof bucht den Flug für Fafa am 9. abends, so dass sie am 10. um 8 Uhr 30 in Düsseldorf ankommen wird.
02.06 2004Christof besucht Herrn Burkhart von der „Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe Bochum“, mit dem Johannes bereits mehrfach zu tun hatte und bringt ihm die von Fafa übersandte Gemeinnützigkeitserklärung aus Bamako. Walter Burkart kennt die Materie seit vielen Jahren und Christof staunt erst einmal, was und wie viele Projekte in aller Welt von Bochum aus möglich gemacht oder unterstützt werden. Herr Burkart erklärt die strengen und komplizierten Bedingungen zur Erstellung einer Spendenquittung: schliesslich wird dem Staat damit Geld abgezogen, und da muss es immer mit rechten Dingen zugehen. Gleichzeitig bremst er milde lächelnd Christofs Illusionen von einer blühenden Bäckerei in Bamako, die überall Filialen aufmacht und soviel Profit macht, dass sie Wasserprojekte unterstützen kann: die Sache sei auf jeden Fall wert, versucht zu werden, aber man solle sich darauf gefasst machen, dass mehr Unwägsamkeiten auftauchten als man sich vorstellen könne. Wenn auch etwas noch so Kleines klappe, sei es schon den Aufwand wert. Er lobt vor allem Johannes‘ Engagement und wünscht gutes Gelingen. Er rät, in der nächsten Fassung des Informationsblattes einen vorgedruckten Zahlschein mit ein zu legen.Spätnachmittag kauft Christof bei Johannes ein, und überbringt ihm die gute Nachricht – wer ist auch zufälligerweise da?: Herr Burkhart.Johannes fällt auf, dass es im Laufe der Arbeit an diesem Projekt es schon öfters Zufälle gegeben hat, die fast schon keine mehr sind.
01.06 2004Anruf Fafa, die Papiere sind in Bamako angekommen, sie geht gleich zur Deutschen Botschaft.
Befriedigung in Bochum.Sabine ruft als Büro Ludger Volmer MdB bei der Deutschen Botschaft in Bamako an und faxt einen Brief an den Botschafter die Bitte um wohlwollende Bearbeitung des Visumantrages.Besuch von Christof bei Hutzel, um den Stand der Dinge zu besprechen. Dienstags gibt es immer Essen für den ganzen Betrieb, Christof wird eingeladen und isst mit Kai Reckers, der, wenn alles so läuft wie gewünscht, bei Christof in Bamako eine Zeitlang wohnen und Backkurse für alle Interessierten geben wird. Christof erzählt von Bamako, und Kai, der schon in Thailand Kurse gegeben hatte, findet zunehmend mehr Geschmack an der Vorstellung, dass diese Idee tatsächlich realisiert werden könnte.
30.05 2004Geburtstag von Sabine – alle reden von BoBaKu !
28.05 2004-9:00h: Johannes holt das auf seine Bitte freundlicherweise vorzeitig ausgestellte entscheidende Formular ab.
-11:30h: Christof holt das Formular im Laden ab.
-13:00h: Sabine klärt telefonisch Fafas Krankenversicherung.
-14:00h: Fax von Fafa; Gemeinnützigkeitserklärung aus Mali kommt an
-15:00h: Christof holt die Krankenversicherung ab, um sie dem Visumsantrag beilegen zu können.
-15:45h: Christof erscheint am Postschalter, 16 Uhr Schalterschluss, der Beamte sendet sofort ein Fax und setzt alle Hebel in Bewegung, dass der Brief rechtzeitig rausgeht. Die Deutsche Bundespost kann richtig flott sein – dank diesem Mitarbeiter ! Und wenn man genügend Schotter hat: schlappe 76 Euro hat der Spass gekostet. Man gönnt sich ja sonst und so weiter.Erleichterung, bis hierhin alles geschafft zu haben. Verschnaufpause über Pfingsten.
