Streuobstwiesen-Apfelsaft aus der Region Bochum / Ennepe-Ruhr-Kreis

(Aus: Mieterverein Bochum, Hattingen und Umgegend e.V., Erschienen: 26.07.2005)

“Apfelsäfte aus dem Tetra-Pack kommen aus Obstplantagen mit kleinwüchsigen, leicht abzuerntenden “Bäumen” in regelrechten Monokulturen. Die ursprüngliche Form des Obstanbaus ist dagegen die Streuobstwiese. Dort wachsen hochstämmige Bäume unterschiedlichen Alters und verschiedener Arten mit großen Kronen.

Diese traditionellen Obstwiesen und -weiden bieten vielfältige Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Sie prägen und bereichern mancherorts noch heute das Bild unserer Kulturlandschaft. Außerdem steckt in ihnen ein kostbares Kulturgut in Form der alten Sorten, die heute fast in Vergessenheit geraten sind.

Doch der Bestand an Obstwiesen geht seit Jahrzehnten zurück. Die Hauptursachen sind mangelndes Interesse wegen fehlender Wirtschaftlichkeit und die Zerstörung vieler Flächen durch zunehmende Bebauung – soweit, daß Streuobstwiesen heute zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas gehören.

Die heute allgemein gezahlten Preise für Fall- und Schüttelobst sind zu niedrig, um den Arbeitsaufwand angemessen zu entlohnen. Dies trug dazu bei, daß viele Eigentümer das Interesse verloren, sich Arbeit mit dem Obst zu machen. Oft fehlt es auch schlichtweg an der Zeit. Mit dem schwindenden Verwertungsinteresse ging auch die Bereitschaft zur Pflege der Bäume zurück. Gleichzeitig wurden in den letzten 40 Jahren kaum hochstämmige Obstbäume nachgepflanzt. Viele Bestände wurden daher regelrecht vernachlässigt. Dementsprechend gibt es heute leider nur noch wenige Menschen, die sich mit der Pflege der Bäume auskennen. Dabei können Obstbäume nur bei regelmäßigem Schnitt richtig alt werden und gute Erträge erbringen.

Mit dem Projekt Streuobstwiesen-Apfelsaft, getragen in privater Initiative in Kooperation mit dem BUND – Kreisgruppe Bochum, soll wieder ein kleiner wirtschaftlicher Anreiz gegeben werden, indem die Äpfel aus Streuobstanbau zu einem deutlich höheren Preis als marktüblich angekauft und zu Streuobstwiesen-Apfelsaft verarbeitet werden.

Der Streuobstwiesen-Apfelsaft gilt nicht nur als ein schmackhafter und gesunder Saft, sondern er fördert auch den Naturschutz: Er trägt zur Erhaltung von Obstwiesen mit ihren hochstämmigen Obstbäumen als Teil unserer Kulturlandschaft bei, fördert ihre Neuanlage, schützt hierdurch wertvolle Lebensräume für Vögel, Käfer, Schmetterlinge, Kleinsäuger u.a., erhält alte, bewährte Obstsorten und fördert umweltverträgliche Wirtschaftsweisen in der Region.

Das Streuobstwiesenprojekt wurde im März 2005 durch die Kampagne futureins der Verbraucherzentrale NRW symbolisch mit der futureins-NachhaltigkeitsEINS ausgezeichnet. Übergeben wurde der Preis bei “Naturkost Artmann” in Bochum-Langendreer. Im Rahmen ihrer Kampagne futureins setzt sich die Verbraucherzentrale NRW für eine nachhaltige Entwicklung auf Anbieter- und Verbraucherseite ein.”