27.05 2004Johannes beim Ausländeramt in Witten; die Beamtin verspricht Bearbeitung für die nächste Woche; Johannes fährt seinen gesamten Charme auf und bittet um rasche Klärung. Etwas gereizt zurück im Laden, kommt Gabriele Heise, eine Kundin, strahlend auf ihn zu und stellt ein sehr gut erhaltenes Fahrrad für Bamako zur Verfügung.Auf dem Konto sind inzwischen 498,11€ eingegangen
26.05 2004Das Wittener Ausländeramt hat geschlossen.
25.05 2004Johannes auf der Bochumer Ausländerbehörde: geht nicht, weil er seinen Wohnsitz in Witten hat.
24.05 2004Anruf Sabine: sie hat mit den entsprechenden Beamten den ganzen Vorgang vorgecheckt und herausbekommen, dass Christof Wackernagel als Einladender nicht akzeptiert wird, weil er kein regelmässiges Einkommen hat. Sie hat aber schon mit Johannes Artmann gesprochen: er ist bereit, die Sache zu übernehmen.
21.05 2004Sabine und Christof füllen die Antragsformulare für Fafa aus und verabreden sich, Montag zusammen zur Ausländerbehörde zu gehen. Sabines Chef, MdB Dr. Ludger Volmer, schreibt einen Brief an den deutschen Botschafter in Bamako, in dem er das Projekt befürwortet und um wohlwollende Bearbeitung bittet.
19.05 2004Fon zwischen Christof und Sabine:
Wo bringen wir Fafa in Deutschland unter ? Sie sollte in die deutsche Kultur eintauchen können und unsere Lebens- und Wohnformen kennenlernen.
Außerdem brauchen wir eine Gemeinnützigkeitserklärung des Projektes von den Behörden in Bamako – nur so sind die Spenden in Deutschland auch absetzungsfähig.
15.05 2004Immer wieder zerschlagen sich Wohnmöglichkeiten für Fafa, es ist wie verhext.
12.05 2004Die Volksbank Bochum-Witten will eine Ausstellung von Christof Wackernagels Zeichenbildern machen; Christof spricht mit Herrn Siegfried Dreve und schlägt vor, statt dessen eine Projektpräsentation bei und mit der Volksbank zu machen, bei der seine in Mali gemalten Zeichenbilder verkauft werden können und die Hälfte des Erlöses an das Projekt geht. Herr Dreve ist aufgeschlossen und verspricht baldige Antwort.
10.05 2004Anruf Sabine: Die Grünen Ruhrgebiet beschliessen nach einer Vorstandssitzung die Krankenkasse für Fafa zu übernehmen und das Projekt weiter zu begleiten.
08.05 2004Bernd hat mit seiner Familie gesprochen: ein Kind ist bereit, sein Zimmer für Fafa freizumachen; allerdings fährt die Familie am 20. Juni in Urlaub. Zwar muss weitergesucht werden, aber der Anfang ist damit schon geklärt.
07.05 2004Thorsten Buchmakowsky erklärt sich bereit, kostenlos eine Website zu gestalten und zu erstellen.
06.05 2004Die Möglichkeit, dass Fafa bei einer teils islamisch orientierten Familie wohnt, zerschlägt sich. Was in einem islamischen Land selbstverständlich wäre, würde bei uns zusätzliche Komplikationen aufwerfen, wer wohin gehört und sich nach welcher Kultur zu richten hat. Eine erste überraschende Erfahrung, die andererseits die Einschätzung bestätigt, dass der vielgepriesene Dialog der Kulturen nicht identisch mit LiebeFriedeEierkuchen ist.
05.05 2004Sabine besorgt beim Fairsicherungsladen in Bochum eine Kranken- Unfall- und Haftpflichtversicherung für Fafa. Sie tritt nur in Kraft, wenn Fafa wirklich kommt. der Versicherungsmakler Sven Janner ist klasse !Das Flugblatt ist fertig.
Auf dem Konto sind inzwischen 212.11€ eingegangen. Bemerkungen der Spender auf den Kontoauszügen, wie „Viel Erfolg!“ oder „Für das Flugticket“ bestärken uns ..
04.05 2004Gespräch Sabine mit Ludger Volmer: was ist mit dem lokalen Markt? Wird Vollkornbrot überhaupt nachgefragt? Und von wem? Also: es gibt die Nachfrage und JEDE und JEDER , auch die örtlichen Bäcker, können durch den Hutzel-Bäcker die BOchumerBAckKUnst erlernen ! Und vertragen die Schwarzen Vollkornbrot – gibt es da nicht irgendwelche Enzymprobleme? Das haben die Ernährungsexperten von Hutzel verneint.
03.05 2004Sabine prüft im Auswärtigen Amt die Visa-Formalitäten für Fafa und bereitet die Anträge vor, die dann über Christof auf dem Postweg zu Fafa nach Mali gesendet werden.Sabine ruft Frank Althaus von Hutzel an, um Detailfragen zu klären: welche rechtliche Form bekommt Fafa\’s Aufenthalt ? Ist es sowas wie ein Praktikum ? Oder ein irgendwie anders geartetes Beschäftigungsverhältnis ohne Entgeld ? Soll es einen Arbeitsvertrag geben ? Wie kann man Fafa versichern ?
wer wird die Verpflichtungserklärung bei der Ausländerbehörde unterschreiben ?Christof und Johannes treffen sich mit mit Hapo und Moni: die beiden wollen noch einmal genauer wissen, warum die beiden dieses Projekt überhaupt wollen. Johannes sagt:es geht mir um den Dialog, den Austausch, das gegenseitige Verstehen von oft Unverständlichem der anderen Kultur. Es geht um die Erfahrungen, die alle Beteiligten dabei machen, wenn etwas Praktisches, Konkretes wie die Bäckerei realisiert werden soll; um die eigenen an erster Stelle, aber auch um die mit anderen daran Beteiligten, und das nicht nur aus dem anderen Kulturkreis, sondern auch aus dem eigenen. Schon schnell hatten wir die Erfahrung gemacht, dass auch die Menschen aus dem eigenen Umfeld Seiten zeigen, die man nicht von ihnen erwartet hätte, im Guten wie im Schlechten. Christof sagt: es geht nicht um Hilfe existenzieller Not, es geht nicht um einen abstrakten moralischen oder gar politischen Anspruch; das Verstehen der anderen Menschen und ihrer oft ganz anderen Lebensweise und Ausdrucksform ist heute genauso wichtig wie das Essen, sonst ist man zwar satt, schlägt sich aber den Schädel ein – deshalb ist auch das Brot – gerade wegen seines allgemeinmenschlichen Symbolwerts – letztlich nur Mittel zum Zweck des Dialogs.
02.05 2004Hapo und Moni Steffen Kleves, Johannes und Christof treffen sich und besprechen, was man als Werbung und zum Spendensammeln tun könnte.
01.05 2004Ein reitender Bote von Sabine, der Fotograf Guido Rottmann, erscheint auf einem fetten Moped bei Christof und bringt einen dicken Umschlag:
Die Formulare für den Visumsantrag, Erläuterungstexte, die Sabine aus dem internet gesaugt hat, ein Brief mit Fragen und Vorschlägen, viele Zettel mit Erklärungen. Wer übernimmt die »Verpflichtungserklärung«, das heisst, die gesamte Verantwortung für Fafas Aufenthalt, vor allem finanziell? Das bedeutet: wenn etwas passiert, das Kosten macht, muss der jenige, der diese Erklärung unterschrieben hat, sie übernehmen; wenn der eingeladene Gast nicht zurückkehrt und von der Polizei zurückgebracht wird, müssen die Kosten dafür übernommen werden, was in die tausende gehen kann. Wo wohnt sie? Wichtig ist eine reguläre, geordnete Familie, nicht nur, damit Fafa die Lebensweise unserer Kultur kennen lernen kann, sondern auch, damit ihre Familie in Bamako auch sicher sein kann, dass dem Mädel in der Fremde nichts geschieht. Wer übernimmt – und organisiert erstmal – die Krankenversicherung, ohne die kein Visum ausgestellt wird?
Die Dimension des Unterfangens wird langsam klar, aber durch Sabines Professionalität nicht unüberwindbar.
30.04 2004Sabine Zimpel und Christof treffen sich, um die Visumsfrage für Fafa zu besprechen. Sabine ist die Mitarbeiterin von Dr. Ludger Volmer, außenpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion. Sie sagt politische Unterstützung zu – es ist klar, dass es nicht einfach werden wird. Die beiden diskutieren, ob es politisch und moralisch gerechtfertigt ist, ein Projekt zu machen, in dem nicht Menschen in allergrösster Not geholfen wird, sondern “nur” Arbeitsplätze geschaffen werden. Christof sagt: es geht nicht um Hilfe, die die einen grosszügigerweise den anderen gewähren, sondern um Austausch, der beiden Seiten hilft, bei dem wir auch etwas lernen können. Sabine sagt: Es ist ein Geschenk – wie ein Strauss Blumen.
28.04 2004
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Erstes Treffen bei der Hutzel-Bäckerei: Bernd Kreienbaum, Frank Althaus, Johannes und Christof sondieren, was überhaupt los ist. Auf welche Schwerpunkte wird sich Fafas geplante Crash-Ausbildung richten(im Grunde soll sie in drei Monaten das lernen, wozu man normalerweise drei Jahre braucht, und das auch noch mit Sprachproblemen)?, wie sieht es mit der Finanzierung aus?, wo wird Fafa wohnen?, wie sieht die Lage in Bamako aus?, wie gross soll der dortige Betrieb werden?, muss ein Ausgleich für Kai finanziert werden, wenn er nach Bamako geht?, wie kann man gebrauchte Öfen finden, Mühlen und Knetmaschinen? – und vieles mehr.
- Fafa soll zwar auch in die Geheimnisse der Bochumer Backkunst, schwerpunktmässig aber vor allem in die Geschäftsführung eingeführt werden, da sie Marketing studiert hat und ihr Bruder Allassane Rechtsanwalt ist und die bürokratischen Fragen beantworten kann.
- Visumsantrag übernimmt Christof.
- Wohnungsfrage noch ein Problem, da in der Familie, bei der sie wohnen sollte, die Mutter krank wurde. In der Hutzel-Männer-WG wäre zwar ein Platz frei, das wäre aber Fafas Familie in Bamako gegenüber nicht vertretbar, weil die das ganze Unterfangen sowieso schon mit gemischten Gefühlen betrachtet, und als korrekt islamische Familie ein Zusammenleben mit fremden Männern nicht dulden kann. Gerade angesichts der unaggressiven und toleranten Lebensform in Mali, wie Christof sie erfahren hat, eine Bedingung, die respektiert werden muss. Deshalb kann Fafa auch nicht bei Christof wohnen. Bei Johannes ist kein Platz – ein eigenes Zimmer sollte sie schon haben. Aber es gibt eine Hutzel-Kundin, die eine islamisch-deutsche Familie kennt, bei der Fafa vielleicht unterkommen könnte – vielleicht wäre das überhaupt die ideale Lösung!
- Flug wird vorfinanziert, damit es losgehen kann, man vertraut darauf, dass schon genug Spenden zurückkommen.
- Wenn Kai nach Bamako geht, wird das Hutzel-intern irgendwie geregelt, es muss kein Ersatz eingestellt und bezahlt werden.
- Die Gesamtkosten wären am kleinsten, wenn man in Bochum und Umgebung einen Ofen und eine Mühle auftreiben könnte und sie in Christofs Möbel-Container für sein in Bamako gemietetes Haus zu packen. Vielleicht spendet ja jemand einen Ofen aus einer Bäckerei, die geschlossen hat.
- Die Korn- bzw. Mehlfrage ist elementar – Fafa muss recherchieren, was in Mali vorhanden ist.Die Vier beschliessen, das jetzt anzugehen und sind gespannt auf die Erfahrungen, die sie damit machen werden.
27.04 2004Hapo und Moni Steffen Kleves, Inhaber einer Werbeagentur, erklären sich bereit, kostenlos ein Informationsblatt zu erstellen.
22.04 2004Fafa bestätigt ihre Bereitschaft, zu kommen.
16.04 2004Johannes und Christof beschliessen, nicht zu warten, bis das ganze Projekt finanziell abgesichert ist, sondern Fafa sofort einzuladen, um mit dem wichtigsten des Ganzen, dem Dialog, sofort beginnen zu können. Das Projekt soll durch und mit seinen praktischen Erfahrungen wachsen.
07.04 2004Christof fliegt nach Bochum.
31.03 2004Es sind 52.11€ auf dem Konto.
30.03 2004Sabine Zimpel, Vorstand Bündnis 90/Die Grünen im Ruhrgebiet, liest den Artikel im TIP Ruhrgebiet und bietet spontan ihre Mitarbeit an – politisch und praktisch z.B. in Visumsfragen.
27.03 2004Christof träumt: Gleich um die Ecke von seinem Haus in Bamako erscheint überraschend ein alter Mann mit einem riesigen Leiterwagen, dessen eine Hälfte mit dem üblichen weissen Baguette-Brot beladen ist – die andere Seite – es ist nicht zu glauben, aber wahr! – mit frischem, dunklem Pfister-Brot aus München! Und das ist sogar schon aufgeschnitten, weswegen C. ganz aufgeregt fragt, ob das Brot in der Hitze nicht trocknet, der Alte aber nur den Kopf schüttelt und erklärt, dass es so schnell verkauft ist, dass nichts vertrocknet, worauf Christof frohlockt, dass dann die geplante Bäckerei ja tatsächlich auch gute Chancen hat …
10.03 2004Bei einem Gespräch mit einer Kundin, Frau Kunstmann, erzählt Johannes über die Schwierigkeit eine Gemeinnützigkeitserklärung aus Bamako zu bekommen, die nötig ist, um Spendenquittungen auszustellen. Er wird jetzt ein privates Unterkonto als Treuhandkonto einrichten. Hierzu muss eine weitere Person eine Kontovollmacht unterschreiben- denn wenn Johannes etwas zustößt, käme keiner mehr an das Geld. Sofort erklärt sich Frau Kunstmann bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.
Bei einem anderen Kundengespräch bietet sich Frau Jander an zu dolmetschen. Sie hat lange in Frankreich gelebt. (Die Umgangssprache in Mali ist französisch).
So bieten sich immer mehr Menschen an, die das Projekt unterstützen wollen- ein gutes Gefühl!
01.03 2004TIP Ruhrgebiet erscheint mit Christofs Artikel “Der Traum vom Brot”.
29.02 2004
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Das Realitätsprinzip ist eingebrochen, und Christof antwortet so gut es geht auf die vielen Fragen; ausserdem berichtet er von einer ersten ernsthaften Interessentin für das Praktikum; Fatoumata Diop (Fafa) hat Marketing studiert, aber nur einen Job in einer Apotheke, ist also offen für einen solchen Versuch.
28.02 2004Johannes hat mit Herrn Burkhart von der GLS-Bank gesprochen, viele neue Fragen: Ist eine Gemeinnützigkeitserklärung aus Bamako zu bekommen (für Spendenquittungen nötig)? Vertrauenswürdigkeit? Nachhaltigkeit? Klappt das überhaupt? Finanzierungsrahmen? Wie ist sichergestellt, dass sich niemand bereichern kann oder das Projekt anderweitig missbraucht?
24.02 2004Christof sendet den Text „Der Traum vom Brot“ an die Zeitschrift “TIP”. Frage an Johannes, ob er ein Spendenkonto eröffnen kann. Gespräche mit einem ersten Interessenten für das Praktikum in Bochum.
22.02 2004Johannes gibt seine Zustimmung zu dem Text vom Brottraum und legt ihn schon in seinem Laden aus.
19.02 2004Christof ist von den letzten Nachrichten von Johannes so begeistert, dass er in einem Rutsch den Artikel “Der Traum vom Brot” schreibt und Johannes schickt.
18.02 2004Johannes berichtet, dass er sich durch Gespräche mit Kunden bestätigt fühlt, und die Idee sehr schnell Verbreitung findet.
Ausserdem von zwei Gesprächen mit Frank Althaus von der Hutzel-Bäckerei; Hutzel könnte sich vorstellen, jemanden aus Bamako drei Monate auszubilden und vielleicht sogar unterzubringen. Ein Hutzel-Bäcker zeigt Interesse im Austausch nach Bamako zu gehen.
Des weiteren bietet die Zeitschrift TIP-Ruhrgebiet an, eine Seite für die Präsentation des Projekts zur Verfügung zu stellen.
10.02 2004Christof berichtet von positiver Aufnahme der Idee in Bamako, vor allem unter dem Aspekt des (kulturellen) Austauschs. Er will Interessierte suchen.
07.02 2004Christof fliegt nach Bamako.In den folgenden Tagen:
Johannes erzählt seinen Freunden, Bekannten und Kunden von der Idee, Christof berichtet in Bamako; die beiden kommunizieren per mail.
06.02 200413 Uhr 30 bis 13 Uhr 40: Fortführung des Gesprächs im Laden, zwischen Tür und Angel:
Man könnte jemanden aus Bamako einladen, damit er sich hier bei einer Bäckerei informiert, wie so etwas geht, und dann könnte ein Bäcker aus Bochum vielleicht eine Zeitlang Bamako besuchen, um den Leuten dort die Bochumer Variante des Knetens und Backens nahe zu bringen.
Die beiden kommen ins Schwärmen: Dann könnte man sich praktisch, konkret mit Leuten unterhalten, die aus einem völlig anderen Kulturkreis kommen – und nicht aus einem abstrakten Verständigungsanspruch heraus. Dann gäbe es hin und her Besuche, Austausch, Freundschaften, Geschichten passierten, die sich keiner vorher ausdenken kann, neue Gesichtspunkte öffneten sich, neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Dann könnte man diesen vor allem von den Politikern so grossartig apostrophierten „Dialog der Kulturen“ endlich mal tatsächlich führen, anfangen damit, ausleben.
04.02 2004
Bilder
19 Uhr bis 20 Uhr 30: Johannes Artmann und Christof Wackernagel leeren zusammen eine Flasche Rotwein und erzählen sich dabei Geschichten aus ihrem Leben. Christof beklagt sich, dass es in Bamako, wo er hauptsächlich lebt, nur Weissbrot gebe, was auf Dauer unerträglich sei, und worunter auch viele andere der dortigen Ausländer litten. Johannes, seines Zeichens Inhaber eines Naturkostladens und so mitfühlend wie praktisch veranlagter Mensch, phantasiert dazu ohne viel Federlesens eine Vollkorn-Bäckerei in Mali herbei: es würden viele Arbeitsplätze geschaffen und ein Markt sei offenbar auch da.
(Und Christof und die anderen Ausländer hätten ihr Vollkornbrot – vielleicht kämen ja auch die Einheimischen auf den Geschmack.)